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Psychophysik (Fach) / Rasch (Lektion)
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- Die Koordination der Einzelreize ∙ vermindert Mehrdeutigkeiten, behebt Defizite eines Kanals∙ kann aber zu Konflikten führen∙ und sogar zu Täuschungen
- Flasheffekt Pbn sehen einen Lichtblitz.Wird dieser von mehreren sehr kurzen akustischen Signalen begleitet, sehendie Pbn auch mehrere Blitze.(Umgekehrt funktioniert das nicht).
- CharpentierTäuschung (GrößenGewichtsTäuschung) Das Gewicht erscheint uns schwerer als die Mappe, obwohl beide 1kg wiegen.Der visuelle Eindruck beeinflusst den Gewichtseindruck.Rechts: großes Objekt, dennoch nicht viel schwerer, offenbar geringeres spezifischesGewicht (Masse/Volumen), daher „leichtes“ Material ...
- Audiovisuelle Integration Objektlokalisation: Ortung eines schallerzeugenden Objektesgeschieht sowohl visuell wie auditiv. Hierbei besteht einegewisse Toleranz (und Adaptation), wenn die Ortung divergiert.In diesem Fall wird die visuelle Ortung dominant:VisualCaptureEffect.Bsp.: surroundKino, wo die „Phantomschallquellen“ nicht immer mit denEreignissen auf der Leinwand übereinstimmen.Synchronizität: Reize werden ab ca. 60ms Versatz als asynchronidentifiziert.Vorauseilende auditive Reize werden dabei wesentlich wenigertoleriert, als wenn der auditive Reiz dem visuellen folgt.
- bindingproblem: Welche Informationen gehören zusammen? Drei Thesen: ∙ Informationen, die vom selben Ort stammen(reine Lokalisation)∙ Informationen, die zum selben Objekt gehören(erfordert bereits konzeptuelle Zuordnung des Objekts)∙ Informationen, die zum selben ProtoObjekt gehören(also bevor dieses konzeptuell zugeordnet wird – es genügtsozusagen „Figur vor Grund“)
- Selbstwahrnehmung Propriozeption (Tiefensensibilität): Wahrnehmung der eigenen∙ Haltung∙ Bewegung∙ Lagemittels Rezeptoren für Druck und Verformung in∙ Muskeln∙ Sehnen∙ weniger auch in den Gelenkenzuzüglich des vestibulären Systems (Gleichgewichtssinn) ...▸ kinästhetische WahrnehmungWeitgehend unbewusst und hochintegriert mit allen Kanälen. Zur Ergänzung: Vestibuläres SystemMechanischer Gleichgewichtssinn:misst die Linear und Winkelbeschleunigung des Kopfes
- Teilweise Desintegration von Modalitäten Beispiel GummihandIllusion (Botvinick & Cohen, 1998)
- Integration aller Modalitäten ... in bewegten Szenarien Beteiligt sind (mindestens):∙ audiovisuelle Objekt und Selbstlokalisation∙ optisches Fließen (bei Vorwärts und Rückwärtsbewegung)∙ Okulomotorik (muss pro Fixation kompensiert werden)∙ Kinästhetik (Kongruenz von Proprio und Exterozeption)∙ ggf. haptische WahrnehmungDesintegration führt zu Schwindel, evtl. zum Sturz. Klassisches Paradigma Lee & Aronson (1974):the swinging roomDerzeit wieder bedeutsam für die Entwicklungvon VRSzenarien.hier: Testumgebung mit projizierten„Bewegungen“ der Tunnelwand:vorwärts, rückwärts, schaukelnd(Greffou et al., 2008)„bodytransfer paradigm“: Ersatz des eigenenKörpers durch virtuelle Körper. Hierfürmüssen Modalitäten teilweise desintegriertwerden.
- Synästhesie Kopplung von Sinneseindrücken zweier Modalitäten, wobei einEindruck den anderen unwillkürlich auslöst.∙ neurologisch bedingt und angeboren∙ sehr selten (0.05%)*∙ nicht erlernbar, aber durch Drogen induzierbar∙ unwillkürlicher „Sinneseindruck“, jedoch weder als echteHalluzination noch als bloße Assoziation∙ meist als Farbeindruck bei Klängen, aber auch andere Auslöserund ZielModalitäten∙ Zuordnungen sind individuell, dabei lebenslang stabil∙ oft bei künstlerisch tätigen Personen zu finden
- Synästhesie als Kontinuum – auch bei „normaler“ Wahrnehmung bei Metzger: sekundäre GestalteigenschaftenBsp. linguistischer Indikatoren:∙ Farbton, Klangfarbe∙ metaphorische(?) Verwendung von v.a. Adjektiven:heller Glockenton, raue Stimme, weiches Licht, scharfe ...(praktisch anwendbar auf alle Modalitäten)∙ Onomatopoesie (Lautmalerei): klirren, rascheln, summen, spitz
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- ∙ SequenceSpace Synesthesia: recht häufig (10%), Assoziationvon Ziffern, B
- SNARCeffect SNARCeffect (Dehaene, 1993):spatialnumerical association of responsecodes„mentaler Zahlenstrahl“unbewusste Zuordnung von kleinen Ziffernzur linken, von großen zur rechten Hand-> messbar kürzere Reaktionszeit beiErkennungsaufgabe, wenn Ziffer und Handkorrespondieren
- StroopEffekt Schwierigkeiten Farbeund Wörter bei gleichzeitiger nicht sinnhaftiger Repräsentation
- Definition Aufmerksamkeit ... bezeichnet die Fähigkeit, relevante Informationen zuselektieren (d.h. irrelevante zu ignorieren), um diese zurGrundlage von Denken und Handeln zu machen.Als Kernfunktion der Aufmerksamkeit* gilt die Selektion: wahrgenommene Informationen -> weiterverarbeite Informationen
- Vigilanz Daueraufmerksamkeit, Reaktionsbereitschaft
- Dichotisches Hören: shadowing task (Cherry, 1953) Zwei verschiedene Texte zeitgleich, einer links, einer rechts im Kopfhörer.Ein Text soll „beschattet“, also in Echtzeit nachgesprochen werden.(Übrigens zeigte sich hier erstmals das bekannte CocktailPartyPhänomen:Der eigene Name wird auch im unbeschatteten Kanal entdeckt.
