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Finanzmanagement (Fach) / Crowdfunding (Lektion)

Kapitel IV

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  • Ursachen für die Entstehung von Crowdfunding Einflüsse auf das Angebot der Finanzierung von Entrepreneuren:   Regulierung: - Erhöhte Anforderungen an die EK-Unterlegung bei Kreditinstituten (Basel III).- Rechtliche Rahmenbedingungen für Crowd Funding mittlerweile in vielen Volkswirtschaften verbessert (z.B. JOBS Act in USA).  Technologie: Internet, Kryptowährungen, soziale Netzwerke. Geringere Einstiegsbarrieren. Nachfrageseite:   Netzwerkeffekte kreieren „winner-takes-it-all“ Märkte.  Folge: Bedeutung von Patenten, Lizenzen etc. steigt, die aber nicht durch „klassische“ Kredite finanziert werden können.  Demographie und Sozio-Psychologie: steigende Bedeutung sozialer Netzwerke für Entscheidungsfindung.  Potenzielle Lösung: Crowdfunding.
  • Crowdfunding (Crowdsourcing) Crowdfunding als Sonderform von Crowdsourcing.  Crowdsourcing: Alle monetären und nicht-monetären Wertschöpfungsformen, bei denen die Crowd ihre Fähigkeiten, Ressourcen und Kenntnisse einbringt und nutzbar macht.  Crowdfunding als Obergriff der Schwarmfinanzierung: Eine Vielzahl von Kapitalgebern stellen insb. über das Internet Kapital für spezifische Produkte oder Unternehmen zur Verfügung.
  • Crowdfunding: 4 Arten 4 Arten des Crowdfundings: 1)  Donation-based Crowdfunding (spendenbasiert),2)  Reward-based (gegenleistungsbasiert),3)  Crowdlending (kreditbasiert),4)  Equity-based (Crowdinvesting).
  • Donation-based Crowdfunding (2 Punkte) Donation-based Crowdfunding   Keine Gegenleistung.  I.d.R. Finanzierung eines konkreten Projekts. Häufig Unterstützung gemeinnütziger Projekte, Open Source Software (z.B. Wikipedia) oder Wahlkampf (z.B. Barack Obama).
  • Reward-based Crowdfunding (1 Punkt) Reward-based Crowdfunding  Unterstützer erhalten nicht-monetäre Gegenleistungen, z.B. öffentliche Namensnennung (insb. bei Film- und Musik-Projekten), das zu finanzierende Produkt, kostenfreie Nutzung etc.
  • Crowdlending (2 Punkte)   Laufzeiten i.d.R. 5-10 Jahre; Bonitätsprüfung durch Plattform; Kreditvergabe orientiert sich oftmals am Auktionsprinzip.  Auxmoney oder Smava richten sich an Privatpersonen; Plattformen wie Zencap an KMUs.
  • Crowdinvesting (4 Punkte)   Überwiegend Investment in Unternehmen, die eine Gründungs- oder Wachstumsfinanzierung benötigen.  Insb. in Deutschland i.d.R. keine „echte“ Beteiligung am Unternehmen. Stattdessen oftmals Nachrangdarlehen, stille Beteiligung, Genussrechte. Also: keine Mitbestimmung, aber i.d.R. Gewinnbeteiligung.  Bekannte Crowdinvesting Plattformen in Deutschland: z.B. Seedmatch oder Companisto.  Details hierzu s. „Rechtliche Aspekte des Crowd Investing“.
  • Crowdfunding-Prinzipien (3 Punkte)  „Alles-oder-nichts-Prinzip“ - Das Funding-Ziel muss innerhalb einer definierten Zeitspanne mindestens zu 100% erreicht sein.- Wird das Fundingziel nicht erreicht, wird das bisher eingesammelte Geld an die Crowd zurückbezahlt.- Ziel: Sicherstellung der Qualität.- Bei einigen Plattformen gilt allerdings: „Nimm-was-Du-kriegst“.   Gegenleistungsprinzip: Gegenleistungen ideeller, materieller oder monetärer Natur. Staffelungen je nach Höhe des Beitrags möglich.   Transparenzprinzip: Founder informiert die Crowd von der Planung der Finanzierung bis zur Realisierung stetig über den Stand des Projekts.
  • Rechtliche Aspekte des Crowdinvesting in Deutschland (3 Punkte)   Seit 2015: Kleinanlegerschutzgesetz.  Bis 2015 waren WpHG und Vermögensanlagegesetz (VermAnlG) entscheidend:- Keine Prospektpflicht bei Wertpapieremissionen mit Investitionsvolumina bis 100 TEUR.- Für nachrangige bzw. partiarische Darlehen, stille Beteiligungen und Genuss- Scheine galt diese Regelung jedoch nicht. Änderungen durch Kleinanlegerschutzgesetz 2015: - Prospektpflicht erst ab 2,5 Mio. EUR Investitionsvolumen. Diese Regelung gilt jedoch nur für die Anlageformen, die bislang nicht unter das WpHG bzw. VermAnlG gefallen waren. Bei EK-Investments gilt weiterhin eine Prospektpflicht ab 100 TEUR.- Privatpersonen können nicht mehr als 1.000 EUR investieren. Ausnahmen: Bei Gesamtvermögen über 100 TEUR bis zu 10 TEUR. Sofern das Gesamtvermögen kleiner ist als 100 TEUR: das 2-fache Monatseinkommen, max. 10 TEUR.
