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Psychophysik (Fach) / Rasch (Lektion)
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- Descartes – Neuzeit ∙ LeibSeeleDualismus Einer der einflussreichsten Philosophen der Neuzeit. Sein bekanntester Satz dürfte sein:Cogito ergo sum – ich denke, also bin ich.Mit diesem neuen, rationalistischen Selbstbewusstsein des Menschen bereitet er dasZeitalter der Aufklärung vor.Descartes glaubte noch an die Existenz Gottes und der Seele, trennte letztere allerdingsstrikt vom Materiellen. Die Seele „bewohne“ lediglich einen von Gott geschaffenenMechanismus – den Körper. (Tiere hält Descartes hingegen für reine Apparate, da siekeinen Verstand haben.)Passend zu seinem mechanistischen Menschenbild liegen von ihm zahlreichenaturwissenschaftliche Abhandlungen vor. Einige davon befassen sich mit dermenschlichen Wahrnehmung.
- Psychophysik – 19. Jh. * Aufklärung ist in fast allen Bereichen des Lebens und Denkens„angekommen“zugleich: romantische Gegenbewegung in der Kunst* Beginn wissenschaftlicher Systematik im heutigen Sinne* Industrialisierung* Psychologie etabliert sich als Einzelwissenschaft Ernst Heinrich Weber17951878PhysiologeDer Tastsinn und dasGemeingefühl (1851) Gustav Theodor Fechner18011887Mediziner, Physiker,PhilosophElemente der Psychophysik(1860) Hermann von Helmholtz18211894Physiker und PhysiologeDie Mechanik derGehörknöchelchen und desTrommelfells (1868)Dreifarbentheorie (1852)
- Elementarismus, Assoziationismus * empiristische Tradition: alle Erkenntnis entstammtder Wahrnehmung* Wahrgenommen werden Elemente und derenEigenschaften* Eindruck = Summe aus Einzelempfindungen* Verknüpfung der Elemente als Inferenz(Herstellen neuer Information)* vorherrschend bis ca. 1900(Psychophysik, Wundt, Behaviorismus u.a.)
- Phänomenologie u.a. Franz Brentano, Edmund Husserl„Wir wollen auf die 'Sachen selbst' zurückgehen!“ Um die Wende vom 19. zu, 20. Jh herum wehren sich viele Philosophen (s.o.) gegen dieReduktion, die in der physiklike Psychologie Überhand nimmt. Sie fordern: Um diegeistigen Tätigkeiten des Menschen angemessen zu untersuchen, müssen wir dassubjektive Erleben zum Maß der Dinge machen! Heißt: Zu den Sachen selbst – so wie wirsie tagtäglich erleben.
- Chr. v. Ehrenfels (1890) Die Gestaltqualitäten nach Chr. v. Ehrenfels (1890)1. ÜbersummativitätDas Ganze ist etwas anderes als die Summe der Teile.2. TransponierbarkeitWird das Ganze verändert, vergrößert, verkleinert, verschoben ...wobei die einzelnen Teile im entsprechenden Maße mit verändertwerden, so behält das Ganze seine Gestalt.Beispiel: Eine Melodie Der österr. Philosoph Ehrenfels erfand den Begriff „Gestalt“. Damit meinte er, dass unsereBewusstseinsinhalte immer komplexe Gebilde, Strukturen sind. Kein Element hatBedeutung ohne seinen Kontext, und ohne die Wechselbeziehungen der Elemente entstehtauch kein Ganzes.
- Max Wertheimer Max Wertheimer18801943Philosoph und PsychologeExperimentelle Studien über dasSehen von Bewegung (1912)„PhiPhänomen“ Ein Lichtpunkt scheint auf und verschwindet. Ok. An einer anderen Stelle erscheint einLichtpunkt und verschwindet. Auch gut. Sie sehen zwei Punkte, die ab und zu aufblinken.Toll.Sobald das Aufblinken jedoch so synchronisiert wird, dass ein Punkt sofort erscheint,wenn der andere ausgeht, ändert sich der visuelle Eindruck grundlegend: Sie sehen nuneinen Punkt, der von Ort A nach Ort B springt. Das vereinfacht den Eindruck IhrerWirklichkeit erheblich! Unser Geist bevorzugt immer die einfachste Interpretation derWelt, und die stimmt meistens ...