- Splitspan Paradigm (Broadbent, 1954): Darbietung von Zahlenpaaren, z.B. 27, 69, 15.Eine Ziffer jeweils im linken Kanal, die andere rechts.Aufgabe: Vollständige Wiedergabe aller Ziffern.Ergebnis: die Wiedergabe erfolgt bevorzugt nach Ohr (261, 795),nicht jedoch nach Darbietungspaaren (27, 69, 15).Schlussfolgerung:∙ Selektion beruht auf physikalischen Reizmerkmalen.∙ Von der nichtbeachteten Nachricht werden gerade noch diephysikalischen Merkmale verarbeitet,∙ folglich werden irrelevante Nachrichten bereits vor ihrervollständigen Verarbeitung geblockt.
- Theorie früher Filterung (Broadbent, 1958) -> Rezeptor -> Sensorische Kurzzetspeicherung (UKZ) -> Selektion-Filter <-langfristige Speicherung verganger Ereinisse -> Kanal beschränkter Kapazität (KZG) -> sensorische Kurzzeitspeicherung (UZG) ->langfristige SPeicherung (LZG) -> Responsselektion ->Effektoren
- Abschwächungstheorie (Treisman, 1960) Methode: wiederum dichotisches Hören.Auf dem zu beschattenden Kanal läuft ein sinnvoller Text, der zunehmendabsurd wird. Im anderen Kanal läuft zunächst sinnloses Zeug, daszunehmend an Semantik gewinnt.Ergebnis: Es wird (entgegen der Instruktion) überwiegend der Kanalbeschattet, der sinnvolle Informationen liefert.Schlussfolgerung:∙ Filterung erfolgt topdown (konzeptuell) und graduell.
- Theorie der späten Selektion (Deutsch & Deutsch, 1963) Eher eine These: Die Filterung erfolgt rein semantisch, topdowngesteuert und zwar im Dienste effektiver Handlungskontrolle.∙ Die Aufmerksamkeit richtet sich stets auf Informationen, die fürdie aktuelle Aufgabe relevant sind.∙ Physikalische Merkmale können lediglich helfen, die relevantenInformationen zu isolieren.Vgl. auch „selection for action“ – in einigen Modellen (Allport, 1987) liegtder Schwerpunkt komplett auf der Funktion der Aufmerksamkeit für dieHandlung; dabei spielen weder physikalische Merkmale noch Ressourcen(s.u.) eine Rolle.
- „capacity-model ∙ Es gibt nur begrenzte kognitive Ressourcen/Energie.∙ Diese werden flexibel auf konkurrierende Aufgaben verteilt.∙ Die Verteilung erfolgt im Dienste effizienterHandlungskontrolle.∙ Die Handlungssteuerung bestimmt, welche Informationengefiltert und wie intensiv sie verarbeitet werden.
- capacity-model Kahneman Arousal -> availble Capacity -> alloction Policy (Arousal, enduring dispositions, momentary intentions, eveluation of demands on capacity) -> possible activities -> response
- ▸ Theorie der multiplen Ressourcen (u.a. Wickens, 1984) Kritik capacity-modelKahneman∙ Es gibt nicht nur eine einheitliche kognitive Ressource.∙ Es ist möglich, mehrere Aufgaben zeitgleich auszuführen,ohne dass diese interferieren. ∙ Nur ähnliche Aufgaben beeinträchtigen sich gegenseitig.∙ Aufgaben, die unterschiedliche kognitive Systemebeanspruchen, können parallel ausgeführt werden.
