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Psychosomatik (Fach) / 3- Herzerkrankungen - Psychokardiologie (Lektion)

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  • Psychokardiologie umfasst die Wissensbestände hinsichtlich psychosozialer Faktoren - der Entstehung, - des Verlaufs, - der Rehabilitation und der - Krankheitsverarbeitung kardiologischer Erkrankungen (Jordan et al., 2001)
  • Klassische Herz-Kreislauf-Risikofaktoren •  Bluthochdruck •  Hypercholesterinämie •  Rauchen •  Diabetes mellitus •  Adipositas/Fehlernährung •  Bewegungsmangel
  • Verhaltensmerkmale bei Herzinfarktpatienten •  Arbeitswut •  Aggressive Rivalität •  Wettbewerbs- und Dominanzstreben •  Zwanghaftes Asketentum •  Bagatellisieren von Krankheitssymptomen •  Neigung zur Depression -> Ausdruck eingeschränkte/nicht effektive Anpassungsleistungen des Ich
  • Variablen, die häufig bei Herzinfarktpatienten zu finden sind (Hahn et al., 1966) •  Hohe Bedeutung (und zugleich Unzufriedenheit mit) der Arbeit •  Langsam zunehmendes Stressniveau •  Instabiles inneres Selbstwertgefühl •  Zwanghaftigkeit •  Somatisierungstendenzen bei Konflikten •  Agierendes Verhalten gegenüber Autoritäten •  Hyperaktivität als Reaktionsbildung gegen Angst •  Reaktion auf Ärger ist Spannung, Verwirrung und Aggression
  • Herzinfarktprofil nach Hahn (1971) • RisikopersönlichkeitErfassung aller medizinisch bedeutsamen Risikofaktoren, sowie konstitutioneller und genetischer Voraussetzungen, die für das Infarktgeschehen relevant sind • SituationBesondere körperliche oder psychische Belastungen oder sonstige Ereignisse, die mit dem Infarktin Zusammenhang gebracht werden können • InfarktpersönlichkeitKörperliche und psychische Verfassung des Patienten
  • Typische Konfliktsituationen für die Auslösung eines Herzinfarkts (Kerz-Rühling, 1980) •  Scheitern des Strebens nach Sicherheit und Anerkennung •  Prozesse, die durch einen Objektverlust ausgelöst werden •  Entlastungsreaktion (z.B. nach Erfüllung libidinöser Triebwünsche, beim Feierabend/ im Urlaub) •  Enttäuschungen über mangelnde Befriedigung, sowie Neidgefühle
  • Bedeutung psychosozialer Faktoren in der Kardiologie Psychosoziale Belastungsfaktoren wie • Depression •  Angst oder •  niedriger sozialer Status sind mit einem erhöhten kardiovaskulären Erkrankungsrisiko und einem ungünstigeren Verlauf nach Krankheitseintritt verbunden
  • Geschlechtsunterschiede •  häufigste Todesursache M + F: Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems, wobei •  Die kardiovaskuläre Mortalitätsrate bei Frauen höher als bei Männern und •  Das Manifestationsalter bei Frauen deutlich höher als bei Männern ist •  Auch wenn organische Herzerkrankung vorliegt, klagen Frauen im Durchschnitt stärker als Männer über psychische und körperliche Symptome •  Stress-Kardiomyopathie (Broken-Heart-Syndrom) wird durch psychische Ausnahmesituationen ausgelöst (überwiegend bei Frauen)
  • Altersspezifische Aspekte/Lebensspanne •  Kinder mit angeborener Herzerkrankung haben höhere Prävalenz von Depression und Angststörungen •  frühe psychosoziale Einflüsse über große Abschnitte der Lebensspanne können im Längsschnitt die Entwicklung und die Prognose von Herzerkrankungen stark beeinflussen •  Mangelzustände und Stressoren in utero sowie in der frühen Kindheit determinieren das Risiko für kardiale Ereignisse, die erst Jahrzehnte später eintreten •  Belastende Lebenserfahrungen in Kindheit, Jugend und im jungen Erwachsenenalter stehen in Verbindung mit einer erhöhten KHK- Inzidenz in späteren Lebensdekaden
  • Herzerkrankung und Demenz •  Störungen der Kognition treten bei Patienten mit kardialen Erkrankungen in ca. 25–50% der Fälle auf •  Insbesondere Patienten mit schwerer Herzinsuffizienz oder nach offener Herzoperation zeigen eine deutlich verminderte Verarbeitungsgeschwindigkeit und Gedächtnisdefizite •  Patienten mit kardialen Erkrankungen, insbesondere ältere Patienten mit Herzinsuffizienz, haben ein 1,8-fach erhöhtes Demenzrisiko •  Mögliche Ursachen dieser kognitiven Defizite: kardiale, zerebrovaskuläre sowie auch weitere organische und psychosoziale Faktoren
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  • Bluthochdruck •  arterielle Hypertonie in Industrienationen altersabhängig 10–50% d. Gesamtbevölkerung •  Chronische Stressoren + inadäquaten Stressbewältigung•  ebenso: Angst, Depression, unterdrückter Ärger, Feindseligkeit + Alexithymie•  Angst und Depression -> Prädiktoren für später auftretenden Hypertonus•  PTBS -> erhöhte systolische und diastolische Blutdruckwerte •  Soziale Netzwerkstrukturen: Je schlechter soziales Netz, desto höher Risiko Erkrankung•  Entspannungsverfahren, Biofeedback -> Blutdruck senkend
