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Palliativpflege (Fach) / Palliativpflege (Lektion)
Definition, Geschichte, Ziele, Einrichtungen
Diese Lektion wurde von helblmaria erstellt.
- Definition Definition Palliativ kommt vom Lateinischen „pallium“ = „Mantel, Hülle, Bedeckung“ bzw. „palliare“ = „mit einem Mantel bedecken“ Care = „Versorgung“ im Sinne einer umfassenden Fürsorge, Begleitung, Betreuung und Pflege von Patienten Palliativpflege und Palliativmedizin sind Teildisziplinen der PalliativCare sie ergänzen und verstärken einander Ziel: Erhaltung der Lebensqualität schwer kranker und sterbender Menschen PalliativCare: Unterstreicht, dass Tod und Sterben normale Vorgänge des Lebens sind Beschleunigt den Tod nicht, verzögert ihn aber auch nicht Schafft Linderung von Schmerzen und anderen belastenden Symptomen Schließt psychische und spirituelle Aspekte der Patientenversorgung ein Ist ein Unterstützungsangebot, um den Patienten zu helfen, so aktiv wie möglich bis zum Tod zu leben Ist ein Unterstützungsangebot, um den Angehörigen zu helfen, während der Zeit der Erkrankung des Patienten und in ihrer eigenen Trauerphase zurecht zu kommen
- Geschichte Hospizbewegung Hospiz = Raststätte für Menschen auf ihrer letzten Reise Geschichtliche Entwicklung Begriff Hospiz ist schon sehr alt; bereits zu Zeiten der Römer verwendet Damals konnten Bedürftige, Kranke und Sterbende Unterkunft, Verpflegung und Hilfe in Hospizen finden Christentum wurden Hospizen von religiösen Frauen geleitet ab 4. Jh. Wurde dies von verschiedenen Orden übernommen; im Mittelalter bildeten sich eigene Hospizorden Palliativpflege und Palliativmedizin sind schon so alt wie die Geschichte des Menschen selbst; aufgrund früher medizinischer Möglichkeiten war Behandlungsziel meist nicht kurativ sondern palliativ Durch Entdeckung von Antibiotika, Anästhesie, Radio- und Chemotherapien wurde Möglichkeit des Heilens für Medizin größer; unheilbare Kranke und sterbende waren damals belastend und oftmals zu teuer Vor 40 Jahren entwickelte sich zunehmendes Bewusstsein für Bedürfnisse Sterbender Moderne Hospizbewegung 1. Hälfte des 20 Jh. Wurde Betreuung Sterbender vernachlässigt; Anfang der 1960er bewirkten zwei Frauen eine Veränderung: Cicley Saunders Krankenschwester, Sozialarbeiterin und Ärztin in England erkannte unzureichende Behandlung und Betreuung Sterbender aufgrund folgender Tatsachen: Meisten Menschen möchten in vertrauter Umgebung sterben, tatsächlich erfolgt Sterben überwiegend im Krankenhaus oder Pflegeheim Medizin begreift Sterben und Tod als therapeutischen Misserfolg Apparatemedizin (Medizin bei der technische Geräte verwendet werden) droht menschliche Nähe und Zuwendung für Sterbende zu verhindern Elisabeth Kübler-Ross Psychiaterin aus der Schweiz beschäftigte sich Leben lang mit der Begleitung von Sterbenden War daran beteiligt Thema Sterben in die Öffentlichkeit zu bringen und zu etablieren Sterbeprozess Internationale Entwicklung Hospizidee nahm Ausgangspunkt als engagierte Bürgerbewegung in 1970er in England Hospizidee nahezu weltweit verbreitet Aus Grundsätzen der Hospizidee hat sich PalliativCare-Konzept entwickelt Kanada: weltweit erste Palliativstation 1975 Hospizbewegung in Österreich Erste Initiativen und Aktionen gingen Ender der 1970er von medizinischen Laien aus 1985 begann Gruppe um Sr. Hildegard Teuschl in Wien die Hospizidee in Österreich umzusetzen 1992 erste stationäre Hospizeinrichtung „Hospiz St. Raohael“ 1993 Gründung des Dachverbandes Hospiz Österreich; gleichzeitig begann „Ambulante Hospizteam Innsbruck“ mit der Betreuung schwer Kranker und Sterbender zu Hause 1998 Eröffnung des stationären Hospiz in Innsbruck und Palliativstation St. Vinzenz in Ried 1999 bundesweite Verankerung der Palliativmedizin im österreichischen Gesundheitswesen 2002 Einführung der Familienhospizkarenz; Möglichkeit für eine bis zu sechs Monatige Karenz für betreuende Angehörige von Sterbenden 2004 Entwicklung „Konzept der abgestuften Hospiz- und Palliativversorgung“ = Palliativbetreuungsangebot zugeschnitten auf jeweilige Bedürfnisse der Sterbenden 2007 erste Lehrstuhl für Palliativmedizin in Wien
