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Psychologie (Fach) / Verhaltensbeobachtung (Lektion)

SB 5

Diese Lektion wurde von JuliaPerz erstellt.

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  • 1.1 Begriffserklärungen Systematische Verhaltensbeobachtung ist eine Methode zur Abbildung der Verhaltenswirklichkeit. "Verhaltensbeobachtung besteht im Handhabbarmachen von wahrgenommenen Verhaltensweisen. Wir beschreiben bzw. kodieren unsere Wahrnehmungen." Verhaltensbeobachtung ist eine Methode:-der Datenerhebung-der Diagnostik Es geht darum, sinnvolle Zuordnungen u Verbindungen zu schaffen u Erkenntnisse zu gewinnen
  • 1.2.1 Ethologie u Verhaltensbiologie = Verhaltensforschung an Tieren u Menschen mit biologischen Methoden. Anfangs wollte man dadurch die Abstammung verschiedener Spezies abklären, heute liegt der Schwerpunkt auf der Physiologie u Neurobiologie mit der Frage, warum bestimmtes Verhalten ausgelöst wird.
  • 1.2.2 Ethnologie u empirische Kulturwissenschaften, insbesondere Volkskunde Ethnologie oder Sozialantrhropologie erforschen ethnische Gruppen u indigene Völker durch nichtstandardisierte/teilnehmende Formen der Verhaltensbeobachtung.Fragen könnten sein: Erforschung des Verhaltens bestimmter sozialer Gr. im öffentlichen Raum; Herausforderung von Ritualen in der Jugendkultur,...
  • 1.2.3 Freud'sche Psychoanalyse Verhaltensbeobachtung bei Kindern:-Melanie Klein: Theorie über die innere Welt des Kindes 60er u 70er begann die Blütezeit der Direktbeobachtung-Margaret Mahler: Theorie der Entwicklung im Säuglings- u Kindesalter von Geburt -- 36 M. -René Spitz: 1. der Film in der Forschung mit Kindern einsetzte; Hospitalismus: psychische u emotionale Defizite von Heimkindern
  • 1.2.4 Frühe Entwicklungspsychologie Carla u William Stern untersuchten wie viele anderer dieser Zeit ihre anderen Kinder durch eine detaillierte, biografische, qualitative Verhaltensbeobachtung. --> "Psychologie der frühen Kindheit bis zum 6. Lebensjahr".
  • 1.2.5 Psychologische Ansätze zur Erklärung u gezielten Veränderung des Verhaltens 1.) Reflexlehre: Pawlow entwickelte durch seine Hundeversuche eine neurophysiologische Theorie des tierische u menschlichen Verhaltens u entwickelte mit seinem Team zudem die Erklärung für das Entstehen von Neurosen u psychotischen Störungen 2.) Behaviorismus, die Wissenschaft vom Verhalten, begründet von Watson; lehnte introspektive u spekulative Methoden ab; verwendete Versuche, um menschliche Angstreaktionen zu beeinflussen (little Albert) u gilt deshalb als 1. Verhaltenstherapeut) 3.) Verhaltensmodifikationen ohne Theorie: Skinner lehnte jegliches Theoretisieren ab --> operante Konditionierung - Tier lernt richtige bzw. erwünschte Verhalten 4.) Die Verhaltensbeobachtung als Mittel zur Formung des Verhaltens: Theorie des sozialen Lernens /Lernen am Modell nach Bandura. 
