3

Klas. Studien der Pol. Soziologie (Fach) / 2. Sitzung (Hitlers Wähler) (Lektion)

klausur

Diese Lektion wurde von lalalalala erstellt.

Lektion lernen

  • Erläutern Sie bitte kurz die drei von Jürgen Falter in „Hitlers Wähler“ vorgestellten wissenschaftlichen Erklärungsversuche der Wahlerfolge der NSDAP. Die klassentheoretische Position (Seymour Martin Lipset) -Jedes soziale Schicht hat eine demokratische und eineextremistische politische Ausdrucksform -Die demokratische politische Ausdrucksform derbürgerlichen Mittelschicht ist der Liberalismus,die extreme Ausdruckform der Faschismus -Es gibt also nicht nur Links- und Rechtsextremismussondern auch einen Extremismus der Mitte -Liberalismus und Faschismus teilen die soziale Basis undTeile der Ideologie (Ablehnung von Großindustrie undGewerkschaften; antireligiös, -sozialistisch, -traditionell) -Aufstieg der NSDAP erklärt sich demnach durch Zustromvon ehemaligen Wählern der (liberalen) Parteien der Mitte Die massentheoretische Position(u.a. Hannah Arendt und Reinhard Bendix) -Klasse und Schicht sind nicht entscheidendfür die Wahl der NSDAP -Faschismus findet seinen Nährboden in sozialdesintegrierten, atomisierten Gesellschaften ohnefunktionierende soziale Netzwerke -Großkrisen führen zur Herauslösung aus politischenBindungen. Dies gelte besonders für Personen, die nicht inGewerkschaften und Kirchen integriert seien. -Fortdauernde Krisen führen zur Wahl extremistischerParteien -Jungwähler und bisherige Nichtwähler sollten besondersanfällig für die Wahl extremistischer Parteien sein  Die Theorie des „politischen Konfessionalismus(Walter Dean Burnham) -Die Wahlberechtigten in der Weimarer Republikgliederten sich in drei relativ stabile „Blöcke“(bürgerlich-protestantisch, sozialistisch und katholisch) -Diese Blöcke waren relativ stabil und festgefügt:Veränderungen gab es innerhalb aber nicht zwischen denBlöcken -Katholische und sozialistische Parteien bietenWeltanschauung und Milieubindung -Das protestantisch bürgerlich Lager hingegen wareher lose organisiert und damit instabiler
  • Mit welchen methodischen Problemen sah sich Jürgen Falter in seiner Studie „Hitlers Wähler“ bei der Analyse der Wahlerfolge der NSDAP konfrontiert? Methodische Probleme der historischen Wahlforschung Hauptproblem: Es stehen nur Aggregat- und keineIndividualdaten zur Verfügung Folge: Aussage- und Analyseebene klaffen auseinander Typische Fehler wahlhistorischer Untersuchungen: Fehler der naiven DisaggregationFehler der willkürlichen SelektionFehler der unvollständigen Modellspezifikation "Was muss Falter dagegen machen um mit den Daten arbeiten zu können?" Methodische Anforderungen an diehistorische Wahlforschung -Verwendung möglichst kleiner Gebietseinheiten -Berücksichtigung der unterschiedlichen Größe derGebietseinheiten -Berücksichtigung von Gebietsreformen -Vergleichbarmachung der auf unterschiedlicheGebietseinheiten bezogenen Statistiken -Prozentuierung möglichst auf die gleiche Basis(Wahlberechtigte) -Anwendung multivariater Analyseverfahren
  • Zu welchem Befunden gelangte Jürgen Falter in „Hitlers Wähler“ in Bezug auf den Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit und der Wahl der NSDAP? -Zunächst zu erwähnen, dass die ursprüngliche Annahme vorher war "vor allem Arbeitslose wählen die NSDAP" -Durch die in der Studie präsentierten Grafiken zeigt sich: durch die absoluten Fallzahlen wird klar, dass nicht nur Arbeitlose die NSDAP wählen -Die Kreismodelle zeigen außerdem, dass die NSDAP bei einer hohen Arbeitslosenquote weniger Stimmen eingefahren hat -> profiert hat hingegen vor allem die KPD -Annahme, dass vor allem Arbeitslose die NSDAP wählen somit widerlegt -> Alter Mittelstand mit besonderer Affinität zur NSDAP, aber 40% der Wähler waren Arbeiter NSDAP somit nicht Partei der Arbeitslosen, sondern kann beschrieben werden als ->>> „Volkspartei des Protests mit Mittelstandsbauch