- working memory (Baddeley, 1984) Was genau sind denn die kognitiven Systeme, die parallelarbeiten können? Solange diese nicht bekannt sind, folgertman sie im Zirkelschluss aus den dualtasks.∙ Gibt es eine zentrale Koordination der kognitiven Prozesse? zentrale Exekutive -> visuelle Notizblock (visuelle Semantik) -> episodischer buffer (Episodisches LTM) - phonologische Schleife (Sprache)
- SAS: Supervisory attentional system (Norman & Shallice, 1980) Baddeley zog dieses Modell gern heran,um die Wirkunsgweise der ZentralenExekutive zu beschreiben. perception sestem -> trigger data base -> schema control unit (supervisory attentional system, contention scheduling) -> effector system
- Ortsbasierte Aufmerksamkeit beruht auf der Lokalisation vonStimuli. Die Aufmerksamkeit richtet sich stets auf einen Ort. Ortsbasierte Aufmerksamkeit wird durch cues (Hinweisreize)gesteuert.
- Objektbasierte Aufmerksamkeit setzt bereits die Erkennung vonObjekten voraus. Die Aufmerksamkeit richtet sich stets aufrelevante Objekte und ihre Merkmale, nicht auf Orte.
- exogene cues heben einen Stimulus am Ort hervor(z.B. Aufleuchten)▸ automatische ReaktionHallo! Ich bins!Hier passiert was!
- endogene cues sind symbolisch und werden semantischausgewertet (z.B. ein Pfeil)▸ kontrollierte ReaktionDa passiert was!Guck da hin!
- PosnerParadigma (1980) Proband soll beimErscheinen des targetsmöglichst schnell eineTaste drücken.Ein valider endogenercue beschleunigt dieReaktion.
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- Scheinwerfermetapher ∙ Die Aufmerksamkeit ist jeweils auf einen Ort gerichtet.∙ Der Zielort kann willentlich (z.B. mittels endogener cues)gewählt werden.∙ Um diesen Ort herum gibt es einen Bereich („Lichtkegel“),in dem exogene cues automatisch verarbeitet werden.∙ Die Reaktion auf einen Stimulus im „vorbereiteten Lichtkegel“ist beschleunigt.∙ Die Unterdrückung der Reaktion erfordert Anstrengung.Beachte: Nachdem die Aufmerksamkeit an einen Ort gelenkt wurde, hält dieBeschleunigung nur kurz an (SOA ~200ms ). Nach diesem Zeitintervall kehrtsich der Effekt sogar um: Erscheint der Stimulus später, kann die Reaktionlangsamer sein („inhibition of return“).SOA = stimulus onset asynchrony
- Scheinwerfermetapher: 3 Mechanismen zur Lenkung der Aufmerksamkeit ∙ Disengage: löst die Aufmerksamkeit vor der Verlagerungvon einem gegebenen Ort bzw. Objekt ab.∙ Move: verlagert die Aufmerksamkeit von einem Ort zu einemanderen.∙ Engage: bindet die Aufmerksamkeit nach der Verlagerung an denneuen Ort bzw. ein dort befindliches Objekt. Alle drei Mechanismen verbrauchen etwas Zeit.
- FlankierreizParadigma, Eriksen & Eriksen (1974) congruent vs incongruent Flankierende Stimuli beeinflussen die RZ.Dabei nimmt die Interferenz mit den flankierenden Reizen mit zunehmenderSOA ab.▸ GummilinsenMetapher: Die Aufmerksamkeit fokussiert sichnicht abrupt, sondern benötigt eine gewisse Zeit dafür.
- Duncan (1984): duale Urteile These: Die Aufmerksamkeit richtet sich nicht auf einen Ort,sondern bindet sich an ein Objekt.Duncan (1984):„Zwei Objekte am selben Ort“: Rechteck und Linie.Pbn sollen entweder• Einzelurteile fällen (ein Merkmal eines Objektsnennen, z.B. Größe des Rechtecks)• oder duale Urteile fällen, die sich entweder∙ nur auf ein Objekt beziehen(z.B. Größe des Rechtecks und Lückenseite)∙ oder sich auf beide Objekte beziehen(z.B. Größe des Rechtecks und die Textur der Linie)Ergebnis:∙ Duale Urteile, die nur ein Objekt betreffen, sind genau so gut wieEinzelurteile zum Objekt.∙ Urteile, die beide Objekte einbeziehen müssen, sind signifikant schlechter.
- Objektbasierte Urteile und Abstand zum Nachbarobjekt Der Vorteil der objektbasierten Urteile bleibt sogar erhalten, wenn die zubeurteilenden Merkmale am Objekt weiter auseinander liegen als derAbstand zum Nachbarobjekt. ► Vergleiche innerhalb eines Objektes gelingenschneller als zwischen zwei Objekten.
- Aufmerksamkeit – Orts und objektbasierte Filterung ... scheinen sich aber zu ergänzen. Für beide Mechanismen gibtes gute Belege, und beide sind auch funktional sinnvoll.
- Aufmerksamkeit in der Kette der Informationsverarbeitung ... lässt sich nicht einem bestimmten Prozess oder einerbestimmten Phase der Verarbeitung zuordnen.Filterung/Selektion geschieht flexibel∙ früh oder spät∙ anhand Ort oder Objekt∙ bottomup (cued) oder topdown (semantisch bzw.handlungsrelevant)∙ automatisch oder willkürlich... und gehört zu den wichtigsten kognitiven Funktionenüberhaupt.