  • 1.3 Übungsaufgaben: -Hat die Verhaltensbeobachtung Vorteile gegenüber anderen Methoden der Psych? Wenn ja welche?Diese Methode ist weniger invasiv, erfasst in der Regel größere Ausschnitte aus dem Verhalten u der Situation, existiert in zahlreichen Formen, dass man für jedes Verhalten, Zielgruppen u Situationen ein geeignetes Verfahren findet, ist mit Medien (also ohne die Anwesenheit der Untersucher) durchführbar.  -Welche der Disziplinen, die das Beobachtungsverfahren nutzen, um das Verhalten zu verstehen oder zu ändern, arbeiten mit Tierexperimenten zusammen?in der Ethologie u Verhaltensbiologie, bei Pawlow u Skinner -Wer prägte den Begriff opferante Konditionierung?US-amerikanische Psych. B.F. Skinner
  • 2.1 Formen der Verhaltensbeobachtung - Übersicht -Art der Merkmale, die erfasst werden sollen:Quantitative vs. Qualitative Beobachtung -Strukturiertheit: un- halb- u vollstrukturiert -Anwesenheit des Beobachters: direkt vs. indirekt -Mitwirken des Beobachters: Teilnehmen vs. nicht teilnehmend -Fokussierung u Systematik: Alltagsbeobachtung, unsystematisch/frei/offen, systematisch -Vorhandensein von Kriterien u indikatioren: standardisiert vs. nicht standardisiert/subjektiv -Anzahl von Zielpersonen: Individuen vs. Gr -Umwelt/Lokalisation: Natürliche Feldforschung vs. Labor -Kontrolle: offen vs. verdeckt -Dauer: Querschnitt vs. Längsschnitt -Kontinuität: Momentaufnahmen vs. kontinuierliche Beobachtung -Kombinierte Methoden: Verhaltensbeobachtung wird zusammen mit anderen Methoden appliziert. 
  • 2.2 Quantitativer oder qualitativer Ansatz? die qualitative Beobachtung beinhaltet: verdeckte/offene/nicht-teilnehmende/teilnehmende/systematische/unsystematische/Selbst- u Fremd-/ Beobachtung in natürlicher Situationen. Kategorisierung der Beobachter:-Vollständiger Teilnehmer: (z.B.: Forscher lebte unter jugendlichen Punks, um ihr Verhalten u ihre Rituale verstehen zu können)-Teilnehmer als Beobachter: Beobachter als aktiver Teilnehmer in Geschehen (z.B.: Pflegekräfte untersuchen Verhaltensauffälligkeiten in Pflegeheime)-Beobachter als Teilnehmer-Vollständiger Beobachter: hält deutliche Distanz zum Geschehen, um dies nicht zu beeinflussen qualitativer Beobachtungsprozess: Auswahl Beobachtungssettings u -elemente; Training des Beobachters; deskriptive Beobachtungsphase endet, wenn eine theoretische Sättigung erreicht ist.
  • 2.3 Verhaltensbeobachtung vs. Verhaltensbeurteilung Rating=Beurteilung, Einschätzung oder Bewertung mithilfe einer Einschätzungsskala (festgelegte Verhaltensmerkmale u Beurteilungsnoten). Verhaltensbeurteilung ist ökonomischer als die Verhaltensbeobachtung, weil mehrere ZP gleichzeitig beobachtet u anschließend beurteilt werden können. -privatsphäre u ethische Klippen: bei Befragung kann die Zielperson die Infoweitergabe selbst bestimmen; bei Beobachtung ist das schwierig, weil z.B.: ganze Klassen beobachtet werden sollen u manche davon aber nicht im Fokus rücken wollen. Eine weitere Herausforderung stellt das Beobachten von vulnerablen Personen u Gr. dar (verletzlich, weil körperliche/psychische Beeinträchtigungen aufweisen, hochbegabt sind oder Merkmale sozialer Isolation u wirtschaftlicher Deprivation aufweisen) weil diese nicht selbst Zustimmen können. Keine Beobachtung soll ohne Zustimmung erfolgen!!  - Verletzung der Privatsphäre/des Selbstwertgefühls oder Schamgefühls: Der Schutz der Privatsphäre ist ein Menschen recht - viel Fingerspitzengefühl ist gefragt, um die Zielperson nicht zu demütigen -Verletzung der Vertraulichkeit u Anonymität. Die Daten müssen steng anonymisiert u psyeudonymisiert werden, damit sich die Zielperson nicht erforschen lässt (durch Weglassen oder verändern personenbezogener Daten) -heimliche (verdeckte) Beobachtung: zum Zweck der Überwachung von Mitarbeitern ist unzulässig! -Schädigung der Teilnehmer: z.B.: Rufschädigung  -Unfreiwillige Teilnahme: besonders gefährlich in kollektiven Situationen -Täuschung der Teilnehmer: z.B.: dadurch, das ihnen nicht das wahre Untersuchungsziel mitgeteilt wird (Placebo) -Nutzung von Daten für Ziele, die durch die informierte Zustimmung nicht gedeckt sind. Ohne eine Zustimmung dürfen die Daten nicht an dritte weitergegeben werden -"Unfreiwillige" Einwilligung, wenn potenzielle Zielperson in Abhängigkeit zum Forschenden steht (Chef, Arbeiter) -Beobachtung von Kindern: bis 12 muss die Zustimmung von Eltern bzw. Erziehungsberechtigten eingefordert werden; ab 12 müssen sie informiert werden, was vorgeht. Ab 14 besitzen sie die natürliche Einsichtsfähigkeit u müssen um die Einwilligung gefragt werden
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  • 2.4 Übungsaufgaben -"Informierte Einwilligung" nach dem Berufsverband Deutscher PsychDiese Info beinhaltet: Titel der Untersuchung, Beschreibung des Vorgehens, Grund für die Untersuchung, Freiwilligkeit des Teilnehmers, Recht der Zielperson, ihre Zustimmung jederzeit zu widerrufen (ohne Nachteile befürchten zu müssen), mehrfache Verwendung von Daten (falls geplant), Zuständigkeit (Ansprechperson), Unterschriften. 
