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Pädagogik & Didaktik (Fach) / Modul Erziehungswissenschaft I (B1) - Teil B1a (RWTH Aachen) (Lektion)
Diese Fragen beruhen auf den Vorlesungen an der RWTH Aachen aus dem Wintersemester 2018 / 2019 bei Professor Unger und den zugehörigen Tutorien.
Diese Lektion wurde von ginger149 erstellt.
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- Was ist Pädagogik? Was ist das Lehramt (gesellschaftlich betrachtet)? Pädagogik ist die Wissenschaft des Bilden und Erziehens. Das Lehramt ist die Profession vom Bilden und Erziehen.
- Beziehung von Theorie und Praxis der Pädagogik Die pädagogischen Theorien liefern keine direkten Handlungsvorschriften für die Praxis. Die Theorien dienen zur Orientierung bei der Herausbildung subjektivem Handlungswissens und der Anleitung zur späteren Reflexion.
- Eigenschaften des "Handlungswissens" Handlungswissen ist subjektiv, lokal gebunden und dynamisch.
- Expertise einer Profession nach Brenford Aufmerksamkeit ist auf große und bedeutungsvolle Muster der Profession gerichtet Sensibilität und kritische Blickweise großes und tiefes inhaltliches Wissen Flexibilität bei Problemlösung
- Grundverständnisse des Erziehungsbegriffes nach Raithel Naturalismus: Bild des Gärtners nach Rousseau Technizismus: Bild des Bildhauers nach Locke
- Grundaufgaben der Erziehung nach Kant Disziplinierung, Kulturisierung, Zivilisierung (ohne Moralisierung)
- Definition der Erziehung nach Brezinka Als Erziehung werden Handlungen bezeichnet, durch die Menschen versuchen, die Persönlichkeit anderer Menschen in irgendeiner Hinsicht zu fördern. --> Erziehung sind Handlungen zur intentionalen Modifikation des sog. Dispositionsgefüges.
- 3 Dimensionen der Modifikation des Dispositionsgefüges nach Brezinka 1. Förderung, Stabilisierung, Differenzierung von Dispositionen 2. Schaffung von nicht vorhandenen Dispositionen 3. Beseitigung, Schwächung von Dispositionen
- Zielsetzung der Erziehung nach Brezinka Zielsetzung der Erziehung sollte ein selbstbestimmtes, autonomes Leben im Sinne einer „Selbstständigkeit des Verstandes“ und der Einsicht dieser Selbsttätigkeit aus dem Subjekt hinaus sein.
- Vorform der Antipädagogik: Wolfgang Hinte... ...fordert in seiner non-direktiven Pädagogik möglichst volle Entscheidungsfreiheit zu belassen wie, wo, mit wem, was und wodurch gelernt wird.
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- Grundthese der Antipädagogik Jede Form von Erziehung wird in der Antipädagogik als egoistische, intentionale, Macht-orientierte Gewalt und illegitimen Eingriff aufgefasst.
- Antipädagogik: Ekkhard von Braunmühl Erziehung behindert das Kind daran, sein wahres Selbst auszudrücken. Erziehung verändert seine Persönlichkeit zum Nachteil. Erziehung respektiert weder Würde, noch Freiheit, noch Autonomie.
- Begründung der Antipädagogik Die Erziehung übersehe die zweifache Kontingenz (Zufälligkeit) desErziehungsprozesses: 1. Die Wahl der Erziehungsmethode sei weder technologisch noch naturgesetzlich begründbar. 2. Die Konsequenzen des Erziehendenhandelns sind nicht prognostizierbar
- Erziehungsstile nach Hurrelmann https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/d/dd/Erziehungsstile_nach_Rheinder.png
- Gewaltfreie Kommunikation nach Rosenberg: Ausgangsfrage Wie sollte (in pädagogischen Kontexten) Kommunikation gestaltet werden, sodass auf Augenhöhe und gewaltfrei miteinander umgegangen werden kann?