- Gestaltpsychologie ab ca. 1910: Max Wertheimer, Wolfgang Köhler,Kurt Koffka u.a.: „Berliner Schule“* Kritik an Elementarismus, Assoziationismus undBehaviorismus* „Das Ganze ist verschieden von der Summe seiner Teile.“* „Molare“ Einheiten der geistigen Tätigkeit* Gestaltgesetze der perzeptuellen Organisation Wolfgang Metzger18991979Philosoph und PsychologeGesetze des Sehens (1936)
- James J. Gibson (1950) Ökologischer Ansatz (direct perception)James J. Gibson (1950)* keine „Verarbeitung“, sondern die Information ist inder optischen Anordnung enthalten und wird direktaufgenommen* reines bottomupprocessing* Komponenten:„optic arrays“ (Oberflächen, Texturgradienten)„invariants“ (Strukturmerkmale)„optic flow“ (Veränderungen des arrays)* affordances (Aufforderungen),bereits bei Koffka, 1935: Cues, die zurunmittelbaren Interaktion, Verwendung auffordern
- Kognitive Wende Wahrnehmung als Informationsverarbeitungab ca. 1960, Ulric Neisser, David Marr u.a.* Computermetapher des Geistes* „Das Bild wird nicht angeschaut, sondern verarbeitet“* bottomup und topdown Prozessepräattentive Mechanismen der ObjekterkennungBedeutung durch Schemapassung* vgl. Konstruktivismus (Wahrnehmung alsHypothesentestung)
- Informationsverarbeitung: Computationaler Ansatz * Repräsenation ist stets symbolisch (ab Retina)* Gegenstand der Theorie: Verarbeitung derSymbole bis hin zum „Eindruck“* alle Prozesse sind algorithmisch fassbar* Phasenmode
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- Computationaler Ansatz: Phasenmodell David Marr (1982) Input Image -> primal sketch -> 2 1/2 D Sketch -> 3D Model Representation
- Definition ∙ innere und äußere Psychophysik äußere Psychophysik: Stimulus, Energie, Physik<->Erlebnis, Empfindung, Psychologie .. sucht nach mathematisch beschreibbaren Zusammenhängenzwischen∙ physikalischer Reizstärke/qualitätund∙ erlebter Empfindungsstärke/qualität.Methodischer Zugang mittels Messung der∙ absoluten Wahrnehmungsschwelle∙ Unterschiedsschwelle (just noticable difference) innere Psychophysik: neuronale Erregung, Physiologie <-> Erlenis, Empfindung, Psychologie
- Isophone = Töne, die gleich laut wahrgenommen werden.Diese lassen sich nur empirisch ermitteln.
- absoluten Wahrnehmungsschwelle: Wie empfindlich ist ein Sinnesorgan?Welche minimale Energie genügt, um einen Reiz zu bemerken?
- Unterschiedsschwelle: Wie differenzierungsfähig ist ein Sinnesorgan? WelchenEnergieunterschied muss ich darbeiten, damit Vp einen Unterschied bemerkt?
- Grenzmethode ... für Absolutschwellen:∙ Vl gibt eine Serie von Reizen unterschiedlicher Intensität.∙ Die Intensität innerhalb der Serie kann aufsteigen oderabsteigen.∙ Vp gibt jeweils an, ob sie einen Reiz bemerkt.... für Unterschiedsschwellen:∙ Vl verändert schrittweise die Reizintensität/qualität(Farbton, Tonhöhe, Lautstärke o.ä.)∙ Vp gibt jeweils an, ob sie einen Unterschied zueinem Referenzreiz bemerkt.