  • 3. Systematische - wissenschaftliche - Beobachtung (=zielgerichtet u folgt einer Reihe von Kriterien u Standards) 3.1 Systematische Beobachtung ist theoriegeleitet Heuristisches Beobachten: aus der Beobachtung generiert sich Theorie; keine strikt validen Daten; sinnvoll um sich ersten Überblick zu verschaffen oder Verhalten zu strukturieren u vorläufige Hypothesen zu überprüfen. Induktiver Ansatz: vom Einzelfall wird auf die Allgemeingültigkeit geschlossen. Die Untersuchungsfragen werden aus Vorerfahrungen u gelegentlichen Beobachtungen abgeleitet. Hypothetisch-deduktive Annäherung: Forscher haben bereichts eine Hypothese, nach der sie sich richten wollen. Der gesamte Beobachtungsplan, die Zielfindung u alle wichtigen Entscheidungen werden sich dieser Theorie unterordnen. Persönlichkeitstheorie des Belohungsaufschubs: Kombination dieser gegensätzlichen, erkenntnistheoretischen Ansätze. Marshmallow-Experiment von Walter Mischel (Vorschulkinder haben Wahl zwischen 1 Marshmallow u 2, wenn sie warteten - ob es ihnen gelang verriet viel über zukünftiges Leben) verbindet deduktive u induktive Perspektive miteinander. Er beschreibt, wie er ursprünglich die Selbstkontrolle u Willensstärke bei Kindern untersuchte, für die er zunächst gewisse Hypothesen hatte (deduktiv) u so machte er weitere interessante Beobachtungen, von denen ausgehend er weitere Hypothesen aufstellte (induktive Vorgehensweise)
  • 3.2 Beobachtungsplan mit Kriterien u Arbeitsschritten einer systematischen Beobachtung 3.2.1 Beobachtungsziel: (Hat Demenz Patient Schmerzen?)Zunächst muss festgelegt werden "was" beobachtet werden soll - Forschungsfrage soll beantwortet werden. Zielmerkmal/Indikator = messbares Merkmal oder überprüfbarer/sichbarer Zustand 3.2.2 Zielmerkmal: (des Verhaltens, das auf Schmerzen hindeutet) soll im Mittelpunkt der Beobachtung stehen-Mimik u Gesichtsausdruck-Suche nach schmerzfreien Körperposition/Schonhaltung-verbales Klagen u paraverbale Äußerungen-Art der BewegungZielmerkmale werden in kleinere Beobachtungseinheiten aufgelöst 3.2.3 Beobachtungseinheiten: z.B.: Art der Bewegung wird zerlegt in: Patient bewegt sich wie gewohnt/langsam/selten oder Patient verharrt reglos in einer bestimmten Position/vermeidet bestimmte Bewegungen,...Diese Einheiten müssen genau beschrieben werden (wie oft ist selten? wie oft bewegen sich Frauen gleichen Alters in diesem Zeitabschnitt von 15 min?). Forschende müssen ganz genaue Instruktionen/Anweisungen für die Beobachtung entwickeln. Die Obergrenze für die Beobachtungseinheiten liegt bei 10 (kann aber erhöht werden, wenn mit einer Videokamera aufgezeichnet wurde). Man sollte Probebeobachtungen durchführen, um verborgene Schwächen (Beobachtungseinheiten sind unklar voneinander abgegrenzt) u Probleme zu erkennen.  3.2.4 Welches Verhalten kann beobachtet werden?Stimmungen u körperliche Befindlichkeiten lassen sich durch eine Beobachtung entschlüsseln. Zusätzlich werden objektive körperliche Zustände gemessen (Herzfrequenz, Hautwiderstand,...)  