- Gewaltfreie Kommunikation nach Rosenberg: 4 Kommunikationsphasen 1. Beobachtung - ohne zu urteilen (z.B. anhand von konkreter Situation) 2. Gefühle - ohne zu interpretieren / unterstellen 3. Bedürfnisse - bereichern unser Leben 4. Bitten - ohne zu Fordern
- Gewaltfreie Kommunikation nach Rosenberg: Kritik Das Vorgehen beugt sehr gut heftigen Konflikten vor, ist aber in bereits hitzigen Auseinandersetzungen nicht handlungsfähig. Das Vorgehen muss in die Intuition (im Sinne eines Handlungswissens) übergehen um wirklich effektiv zu sein.
- Was ist Sozialisation (Sicht: Vorlesung B1a)? Sozialisation ist die Persönlichkeitsentwicklung im Umgang mit der sozialen Umgebung, d.h. der Bildung einer (sich weiterentwickelnden) Identität.
- Was ist Identität (Sicht: Vorlesung B1a)? Identität ist das Selbsterleben eines Menschen das kontinuierlich und kohärent ist.
- Wie bildet sich eine Identität? Das Selbsterleben ist nicht solipsistisch, sondern im sozialen Raum entwickelt. Daher steht es im Zusammenhang mit (oft unausgesprochenen, nicht thematisierten) Routienen und Regeln.
- Was sind Rollen? Rollen sind ein Bündel von Handlungserwartungen, die implizit bewusst und ggf. regelrecht verinnerlicht sind.
- Lenkung der Persönlichkeitsentwicklung: Autonomie und Heteronomie Innen (Autonomie): Erfahrung im Sozialen Raum: Anregung, Konfrontation führen zu innerer Persönlichkeitsentwicklung. Außen (Heteronomie): Institutionen versuchen Handlungsweisen auf übergeordnete Aufgabenstellungen und Prioritäten auszurichten (z.B.: Lehrpläne).
- Kritische Rollentheorie nach Habermaß: Grundannahme Die klassische Sozialisationstheorie vernachlässigt 3 Freiheitsgrade des Handelns: --> Die Identität besteht im Kern aus der Neigung zu einer aus je 3 Bewältigungsstrategien zu 3 typischen Rollenproblemen.
- Kritische Rollentheorie nach Habermaß: 3 typische Rollenprobleme 1. Wir groß ist die Fähigkeit Rollenambivalenz (Rollenerwartung vs. persönliche Befriedigung) zu ertragen? 2. Wie ist die Passung zwischen Rollendefinition und Rolleninterpretation? (Bsp. Handlungskompetenzorientierter Unterricht) 3. Inwieweit kann sich ein Individuum zu Rollenerwartungen distanzieren?
- Sozialisation nach Durkheim Es gibt keine determinierte innere Natur des Menschen. --> Alles Verhalten des Menschen ist ein Resultat sozialer Vorgänge. Der Mensch ist ein Produkt der Gesellschaft. --> Persönlichkeit entsteht im Prozess der Verinnerlichung gesellschaftlicher Regeln, Ideen, Gewohnheiten usw. --> Aufgabe der Erziehung: Bildung eines sozialen (sozial wirkenden) Wesens.
- Identität nach Erikson Identität ist die "unmittelbare Wahrnehmung der eigenen Gleichheit und Kontinuität in der Zeit, und die damit verbundene Wahrnehmung, dass auch andere diese Gleichheit und Kontinuität erkennen". Konflikte und Krisen sind ein wesentlicher Bestandteil der Identitätsentwicklung (positives Bild der personalen Krise).
