7
Biologische Psychologie (Fach) / Stress (Lektion)
- Welche 3 Komponenten beinhaltet „Stress”, und aus welchen drei Faktoren setzt sich das Phänomen Stress zusammen? Der Prozess Stress beinhaltet drei Komponenten: --> eine Interaktion des Individuums mit seinem Reizumfeld, welche durch einen Anforderungscharakter gekennzeichnet ist --> Bewältigungsversuche im Umgang mit dieser Situation --> eine Auslenkung aus der optimalen Balance körperlicher und psychischer Funktionen als Ergebnis (= Stressreaktion) Das Phänomen Stress setzt sich somit zusammen aus: •einem Stimulus, dem Stressor •einem Element subjektiven Erlebens im Sinne eines Bewältigungsversuchs inklusive des begleitenden affektiven Zustands •einer Stressreaktion
- Beschreiben Sie, wie die akute Stressreaktion abläuft. Die Stressreaktion wird subjektiv meistens als eine unangenehme Befindlichkeitsveränderung wahrgenommen. Die akute Stressreaktion ist evolutionär eine sinnvolle Reaktion. Sie ist eine adaptive Reaktion auf unmittelbare Bedrohungen und Herausforderungen des Organismus. Die Stressreaktion wird daher auch als „fight-flight”Reaktion beschrieben, es geht darum, entweder zu kämpfen oder vor der Bedrohung fliehen zu können. In der modernen Stressforschung geht man davon aus, dass jede Art von Belastung, die den Organismus zu einer Anpassungsleistung zwingt, eine Stressreaktion auslöst. Psychologisch und physiologisch äußert sich die akute Stressreaktion bei verschiedenen Arten in vergleichbaren Verhaltensmustern und beinhaltet schnell und automatisiert ablaufende Elemente inklusive entsprechender Emotionen. Psychologisch werden z.B. Angst, Aggression beobachtet und die diesen Emotionen entsprechenden Verhaltensmuster (z.B. Freezing, Angriffsverhalten). Findet eine Stressreaktion statt, treten Nahrungsaufnahme und Reproduktion in den Hintergrund. Physiologisch wird die Stressreaktion durch zwei Stressreaktions-Achsen gesteuert: das sympathischen Nervensystem und die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse (HHNA). Der Hypothalamus im Zwischenhirn ist der Ausgangspunkt für beide Achsen. Er reguliert den Ablauf der Stressreaktion. Das sympathische Nervensystem ist zuständig für die physiologische Aktivierung im Rahmen der schnellen „fight-flight”-Reaktion. Sympathische Erregung bereitet den Organismus auf diese Kampf-Flucht-Reaktion vor (z.B. Effekte = Leistungssteigerung des Herzens, eine Erweiterung der Bronchien, eine Verbesserung der Durchblutung der Skelettmuskulatur). Dies geschieht über die beiden Haupthormone Adrenalin und Noradrenalin, welche aus dem Nebennierenmark in den Blutkreislauf ausgeschüttet werden. Auch im Gehirn wirkt Noradrenalin als Neurotransmitter und führt dort in spezifischen Hirnregionen (z.B. Amygdala, Hirnstammareale, Frontalkortex) zu Stresseffekten, z.B. Angstreaktion. Die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse (HHNA) wirkt langsamer und lang anhaltender. Wird der Organismus mit einem Stressor konfrontiert, so aktiviert der Hypothalamus über die Sezernierung von CRH (Kortikotropin-Releasing-Hormon) die Hypophyse. Sie ist das hormonelle Ausführungsorgan des Hypothalamus. Die Hypophyse schüttet sodann ACTH (adrenokortikotropes Hormon) in die Blutbahn aus. Dieses erreicht sodann Rezeptoren der Nebennierenrinde, wo Cortisol in die Blutbahn abgegeben wird. Auf allen Ebenen dieses Informationswegs gibt es negative Rückkoppelungsschleifen. Cortisol bewirkt z.B. Energiebereitstellung (Glukoneogenese in der Leber: Bereitstellung von Zucker), Suppression von Immunfunktionen (u.a. Entzündungshemmung).
- Wer war Hans Seyle und welche Entdeckung hat er gemacht ? Hans Selye ist der Begründer der modernen Stressforschung und benannte das Syndrom stressbedingter körperlicher Veränderungen als „generalisierte Anpassungsreaktion” (GAS). In tierexperimentellen Stressuntersuchungen zeigte er bei Labortieren, dass viele unterschiedliche Stressoren auf Dauer (Giftstoffe, Verletzungen, ungünstige Umweltbedingungen, soziale Belastungen) zu ausgeprägten körperlichen Veränderungen führten. Die Hauptsymptome waren: Vergrößerung der Nebennierenrinde, Magengeschwüre bis hin zum Tod der Tiere. Seine Ergebnisse übertrug Selye auf den Menschen. Hans Selyes Forschung trug wissenschaftlich zur Erkenntnis bei, dass psychische Belastungen und körperliche Krankheiten eng zusammenhängen.
