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Paradigmenlehre (Fach) / Vorlesung 3 (Lektion)

29.10.2018

Diese Lektion wurde von Amalaswinthaa erstellt.

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  • Ernst Weber - Experimentell Bestimmung von Wahrnehmungsleistungen - Große Erkenntnis: physikalische Unterschiede enstprechen nicht den psychologischen Unterschieden - Zentrale Idee der "Schwelle" - Für die gesamte allgemeine Psychologie ein entscheidendes Konzept
  • Ernst Weber Bestimmung von Schwellen Beispiel Gewicht: wann können zwei Gewichte unterschieden werden?  --> Vorgabe von Standardgewicht und Vergleichsgewicht: leichter oder schwerer? Punkt der subjektiven Gleichheit: wenn p(leichter) = p(schwerer) = .50 --> Mittelwert aus Wert für "schwerer" (75% Perzentil) und "leichter" (25% Perzentil)- Urteile Unterschiedsschwelle ("just noticeable difference") = Differenz aus Wert für schwerer und leichter --> Standardgewicht von 100g --> Menschen können bei Abweichungen von 4g Unterschied erkennen; 99g ist die subjektive Gleichheit bei 100g
  • Ernst Weber Webers Gesetz - Psychologische Schwellen variieren als Funktion der Ausgangswerte w = ΔI / I wobei: - w = Weber Konstante (für Gewicht ca. 1:40, d.h. 0,025) - ΔI = "just noticeable difference" - I = Intensität des Ausgangsstimulus --> Beispiel: bei 40g muss nur ein Gramm dazu kommen, bei 80g 2g und bei 100g 4g
  • Gustav Theodor Fechner - Begründer der Psycho-Physik - Beschrieb als erster den Zusammenhang von subjektiver Empfindung und objektiver Reizintensität - 3 fundamentale Methoden (bis heute): 1) Methode der Adjustierung 2) Methode der konstanten Stimuli (Weber mit Gewichten) 3) Methode der Limits
  • Fechners Gesetz - Webers Gesetz gilt -ΔS = w * S E = ψ (S) = a + b * log S  wobei:  - E = Empfindung - S = Stimulusintensität/Reizstärke - a = additive Konstante (abhängig von absoluter Schwelle) - b = multiplikative Konstante (abhängig von Weber Konstante) -->dadurch kann man psychologisches (Empfindung) mathematisch beschreiben - daraus folgen negativ beschleunigte Funktionen  - Beispiel: hunger und Lautstärke: Empfinden wird subjektiv nicht so viel mehr --> psychologische Adaption an die Ursprungs Reizintensität - Elektroschocks: wird mit jedem mal mehr; immer den gleichen Elektroschock geben und fragt ob mehr oder weniger dann sagen 99% es wird mehr --> bei Elektroschocks nicht adaptiv sondern sensibler - auditive Stimulation scheint auch nicht adaptiv zu sein (Beispiel tropfender Wasserhahn)
  • Wilhelm Wundt (Begründer der experimentellen Psychologie) Introspektion - Introspektion im Sinne der Psycho-Physik - "Wie schwer fühlt sich das an?", "Wie sieht dieser Apfel aus?" - Beschreibung der internen Realität durch Ist-Sätze, muss wiederholbar sein (wenn ich den Apfel wieder zeige, muss er gleich beschreibbar sein) - keine qualitative "Innenansicht" --> quantifizierbare Fakten - introspektive Urteile über das subjektive Empfinden von Stimuluseigenschaften (Intensität, Dauer, Größe, Gewicht) - Zwei zentrale Punkte:  1) Introspektive Beobachtung muss wiederholbar sein 2) Es muss ein Zusammenhang bestehen zwischen der subjektiven Empfindung und der objektiven Variation (Hauptpunkt der experimentellen Psychologie)
  • Introspektion Ansatz von Wundt - Bewusstsein in seine basalen Prozesse aufbrechen - Herausfinden, wie diese Prozesse organisiert sind und interagieren und welche Gesetzesmäßigkeiten diese Interaktionen steuern - Apperzeption als Prozess, wie aus einzelnen Elementen weider eine vollständige Wahrnehmung ensteht (Gewicht, Form, Farbe, Geruch werden zusammengeführt --> Apfel)
  • Introspektion Anwendung: Ebbinghaus - erste Anwendung der experimentellen Methodik auf Lernen und Gedächtnis - Wieviel Zeit spare ich, bis ich wieder bei 100% bin - Umgekehrte Weber-Fechner-Kurve - Theoretischer Ansatz des Strukturalismus Achtung: Häufig Misinterpretation --> Haupt-AV: Ersparnis beim Wiedererlernen
  • Strukturalismus: Titchener - Für zwei Jahre Student von Wundt - Ähnliche Herangehensweise, aber Ablehnung der Idee der Apperzeption - über die Analyse der Basis-Bausteine des Bewusstseins soll die Struktur des Bewusstseins erschlossen werden --> Strukturalismus - wenn ich die Maschine in Einzelteile zerlegen kann, weiß ich vielleicht was sie tut 