- Der Identity-Status-Approach nach Marcia Krise vorhanden Kriese nicht vorhanden (Suche nach Alternativen) (keine Suche nach Alternativen) Innere Verpflichtung Achievement Foreclosure(Commitment) (erreichte Identität) (übernommene Identität) keine innere Verpflichtung Moratorium Diffusion(kein Commitment) (suchende Identität) (diffuse Identität)
- Diffusion nach Erikson 4 Formen der Diffusion Mangel eigener Überzeugungen und Mangel an Besorgtheit darüber --> Erikson versteht darunter die (vorübergehende oder dauerhafte) Unfähigkeit des Ichs zur Bildung einer Identität. 4 Formen: 1. Entwicklungsbezogene Diffusion: leichte persönlich erlebte Unsicherheiten und Reflexionen; 2. Sorglose Diffusion: oberflächliche, kurzlebige Beziehungen ohne zeitliche Kontinuität 3. Gestörte Diffusion: biografische Verletzungen führen zu sozialer Isolation, Dominanz von Scheiternserfahrungen, kompensatorischen Größenwahnphantasien 4. Selbstfragmentierte Diffusion: Verdichtung zu pathologischen Ausmaßen, tritt offen und sichtbar zu Tage
- Diffusion nach Erikson 4 Formen der Diffusion Mangel eigener Überzeugungen und Mangel an Besorgtheit darüber --> Erikson versteht darunter die (vorübergehende oder dauerhafte) Unfähigkeit des Ichs zur Bildung einer Identität. 4 Formen: 1. Entwicklungsbezogene Diffusion: leichte persönlich erlebte Unsicherheiten und Reflexionen; 2. Sorglose Diffusion: oberflächliche, kurzlebige Beziehungen ohne zeitliche Kontinuität 3. Gestörte Diffusion: biografische Verletzungen führen zu sozialer Isolation, Dominanz von Scheiternserfahrungen, kompensatorischen Größenwahnphantasien 4. Selbstfragmentierte Diffusion: Verdichtung zu pathologischen Ausmaßen, tritt offen und sichtbar zu Tage
- Moratorium nach Marcia Moratorium und Achievement: hoher analytischer, philosophischer Kognitiver Stil --> Um Identität zu formen und zu verstehen müssen selbst Krisen durchlebt worden sein.
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- Achievement nach Marcia wenig schüchtern, höchste internale Kontrollüberzeugung
- Foreclosure nach Marcia starke Orientierung an Bezugspersonen Führerschaftsgehorsam, Rassismus, Homophobie, exernale Kontrollüberzeugung
- These der Risikogesellschaft (Beck): 3 Dimensionen der Individualisierung 1. Freisetzungsdimension: Herauslösung aus historisch tradierten Sozialformen und -bindungen --> keine eindeutigen Orientierungen mehr vorhanden (z.B. Verblassen von Milieus) 2. Entzauberungsdimension: Verlust von traditionalen Sicherheiten in Hinblick auf Handlungswissen, Glauben, leitende Normen (Scheitern aufgrund fehlender Orientierung) 3. Kontroll- bzw. Reintegrationsdimension: Warum nach 1. und 2. keine Anarchie? --> neue Art sozialer Einbindung, Institutionalisierung von Biographiemustern (Medien)
- Subjekt-Institutionen-Verhältnis in der Moderne (Giddens) Ambivalenz? Funktionen sozialer Einbettung zwischen... Ambivalenz zwischen Verantwortung und Freiheit für eigenes Leben und Unkontrollierbarkeit der Gesamtheit Dislozierung: Das Entstehen von Vertrautheit, empfundener Nähe und sozialer Einbettung ist tendenziell immer weniger an die unmittelbare lokale Umwelt gekoppelt. Rückbettung: Menschen in der Gegenwart sind zunehmend in kollektiv geteilte Erfahrungsräume eingebettet, die räumlich variabel, beliebig, austauschbar oder auch physisch weit entfernt sein können. (Beispiele: Zeitung, Fernsehen, Parship, Filialläden)