- Herstellungsmethode ... für Absolutschwellen:Wie Grenzmethode, nur stellt die Vp hier den Reiz selber ein,bis sie ihn wahrnimmt (aufsteigend) oder nicht mehrwahrnimmt (absteigend).... für Unterschiedsschwellen:funktioniert das genau so.Alltagsbeispiel für eine „just noticable difference“ bei Tonhöhen:Ein Musikinstrument stimmen
- Konstanzmethode Konstanzmethode (für absolute Schwelle)∙ Vl präsentiert zufällig ausgewählte Reize aus einem zuvorerstellen „Reizpool“. Die Reize im pool unterscheiden sich jeum einen konstanten Betrag an Intensität. Die Hälfte derReize liegt unter der vermuteten Wahrnehmungsschwelle,die andere Hälfte darüber.Beispielpool für „Schwarz“: ∙ Vp gibt jeweils an, ob sie „Schwarz“ wahrnimmt.∙ Als gemessener Schwellenwert gilt die Stufe, die in 50% derAntworten als „NichtSchwarz“ bezeichnet wird.
- logarithmische Funktion der Wahrnehmung Wir erleben die meisten Reize (sowohl quantitativ wie qualitativ)nicht proportional zur ihren physikalisch gegebenen Energienund Eigenschaften.Unsere Wahrnehmung funktioniert relativ zur Stärke der vorabeinwirkenden Reize:∙ Je stärker der bestehende Reiz ist, desto weniger können wirdie Eigenschaften nachfolgender/zeitgleicher Reizedifferenzieren.∙ Je schwächer ein Reiz ist, desto sensibler nehmen wirUnterschiede zu nachfolgenden/zeitgleichen Reizen wahr.Mathematisch ausgedrückt arbeiten unsere Sinne logarithmisch.
- Das Webersche Gesetz ΔR/R = kΔR Veränderung der ReizintensitätR bestehende Reizintensitätk eine Konstante, die je nach Sinnesorgan und Reizqualitätempirisch bestimmt werden muss -> Die bemerkbare Unterschiedsschwelle (just noticabledifference) steigt proportional mit R. ->Dieses Gesetz formuliert sehr primitiv, dass die just noticable difference einer Reizintensitätimmer größer werden muss, je stärker der bereits bestehende Reiz ist.
- Das Fechnersche Gesetz Eine Verallgemeinerung des Weberschen Gesetzes.E = k ∙ log R + fERk,f:EmpfindungsstärkeReizintensitätKonstanten, abhängig von Modalität und ReiztypDie objektive Reizstärke wird logarithmisch in dersubjektiven Empfindungsstärke abgebildet. Fechner drückt die oben genannten Prinzipien mithilfe des Logarithmus aus. Das istprinzipiell keine neue Erkenntnis, sondern eine elegante mathematische Formulierung. Um das FechnerGesetz zu verstehen, genügt dies:Der Logarithmus, der in unsere Wahrnehmung eingebaut ist, macht aus einerMultiplikation eine Addition. Grenzen des Fechnerschen Gesetzes: Die logarithmischeFunktion gilt nur im Bereich mittlerer Intensitäten.
- Potenzgesetz (Stevens, 1975) Noch eine Verallgemeinerung des WeberFechnerschen Gesetzes.E = k ∙ R nE= EmpfindungsstärkeR= Reizintensitätn= Konstante, abhängig von Modalität und ReiztypIm Unterschied zu Fechners Gesetz sind hier Exponenten > 1.0möglich. Nicht alle Reizarten erleben wir logarithmisch! Bei Schmerzreizen gilt ein umgekehrterZusammenhang: Je stärker ein Schmerzreiz wird, desto sensibler erfahren wir ihn.
