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Gender (Fach) / Gender-Klausur (Lektion)

Genderkompetenzen

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  • Sex Biologisches Geschlecht
  • Gender Geschlechtsrolle /Soziales Geschlecht/ soziales Ordnungsprinzip/ Dimension sozialer Ungleichheit/ Strukturmerkmal
  • Doing Gender Soziale Praxis der Herstellung von Geschlecht (z.B. soziale Interaktionen werden hergestellt, vermittelt und tradiert – was ist weiblich u. was ist männlich)
  • ‚Undoing Gender‘ Entgegenwirken durch veränderte Interaktionen und Handlungspraxen
  • Geschlecht als Struktur-Kategorie (hierarchisches) Sozialgefüge/ Geschlechterverhältnisse bilden Herrschaftsverhältnisse ab/ Geschlecht prägt soziale Strukturen (z.B. Erwerbsquote, Einkommen/Karriereverlauf, Alterssicherung) / Geschlecht bestimmt über Zugang zu finanziellen, sozialen u. gesundheitlichen Ressourcen
  • Biologistische / Naturalistische Ansätze Geschlechterdifferenzen sind natürlich gegeben
  • Gleichheitsansatz - Seit den 70er/ 80er Jahren - Frauen und Männer sind gleich fähig, Unterschiede sind sozial hergestellt (Sozialisation) und werden dramatisiert. = Geschlecht ist sozial konstruiert (doing gender) Ziel: Geschlechtsneutralität = Geschlecht soll für soziale Positionierung keine Rolle spielen Fokus auf materielle Ungleichheit / Geschlecht als Strukturkategorie
  • Differenzansatz - Seit den 80er/ Beginn 90er Jahren - Unterschiedlichkeit der Geschlechter werden als gegeben angenommen. These: Spezifisch weibliche Fähigkeiten werden weniger gesellschaftlich wertgeschätzt (entlohnt) und genutzt. Ziel: Umwertung/Aufwertung weiblicher Fähigkeiten Fokus auf symbolische Geschlechterordnung/ Wertordnungen und Kritik an Androzentrismus
  • Dekonstruktivistischer Ansatz - Seit den 90er Jahren - Nicht nur das soziale Geschlecht, auch das biologische Geschlecht wird als sozial konstruiert betrachtet und muss dekonstruiert/aufgelöst werden.Auch sex-gender Unterscheidung ist binär ausgerichtet und wird abgelehnt. Es gibt mehr als zwei Geschlechter! Geschlecht hat man nicht, man tut es! = Doing Gender = hoher Eigenanteil an Herstellung von Geschlecht und an Aufrechterhaltung von Herrschaftsverhältnissen. Ziele: Auflösung bipolarer Identitätskategorien von Geschlecht durch radikalen Dekonstruktivismus und De-gendering - Pluralisierung von Identitätskategorien - Bewusstsein schaffen für Eigenanteil an der Herstellung von Geschlecht Fokus auf Geschlecht als subjektive Identitätstheorie
  • Gendering Organizational Theorie Organisationen sind NICHT geschlechtsneutral! Kontinuierliche organisationale Gendering-Prozesse finden statt, diese stehen in Wechselwirkung mit geschlechtsspezifischer Arbeitsteilung und gesellschaftlichen Entwicklungen.
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  • Gendered Substructures geschlechtliche Substrukturen Informelle Ebene: Netzwerke unterhalb der offiziellen Organisationsstruktur, in denen Personen vor allem in ihren sozialen Merkmalen wahrgenommen werden.
  • Intersektionalität - Seit den 90er Jahren - Verwobenheit von Gender mit den Kategorien Soziale Klasse/ Herkunft und Ethnie (Class – Race – Gender) • beinhaltet Überwindung additiver Perspektiven• bezieht sich auf Analyse von sozialen Ungleichheiten undMachtverhältnissen (feministische Theorie) - Als eine neben anderen Differenzkategorien, dieWirksamkeit je nach Kontext mehr oder wenigerentfaltet (z.B. Walgenbach, 2012) - Geschlecht als ‚besondere strukturgebende Kategorie‘ ,die nicht unterkomplex reflektiert werden darf (z.B.Rendtorf, 2012) Intersektionalität als Konzept ist aber immer implizitund explizit macht- und differenzkritisch ! Im Unterschied zu Diversity
  • Diversity-Konzept - Seit Anfang 2000er Jahren - Vielfalt managen und positiv nutzen - Ökonomische Strategie zur Nutzung von Vielfalt im Sinne einer ‚Diversity Dividende‘ Problem: Feststellung von Unterschieden/ Vielfalt kann leicht zur Festschreibung führen. Gleichstellung nur, wenn Nutzen für die Organisation dabei entsteht - Geschlecht wird zunehmend in seiner Bedeutung verleugnet und dies wird sprachlich transportiert durch die Vermeidung des Begriffs und die Subsumierung unter Diversity (vgl. Klein, 2014). Nicht implizit und explizit macht- und differenzkritisch !