3.2.5 Verlaufsprotokoll/Beobachtungsprotokoll: =systematische AufzeichnungFestzulegende Punkte im Verlaufsprotokoll:1. Personenbezogene Angaben der zu beobachteten Person (Name, Alter, Geschlecht,..)2. Name des Beobachters, Zeit (Datum u Beginn/Ende der Beobachtung) u Ort3. Aufzeichnungen über das beobachtete Verhalten4. Deutungen des Beobachters unbedingt markieren!5. zusätzliche Infos über das beobachtete Verhalten (sie wäscht die Hände - wie ?? wie lange?)3.2.6 Wie wird beobachtetentweder unstrukturiert, frei u offen (Aufmerksamkeitsschwerpunkt wechselt intuitiv von z.B.: Sprechweise auf Körperhaltung) oder strukturiert, streng u systematisch (Aufmerksamkeitsfokus, Beginn, Ende u Dauer genau festgelegt) 3.2.7 BeobachtungsfehlerFehler entstehen durch den Beobachter (mangelnde Wahrnehmung- u Aufmerksamkeitsleistung) oder äußere Fakoren (Ablenkung, Undeutlichkeit, ungünstige Beobachtungsposition) oder "innere Faktoren" (Erkrankung der Sinnesorgane, Gedächtnisprobleme, Aufregung,...).-Großzügigkeitsfehler (mildes Urteil vor allem bei Bekannten) oder Fehler der zentralen Tendenz (keine extremen Urteile)-Implizite Persönlichkeitstheorie (die Beobachtung ist beeinflusst durch das theoretische Wissen, welches man sich davor angeeignet hat)-Wechselwirkung (unbewusster Vergleich mit anderen)-Halo-EffektMaßnahmen der Beobachtungsfehler: klare Def. Beobachtungseinheiten u Zielmerkmale, Standardisierung, Aufforderung zur kritischen Selbstreflexion, Einsatz mehrerer Beoabchter, Supervision; 
  • 3.3 Auswertung und Interpretation der Befunde Der Auswertungsprozess erfolgt in Schritten u beginnt bereits bei der Konzipierung u Durchführung der Verhaltensbeobachtung. Schon dabei sollte vorweggegriffen werden, welche Ergebnisse erwartet werden.Feldnotizen (subjektiv - für qualitative Studien) u Forschungstagebücher (dokumentieren den gesamten Forschungsablauf) 3.3.1 Vom Auswertungsplan zum ErgebnisBereits am Anfang der Stuedie sollte auch ein Auswertungsplan (beinhaltet Vorgaben zur Skalierung u ein Urteilsschema) aufgestellt werden. 3.3.2 Aufbereitung u Kontrolle der erhobenen DatenBei quantitativen Analysen müssen die Daten in Zahlenformen vorliegen (wenn nicht müssen sie vercodet werden). Dann erfolgt die Suche nach unwahrscheinlichen Angaben u Tippfehlern =Plausibilitätskontrolle. Erst danach erfolgt die Analyse (Beantwortung der Forschungs- u diagnostischen Fragen u gleichzeitig erfolgt die Festlegung, was üh berechnet werden soll) 3.3.3 Interpretation der BefundeStatistische Urteilsbildungen (mit statistische Analysen werden Zahlen produziert, die anhand von Skalen interpretiert/ausgewertet werden) orientieren sich nach festen, expliziten Regeln (ein klinischer Psych, der ein standardisiertes Beobachtungsinstrument/Verhaltensbeurteilungsinstrument nutzt, geht statistisch vor)klinische Urteilsbildung kann intuitiv, aber auch begründet, z.B.: theoriegeleitet sein.Von der Auswertung zur Beantwortung steht die Nachvollziehbarkeit (Weg der Infobeschaffung, über Infoverdichtung bis hin zum diagnostischen Urteil) im Mittelpunkt.