- Signalentdeckungstheorie Weiterführung der klassischen PsychophysikAusgehend von: absolute WahrnehmungsschwelleWeiterführende Annahmen:∙ Jeder Reiz ist von Störungen umgeben(vgl. techn. Maße: SignalRauschAbstand, SNR = signalnoiseratio)∙ Entdeckung des Reizes ist eine Entscheidung des Subjekts. Im Experiment werden Reize im Bereich der absolutenWahrnehmungsschwelle gegeben.50% der Stimuli enthalten ein Signal, 50% sind reines Rauschen.Nun werden die Häufigkeiten der vier Antwortmöglichkeiten registriert: Treffer AuslassungFalscher Alarm Korrekte Ablehnung
- 3 Kategorien der Signal Entdeckungstheorie Die situative Reaktionsneigung wird in drei Kategorien eingeteilt:∙ Liberales Kriterium:Viele falsche Alarme, wenige Auslassungen.∙ Neutrales Kriterium:so sollte es sein∙ Konservatives Kriterium:Wenige falsche Alarme, zu viele Auslassungen.
- receiver operating characteristic (ROC) Jede Vp hat statemäßig schon ihre gekrümmte Kurve.Zuletzt nehmen wir noch die situative Komponente mit herein.Je nach Situation/Instruktion folgt die Vp einem liberalen oder konservativen Kriterium.Jedes Kriterium bildet sich als Punkt auf der individuellen Kurve ab.Unter einen liberalen Kriterium werden mehr false alarms toleriert. Demnach rückt derPunkt in die rechte obere Ecke.Unter einem konservativen Kriterium sind false alarms verpönt. Mit „Yes“Antworten binich vorsichtig. Mithin rückt der Punkt nach links unten. Dabei nehmen zwar auch die hitsab – aber das nehmen wir in Kauf.Jene Kurve, die sich aus den möglichen Reaktionspunkten ergibt, nennen wir ROCKurve.(Bitte nicht wie ROTZ aussprechen ;)
- Anwendungen der psychophysikalischen Methoden und der Signalentdeckungstheorie: * sensorische Funktionsprüfung* Ergonomie* MenschMaschineInteraktion* Sicherheitsprüfungen
- ROC-Kurvenschar Jede Person hat ihr individuelles d'. Total tumbe Leute, die gar nichts mitkriegen, habenein d'=0. Die Glockenkurven auf der vorigen Folie überschneiden sich komplett. Bei jederReaktion raten diese Deppen.Die Grafik hier bildet nur die „Yes“Antworten ab. Entweder war das „Yes“ ein hit(yAchse), oder das „Yes“ war ein false alarm (xAchse). Die tumben Leute erzeugen eineGerade, weil sie gleich viele hits und falsealarms erzeugen. Die Leute merken ja keineinziges Signal und klicken zufällig auf „Yes“.Eine sensible Person unterscheidet sehr wohl zwischen Rauschen und Signal. DieGlockenkurven rücken auseinander. Das d' nimmt zu. In dieser Grafik krümmt sich Kurvenach links oben, denn die Sensiblen produzieren wenige falsealarms bei vielen hits. Unterextremen Bedingungen nehmen zwar auch die falsealarms zu, aber die hits sind da ehschon am Anschlag ...
- Einteilung der Sinne nach ... Reichweite∙ Fernsinne (Sehen, Hören, Riechen)∙ Nahsinne (Tasten, Schmecken, Temperatur)Art der rezipierten Energie∙ elektromagnetisch (Sehen)∙ mechanisch (Hören, Tasten)∙ chemisch (Schmecken, Riechen)∙ thermisch (Temperatursinn)Ausrichtung∙ Exterozeption (Umwelt)∙ Interozeption (eigener Körper)→ Propriozeption (Lagesinn), vestibuläres System (Gleichgewicht),Enterozeption/Viszerozeption (innere Organe), Schmerz
- Licht Licht = elektromagnetische Strahlung im Bereich von 400700nm→ sehr kleiner Ausschnitt aus dem natürlichen elektromagnetischen Spektrum:
- Warum sehen wir gerade 400700nm? Im Spektrum natürlicherStrahlung ist dieser Bereichsog. „sichtbaren Lichtes“ ambesten verfügbar.