  • Akteure – Plattformen Aufgaben, Provision, Anlagevermittlung (3 Punkte) Crowdfunding-Plattformen   Aufgaben: Treffen Vorauswahl, stellen die Einhaltung rechtlicher Rahmenbedingungen sicher, fungieren als Absatzmittler.  Provision: ca. 5 bis 10% der Fundingsumme.  I.d.R. Anlagevermittlung nach §34 GewO. Keine Beratung.
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  • Qualitätsmerkmale der Crowdfunding-Plattform + mögliche Entwicklung (5 Punkte)  Differenzierung, da ansonsten Netzwerkeffekte die größte Plattform begünstigen.  Mehrwert für Investoren (z.B. Unterstützung bei der Auswahl von Investments).  Regelmäßiges Angebot von attraktiven Anlagealternativen.  Einhaltung regulatorischer Voraussetzungen. Mögliche Entwicklung: „klassische“ Kreditinstitute adaptieren das Modell Crowdfunding und fungieren als Absatzmittler.
  • Akteure – Founder (3 Punkte) Kapitalsuchende/Founder/Projektinitiatoren   Crowdfunding ermöglicht „Proof of Concept“: Nachfrage nach Vorhaben vorhanden?  Nutzung von Crowdfunding als Marketinginstrument: Bekanntmachung, Imageaufbau, Etablierung langfristiger Investorenbeziehungen etc.  Aber: Imageschädigung bei nicht erfolgreicher Kampagne.
  • Akteure – Crowd (4 Punkte)   Inside Crowd: Nähe zu Initiatoren und/oder Plattformen.  Outside Crowd: müssen zunächst aktiviert werden.  Multiplikatoren.  Motive von Crowdfundern: „Spieler“, „Hobby-Investoren“, „Menschenfreund“, „Trendsetter“. Trend zur „Professionalisierung“.
  • Idealtypischer Crowdfunding-Prozess (4 Punkte) 1. Planungsphase   Erstellung Business Plan  Ggf. Schutz geistigen Eigentums  Ermittlung des Finanzierungsbedarfs 2. Planung der Crowdfunding Kampagne   Vorüberlegungen zur Auswahl der Zielgruppe  Auswahl der Crowdfunding Plattform und Vorüberlegungen zu Marketing- Maßnahmen 3. Erstellung der Kampagne  Lieferobjekte: Executive Summary, Business Plan, CV der Gründer bzw. Kapitalsuchenden, Details zu IPs (z.B. Patente etc.), Forecast, Testimonials, Website, Social Media Auftritt, etc. 4. Umsetzung und Erfüllung der Leistungsversprechen
  • Filterfunktion der Crowdfunding-Plattform (3 Punkte) 1. „Bewerbung“ des Founders: ca. 80% werden abgelehnt! Dies kann neben der Qualität des Business Plans auch i.W. auf den Fokus der Crowdfunding-Plattform zurückgeführt werden. 2. Kampagnenstart: Hier entscheiden sich einige Founder für eine „Hidden“Kampagne, bei der zunächst die Inside Crowd angesprochen wird. Bei „Public“Kampagnen wird darüber hinaus auch sofort die Outside Crowd aktiviert. 3. Erfolgsquote der Kampagne: ca. 30% der gestarteten Kampagnen sind erfolgreich (also 6% aller „Bewerber“).
  • Marktdaten zu Plattformen und Kampagnen   59 equity crowdfunding Plattformen.   Marktanteil der drei führenden Plattformen (Companisto, Seedmatch, Innovestment) > 80% (sowohl bezogen auf Anzahl als auch Funding-Volumen).   Funding-Ziel in ca. 80% der Kampagnen erreicht.  Ø-Funding-Ziel: 100 TEUR.  Ø-Dauer der Kampagne: 45 Tage.  Ø-Anzahl an Investoren: 293.  Am häufigsten werden partiarische Darlehen genutzt (38% der Fälle).  I.d.R. wird das Kapital von Unternehmen in der Rechtsform der GmbH aufgenommen (83%).
  • Erfolgsfaktoren der Kampagne Wovon hängt der Erfolg einer Crowdfunding-Kampagne ab?   Bislang wenige Studien. Z.B. Lukkarinen et al. 2016, in: Decision Support Systems.  „Traditionelle“ Investment-Kriterien, die VCs zugrunde legen, spielen offenbar bestenfalls eine untergeordnete Rolle (z.B. Erfahrung und Persönlichkeit der Gründer).  Charakteristika der Kampagne wirken auf den Kampagnen-Erfolg. U.a.: Je kürzerdie Dauer der Kampagne, umso erfolgreicher. Die Bereitstellung von Planzahlen oder Videos erhöht zudem die Erfolgsaussichten.  Netzwerk: Die Kommunikation der Kampagne über soziale Netzwerke erhöht die Erfolgsaussichten. Deutlicher Vorteil für B2C im Vergleich zu B2B. Der langfristige Erfolg der Kampagne (Renditen und Risiken von Investoren, Insolvenzwahrscheinlichkeiten etc.) ist bislang noch wenig erforscht.