  • 3.4 Beobachter Für die Verhaltensbeobachtung wird ein gutes Training u eine gute schriftliche Instruktion benötigt. Um in der Forschung tätig zu sein sollte man in den Übungen ein Höchstmaß an Sensitivität für den Ablauf der anvisierten Ereignisse erhalten. Beim Training lernt man die externen Einflüsse zu minimieren u deren Effekte zu kontrollieren.  wie wird trainiert? Der Beobachter erhaltet mündliche oder schriftliche Instruktion oder ein Video mit Instruktionen u ein Trainingshandbuch. Beides ist sinnvoll: das angeleitete Beobachten im realen Umfeld u die videogestützte Beobachtung. In Studie zum Beobachtungstraining brauchte Video tranierte Gr. für ein ähnliches Ergebnis 8 Termine (sehr geziehltes Training) währen die in der realen Situation trainierte Gr 22 Termine brauchte.Es ist besser/schneller/nachhaltiger, wenn das Training unter Anleitung eines Trainers erfolgt mit kontinuierlichen Feedback. Nach Möglichkeit sollten die Beobachter zum Kulturkreis der zu Beobachteten passen.
  • 3.5 Übungsaufgaben SB5 S. 36
  • 4. Systematische Verhaltensbeobachtung in verschiedenen Anwendungsfeldern 4.1 Verhaltensbeobachtung im Kindesalter - Beispiele Entwicklungspsych, Schulpsych u Päd. kommen ohne Verhaltensbeobachtungen nicht aus, weil das Verhalten ein Indikator der emotionalen u sozialen Entwicklung von Kindern ist.Anwendungsmöglichkeiten:-Auskunft Entwicklungsstand-Vergleich gleiches Alter oder Entwicklungsstufe-Identifizierung von problematischem Verhalten-Auswertung u Evaluation solcher Förder u Therapiemaßnahmen-Einschätzung KDGGr. oder Schulklasse-Päd, Sonderpäd u Pädiatrie 4.1.1 Früherkennung des Förderbedarfs in KDG u VS - Bsp.:DESK 3-6R = Dortmunder Entwicklungsscreening für den KDG; zur Früherkennung von Entwicklungsrisiken u Gefährdungen von 3-6jährigen. Screening= systematisches Testverfahren, um Individuen mit bestimmten Merkmal (Entwicklungsprobleme) herauszufiltern. Die Beobachtungsaufgaben werden einzeln oder in Gr. durchgeführt u dauern 10-20 min pro Person. Dabei werden entwicklungsbedingte Kompetenzen des Kindes erfasst. Wird das screening regelmäßig von (trainierten) päd. Fachkräften durchgeführt, erhält man eine Verlaufsdokumentation.  4.1.2 Diagnostik schulischer Probleme - Bsp.:BASYS-L = Beobachtungssystem zur Analyse aggressiven Verhaltens in schulischen Settings. Untersuchung der Präsenz aggressiven Verhaltens bei Schülern von 9-16 u zielt auf eine problematische Person-Umwelt-Beziehung der Schüler im Klassenkontext. Durchgefüht wird die das BASYS-L in einer teilnehmenden Beobachtung während des Unterrichts von der zuständigen Lehrkraft. Das BASYS-F wird von Fremdbeobachtern (Schulpsych, Sozialarbeiter, Berater) bestimmt. Danach findet Austausch zwischen ihm u Lehrperson statt -> Einstieg Interventionsmaßnahmen, Erziehungsberatung, Therapie. Dauer: 45 min
  • 4.2 Organisationen u Arbeitswelt - Bsp.: Für die Selbstbeobachtung eignet sich das führen von Tagebüchern oder Selbstaufschreibung der Beobachtungsmerkmale meist in vorbereitete Formulare am PC/Handy wie z.B.: Schrittzähler als Messinstrument zur Eigenmessung des Aktivitätsverhaltens.  Fremdbeobachtung= Multimomentaufnahme = besteht in dem Erfassen der Häufigkeit zuvor festgelegter Ablaufarten mit Hilfe stichprobenmäßig durchgeführter Kurzzeitbeobachtung. 