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- Entspricht eine Wellenlänge einer Farbe? Und was ist überhaupt Farbe? ∙ Farbe ist keine physikalische Eigenschaft eines Objekts.∙ Ohne Beleuchtung sind alle Dinge farblos.∙ „Farbe“ beruht auf der Reflektion/Absorption bestimmterelektromagnetischer Wellenlängen an der Oberfläche des Objekts.∙ Ein Eindruck von Farbe entsteht jedoch erst im Bewusstsein.→ In der Philosophie des Geistes spricht man von Qualia.
- Das HSV-Modell Das HSVModell (hue, saturatuion, value) ergibt einen Kegel.Der Farbton, hue, (Spektralfarben à la Regenbogen) wird als Winkel in der horizontalen Ebene dargestellt.Schauen Sie von oben auf die Grundfläche des Kegels: Entlang des Umfangs finden Sie dasRegenbogenspektrum. Komischerweise wird aus dem Regenbogenspektrum ein Kreis. An den Enden trifft dasroteste Rot auf das blaueste Blau. Scheint unsinnig, aber am kurzwelligen Ende des Spektrums geht Blaubereits in Violett über, und dieses wiederum in Rot, sobald es das Bläuliche verliert. Daher krümmen wir dasSpektrum zu einem Kreis.Die vertikale Achse (value) gibt die Helligkeit der Farbe an. Unten ist es dunkel. Nach oben hin werden dieFarben heller.Als dritte Komponente kommt die Sättigung ins Spiel. Gesättigte Farben sind rein, knallig (blutrot, grasgrün).Pastellige Töne sind ungesättigt. Sie wirken noch rötlich, grünlich usw., tendieren aber ins Graue. DieSättigung wird geometrisch als Abstand von der Kegelachse dargestellt. In der Mitte des Kegels ist dieSättigung = 0 ... alles wirkt nur heller oder dunkler grau. Da haben wir nur Helligkeitsstufen. Je größerallerdings der Abstand zur Kegelachse wird, desto gesättigter ist die Farbe.Warum ergibt sich dabei ein Kegel? Weil Sättigung und Helligkeit eng zusammen hängen.
- Das HSLModell Das HSLModell (rechts) ist eine Variante des HSVModells. Packen Sie im HSVModell den Mittelpunkt derKegelGrundfläche und ziehen in ihn senkrecht nach oben. Es entsteht ein Doppelkegel. An der Spitze desDoppelkegels haben wir jetzt einen Punkt = Reinweiß. Tatsache ist ja, dass bei zunehmender Helligkeit diemögliche Sättigung wiederum abnimmt. Eine sehr helle Farbe kriegen Sie auch nicht mehr gesättigt, denn sietendiert zu sehr ins Weiße. Die vertikale Achse heißt nun nicht mehr „value“, sondern „ligthness“. DerDoppelkegel enthält aber nach wie vor die selben sehbaren Farben wie das HSVModell.Das mit der Sättigung erscheint etwas seltsam. Zum Verständnis: Spektralfarben haben genau eineWellenlänge. Bei Mischfarben und ungesättigten Farben sind weitere Wellenlängen im Spiel.Die Überlagerung mehrerer Wellenlängen kann einen Farbton erzeugen, der nichtspektral ist (z.B. ist Braunkeine Regenbogenfarbe). Andererseits wirkt sich jede beigemischte Wellenlänge auf die Sättigung dervorherrschenden Spektralfarbe aus.Das HSV/HSLModell ist mathematisch sinnvoll und wird sogar der Wahrnehmung halbwegs gerecht.
- Eine Farbe lässt sich durch drei Komponenten definieren: Farbton (Gemisch von Wellenlängen, „rot“, „gelb“ usw.) Helligkeit (Gesamtenergie, gewichtet nach Farbton) Sättigung (Weißanteil, „blass bis knallig“)
- Dreifarbentheorie (YoungHelmholtz) These: Jede wahrnehmbare Farbe lässt sich aus den dreiGrundfarben Rot, Grün und Blau mittels additiver Farbmischungerzeugen.Hintergrund: Die Retina enthält nur Rezeptoren für diese dreiGrundfarben.
