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Deutsche Rechtschreibung / DAF, DaZ (Fach) / Glossar (Lektion)

Beschreibung von Fachbegriffen.

Diese Lektion wurde von LuisaLuepken erstellt.

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  • Transfer Der Begriff Transfer wird unterschiedlich benutzt. In dieser Veranstaltung bezieht er sich auf die Beobachtung, dass Lerner einer Zweitsprache Strukturen aus ihrer Erstsprache während der Verarbeitung, des Gebrauchs und des Erwerbs der Zweitsprache nutzen. Dabei kann es sich zum Beispiel um Hypothesen zur Verbstellung handeln, wie sie z.B. in der Studie von Haberzettl (2005) untersucht werden. (vgl. auch "The new handbook of SLA"
  • Übergeneralisierung Ü bergeneralisierungen sind ein übereinzelsprachliches Merkmal von Lernersprachen bzw. Interlanguages (Selinker 1974 [1972]). Sie drücken sich dadurch aus, dass Regeln der Zielsprache vom Lerner zu weit ausgedehnt werden und führen zu einer inkorrekten Struktur in der Interlanguage.  Beispiel: Die Anwendung der im Deutschen existieren Pluralmarkierung -en auf einen Stamm, der eine andere Pluralmarkierung erfordert BedienungenScheibenLampen *Tischen*Fernseheren*Glasen
  • Universalgrammatik / Universalien […] Forscher/innen [haben] immer wieder darüber nachgedacht, ob es nicht für alle Sprachen der Welt gemeinsame Eigenschaften geben muss. Solche gemeinsamen Eigenschaften nent man auch Universalien. Zum Beispiel weisen wohl die meisten Sprachen der Welt verschiedene Satztypen wie z.B. Deklarativsatz (Aussagesatz), Interrogativsatz (Fragesatz) und Imperativsatz (Aufforderungssatz) auf. Dies lässt sich dadurch erklären, dass die Sprechakte, die sich mit diesen Satztypen realisieren lassen, in der Kommunikation aller Menschen eine fundamentale Rolle spielen. Während dies eine funktionale Begründung von Universalien ist, weil sie auf die Zwecke abzielt, mit denen man Sprache verwendet, gibt es auch Erklärungen von Universalien, die auf die gleiche biologische Ausstattung des Menschen abzielen. Solche Erklärungsansätze identifizieren oft die möglicherweise angeborene Fähigkeit zum Erwerb einer Sprache, die den Menschen ja von den Tieren unterscheidet, mit der sog. Universalgrammatik (vgl. Pinker 1996). 
  • Varietät Es ist […] zu erwarten, dass nicht alle Mitglieder der Gesellschaft exakt die gleiche Sprache verwenden, sondern dass sie von Varietäten Gebrauch machen, wobei unter Varietäten allgemein Sprachausprägungen in Abhängigkeit von geographischen Variablen (Dialekte) oder sozialen Variablen (Soziolekte) zu verstehen sind.  (Meibauer et al. 2007: 3) Der Terminus „Varietät" beschreibt folgendes Phänomen: Innerhalb einer Sprache gibt es verschiedene Sprach(gebrauchs)formen, die sich durch bestimmte außersprachliche Faktoren bedingen und die durch die Summe ihrer spezifischen sprachlichen Charakteristika (aus den Bereichen Phonetik/Phonologie, Wotschatz, Satzbau usw.) beschrieben werden können. Umstritten ist, ob es sich bei den Varietäten um eigene Sprachsysteme, z.B. mit eigener Grammatik und Lexik, - so genannte Subsysteme - handelt und ab wann man von einer eigenen Varietät sprechen kann (Wie viele spezifische sprachliche Merkmale sind hierzu etwa nötig?). Die Abgrenzung der einzelnen Varietäten voneinander ist nur bedingt möglich, da sie sich teilweise überschneiden. Außerdem verfügt jedes Individuum über ein gewisses Varietätenrepertoire, aus dem es bewusst oder unbewusst je nach Gesprächssituation oder -partner wählen kann. Die sprachwissenschaftliche Disziplin, die sich mit den Varietäten beschäftigt, ist die Soziolinguistik.  (Kessel & Reimann 2012 [2005]: 139) Berruto (1987) spricht von vier Typen von Varietäten in Abhängigkeit vom jeweiligen Beschreibungskriterium:   diatopisch: abhängig von dem geographischen Ortdiastratisch: abhängig von der sozialen Schichtdiaphasisch: abhängig von der sprachlich zu bewältigenden Situationdiachronisch: abhängig von der Zeit; historische Entwicklung der Sprache