1.) Zielformulierung (Festlegung, wie häufig u gründlich sich die Pflegemitarbeiter bei der Durchführung bestimmter Aufgaben ihre Hände desinfizieren)2.) Festlegung von Beobachtungsmerkmalen (Benutzung des Spenders u die Desinfizierung der Hände, deren Häufigkeit u Intensität)3.) Festlegung des "Rundgangplans", alternativ der Beobachtungssituationen (welche Beobachtungsorte)4.) Festlegung der Anzahl der Beobachtungen (Stichprobengröße entscheidet darüber, wie viele Beobachtungen benötigt werden)5.) Festlegung der Anzahl der Rundgänge (abhängig von der Anzahl der Arbeitsplätze, an denen beobachtet werden kann)6.) Bestimmung von Rundgangszeitpunkten bzw. Beobachtungssituationen (Ergebnisse werden in Rundgangsplan eingetragen)7.) Vorbereitung eines Erhebungsinstruments8.) Durchführung der Erhebung9.) Zwischenauswertung (berechnet werden Häufigkeiten, Durchschnittswerte, Gesamtzeiten,..)10.) Endauswertung
  • 4.3 Marktpsychologie - Bsp.: Bundesministerin war besorgt über den steigenden Alkoholkonsum von Kindern u Jugendlichen. Deshalb stifteten sie Jugendliche an als Käufer zu versuchen Alkohol zu kaufen in Supermärkten.  =Mysteryshopping/ Silent Shopper = teilnehmende Beobachtung. Sie verhalten sich wie normale Konsumenten, kaufen aber nicht um die Ware zu erwerben, sondern um die Dienstleistung zu bewerten. Eingesetzt werden geschulte Beobachter, die die Beobachtung mithilfe von festgelegten Kriterienkatalogs durchführen. Zeitgleich kann dualer Test durchgeführt werde, bei dem auch das Verhalten, die Gefühle u Zufriedenheit der Kunden beobachtet werden.
  • 4.4 Beobachtung des sozialen Verhaltens in Gruppen - Bsp.: Annahmen u Erkenntnisse über Individuen lassen sich nicht eins zu eins auf Gr. übertragen. Der Fokus der Gr.beobachtung liegt bei zwischenmenschlichen Abläufen u Interaktionsverhalten. Dies kann relevant für die Ausbildungs- u Berufssuche sein.  4.4.1 Bsp.1 Teamfähigkeit u Führungsverhalten in ACDef. AC= "Darunter versteht man eine gruppenorientierte, standardisierte Anzahl von Verfahren, die Basisdaten für die Beurteilung u Vorhersage menschlichen Verhaltens liefern, von dem angenommen wird, dass es für die berufliche Entwicklung des Einzelnen wichtig ist."Simulation u Rollenspiele: Ein Set von Gruppenübungen, um das Team- u Führungsverhalten zu prüfen. In den dyadisch, interaktiven Übungen wird in Form von Rollenspiele versucht Gespräche zu führen, eine Konferenz zu leiten oder schwierige Problemlösungen zu erarbeiten.SPIKAS AC (Spiel zur Beobachtung von Kooperation, Analytik u Strategie im AC) = eine Übung, um soziale u kognitive Fähigkeiten zu erfassen. Mindestteilnehmerzahl liegt bei 6-8; Bildung 2 Teams; Der Wettstreit wird von 2-3 geschulten Beobachtern bewertet u mit einem Beobachtungsprotokoll von 8  Skalen ausgewertet. 4.4.2 Bsp. 2 Beobachtung der KommunikationtalkSignals: von Eggers u Baudis: "Das Feedbackinstrument zur Verbesserung der Kommunikation in Meetings, Teambesprechungen u Zweiergesprächen" dient der Beobachtung u Bewertung von Diskussionen u generell von Kommunikation in Teamsitzungen u Meetings. Alle Teilnehmer beobachten dabei das Gr.gespräch. Das wahrgenommene Kommunikationsverhalten wird mithilfe von Symbolen visuell mit Kärtchen zurückgemeldet - grün = positiv ("Vermittelt" "Angebracht" "den Gesprächsfaden behalten") u rot= negativ ("Monologisiert" "Macht ausgeübt")
  • 4.5 Übungsaufgaben SB 5 S. 48
  • 5. Traditionelle Technik u moderne Technologien im Dienste der Verhaltensbeobachtung u Auswertung 5.1 Einführung und Überblick über die audiovisuellen Methoden der Verhaltensbeobachtung Fotografie gehört zu den traditionellen Medien in verhaltensdiagnostischen Verfahren. Schon in der 2. Hälfte des 19. Jh. diente sie als Analyse der Mimik. In den 20er u 30er kam die Filmanalyse dazu, welche später vom Videorecorder abgelöst wurde (war einfach billiger)Heute werden vor allem Videos, Pc u Spracherkennung genutzt. Entstehung "Video-Friedhöfe" weil viel zu viel gefilmt u nicht ausgewertet wird. 