  • Habituskonzept von Pierre Bourdieu In den Körper sind habituelle Handlungs-, Wahrnehmungs- und Bewertungskategorien inkorporiert und werden zu Dispositionen und Distinktionen. Habitus = ‚Hilfskonstrukt‘: er wird durch soziale Strukturen geformt und formt wiederum soziale Strukturen, vergeschlechtliche Körper, Haltungen, Empfindungen, etc… Distinktionen = z.B. Denk-, Sprech-, Handlungsweise, Aussprache, Stigma, Hautfarbe etc., mit denen sich Eliten/Klassen abgrenzen. Die Herrschaftsverhältnisse sind „somatisiert“ (Bourdieu, 2005). Männlicher Habitus geprägt von: -          Kompetitiver Struktur -          Homosozialen Räumen -          Ausschluss von anderen (‚unmännlichen‘ Männern, Frauen, sozialen Gruppen…) aus den ‚ernsten Spielen‘ des Wettbewerbs Männer sind Unterdrücker, aber auch Unterworfene im System der Männlichen Herrschaft.
  • Rawyn (Robert) Connell (1999): Konzept der hegemonialen Männlichkeit Eigene Interessen des Hegemonen werden als allgemeines gesellschaftliches Interessen definiert und durchgesetzt. heterosoziale Dimension = Männer in Relation zu Frauen homosoziale Dimension = Männer untereinander = Doppelte Distinktions- und Dominanzlogik Komplizenhafter Männlichkeit (arbeiten zu; profitieren)Untergeordneter Männlichkeit (ausgegrenzt, z.B. Homosexualität)Marginalisierter Männlichkeit (untere soziale Klassen und ethnische Minderheiten) Patriarchale Dividende: = Zugewinn an Anerkennung, Prestige, Gehalt, Freisetzung von Care etc. Hegemonial ist eine Männlichkeit nur dann, wenn sie eine normierende Wirkung über das jeweilige soziale Feld hinaus hat.
  • Michael Kimmel: Konstruktion von Maskulinität „Four Rules of Manhood“: 1. No Sissy-Stuff (nichts weibliches; Männlichkeit ist die Ablehnung/Abgrenzung von Weiblichkeit) 2. Be a big wheel (Einkommen, Auto, berufliche Position…) 3. Be a sturdy oak (Fels in der Brandung; zuverlässig in der Krise) 4. Give them hell (aggressiv, risikobereit, wagemutig, durchsetzungsfähig) ...Männlichkeitskonstruktionen von jungen Männern wie vor 60 und 100 Jahren... Übergangsrituale fehlen!
  • Michael Meuser (2001) Michael Meuser (2001): Kollektive Konstruktion hegemonialer Männlichkeit - homosoziale Männergemeinschaft ist zentraler Ort der Herstellung und Aufrechterhaltung hegemonialer Männlichkeit. Durch Wandel der Geschlechterverhältnisse ausgelöste Verunsicherungen werden in reinen Männerkontexten aufgefangen Männlichkeit bildet sich heraus aus unterschiedlichen sozialen Lagen, die im Zusammenspiel mit sozialem Milieu, Ethnie, Generation, sexueller Orientierung, Kultur etc. den „Möglichkeitsraum männlicher Subjektpositionen“ (Meuser, 1999) bestimmen.
  • Identität (entwicklungspsychologisch) die Antwort auf die Frage, wer man selbst ist. Bedingungen, die eine biographische und situationsübergreifende Gleichheit der Wahrnehmung der eigenen Person möglich machen. = Akt sozialer Konstruktion; beruht auf Grundbedürfnis nach Anerkennung und Zugehörigkeit.
  • Ziel von Identitätsentwicklung Unverwechselbar individuell aber auch sozial akzeptabel und anerkennungsfähig.
  • Geschlechtsidentität Selbstwahrnehmung als männlich/ weiblich bzw. als (mehr oder weniger) maskulin/feminin/androgyn ist zentraler Bestandteil von Identität.