- Ziele Ziele Individuelle Unterstützung und Erhaltung der Lebensqualität Im Mittelpunkt stehen Bedarf und Bedürfnisse (körperliche, psychische, soziale und spirituelle) der Patienten Selbstbestimmung Einbezug von Angehörigen Sterben in vertrauter Umgebung ermöglichen Behandlung und Betreuung erfolgen durch ein multiprofessionell zusammengesetztes Team, aus speziell qualifiziertem ärztlichen Personal, GuK, Sozialarbeitern und Psychologen. Ehrenamtliche Tätigkeiten werden in die Betreuungstätigkeiten miteinbezogen Bei Behandlung der Grunderkrankung wird der kurative Ansatz nicht mehr verfolgt Die Einbeziehung der spezialisierten Fachkräfte in die Behandlung und Betreuung der Betroffenen soll möglichst früh erfolgen. Damit wird deutlich: PalliativCare beginnt bereits bei der Diagnosestellung Die Entscheidung über Therapien und Maßnahmen erfolgt unter Abwägen von Nutzen und Belastung im Hinblick auf die Lebensqualität der Betroffenen (Vermeidung von Übertherapie) und einem gemeinsamen und informiertem Entscheidungsprozesse. Gewährleistung der Kontinuität der qualifizierten Betreuung Die qualifizierte Betreuung endet nicht mit dem Tod der Betroffenen sondern inkludiert auch die Trauerbegleitung von Angehörigen Vorrauschauende Planung (advanced care planing) ist wesentlich Zielgruppe: Menschen mit lebensbegrenzenden und chronischen Krankheiten, unabhängig vom Lebensalter Chronisch neurale Erkrankte Herz- Kreislauferkrankte MS Palliativ Erhaltung des Wohlbefindens und der Lebensqualität Maßnahmen orientiert an aktuelle Bedürfnisse der Patienten Einbezug der Angehörigen Kurativ Verbesserung des Zustands der Patienten Bedürfnisse des Patienten stehen im Mittelpunkt
- Institutionen/Einrichtungen/Organisationsformen Organisationsformen von palliativen Betreuungseinrichtungen Stationäre Hospiz Eigenständige Organisationsstruktur Ziel: Behandlung belastender Symptome, Entlastung und Stabilisierung und wenn möglich Entlassung der Kranken nach Hause Traditionell auch „Ort zum Sterben“ Hier sollen Menschen die Zeit ihres Sterbens in Geborgenheit und Sicherheit mit umfassender medizinisch-pflegerischer und psychosozialer Betreuung verbringen Zielgruppe: erwachsene Palliativpatienten mit komplexer Symptomatik und hohem Betreuungsaufwand Schwer kranke Menschen bei denen Behandlung in Akutkrankenhaus nicht erforderlich und die nicht oder vorübergehend nicht zu Hause oder in PH betreut werden können Palliativstationen Eigenständige, an Krankenhaus angebundene oder integrierte Stationen auf Basis interdisziplinärer Zusammenarbeit Ziel: Bestmögliche Linderung von Symptomen Schwerpunkt der Betreuung in Verbesserung der Lebensqualität für schwer kranke Menschen und deren Angehörigen Entlassung nach Hause oder in PH wird angestrebt Zielgruppe: Palliativpatienten jeder Altersgruppe mit komplexer medizinischer, pflegerischer und psychosozialer Symptomatik und akutem hohem Betreuungsaufwand Betreuung kann nicht oder nur unzureichend durch andere Dienste oder Einrichtungen bewältigt werden Tageshospiz Ziel: Entlastung und Unterstützung der Patienten bzw. ihren Angehörigen, sodass Patienten möglichst lange in ihrer häuslichen Umgebung bleiben können Besteht die Möglichkeit tagsüber an Aktivitäten teilzunehmen und die Gemeinschaft gleichermaßen Betroffener zu erleben Aufgaben umfassen die palliativpflegerische, palliativmedizinische und psychosoziale Betreuung ebenso wie die Beratung und Betreuung von Patienten und Angehörigen Zielgruppe: Erwachsene Palliativpatienten die mobil bzw. transportfähig sind und die Nacht in gewohnter Umgebung verbringen können, ebenso wie deren Angehörigen Teams im palliativen Bereich Mobiles Palliativteam Setzt sich multiprofessionell zusammen Aufgabe ist es professionelle Betreuer vor Ort und Palliativpatienten und Angehörige in der Betreuung zu Hause bzw im Pflegeheim zu unterstützen, beraten und begleiten, sodass die Patienten in ihrer gewohnten Umgebung bleiben können Das auch als wichtige Brückenfunktion den Übergang zwischen stationärer und ambulanter Betreuung erleichtert Je nach örtlicher Gegebenheit in Krankenhäusern, Heimen und Tageshospizen Palliativkonsiliardienst Multiprofessionell zusammengesetztes Team im Krankenhaus Beratende Unterstützung für die betreuenden Ärzte und Pflegepersonen im Krankenhaus Führt Konsiliarbesuche auf Stationen und Ambulanzen durch Unterstützt die Einleitung einer Betreuung der schwer Kranken zu Hause oder die Überweisung in andere Einrichtungen Vermittelt weitere Dienstleistungen Bietet telefonische Beratung sowie Aus- und Fortbildungen Hospizteam Beseht aus qualifizierten, ehrenamtlichen Hospizbegleitern und mindestens einer hauptamtlichen koordinierenden Fachkraft und ist in allen Versorgungskontexten tätig Bietet mitmenschliche Begleitung und Beratung in der Zeit der Krankheit, des Abschieds und der Trauer Leitet wesentlichen Beitrag zur psychosozialen und emotionalen Entlastung Teil des umfassenden Betreuungsnetzwerks und arbeitet eng mit anderen Fachdiensten in palliativen Versorgung zusammen
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