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Allgemeine Psychologie C (Fach) / Mentale Vorstellungen (Lektion)

Individuelle Unterschiede, Repräsentationsformen, Visuelle Vorstellungen, Auditorische Vorstellungen, Motorische Vorstellungen, Neuropsychologie und Psychophysiologie der Vorstellung

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  • Vorstellungen Sind der Fremdbeobachtung nicht zugänglich Lassen sich nicht direkt vergleichen
  • Interindividuelle Unterschiede: Francis Galton's "Breakfast-Table Questionaire" Erfasste die Vorstellungskraft von Personen, in dem er sie bat sich den Frühstückstisch von heute Morgen vorzustellen. Er stellte verschiedene Fragen dazu, um die Vorstellungskraft zu erfassen.  Befragte sowohl Kollegen als auch "normale Leute" Es existieren große interindividuelle Unterschiede: Manche sagen, ihre Erinnerungsbilder unterscheiden sich kaum von Wahrnehmungen Andere sagen, dass Sie überhaupt keine Erinnerungsbilder besitzen
  • Interindividuelle Unterschiede: VVIQ - Test Vividness of Visual Imagery Questionaire: Wichtiger Test zur Erfassung der mentalen Vorstellungskraft einer Person Besteht aus 16 Items, wobei man sich bekannte Dinge vorstellen soll (Freund, Sonnenaufgang,...) Personen die in diesem Test gut abschnitten konnten sich visuelle Information auch besser merken In der Regel keine geschlechtsspezifischen Unterschiede Geringe Korrelation bei objektiven Tests zur Wahrnehmung
  • Interindividuelle Unterschiede: Eidetische Vorstellungskraft Eidetische Vorstellungskraft = Fotografisches Gedächtnis Laut Haber, 1979  8% der Grundschulkinder verfügen über ein fotografisches Gedächtnis jedoch verfügen nur 0.1% der Erwachsene darüber ist nicht geschlechtsspezifisch Wird die Fähigkeit verlernt?
  • Interindividuelle Unterschiede: "Random Dot Fusion" Random Dot Fusion:Ein Wort wird in Punkten dargestellt, so dass es gerade noch zu lesen ist. Daraus werden zwei komplementäre Punktemengen gebildet, die den VPs jeweils auf einem Auge präsentiert wurden. VPs sollten dann durch mentales Überlappen der Bilder das geschriebene Wort identifizieren. Stromeyer & Psotka (1970)Pobandin "Elizabeth" sah die beiden Bilder mit einer Pause von bis zu 24h und konnte das sich ergebende Stereogramm mit Leichtigkeit berichten. Gummermann et al. (1972)von 270 getesteten Probanden, unter anderem auch Kinder und geistig Behinderte, konnte niemand das Wort identifizieren Merritt (1979)Eine Millionen unnterzogen sich dem Test (in Zeitschriften), keiner war dazu in der Lage
  • Wiedererkennen von Bildern Standing (1973)Bot Probanden bis zu 10.000 Bilder nacheinander dar, jeweils für 6sIn der Testphase wurden zwei bilder nebeneinander präsentiert, ein bekanntes, ein unbekanntes. Frage: "Welches wurde schon einmal gesehen?" Nur 17% Fehler! Weitere Ergebnisse: Bilder werden besser erinnert als Worteähnliche Ergebnisse für "free recall" Aufgabe Aber was wird erinnert? Das exacte Bild oder eine Interpretation davon (Bedeutung)?
  • Wiedererkennen von Bildern: Was wird erinnert? Wie wird erinnert? Gernsbacher (1985): Präsentierte den Probanden 5 Bildergeschichten mit jeweils 24 Bildern Testzuvor gesehene Bilder werden einzeln präsentiert, jedoch entweder in derselben Orientierung oder spiegelverkehrtFrage: "Ist das Bild dasselbe wie zuvor oder nicht?" ErgebnisseNach 12 Bildern wurden 74% korrekt beantwortet, nach einer ganzen Geschichte noch 62% und nach 5 Geschichten 57%⇒ schneller Zerfall von Oberflächeninformation⇒ es wird eher das Thema und die Bedeutung erinnert statt das eigentliche Bild⇒ Art des erinnerns ist ein diskurtiertes Thema und noch nicht geklärt
  • Repräsentationsformen von visueller Information: Vorstellungsbilder vs. Propositionen Mentale Bilder Vorstellung und Wahrnehmung sind ähnlich analoge Repräsentation Vertreter: Kossylyn, Shepard, Farah oder.... Symbole wahrnehmungsfern, abstrakt, willkürlich Visuelle und verbale Informationen sind propositional (symbolisch) repräsentiert Vertreter: Pylyshyn, Anderson, Bower
  • Theorie der dualen Kodierung Paivio, 1971Glaubt, dass ein duales Kodierungssystem existiert, sodass sowohl mentale Bilder als auch Logogene existieren EvidenzGedächtnisleistung ist besser für Worte, die leicht eine Vorstellung erzeugen.Dies würde für eine doppelte Gedächtnisspur bei konkreten Inhalten sprechen Diese Vorstellung ist eher am Aussterben(?)