  • Erik Erikson (Identitätsentwicklung) = Identitätsentwicklung bezieht sich auf zentrale Lebensfragen wie Beruf, Partnerschaft, gesellschaftliche Erwartungen, politische Standpunkte. • Identitätsentwicklung führt zu persönlicher Verpflichtung in diesen Bereichen; Loyalität zu Zielen, Haltungen. • Gelingende Identitätsentwicklung führt zu Wohlbefinden und Selbstachtung • Besonders wichtige Phase der Identitätsentwicklung ist das Jugendalter (Identität vs. Rollenkonfusion)  
  • James E. Marcia Marcia fand vier Formen der Identität in Bezug auf: • Krise (Ausmaß an Verunsicherung) • Verpflichtung (Ausmaß an Engagement und Bindung an den Lebensbereich) • Exploration (Ausmaß an Erkundung mit Ziel der Orientierung)   Vier Identitätsstadien: 1. Übernommene Identität 2. Diffuse Identität 3. Moratorium 4. Erarbeitete Identität
  • Soziale Identitätstheorie nach Tajfel (1982) Teil der Identitätsentwicklung ist auch Bewusstsein über Zugehörigkeit zu gesellschaftlicher und kultureller Gruppe. Soziale Identität = Teil des Selbstkonzeptes eines Individuums, der sich aus seinem Wissen um seine Mitgliedschaft in sozialen Gruppen und aus dem Wert und der emotionalen Bedeutung ableitet, mit der diese Mitgliedschaft besetzt ist. (Tajfel, 1982) beeinflusst Ausbildung personaler Identität durch den Aufbau eines spezifischen Wertesystems
  • King (2006): These von der Doppelten Transformation jugendlicher Migrant*innen 1. Von Mädchen/Junge zu Frau/Mann 2. Aus Herkunftskultur in deutsche Kultur ‚Hybride Identitäten’ (=neue kulturelle Identität) möglich (vgl. Lang, 2006)
  • Geschlechtergerechtigkeit Gleichheit + Freiheit sind angemessene normative Prinzipien der Geschlechtergerechtigkeit Freiheit zu unterschiedlichen Seins- und Lebensweisen bei Gleichheit in der Verteilung von Ressourcen, Einfluss und Wertschätzung (Pimminger, 2012). Wie entsteht nun in unserer Gesellschaft durch Geschlecht soziale Ungerechtigkeit? -          Geschlecht als Strukturkategorie (Gleichheitsansatz) -          symbolische Hierarchisierung und Androzentrismus (Differenzansatz) -          Zwänge durch binäre Geschlechternormen (Dekonstruktivismus) Geschlechtergerechtigkeit muss daher die miteinander verschränkten strukturellen, symbolischen und subjektbezogenen Dimension von Geschlecht einbeziehen (Pimminger, 2012).
  • Heteronormativität Norm der Zweigeschlechtlichkeit, in der Frauen und Männer als grundsätzlich unterschiedlich konstruiert sind, in Verbindung mit der Norm der Heterosexualität. Gender ist (vorläufig noch) die zentrale Differenzkategorie, jedoch mit unterschiedlicher Reichweite je nach Kontext (vgl. Rose, 2007).
  • Direkte Diskriminierung aufgrund von (biologischem) Geschlecht: sex aufgrund der Familienform: Ehezentriertheit Bsp.: Rentenversicherung -  Belohnt werden lange Versicherungszeiten und hohe Beitragszahlungen (Äquivalenzprinzip) - Diskriminiert werden Personen, die nicht kontinuierlich (in Vollzeit) am Erwerbsarbeitsmarkt partizipieren
  • Indirekte Diskriminierung aufgrund von (sozialem) Geschlecht: gender → Ein Geschlecht wird systematisch benachteiligt
  • Geschlechter-Theorien Perspektive der … - Gleichheit:Unterschiede sind sozial konstruiert - Unterschiedlichkeit/Differenz:Differenzen sind wertvoll, müssenberücksichtigt und gewürdigt werden - Vielfalt/Dekonstruktion:Binäre Geschlechterkategorisierung ansich ist diskriminierend und bedarf derAuflösung
  • Genderkompetenz Wissen über das Entstehen und die soziale Konstruktion von Geschlechterrollen und Geschlechterverhältnissen, Fähigkeit zur Reflexion von (eigenen) Geschlechterrollenbildern und zur Anwendung von Gender als Analysekategorie im beruflichen und Organisationskontext. (Blickhäuser/Barten 2005) = Wissen + Können + Wollen (+Dürfen) Wissen aneignen (Fachkompetenz):Geschlechterdifferenzen (faktische und vermeintliche), Gendertheorien, Forschungsmethoden, Kontext- bedingungen, Wirkungen von Geschlechterstereotypen, Prozesse der Konstruktionen von Gender… Handlungskompetenzen aneignen:Methoden, Konzepte und Interventionen lernen, erproben und anwenden Selbstreflexion (Selbstkompetenz):Eigene Verhaltensweisen, Einstellungen und Rollenkonzepte reflektieren