- Additive Farbmischung Überlagerung von selbststrahlenden Quellen(z.B. Monitor)
- subtraktive Farbmischung Mischung von Pigmenten mit verschiedenerAbsorption (Tinte, Malerpigmente, Druckertoner)
- RGB und addtive Farbmischung Das RBGModell ist zum technischen Standard geworden. Mitdiesen drei Grundfarben lässt sich der sichtbare „Farbraum“darstellen. Stellen wir die Farbanteile als orthogonales Achsenkreuz dar, erhalten wir den Farbraum, den wir sehenkönnen. Im Nullpunkt hinten links unten ist es schwarz. Im gegenüberliegenden Punkt vorn rechts oben (alleAnteile maximal dabei) ist es weiß.
- Gegenfarbentheorie (Hering) Diese geht vom Phänomen der Komplementärfarben aus. These: Es gibt vier physiologische Grundfarben: Rot Gelb Grün BlauDiese vier Farben sind gepaart (vgl. Komplementärfarben):BlauGelb und RotGrün.Die Paare schließen sich gegenseitig aus:∙ Blau kann entweder in Rötliche oder Grünliche übergehen,aber niemals in Gelb.∙ Rot kann entweder ins Gelbliche oder ins Bläuliche übergehen,aber niemals ins Grün. In der Malerei findet die Idee der Gegenfarben mehr Widerhall alsdie physiologisch orientierte Dreifarbentheorie.Maler und Designer brauchen ein System, das „harmonische“ versus„kontrastreiche“ Farben anordnet. Dafür scheinen Gegenfarbenbesser geeignet.Ein Beispiel ist der Farbkreis von Johannes Itten (1961) ...
- Kein Widerspruch zwischen Dreifarbentheorie und Gegenfarbentheorie Unser visuelles System beinhaltet beide Farbsysteme, nur habenbeide ihre eigene neurologische Ebene: Zurück zu den physiologischen Farbtheorien.Das RBGModell bildet die Empfindlichkeit der Zäpfchen ab.Die Gegenfarbentheorie bildet die anschließende neuronale Verschaltung ab.Auf letzterer Ebene werden drei neue Kanäle errechnet: Prüfungsrelevant ist, dass sich die Farbtheorien nicht widersprechen, sondern ergänzen.
- Differenzierungsfähigkeit des Sehsinns (HSV) Unterschiedsschwellen:Wir können ca. 2000000 Farben unterscheiden, nämlich200 Farbtöne * 500 Helligkeitsstufen * 20 SättigungswerteBsp. für Helligkeitsstufen:← Ein Graukeil aus 256 ansteigenden Werten.So einen Verlauf nehmen wir i.d.R schonals kontinuierlich wahr.Für den Alltag genügt das. Eine schärfereDifferenzierung ist unter günstigen Umständenallerdings möglich.Pro Sprache gibt es nur 100200 Farbnamen. Tatsächlich gibt esca. 7500 Farbnamen weltweit; davon kommen nur 7 bis 11 alsfokale Farben in fast allen Sprachen und Kulturen vor.
- Farbkonstanz Farbwahrnehmung setzt voraus, dass Licht auf das Objekt fällt.Daher wird es kompliziert: Das Umgebungslicht bestimmt die„objektive Farbe“ eines Objekts. Eine reinweiße Oberfläche hatmithin, physikalisch gesehen, exakt die Farbe der Lichtquelle, dennsie reflektiert das einfallende Licht komplett.Dennoch sehen wir ein weißes Blatt Papier jeweils immer als weiß.Tatsächlich variiert das „Weiß“ je nach Lichtquelle zwischen sehrrötlichen und bläulichen Farbtönen.Lichtquellen haben spezifische Farbtemperaturen Unser Sehsinn gleicht die unterschiedlichen Beleuchtungen in derUmwelt aus. Sensoren in Digitalkameras benötigen einen sog. Weißabgleich. Dieser geschiehtmeistens unbemerkt und automatisch – wie in unserer visuellen Wahrnehmung.
