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Psychologie (Fach) / Kognitionspsychologie: Ästhetische Wertschätzung (Lektion)
Messung und Dynamik
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- Was sind Adaptationseffekte? Adaptationseffekte sind höherwertige (kognitive) Nacheffekte. Sie sind Wahrnehmungsbasiert (perceptually based) Gedächtnisbasiert (representationally based). Adaptation hinsichtlich höherwertiger (kognitiver) Eigenschaften z.B. merkmalsbasierte Aspekte z.B. konfigurale Aspekte Beispiel: Bild lange anschauen --> Reizüberflutung --> Nacheffekte/Adaptationseffekte
- Welche typischen Probleme können bei der Forschung zu Mode und Designtrends in Bezug auf Adaptationseffekte auftreten? Welche Forschungsanforderungen ergeben sich daraus? Experimentalmaterial enthält eine Reihe von konfundierenden Variablen (= Merkmale, die nicht kontrolliert werden können; können verzerrenden Einfluss auf Untersuchungsergebnisse haben) (Prestige, Funktion, symbolischer Wert, Kosten). Kaum prototypische Exemplare vorhanden, da es kaum hinreichende Kriterien für Prototypikalität in diesen Bereichen gibt. Forschungsanforderungen: Suche nach einer Klasse von Stimuli, die Exemplare enthält, die folgende Eigenschaften besitzen: ähnliche Funktionalität ähnliches Prestige ähnlicher symbolischer Wert ähnlicher Preis
- Forschungsanforderungen bei Forschung zu Mode und Designtrends Suche nach einer Klasse von Stimuli, die Exemplare enthält, die folgende Eigenschaften besitzen: ähnliche Funktionalität ähnliches Prestige ähnlicher symbolischer Wert ähnlicher Preis
- Beschreiben Sie ein Experiment zu Designtrends! Material Automodellreihen 6 wichtigste Automarken in Deutschland (Audi, BMW, Ford, Mercedes, Opel, VW) 10 historische Abbildungen jeder einzelnen Modellreihe pro Marke (z.B. „obere Mittelklasse“ von Mercedes), die jeweils einen Zeitraum von 50 Jahren abdecken Prozedur Einschätzen des Materials hinsichtlich wichtiger Designeigenschaften (Rundheit, Innovativität, …) Ergebnis Entwicklung von ultra-rundem Design in den 1950ern, zu eckigem Design in den 1970 & 1980ern, über rundes Design in den letzten Jahren zu aktuellem hybriden, eckig-runden Trend. --> Studie zeigte klaren Zusammenhang für Rundheit und Gefallen. Aber: Probanden befanden sich gerade in einer Zeit, in der Rundheit angesagt war! Eckige Formen werden als gefährlich wahrgenommen Zeitgeistfaktoren: nicht nachweisbar, dass Design damals weniger gefallen hat!
- Beschreiben Sie die Adaptationsstudie zu Designtrends von Carbon 2010! Adaptation in Richtung hoch innovativer Autodesigns („Simulation von zukünftigen Sehgewohnheiten“) Bewertung von Rundheit, Innovation/Originalität und Gefallen --> Eindeutige Präferenz runder Autos --> Ohne Adaptation gefallen eckige Autos besser als nach Adaptation Adaptation als ein plausibler Mechanismus zum Auslösen von Mode- und Designtrends Ansteigen des Gefallens für gerade noch zu ungewohnt erschienene Reize. Herabwürdigung bisheriger / vertrauter Reize (bzgl. Innovativität, Gefallen, etc.).
- Erweiterung der Schlüsselvariablen für Designwirkung: Fragebogen Car-IDQ A) Ausgangssituation „Designwirkung“ ist facettenreich, schwer fassbar und ohne Hilfsmittel nicht quantifizierbar. Notwendigkeit, „Designwirkung“ messbar zu machen um diese nachhaltig zu optimieren. B) Anforderungen Konstruktion eines multidimensionalen Fragebogeninventars. Designwirkung in Fahrzeuginnenräumen soll umfassend und valide erfasst werden. Testpsychologische Gütekriterien sollen erfüllt werden. C) Konstruktionsvorgehen 1. Explorative Studie (N=84): Sammlung einer großen Bandbreite an beschreibenden Wörtern für die Raumentwicklung in Fahrzeuginnenräumen. Qualitative Organisation der Wörter in ein hierarchisches Kategoriensystem. --> 19.019 Wörter 2. Quantitative Überprüfung der Dimensionen (N=101): 41 Items (Gefallen, Hochwertigkeit, …) --> Entfernung redundanter Items --> 11 Faktoren (z.B. Gefallen, Hochwertigkeit, Spitzigkeit, Ergonomie, ...) 3. Feld-Überprüfung (N=52): Langversion: 38 Items (Kurzversion: 11 Items) Vergleich reale Modelle und VR --> Hohe Plausibilität
- Nennen Sie 4 Bereiche in denen Langzeittrends gefunden werden können! Automobilindustrie Kunst --> Kunststile Architektur --> Architekturepochen Musik --> musikalische Epochen
- Welche Stimulusanforderungen müssen für das experimentelle Testen von Adaptationseffekten im Bereich der Kunstwahrnehmung erfüllt werden? Einheitlicher/klarer/prägnanter Stil, der als Adaptor benutzt werden kann. Evaluations-Set muss wenigstens teilweise diese idiosynkratischen Attribute des Adaptors enthalten.