  • Titcheners Introspektion - trainierte Probanden, die ihre mentalen Zustände beschreiben und nicht was sie tatsächlich sehen (Apfel = rot, rund, leicht/schwer) - Welchen Zustand löst das in ihnen aus? - Mentale Zustände unabhängig von einem selbst, ohne Wertung, nur die blanke Beschreibung z.B. Stimulus ist zwischen x und y Gramm - Problem des Erlebens: Abhängig von der erlebenden Person, unabhängig von der erlebenden Person
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  • Problem des Strukturalismus: Methode - Introspektion im Sinne Titcheners als wissenschaftliche Methode problematisch - Introspektion im Sinne von Wundt weniger problematisch  - Aber:     - Selbstberichte immer noch dominant in der Psychologie (Fragebogen vs. SDT)    - Etablierung der experimentellen Methodik für die Psychologie
  • Funktionalismus - Grundlegender Ansatz (s. Darwin) - Welche adaptiven Funktionen haben mentale Prozesse? - Was tut der Verstand und wie tut er es? - Kontrast zu Strukturalismus: nicht aus was besteht Bewusstsein sondern welche FUNKTION hat das Bewusstsein
  • William James - ein neuer Ausblick auf die Frage des Bewusstseins - "Stream of Consciousness" - Bewusstsein ist ein Prozess und jeder Versuch diesen Prozess zu zerlegen zerstört ihn  - Pragmatismus: "es ist korrekt, wenn es funktioniert" - Solange das Auto fährt, ist es mir egal ob Benzin, Diesel oder Elektro
  • William James Methodik - Introspektion - Probleme durch Vergleiche über mehrere Beobachter beheben - Komparative Methodik - Experimentelle Methodik --> vor allem für Psycho-Physik - eklektische Auswahl der Methoden --> Methode ist dann erlaubt, wenn sie funktioniert
  • Funktionalismus Kritik und Würdigung - Verbreitung der wissenschaftlichen Psychologie in den USA - Aus der Rivalität von Funktionalismus und Strukturalismus erwuchs viel Fortschritt (Struktur vs. Funktion) - Einbeziehung von Untersuchungen an Tieren in die experimentellen Psychologie - Breiteres Methoden Spektrum: Mentale Tests (Galton), Fragebögen, Verhalentsbeschreibungen - ABER: Konzept der Funktion bleibt quasi beliebig definierbar
  • Behaviorismus - Bewusstsein als Gegenstand der wissenschaftlichen Psychologie und Methode der Introspektion wird abgelehnt - Bestreben nach größerer Genauigkeit und Objektivität der Messungen in der Psychologie - Basierend auf den positivistischen Positionen von August Comte --> logischer Empirismus - Starker Fokus auf tierexperimentellen Studien Wichtige Vorläufer: Pavlov, Thorndike
  • Behaviorismus: John B. Watson Zentrale Punkte: - Kritik an Funktionalismus und Strukturalismus (nicht-messbare Konstrukte im Mittelpunkt) - Stattdessen klar definierte und messbare Konzepte: Stimulus und Response, Habit formation, Habit integration - Wichtigkeit von identischen experimentellen Prozeduren für psychologische Forschung an Menschen und Tieren
  • Methoden des Behaviorismus - Verhaltensbeobachtung - Tests (z.B. thorndikes Puzzle Box) - Verbale Berichte - Konditionierte Reflexe    - erlaubt, Verhalten auf seine Bausteine runterzubrechen    - kritischster Punkt: schwierig, menschliches Verhalten auf Reflexe runterzubrechen --> komplexer!
  • Burrhus Frederic Skinner - starke Meinung über die menschliche Natur (Mensch als Maschine)    - Walden Two, Beyond Freedom & Dignity (??) -Zentrale Methodik:    - Verstärkungslernen bei Tieren     - Übertragung auf Menschen    - Skinner Box    - Verstärkungspläne    - Verhaltensmodifikation durch positive Verstärkung
  • Behaviorismus/Skinner: Kritik und Würdigung - Noam Chomsky: Sprache kann nicht durch Konditionierung gelernt werden - Umsetzung der Verhaltensmodifikation scheint moralisch fraglich (Skinner Box für Babys) - Experimentell perfekte Studien mit beeindruckenden Demonstrationen (Abergläubisches Verhalten bei Tauben, Tauben als "missle guides" im Krieg) - Idee des operanten Lernens beeinflusst alle Bereiche der Psychologie (v.a. im klinischen Bereich: Verhaltenstherapie) - Problem der Dissoziation von Verhalten und Effekt (Klima-Wandel, Umweltverschmutzung) - Zentrale Figur der wissenschaftlichen Psychologie