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V: Einführung in die international vergleichende PFA (Fach) / 3. Sozio-ökonomische Schule (Funktionalismus) (Lektion)
3. Sozio-ökonomische Schule (Funktionalismus)
Diese Lektion wurde von jaslue erstellt.
- Was ist die Grundidee der sozio-ökonomischen Schule? Funktionalismus: Funktionsprobleme der Gesellschaft führen zur Lösung durch die Politik bestehende Funktionslücken werden durch die Politik geschlossen quasi automatisch: Reiz-Reaktionsschema (Problemdruck) Policies werden geprägt durch sozio-ökonomische Bedarfslagen der Bevölkerung und verfügbare Ressourcen des Staates Sozialer und wirtschaftlicher Wandel (häufig basierend auf technologischem Wandel) führen zu politischem Wandel Treiber ist immer ein Problemdruck, der im Bereich des Wirtschaftlichen/Materiellen liegt Primat des Wirtschaftlichen und Gesellschaftlichen über das Politische Empirie: Wandel von Agrar- zu Industriestaaten (Theorie empirisch nachgewiesen)
- Wie funktioniert der Problemdruck im Funktionalismus? Wenn ein Problem neu entsteht oder sich nicht mehr auf hergebrachte Art bearbeiten lässt (Funktionslücke), entsteht Nachfrage nach staatlichen Leistungen Staat reagiert auf Problemdruck: Nachfrage wird durch ein politisches Angebot befriedigt Beispiel: Entwicklung des Sozialstaates -> Industrialisierung und Urbanisierung und damit einhergehende Ausdifferenzierung der Gesellschaft schwächten traditionelle Sicherungssysteme Familie und Grundherrschaft -> vomLeibeigenen zum Arbeitnehmer Es drohte die Verelendung großer Teile der Bevölkerung Der Staat musste neue soziale Sicherungssysteme bereitstellen und konnte es auch: Industrialisierung -> Wachstum -> Steuern
- Nennen Sie drei bekannte Vertreter der sozio-ökonomischen Schule und ihre Beiträge! Adolph Wagner: Gesetz der wachsenden Ausdehnung der "Staatstätigkeit" -> Komplexer werdende Gesellschaft verlangt immer aufwändigere Rechtsordnung, Daseinsvorsorge und Verkehrsinfrastruktur etc.-> Prognose: (a) absolute und relative Steigerung der Staatsausgaben bei wirtschaftlicher Entwicklung; (b) Konvergenz der Staatsausgaben "Modernisierungstheorien" (Lipset, Wilensky) Marx' Kapitalismustheorie -> Sozio-ökonomische Entwicklung determiniert Politik (vermittelt über Klasseninteressen)
- Welche Vorteile bietet die sozio-ökonomische Schule? Im Großen und Ganzen und langfristig entspricht vieles empirisch Beobachtbare dem Ansatz -> kann große Unterschieden sehr gut erklären, die kleinen eher nicht Bestätigt sich auch in multivariaten Analysen, dass sozioökonomische Entwicklung eine Rolle spielt (aber neben anderen Faktoren). Besonders stark: 1) Strukturwandel ->Staatsausgaben, 2) Seniorenquote -> Sozialleistungsquote
- Welche Nachteile hat die sozio-ökonomische Schule? Nachfrage führt nicht zwangsläufig zu Angebot -> Ob? Regierung kann nicht nur mit Problemlösung, sondern auch mit Ignorieren oder Repression reagieren (Gemeinwohlorientierung vs. Eigeninteresse) -> Wann? Und wie? Erhebliche Länderunterschiede im Timing der Einführung und der Art von funktionalen Politiken Vernachlässigung des Politischen -> Problemdruck ist nicht objektiv vorhanden, sondern muss von Regierung perzipiert werden -> Abhängig von parlamentarischen und außerparlamentarischenKräfteverhältnissen (politics) und Institutionen (polity), z.B. Konfliktsärke oder Machtressourcen von Interessen Endogenität -> Sozioökonomische Entwicklung ist auch Resultat der Politik in gegenwärtigen oder Vorperioden -> In welche Richtung weist die Kausalität? Verursacht wirtschaftliche Entwicklung Staatstätigkeit? Oder führt Staatstätigkeit (z.B. Eigentums- und Rechtsordnung) zuEntwicklung? Feine Unterschiede können nicht erklärt werden -> Empirisch erfolgreich beim Vergleich unterschiedlicher Länder, aber nicht beim Vergleich ähnlicher Länder -> Kann z.B. gut die Unterschiede in den Staatsausgaben zwischen Entwicklungs- und entwickelten Ländern erklären aber nicht die Varianz zwischen OECD-Ländern
- Wie ist die sozio-ökonomische Schule insgesamt zu sehen? Politik ist häufig Reaktion auf exogene Herausforderungen. Langfristig wird sich Politik großen Herausforderungen kaum entziehen können D.h. Problemdruck, den die sozio-ökonomische Schule ins Zentrum stellt, ist eine wichtige Variable in Politikgestaltung Gleichwohl wird Problemdruck nicht automatisch in politische Programme übersetzt, dazwischen steht stets die Vermittlung durch den politischen Prozess, der aber beim Funktionalismus nicht betrachtet wird
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