  • Verbstellung Unterschieden werden im Deutschen drei Verbstellungs-typen: das finite Verb an erster Position (V1), an zweiter Position (V2) und an letzter Position (VL/VLetzt).  (Lindner 2014: 187) Der 'zwittrige' Charakter des Deutschen zeigt sich auch in der Verbstellung, denn das finite Verb kann drei Stellen in satzförmigen Ausdrücken besetzen: die erste, die zweite und die letzte Stelle. Traditionell werden diese drei Positionstypen in einen funktionalen Zusammenhang mit dem Satzmodus gebracht. Verb-Zweit:     Aussagesatz                            Reuß hat das erste Tor geschossen.                          W-Verb-Fragesatz                   Wo fliegt der Ball denn jetzt hin?                          Imperativsatz                          Das musst du erst mal nachmachen!Verb-Erst:        Entscheidungsfragesatz      Kommst du denn morgen zum Spiel?                          Alternativfragesatz               Willst du ein kleines oder ein großes Eis?Verb-End:        Konjunktionalsatz                Schön, dass bald das Spiel beginnt.                          Relativsatz                              Das Spiel, das wir gestern sahen, war toll. (Huneke & Steinig 2013 [1997]: 71) Eine weitere grundlegende Tatsache der Wortstellung im Deutschen ist, dass es drei Verbstellungstypen gibt (entscheidend ist immer die Stellung des finiten Verbs): Verberststellung (V1), Verbzweitstellung (V2), und Verbendstellung (VE).      (1)     a.   Sie macht den Mund nicht auf. (V2)               b.   Macht sie den Mund nicht auf? (V1)               c.   ...weil sie den Mund nicht aufmacht. (VE)Der Unterschied zwischen Verbzweit- und Verbendstellung ist, dass bei Verbzweitstellung eine Konstituente vor dem finiten Verb, im sog. Vorfeld, auftritt, während dies bei Verberststellung nicht der Fall ist. In beiden Verbstellunstypen bildet das finite Verb den linken Teil der Klammer (kurz: linke Klammer) und der restliche Verbalkomplex den rechten Teil der Klammer. Dazwischen, im Mittelfeld, können beliebig viele Konstituenten auftreten. Im Nachfeld treten dagegen in der Regel maximal zwei Knstituenten auf.  VerbzweitstellungVorfeld                    LK                        Mittelfeld                     RK                                                    Nachfeld1 Konstituente      finites Verb        0-x Konstituenten      restlicher Verbalkomplex           0 - ca. 2 Konstituenten, in der Regel NebensätzeOtto                          hat                      Hans                               gesagt,                                          dass er kommt VerberststellungLK                         Mittelfeld                    RK                                                    Nachfeldfinites Verb        0-x Konstituenten      restlicher Verbalkomplex          0 - ca. 2 Konstituenten, in der Regel NebensätzeHat                      Otto Hans                     gesagt,                                           dass er kommt? Nun ist es aber auch häufig so, dass die Teile des Verbalkomplexes nicht „auseinander gerissen" sind, sondern zusammen auftreten. Dies ist dann der Fall, wenn der Satz durch eine subordinierende Konjunktion oder ein anderes subordinierendes Element eingeleitet ist. Man geht nun davon aus, dass in diesem Fall die subordinierende Konjunktion den linken Teil der Klammer bildet und der gesamte Verbalkomplex den rechten Teil der Klammer.  VerbendstellungLK                                                             Mittelfeld                     RK                                                    Nachfeldsubordinierende Konjunktion           0-x Konstituenten      Verbalkomplex                             0 - ca. 2 Konstituenten, in der Regel Nebensätzeob                                                            Otto Hans                      gesagt hat,                                   dass er kommt