- Helligkeitskonstanz Ähnlich zur Farbkonstanz gleicht der Sehsinn auchHelligkeitsunterschiede aus – je nach Umgebung. Unsere Wahrnehmung geht hier unbeirrbar von einer Lichtquelle aus, die von oben rechts auf die Szenescheint, und korrigiert die absoluten Farbwerte gemäß des erwarteten Schattenwurfs. ... zeigt sich bereits beim einfachen Simultankontrast. Das umschlossene graue Quadrat rechts wirkt dunkler, weil es von Weißumgeben ist. Dabei ist der Grauwert identisch zum linken kleinen Quadrat.
- Sehfeld Größe des Sehfeldes und seine Auflösung:Sehwinkel:∙ vertikal ca. 110°∙ horizontal ca 170°Der „scharf“ wahrgenomme Bereich ist jedoch wesentlich kleiner:ca. 2° Sehwinkel, dies entspricht einem Daumennagel in einerArmlänge Abstand.Auflösung der Netzhaut:Wieviele Megapixel hat die Netzhaut? Dies lässt sich nichtbestimmen, weil die Netzhaut kein homogen aufgebauter Sensorist.Grob geschätzt können wir – unter günstigsten Bedingungen – noch zwei Punkteunterscheiden, die bei 25 cm Abstand 0.04mm voneinander entfernt sind.
- Binokulare Tiefenwahrnehmung Lokalisation eines Lichtpunktes im Raum – rein geometrisch.Voraussetzung: Durch den Abstand der Pupillen von ca. 7 cm fallenzwei verschiedene Bilder des selben Objektes auf die Netzhäute(Querdisparation).[ausprobieren]Aus den geometrischen Unterschieden der beiden Bilder bestimmenwir den Abstand zum gesehenen Objekt.Das Gehirn muss herausfinden, welche Strukturen auf der linkenund rechten Retina zusammen gehören ( = vom selben Lichtpunktstammen).
- monokulares Blickfeld Die Echse hat ihre Augen seitlich am Kopf, kann daher fast 360° rundum gucken, kann aber nach vorn nichtgut lokalisieren. Was sie fressen will, befindet sich eh kurz vor dem Maul. Für sie ist es wichtiger,anschleichende Freßfeinde aus allen Richtungen zu entdecken.
- cues der Tiefenwahrnehmung okulomotorisch -> Akkomodation ->Konvergenz visuell: ->binokular -> Querdisparation -> monokular -> Bewegungsparallaxe -> statisch -> Verdeckung, Größe, Perspektive
- Der Horopter Def: Die Menge aller Punkte, die – bei gleichbleibender Fixierung –auf korrespondierende Stellen der Netzhäute fallen.Punkte auf dem Horopter habenden gleichen Abstand zum Betrachter.Geometrisch ist das eine ungefähreKugelschale um den Betrachter herum.Aber: der Radius hängt vonder aktuellen Konvergenz ab! ∙ Punkte, die außerhalb des Horopters liegen, fallen aufungekreuzte Netzhautpunkte.∙ Punkte, die innerhalb des Horopters liegen, fallen aufgekreuzte Netzhautpunkte. Wir ermitteln zuerst identische Strukturen auf der linken und rechten Retina, anschließend ihre Distanzen zu „korrespondierenden“ Netzhautpunkten. Aus den Distanzen zu diesen Punkten errechnet sich die Entfernung, mithin entsteht der Eindruck von Tiefe.
- Funktionswise: Stereoskop, ca. 1870 Ein Motiv wird mit zweiKameras im Abstand vonca. 7 cm aufgenommen→ exakte Querdisparation.Beim Betrachten siehtjedes Auge dank desGuckkastens nur daszugehörige linke/rechteBild.
- Funktionsweise Kino Wie aber gehen wir vor, wenn kein Guckkasten einsetzbar ist,z.B. wenn der Betrachter auf eine Kinoleinwand schaut?→ Wir überlagern zwei Bilder auf der Leinwand und sorgen dafür,dass sie getrennt ins linke bzw. rechte Auge fallen.