  • 5.2 Vorteile u Nachteile audiovisueller Aufzeichnungen "Kameras sind unbestechlich in der Wahrnehmung u Dokumentation: Sie vergessen nicht, ermüden nicht u machen keine Fehler".Vorteile: -Beständigkeit des Materials u Möglichkeit der Archivierung sowie Aufbewahrung-erlauben spätere Nutzung u WH-Störung der Zielperson ist begrenzt-flüchtige Verhaltensphänomene sind erkennbar-Möglichkeit verdeckter Aufnahemen durch Spycams - strikte ethische u Datenschutzrechtliche Grenzen!!-Einschaltung mehrerer Beobachtung an Analyse u Interpretation --> dabei kommen sie zu einem intersubjektiven Urteil Nachteile:-Gefahr der Verfälschung, wenn jemand weiß, dass er gefilmt wird; -Ausrichtung der Kamera bestimmt den "Realitätsausschnitt"
  • 5.3 Innovation in der Verhaltensbeobachtung: kluge Sensoren Mensch mit psychiatrischen Krankheitsbildern, Angststörungen, Depression, Psychosen, Schlaf- u Essstörungen, mit Alkoholabhängigkeit u Psychopharmakamissbrauch ebenso wie ältere Klienten, bilden die Zielgr. für den Einsatz nicht invasiver Sensoren zur Beobachtung, Messung u Überwachung (Monitoring) ihres Verhaltens. Smart Sensors werden genutzt um problematische Verhaltensmerkmale sowie das risikoreiche Verhalten frühzeitig aufzudecken, zu regestrieren u zu bewerten - Prävention u Intervention. E-Health misst z.B: Blutdruck, Herzfrequenz, Körpertemperatur, Blutzucker,...Fitness Tracker/Aktivitäts-Bracelets dienen der VerhaltensüberwachungSmart Wearable Technology ist die intelligente tragbare Technologie, welche in der Kleidung eingebaut ist. Ursprünglich für Sportler gedacht- jetzt aber für Risikopersonen genutzt (z.B.: Schlaganfallgefährdete). Einsatzmöglichkeiten von smart Sensoren:-erfassung emotionaler Veränderung-Vorhersage der Symptomentwicklung u Auftreten von Kriesen (bei z.B.: psych Kranken)-Ortungssystem bei Davonlaufen von Demenzkranken-Türsensoren, ob die Person die Wohnung verlassen hat-Sensorpflaster, die das Trinkverhalten überwacht
  • 5.4 Schwächen u Kritikpunkte Die smarten Sensoren haben sich in vielen Bereichen der der Medizin (E-Health) bewährt. Bei der Verhaltensbeobachtung treten einige Schwächen auf... Es liegt eine rapide Ausbreitung vor u technisch ist vieles möglich, aber welche Bedeutung haben die Werte u Daten?z.B.: Forschungsprojekt: Häufigkeit der Toilettenspülung wird mit dem Ziel registriert, ob der Patient genug trinkt--> solche Indikatoren sind höchst zweifelhaft u offensichtlich nicht valide: Sie messen etwas anderes, als sie zu messen vorgeben!