- Was besagt die „Theorie der erlernten Hilflosigkeit”? Welche Forscherpersönlichkeit hat diese Theorie entwickelt, und auf welchen Beobachtungen ist sie begründet? In der „Theorie der erlernten Hilflosigkeit” wurden tierexperimentelle Beobachtungen genutzt, um zu zeigen, wie Kontrollverlust zu wesentlichen Symptomen von Depression führt. Diese Theorie hat der US-amerikanischen Psychologen Martin Seligman entwickelt. Seligman beobachtete in Konditonierungs-Experimenten mit Hunden, dass sie, werden sie einem aversiven Reiz (Elektroschock) ausgesetzt, unterschiedliches Verhalten in Abhängigkeit davon zeigten, ob die Tiere den Reiz beeinflussen konnten (nicht hilflos) oder nicht (hilflos). Wurden die Hunde vor dem Auftreten des aversiven Reizes durch ein akustisches Signal gewarnt und konnten sie durch diese Vorwarnung in einen anderen Käfigbereich springen, entwickelte sich ihr Verhalten normal. Traten Warnsignal und aversiver Reiz aber unsystematisch ohne Vorwarnung auf, so kam es bei den Hunden zu passivem Verhallen: Zusammenkauern, sie wichen dem Elektroschock nicht mehr aus, und sie wurden teilnahms- und antriebslos. Dieses Verhalten ähnelt einer Depression beim Menschen. Nach der Theorie der erlernten Hilflosigkeit kann sich eine Depression durch das Erleben von Hilflosigkeit und Kontrollverlust entwickeln. Dieses Wissen ist heute Bestandteil der verhaltenstherapeutischen Behandlung von Depression.
- Beschreiben Sie die Funktionsweise der HHNA-Achse. Welche Bedeutung hat sie bei der Entstehung von körperlichen und psychischen Erkrankungen durch Stress? Die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse (HHNA) entfaltet ihre Wirkung eher langsamer und lang anhaltender. Es herrscht ein negativer Feedback-Kreislauf, der dieses System optimal reguliert. Bei Stresskonfrontation aktiviert der Hypothalamus über die Sezernierung von CRH (Kortikotropin-Releasing-Hormon) die Hypophyse. Sie ist das hormonelle Ausführungsorgan des Hypothalamus. Die Hypophyse schüttet sodann ACTH (adrenokortikotropes Hormon) in die Blutbahn aus. Dieses erreicht sodann Rezeptoren der Nebennierenrinde, wo Glukokortikoide, v.a. Cortisol, in die Blutbahn freigegeben werden. Auf allen Ebenen dieses Informationswegs gibt es negative Rückkoppelungsschleifen, so dass ein Zuviel an Cortisol im Sinne einer negativen Feedback-Regulation zu einer Herunterregulation auf allen Regulationseben führen kann. Durch chronischen Stress kann die HHNA-Achse „verstellt” werden, sodass der negative Steuerkreis nicht mehr adäquat funktioniert. Dies findet man etwa bei dem Krankheitsbild der Depression. Chronischer Stress führt zu einem erhöhten Cortisolspiegel. Effekte sind: Abbau von Muskelgewebe, Wachstumshemmung, Bluthochdruck, Unfruchtbarkeit, Hemmung von Immunreaktionen, Hemmung von Entzündungsreaktionen, Diabetes. Im Gehirn kann es durch chronischen Stress zu schädlichen Wirkungen kommen: Schädigungen des Hippocampus wurden im Tierversuch und beim Menschen gefunden, z.B. bei posttraumatischer Belastungsstörung. Hier wurden Gedächtnisstörungen sowie Zelluntergang des Hippocampus nachgewiesen. Über die Beeinflussung von Immunfunktionen (Suppression des Immunsystems) durch chronisch erhöhtes Cortisol können auch weitere Gehirnfunktionen negativ beeinflusst werden. Beispiel: Multiple Sklerose. Hier spielen durch immunologische Prozesse vermittelte entzündliche Prozesse der Markscheide eine wichtige Rolle.
- Was versteht man unter dem „MHC = Major Histocompatibility Complex”? MHC = Major Histocompatibility Complex sind Proteine, welche auf der Oberfläche jeder Zelle sitzen. Dadurch kann das unspezifische Immunsystem erkennen, welche Zellen bekämpft werden müssen (fremd sind) und welche nicht (nicht fremd sind, d.h. zum eigenen Körper gehören). Der MHC ist die Ursache dafür, dass nach Organtransplantationen Organe abgestoßen werden.
- Erklären Sie, welche Rolle Stress bei der Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen spielt und beschreiben Sie die physiologischen Grundlagen. Herz-Kreislauf-Erkrankungen gehören zu den häufigsten Volkskrankheiten. Stressbelastungen können sich langfristig sehr negativ auf kardiovaskuläre Funktionen auswirken. Akute Stressbelastung führt zu: Anstieg des Blutdrucks, der Herzfrequenz sowie zu einer erhöhten Blutgerinnung. Dies wird reguliert über die Erhöhung der Aktivität des Sympathikus. Des Weiteren geschieht ein Anstieg von Adrenalin und Noradrenalin und von Cortisol im Blutstrom über die HHNAAchse. Diese Veränderungen spielen bei der Entstehung der Arteriosklerose (Ablagerung in den Blutgefäßen) und Entzündungen der Gefäßwände eine Rolle; diese sind Grundlage der koronaren Herzerkrankung (KHK), diese kann in einem Herzinfarkt münden. Auch lang anhaltende chronische psychische Belastungen (z.B. durch Depression, Neigung zu Ärgerreaktionen, Feindseligkeit, Angststörungen) befördern Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Viele Patienten mit einer KHK haben auch eine Depression. Sie haben ein erhöhtes Risiko, an einem Herzinfarkt zu versterben. Vor allem „Feindseligkeit” und „Ärger” tragen zu einer negativen Prognose der koronaren Herzerkrankung bei. Bei der Entstehung von Bluthochdruck („essenzielle Hypertonie”) ist Stress ebenso bedeutsam. Mechanismen hierbei sind: immer wiederkehrende Blutdruckanstiege durch Stress (vermittelt durch sympathische Effekte und die Aktivität der HHNA), diese werden auf lange Sicht chronisch. Auch negative Affektivität, Depressivität, Angst und Anspannung tragen zum Bluthochdruck bei. Vor allem Adrenalin und Noradrenalin werden hierbei als relevant erachtet.
Anzeige