- 4 Gesellschaftsformen nach Rammstedt 1. einfache Gesellschaften 2. segmentäre Gesellschaften: zyklisches Zeitbewusstsein, Erfahrungsraumund Erwartungshorizont sind identisch--> substanzielle, innere Identität (Gottgegeben) 3. Neuzeit: lineares Zeitbewusstsein, Aufklärung, Leben als zu gestalten und Ziel zu erreichen--> stabile, repräsentierte Identität (Entwickelt, Zielgerichtet) ⇒--> Entwicklung der Pädagogik 4. Moderne: Funktional ausdifferenzierte Gesellschaft, lineares Zeitbewusstsein mit offener Zukunft (Ziellosigkeit, Planlosigkeit und Organisationslosigkeit), Zeiterfahrung als kontinuierliche Bewegung oder Beschleunigung--> situative Identität (Flexibel, getrieben, diskontinuierliche Erwerbsverläufe)
- 3 Dimensionen der Beschleunigung in modernen Gesellschaften (Rosa) 1. Technische Beschleunigung: intentionale, technische und technologische Beschleunigung zielgerichteter Vorgänge(Transport,Informationsbeschaffung,Partnerwahl, ...) 2. Soziale Beschleunigung: Beschleunigung des sozialen Wandels lässt sich als Steigerung der Verfallsraten von handlungsorientierenden Erfahrungen und Erwartungen und als Verkürzung der für die jeweiligen Funktions-, Wert- und Handlungssphären als Gegenwart zu bestimmenden Zeiträume definieren. 3. Beschleunigung des Lebenstempos: Steigerung der Handlungs- & Erlebnisepisoden pro Zeit
- Beschleunigung als Merkmal moderner Gesellschaften (Rosa): Paradox "Wir haben keine Zeit obwohl wir sie im Überfluss gewinnen. Dieses ungeheure Paradoxon der modernen Welt zu erklären, seiner geheimen Logik auf die Spur zu kommen soll das Ziel dieses Buches sein."
- Zur Beziehung von Bildung und Freiheit Der Oberbegriff von Bildung ist Freihet: Bildung hat damit zu tun, dass Menschen ihre Freiheit erweitern.
- Bildung anhand eineiger (historischer) Synonyme Mündigkeit Kritikfähigkeit Über den Tellerrand schauen können Das Ganze im Blick behalten können Menschwerdung Sich in einem Thema verlieren können
- Zäsur der Bildungsdenkens im 17. / 18. Jhd. Übergang von der Imago-Lehre (Freiheitserweiterung durch Abbildung) zur Subjektivitäts-Lehre (Freiheitserweiterung als Selbstgestaltung).
- Was ist Aufklärung? (Kant) Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner Selbstverschuldeten Unmündigkeit.
- Was sieht Kant als die Hauptursachen der Unmündigkeit? Bequemlichkeit Angst Gewohnheit
- Paradox der Pädagogik (Kant) Wie kultiviere ich Freiheit bei dem Zwange?
- Wofür sieht Klafki den Bildungsbegriff als Notwendig an? Der Bildungsbegriff ist notwendig, um pädagogische Bemühungen nicht in ein unverbundenes Nebeneinander von Einzelaktivitäten zerfallen zu lassen.
- Bildungsbegriff im Kant'schen Paradigma Bildung ist das Selber-Denken. Bildung ist die Entstehung von Bewusstsein. Bildung ist die Praxis der Kritik.
- Was bezeichnet Michel Foucault als Kritik? Kritik betreiben heißt zu verstehen, dass man regiert wird und dem entgegenzutreten.
- Kritik am kant'schen Paradigma: Was ist das Spannungsfeld der Pädagogik? Die Pädagogik befindet sich im Spannungsfeld zwischen Ratio Routine und Humanität.
- Was fehlt Humboldt im kant'schen / aufklärerischen Bildungsparadigma? das Ästhetische, das Sprachliche, das Soziale
- Was ist Bildung nach Humboldt? Bildung (bzw. sogar der wahre Zweck des Menschen) ist die höchste und proportionierlichste Ausbildung der Kräfte. Bildung als Hingabe an Welt.
- 3 Dimensionen der Allgemeinbildung nach Humboldt Universalität: Erfassen des Wesentlichen der Welt (im Gegensatz zum Fachidiot --> Verständnis zentraler Kulturgüter ∼ Schule) Totalität: Schaffen einer Einheit des erfassen Wesentlichen im Subjekt (erst Fachexpertentum, dann davon ausgehend wieder in Breite ∼ Studium) Individualität: die daraufhin entstehende Einzigartigkeit im Denken und Handeln --> Reihenfolge für Humboldt wichtig