  • Wortarten Wortarten fassen Mengen von Wörtern zusammen, die gewisse Eigenschaften miteinander teilen. Die Eigenschaften, um die es dabei geht, können morphologisch sein, d.h. die Gestalt der Wörter selbst betreffen - zum Beispiel ob und wie sie flektiert, d.h. ausgehend von ihrem Wortstamm durch Konjugation (zum Beispiel wird Lola renn- zu Lola rennt) oder Deklination (zum Beispiel wird schwarz- Katzezu schwarze Katze) verändert werden. Andere wichtige Klassifikationseigenschaften sind syntaktisch, d.h. sie betreffen den Satzbau - zum Beispiel wo genau im Satz das betreffende Wort stehen kann oder muss und ob nach dem betreffenden Wort typischerweise Substantive bzw. Nomen - die beiden Begriffe sind gleichbedeutend - oder ganze Sätze stehen. Weiterhin kann für die Wortartenabgrenzung wichtig sein, was für Bedeutungseigenschaften ein Wort aufweist, d.h. ob es zum Beispiel Eigenschaften eines Gegenstands beschreibt, wie das Nomen Buch, oder Eigenschaften einer Tätigkeit, wie das Verb wundern, oder wie es sich in einem Text verhält, der mehr als einen Satz enthält
  • Wortstellungsregeln Wortstellungsregeln beschreiben die Positionierung von Elementen einer Sprache im Satz, also bspw. die Stellung (in-)finiter Verbteile oder die Positionierung des Subjekts.  Beispiel: Stellung (in-)finiter Verbteile  VorfeldFinitumMittelfeldInfinite Teile KonstruktionsbezeichnungIchtrinke  eine Tasse Tee.  PräsensIchhabeeine Tasse Tee getrunken.  PerfektIchwilleine Tasse Tee trinken.  ModalverbkonstruktionIchwerdeeine Tasse Tee trinken.  FuturIchtrinkeeine Tasse Tee aus.  Verben mit trennbarem Präfix Ichbeabsichtige,  eine Tasse Tee zu trinken.  Infinitiv mit zu Eine Tasse Tee istvon mir getrunken worden.  Passiv Wortstellungsregeln sind im Rahmen der Sprachstandsdiagnose insofern relevant, dass sich die Profilanalyse nach Grießhaber (2010) auf ihren Erwerb stützt
  • Zweisprachigkeit Erwirbt ein Kind zwei Sprachen von Geburt an, z.B. in zweisprachigen Familien, so ist von früher Zweisprachigkeit oder vom simultanen Erwerb zweier Sprachen die Rede. Sukzessiver Bilingualismusbzw. sukzessiver Zweitspracherwerb steht für den Erwerb einer zweiten Sprache nach der ersten, etwa ab drei Jahren.
  • Zweitsprache Meist wird davon ausgegangen, dass ca. ab dem 3./4. Lebensjahr aufgrund der bereits erworbenen Sprachkenntnisse und der neuronalen und kognitiven Entwicklung für die Aneignung einer neuen Sprache eine veränderte Erwerbssituation besteht und deshalb ab diesem Zeitpunkt von frühem Zweitspracherwerb gesprochen. Die neue "zweite" Sprache bezeichnet man in Anlehnung an den englischen Fachterminus auch als L2, da es sich um eine Sprache handelt, die zeitlich versetzt zur Erstsprache erworben wird. Weiter wird zwischen kindlichem oder auch frühem Zweitspracherwerbeinerseits und dem Zweitspracherwerb Erwachsener unterschieden. [...] Der Ausdruck Zweitsprache wird von vielen Autoren als übergeordneter Begriff für alle Formen der Sprachaneignung nach der Erstsprache verwendet; andere unterscheiden insbesondere Tertiärsprachenund Fremdsprachen [...]. [...]Zweitsprache und Zweitspracherwerb werden häufiger auch als Oberbegriff für verschiedene Typen des Spracherwerbs verstanden, der zeitlich versetzt zum Erwerb der ersten Sprache verläuft und nicht dem klassischen Bilingualismus zugerechnet werden kann (Wolff 2003).  (Ahrenholz 2014 [2008]: 5-7) Eine weitere wichtige Unterscheidung ist die zwischen Fremdspracherwerb und Zweitspracherwerb. Fremdspracherwerb bedeutet, dass die zweite Sprache in einem Land erworben wird, in dem diese Sprache nicht gesprochen wird. Englischunterricht an deutschen Schulen ist Fremdsprachunterricht, ebenso Deutschunterricht in England. Von Zweitspracherwerb wird hingegen gesprochen, wenn die zu lernende Sprache zur gleichen Zeit die Umgebungssprache ist. Er vollzieht sich unter mehr oder weniger pädagogischer Einflussnahme und führt zu mehr oder weniger gutem Beherrschen zweier oder mehrerer Sprachen. Mit dieser Unterscheidung geht eine weitere Differenzierung einher: Eine Fremdsprache muss man lernen, eine Zweitsprache wird hingegen eher in ungesteuerten Kontexten erworben
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