  • Epiphänomen Vetreter propositionaler Repräsentationen nehmen an, dass mentale Bilder lediglich Nebenerscheinungen sind, die keine kognitive Funktion besitzen Wissen soll also nur in propositionalen Repräsentationen gespeichert werden Vergleich zu Feuer: Der Rauch ist nur ein Nebenprodukt, welcher zwar unvermeidbar ist aber keine Funktion erfüllt
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  • Basieren kognitive Operationen auf mentalen Vorstellungen? Untersuchungen um Funktionalität analoger Repräsentation nachzuweisen Gegner der Epiphänomentheorie versuchten Beispiele zu finden, die zeigen das mentale Vorstellungen doch eine kognitive Funktion erfüllen Stellten Probanden Fragen wie zum Beispiel "Wie viele Räume besitzt die Bibliothek?" Analoge Repräsentation: Repräsentation in der Vorstellung ist wahrnehmungsnaheBeispiele: Mentale Rotation, Abscannen von Vorstellungsbildern Abstrakte Repräsentation: Repräsentationen die nicht wahrnehmungsnah sondern symbolisch sind 
  • Analoge Repräsentation: Fiktive Landkarte Kosslyn, Ball, & Reiser (1978) Probanden mussten eine fiktive Karte auswendig lernen, bis sie die Karte aus dem Gedächtnis zeichnen können Probanden sollten sich nun vorstellen, sie befänden sich auf einem Punkt der Karte und sollten zu einem anderen Punkt laufen. Wenn sie in Gedanken angekommen sind sollten sie einen Knopf drücken. ErgebnisZeiten standen im Verhältnis zur abgelaufener Strecke, ohne das Faktoren wie Ermüdung hineingespielt hätten. Diese lineare Abhängigkeit wäre nicht zu erklären wenn die die Repräsentation abstrakt wäre.
  • Evidenz für analoge Repräsentation: Mentale Rotation Shepard & Metzler (1971)Zeigten den Probanden zwei Bilder von Würfelskulpturen, welche auf Gleichheit geprüft werden müssen. Diese waren entweder in der Bildebene oder in der Tiefenebene rotiert. ErgebnisReaktionszeit stieg in beiden Fällen mit zunehmendem DrehwinkelGleiche Reaktionszeiten für Bildrotation und Tiefenrotation⇒ Haben wir nicht nur mentale Bilder sondernn auch mentale Skulpturen? Gegner der analogen Repräsentation lehnen diese Ergebnisse als nicht valide ab, weil das Experiment einen gewissen Aufforderungscharakter hätte
  • Geschlechtsunterschiede bei der mentalen Rotation Männer können Polygone schneller rotieren Frauen können Tierbilder schneller vergleichen Bei anderen Reizen gibt es keinen reliablen Unterschied Frauen rotieren eher analytisch (zerlegend) , Männer eher holistisch (ganzheitlich)
  • Sind mentale Bilder mit visuellen Wahrnehmungen vergleichbar? Es wäre möglich, dass ein einziges Gehirnareal sowohl für die Verarbeitung von mentalen Bildern als auch visuellen Eindrücken verantworlich ist. Ponzo-Illusion (Wallace, 1984) Wallace lies Probanden auf zwei gleichlange, untereinander angeordnete Striche schauen und bat sie, sich die zur Ponzo-Illusion fehlenden V-förmigen Striche dazuzudenken. Die Probanden gaben an, dass diese Vorstellung zu einer Wahrnehmunsgveränderung führten und der untere Strich erschien ihnen länger.
  • Selektive Interferrenz von Wahrnehmungen und Vorstellungen Segal, & Fusella (1970)Probanden mussten einen schwachen auditiven oder schwachen visuellen Reiz entdecken. Gleichzeitig sollten sie sich entwerder etwas vor ihrem geistigen Auge oder Ohr vorstellen. Ergebnis: Es gab mehr false alarms wenn gleichzeitig etwas visualisiert werden sollte und gleichzeitig auf einen visuellen Reiz reagiert werden sollte. Dies geschah auch bei der auditiven Variante. Probanden waren besser wenn sich die zwei Aufgaben auf die Sinnesmodalitäten verteilten Vorstellung interferiert mit dem externen Signal! Interpretation:Für die Wahrnehmung als auch für die Vorstellung eines Sinnesreizes werden die gleich Ressourcen benötigt.