- Beschreiben Sie das Experiment von Carbon et al. 2007 zur Adaptation von Kunststilen! N=50; verschiedene Bilder gestreckt und gestaucht in zufälliger Reihenfolge gezeigt. Prozedur T1: Evaluation von Bildern aus unterschiedlichsten Kunstepochen Adaptation (Modiglianis) T2: wie T1 Material Evaluations-Set: 8 Gemälde aus 5 Jahrhunderten westlicher Kunstgeschichte 11 Stufen der Elongation (5 stauchend, 5 streckend) Adaptoren: 8 Gemälde von Modigliani (manierierte Elongation von Gesichtern und Körpern (künstlich verlängert)) Ergebnisse T1: ohne zu wissen, welches das Original ist --> Original gefällt am besten; gestreckte Bilder gefallen besser als gestauchte T2: gestauchte Bilder gefallen weniger gut als zu T1; Originale und gestreckte Bilder gefallen besser als zu T1 Schlussfolgerung Adaptationseffekte können eine wertvolle Erklärung für das Auslösen von Mode- und Designtrends liefern. Sie können sogar wichtige Erklärungsmuster für das Evozieren von Vorlieben für spezifische Kunststile bereitstellen.
- Wie kann man Adaptationseffekte nutzen, um evtl. sogar menschliche (visuelle) Präferenzen in der Zukunft vorherzusagen? Hauptschlüssel von repräsentationalen Adaptationseffekten: der Adaptor wird in die visuellen Wahrnehmungsgewohnheiten integriert --> Erst durch diese Integrationsleistung ist auch eine differenziertere Sichtweise und Verarbeitung solcher Reize möglich. --> Erfassung von Präferenzen auf einer valideren Basis Adaptation muss schnell gehen (z.B. Bart wachsen lassen und dann abrasieren --> zunächst schockiert/überrascht, aber beim nächsten Mal schon ganz natürlich). Tiefe Elaboration scheint essentiell zu sein, um Präferenzen von Materialien zu erfassen, die folgende Eigenschaften haben: hoch innovativ sehr distinkt ungewöhnlich unvertraut untypisch
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- Was ist das Hauptproblem bei der Nutzung von Adaptationseffekten zur Vorhersage menschlicher (visueller) Präferenzen in der Zukunft? Einmalmessungen (ohne jegliche Vertrautmachungsphase) zu Produkten mit niedriger Vertrautheit schafft schwache Vorhersagemöglichkeiten. Gegenmaßnahme: Probanden müssen das Material erst einmal elaborieren, bevor sie bzgl. ihres Gefallens befragt werden --> Repeated Evaluation Technique (RET)
- Was versteht man unter Repeated Evaluation Technique (RET)? = Wiederholte, elaborative Vertrautmachung Vorgehen: Evaluation (Phase 1) RET Evaluation (Phase 2) --> bessere Vorhersagemöglichkeiten bezüglich menschlicher Präferenzen in der Zukunft als ohne Vertrautmachungsphase!
- Beschreiben Sie das Experiment zur Innovativität im Zusammenhang mit der Repeated Evaluation Technique von Leder & Carbon 2005! Variation von typisch ästhetischen Schlüsseleigenschaften von Auto-Innenräumen. Ablauf: Evaluation (Phase 1) RET (Vertrautmachungsphase) --> 20-30 min Evaluation (Phase 2) Ergebnisse: Phase 1: niedrig innovativ gefällt deutlich besser Phase 2: (nach RET) hoch innovativ gefällt besser! --> Menschen sind nicht generell innovationsfeindlich, denn "gute Innovation" setzt sich durch.
- Welche Auswirkungen können Adaptationseffekte auf menschliche (visuelle) Präferenzen haben? Adaptationseffekte scheinen eine repräsentationale Basis zu besitzen. Adaptationseffekte scheinen eine essentielle Rolle für das Auslösen von Mode- und Designtrends zu spielen. Adaptationseffekte führen zur Veränderung des Wahrnehmungsraumes. Tiefe Elaboration, z.B. via RET, kann die Validität und die Vorhersagbarkeit von ästhetischen Präferenzen deutlich erhöhen.