  • Diabetes mellitus •  Depressivität erhöht Risiko Erkrankung Typ 2 + Morbidität und Mortalität bei Typ-1 und Typ-2•  Risiko, depressive Symptome zu entwickeln bei Diabetikern verdoppelt •  Psychosomatische Grundversorgung, Psychotherapie, antidepressive Medikation hier effektiv
  • Adipositas/Fehlernährung - psychosoziale Faktoren haben starken Einfluss - wesentliche Ursachen: Belastungen, Angst- und Persönlichkeitsstörungen, Depression - spielt wichtige Rolle bei metabolischem Syndrom - parallel zunehmend zu BMI ist Risiko KHK, Myokardinfarkt, Depression wirkt synergistisch -allerings moderat erhöhter BMI bei chronisch koronarer Herzkrankheit mit besserer Prognose verbunden als Primärprävention
  • Psychosoziale Risikofaktoren und Komorbidität (Koronare Herzkrankheit) •  Veränderungen des autonomen Nerven-, des endokrinen und inflammatorischen Systems •  ungünstiges Profil bei Ernährung und körperlicher Aktivität und selbstschädigende Verhaltensweisen (Tabak, Alkohol) •  primäre psychosoziale Risikofaktoren: niedriger sozialer Status, familiäres Einkommen, niedrige Position in beruflicher Hierarchie •  erhöhte KHK-Mortalität • erhöhtes KHK-Risiko durch-  Chronischen Stress am Arbeitsplatz -  Mehrjährige Schichtarbeit in Verbindung mit Nachtarbeit -  exzessive Überstunden • bei Frauen: Familiäre Belastung und Doppelbelastung • soziale Isolation: signifikant schlechtere Prognose • Typ- D Persönlichkeitsmuster (negative Affektivität), depressive Erkrankungen, "vitale Erschöpfungen" • In Kombination mit sozialer Inhibition: deutlich schlechtere Prognose • Prävalenzraten für Depressivität nach Manifestation KHK 20-50%, nach Kardiologischer Routinebehandlung ca. um Hälfte geringer • schwere Angst + Angststörung gehen mit erhöhten KHK- Inzidenz einher
  • Psychische Risikokonstellation vor Ausbruch eines akuten Koronarereignisses •  psychische Belastungen•  schwere natürliche Katastrophen, z.B. Erdbeben, persönliche Niederlagen oder bedeutsame Lebensereignisse •  Tendenz zur Verleugnung Risikofaktor für schwerwiegenden Verlauf   •  Anzeichen werden nicht wahrgenommen bzw. verharmlosend interpretiert    •  verzögerte in Anspruchnahme medizinischer Dienstleistungen -> psychische Belastung im Rahmen Bypassoperation in Zeit vor Eingriff am höchsten, nimmt dann im Verlauf der postoperativen Erholung ab  -> negativer Effekt erhöhter Depressivität auf Lebensqualität und psychosoziales Funktionsniveau nach Bypassoperation
  • Nach Herzinfarkt: Kardiologische Therapie ist abgeschlossen- die Angst bleibt - Alles löst zunächst Alarm aus und verstärkt Symptome - unmittelbar Todesangst - Misstrauen zwischen Kopf und Herz kann nicht so leicht wieder in eine Vertrauensbeziehung verwandelt werden - Grund für Dilemma: klare und eindeutige Symptombeschreibungen können nicht formuliert werden - Fehlende Klarheit bezüglich der Krankheitsentwicklung quälende Unbestimmtheithohe Anpassung und dauerhafte Ängstlichkeit - Unbestimmtheit der Situation ist charakteristisches und schwer erträgliche Merkmale der ersten Monate der Herzerkrankung. Unsicherheit kann durchaus Rest des Lebens bleiben
  • Differentialdiagnose zu Angstkrankheiten und Depression - Liegt Anpassungs- oder PTBS vor? Todesangst spielt zentrale Rolle - Auftreten von Intrusionen (Flashbacks, Albträume, traumatische Bilder und häufiges Wiedererinnern), die zu heftigen Alarm- und Angstzuständen führen, die von körperlichen Signalen begleitet sind - Entstandene Angst hat tatsächlichen und erfahrbar gewordenen lebensgefährlichen Hintergrund- Nach überstandener lebensbedrohlicher Herzerkrankung bleibt lebenslang Thema einer „Todesbedrohung“ bewusst oder unbewusst erhalten
  • Psychoedukation bei Herzerkrankungen - Die Spirale der Angst - Typische und immer wiederkehrende Zwischenetappen - Beliebig, wo man in diesem Prozess einsteigt - Unbemerkter langsamer Einstieg in die sympatikotone Steuerung - Wahrnehmung Körpersignale als etwas Plötzliches und Bedrohliches - Kein zirkulärer Prozess sonders aufsteigende SpiraleMit jedem Durchgang wird Situation schwieriger und dramatischer - Wichtig zu erklären, welche Körpersensationen Folge der Angst und auch bei Herzgesunden in dieser Weise auftreten
  • Handhabung von Angstattacken Atemtraining - Atmung im Fünf-Sekunden-Rhythmus- in entspannter Situationen einüben, damit habituiert ➤ Eingetretene Saustoffüberversorgung wird abgebaut➤ Parasympathikus wgestärkt➤ Reduzierung der Anspannung Dezentrierung Aufmerksamkeit - Imagination schönen + Ruhe vermittelnden Ortes, an dem der Patient schon einmal war- Abwechselndes rhythmischen Klopfen mit Zeigefingern in beide Hände ➤ nicht mehr möglich, dabei an andere Dinge zu denken