  • Verarbeitung von Kippfiguren Chambers & Reisberg (1985)Kippfiguren enthalten Infortmation, die nicht eindeutig interpretierbar sind. So können zwei verschiedene Figuren zu sehen sein. Autoren zeigten Probanden zum Beispiel die Kippfigur des Hasen/Ente, sodass Probanden nur eine Figur sahen. Probanden sollten sich die Kippffigur vorstellen und die zweite Vorstellung finden. Dies gelang ihnen erst, nachdem sie die Kippfigur aus der Vorstellung nachzeichneten ⇒ mentale Vorstellungen sind im Gegensatz zu Bildern nicht ambig
  • Auditive Vorstellungen Intons-Peterson et al. (1992) Die Probanden wurden gebeten sich zwei typische Umweltgeräusche mit unterschiedlicher Tonhöhe mental vorzustellen und in ihrer Tonhöhe anzugleichenBeispiel: Katzenschnurren und Polizeisirene ErgebnisJe größer der Unterschied in der Tonhöhe der vorgestellten Geräusche, umso länger benötigten die Probanden für das mentale Angleichen der Tonhöhen
  • Vorgestellte Handlungen: Strecken zurücklegen Decety et. al. (1989) 1. Experiment Probanden wurden Ziele in einer Entfernung von 5m, 10m oder 15m gezeigt Die Strecke dorthin sollten sie entweder mental oder real zurücklegen und dabei die Zeit stoppen ErgebnisDie Gehzeiten der Versuchsperson waren für die mentale und reale Aufgabe (fast) identisch 2. Experiment Probanden trugen nun einen 25kg schweren Rucksack ErgebnisDie mentalen Gehzeiten waren nun 30% länger Der schwere Rucksack hat sich in den mentalen Vorstellungen stark ausgewirkt, währrend er in der Realität bei einer so kurzen Strecke keinen großen Unterschied macht. Das denken über die Last beeinflusst alles!
  • Hirnaktivität bei Vorstellungen Versuchspersonen lagen mit geschlossenen Augen währrend ein EEG, ein PET oder ein fMRI ausgeführt wurde Definition Alpha-Blockade: Mit geschlossen Augen wird ein starkes Signal ausgelöst, welches verschwindet wenn ide Augen geöffnet werden Probanden zeigten die Alpha-Blcokade auch, wenn sie sich etwas visuell vorstellten! Diese Alpha-Blockade glich jener die die Probanden aufwiesen, wenn ihnen der Gegenstand gezeigt wurde Auch das PET (Messung von lokaler Durchblutung mittels radiioaktiver marker) und das fMRI (Messung der lokalen Durchblutung mittels Hämoglobin) konnten zeigen, dass beide Gehirnareale gleichstark durchblutet wurden.
  • Mentale Vorstellungen mittel fMRI untersuchen Déposito et al. (1997) In der ersten Bedingung hörten die Probanden konkrete Wörter wie Haus, Apfel, Pferd... die man sich als konkret vorstellen kann und was diese auch sollten. In der zweiten Bedingung hörten sie abstrakte Begriffe wie z.B. Gerechtigkeit, Schuld,... welche sie sich nicht vrstellen konnten oder sollten ErgebnisDas fMRI zeigte eine Erhöhte Aktivität im linken Temporallappen, welche sich bis zum linken Okzipitallappen erstreckte.Widerspricht der Annahme, dass links im Gehirn die Sprache und rechts die räumliche Vorstellung liegt
  • Mentale Vorstellungen: weitere fMRI Befunde Ganis et al. (2004)Verglichen Hirnaktivität wenn Probanden ein Wort hörten und dazu das Bild sahen und wenn sie kein Bild sahen. Zieht man die resultierenden fMRI-Bilder voneinander ab sieht man praktisch keine Aktivierungen mehr .. Aktivierung ist also identisch für Vorstellung und Wahrnehmung Wahrnehmungseffekte treten sogar in primären Regionen wie V1 auf wenn man sich etwas vorstellt Neuronale Systeme können anhand von fMRI-Bildern erkennen was sich ein Mensch vorstellt, selbst wenn sie nur mit Wahrnehmungen trainiert wurden
  • Motorische Vorstellungen und ERPs Osman et al. (2006), Tapping-VersuchProbanden sollen abwechselnd links und rechts tappen. Dabei entstehen kortikale Aktivierungsmuster (abwechselnde Potenziale links und rechts) + Muskelaktivierung (mit EMG gemessen)Probanden sollten aufhören und sich das weitertappen vorstellen: die kortikale Aktivierung war abgeschwächt aber vorhanden, das EMG zeigte keine Muskelaktivierung
  • Neuropsychologie der Vorstellung: Vorstellungsneglekt Neglektpatienten sollen sich den Marktplatz ihrer Heimatstadt vorstellen und ihn beschreiben → Vernachlässigten immer die linke Seite des Vorstellungsbildes, kannten es aber da sie es beschreiben konnten wenn sie sich mental auf dem Platz drehten Patient R.D.sollte so viele franz. Städtenamen nenn wie möglich. Einaml mit einer perzeptuell vorhandenen Karte und einmal sollte er sie sich vorstellen, in beiden Fällen entweder aufrecht oder um 180º gedreht. In allen Fällen wurden Städte vornehmlich im rechten gesichtsfeld berichtet ⇒Wahrnehmung und Vorstellung unterliegen sehr ähnlichen Beschränkungen⇒Vorstellungsbild ist komplett und kann sogar rotiert werden, aber nicht komplett "abgescannt"