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Allgemeine Psychologie C (Fach) / Mentale Chronometrie (Lektion)
Historisches zur Mentalen Chronometrie, Renaissance der Mentalen Chronometrie, "Moderne" Mentale Chronometrie, Anwendungsbeispiele
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- Einleitung: Mentale Chronometrie Wichtiger Forschungsansatz innerhalb der Kognitionspsychologie Historisch: Frage nach der Geschwindigkeit psychischer Prozesse Modern: Frage nach der Organisation und zeitlichen Abgestimmtheit psychischer Prozesse
- Historisches zur Mentalen Chronometrie: Postulat von Johannes Müller (1838) Müller hielt die Nervenleitgeschwindigkeit für schneller als die Lichtgeschwindigkeit. Sie sei daher also fast unendlich schnell. Nervengeschwindigkeit folglich nicht messbar Begründung: Visuell aufgenommenes würde sofort verarbeitet und zu einen Erleben führen
- Historisches zur mentalen Chronometrie: Widerlegund von Johannes Müller mittels Subtraktionsmethode Hermann von Helmholtz (1850) gelang es die Nervenleitgeschwindigkeit im Oberschenkel eines Frosches zu messen Er verwendete dazu die Subtraktionsmethode Bei bekanntem Weg konnte die benötigte Zeit berechnet werden, die der Reiz benötigte um ein Muskelzucken auszulösen
- Historisches zur mentalen Chronometrie: Subtraktionsmethode F.C. Donders (1818 - 1889)Ermittelte mittels der Subtraktionsmethode die Zeit die bestimmte mentale Prozesse benötigten (1886) Stufenmodell der Diskreten Verarbeitung: StimulusA: Wahrnehmung: Besteht aus Detektion und IdentifikationB: HandlungsauswahlC: Motorische ProzesseReaktion ⇒ RT = TA + TB + Tc Anhand des Stufenmodells bestimmte Donders mittels Verschiedener Aufgaben die Dauer der einzelnen Komponenten: Einfachreaktionszeitaufgabe: "Drücke rechte Taste, sobald ein Reiz erscheint"RT = Detektion + Motorischer Prozess Wahlreaktionsaufgabe: "Drücke Rechts für Quadrat und links für Raute"RT = Detektion + Identifikation + Handlungsauswahl + Motorische Prozesse Go/NoGo Aufgabe: "Drücke rechts für Quadrat, reagiere nicht für Raute"RT = Detektion + Identifikation + Motorische Prozesse Daraus folgt: Identifikation = Go/NoGo - Einfachreaktion = 36msHandlungsauswahl = Wahlreaktion - Go/NoGo = 47ms
- Historisches zur Mentalen Chronometrie: Kritik an der Subtraktionsmethode Oswald Külpe (1909): Bewirkte das Ende der Reaktionszeitstudien durch seine Überblicksarbeit Subtraktionsmethode beruht auf problematischen Grundannahmen: Ergebnisse verschiedener Studien waren inkonsistent. Oswald schloss, das dass "Reine Einfügen" von Summanden falsch sei. Kritisiert, dass in der Go/NoGo Aufgabe davon ausgegangen wird, dass keine Handlungsauswahl benötigt wird Nach dieser Veröffentlichung gab es kaum RT - Studien bis ca. 1970
- Renaissance der Mentalen Chronometrie: Additive Faktorenmethode Saul Sternberg (1969):Entwickelte die additive Faktorenmethode (AFM) und führte somit zur Renaissance der Mentalen Chronometrie Additive Faktorenmethode: Die Aufgaben bleiben immer gleich (d.h. "Reine Einfügung" nicht notwendig) Es wurden verschiedene Faktoren in den Experimenten manipuliert Spezifische Effekte dieser Manipulationen ermöglichen die Identifikation unterscheidbarer Verarbeitungsstufen
- Logik der Additiven Faktorenmethode Wenn zwei Faktoren unterschiedliche Stufen beeinflussen, dann erzeugen diese Faktoren additive Effekte auf die ReaktionszeitStufen wären z.B. Wahrnehmung und Motorik oder Sensomotorik... Wenn zwei Faktoren wenigstens eine Stufe gemeinsam beeinflussen, dann erzeugen sie interaktive Effekte auf die Reaktionszeit Beispiel: Sternberg, 1969Probanden mussten Zahlen lesenFaktor A: Zahl nennen die erscheint oder (Zahl + 1) nennenFaktor B: Lesbarkeit des Reizes in zwei StufenErgebnis: Additiver Effekt: Beide Faktoren zeigen einen Haupteffekt aber keine InteraktionZweites Experiment:Faktor B: "S-R pair task", Zahlen waren entweder nur 2 und 8 oder 1 - 8 Ergebnis: Es entsteht ein Interaktiver Effekt
- Detaillierte Identifikation von Stufen Sanders (1998) Sanders hat alle möglichen Veränderungen kombiniert und auf additive Effekte bzw. interaktive Effekte untersucht Es entstand ein sehr detailreiches Stufenmodell mit möglichen Faktoren die die jeweiligen Stufen beeinflussen Dies ist ein Paradebeispiel für die Kognitive Wende, da Behavioristen dies als schwarzen Kasten abgetan hätten
- Moderne Mentale Chronometrie: Lateralisiertes Bereitschaftspotenzial Lateralisiertes Bereitschaftspotenzial: Es wird die Differenz zwischen der C3 und der C4 Elektrode berechnet (C = Central). Dies ist die auf Höhe des motorischen Cortex. Bevor eine Taste gedrückt wird herrscht ein negatives Potenzial.Linke Hand: C4 - C3, Rehcte Hand: C3 - C4 Coles (1989)Findet man in einem Reaktionszeitexperiment eine verlängerte Reaktionszeit, so ist es wichtig herauszufinden, welche Verarbeitungsstufe nun mehr Zeit benötigt. Hat die Veränderung auf frühe oder späte Verarbeitngsstufen auswirkungen? Dies untersuchte Coles mit dem Lateralisierte Bereitschaftspotenzial (LRP).
- Lateralisiertes Bereitschaftspotenzial: Stimulus locked und Response locked Um die EEG Kurven miteinander vergleich zu können muss ein Zeitpunkt gewählt werden, an dem die Durchgänge ausgerichtet werden können Stimulus lockedEinzelne Durchgänge werden beim Mitteln am Zeitpunkt des Reizes ausgerichtet. So können frühe Veränderungen im LRP festgestellt werden Response lockedEinzelne Durchgänge werden beim Mitteln am Zeitpunkt der Reaktion ausgerichtet. So können späte Veränderungen am LRP festgestellt werden Beispiel von Coles:Die Reizintensität beeinflusst nur das Stimulus LRP IntervallDie Anzahl an Antwort Alternativen beeinflusst sowohl das S-LRP also auch das LRP-R Intervall → beeinflusst frühe und späte Prozesse
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- Anwendungsbeispiel: Memory-Scanning Sternberg (1966)Wie durchsuchen wir unser Gedächtnis nach einem bestimmten Item? Parallel? Seriell, selbst-abbrechend? Seriell, erschöpfend? Ergebnis:serielle, erschöpfende SucheEs werden ca. 400 ms für die Prozesse benötigt und 38 ms mehr für jedes Item, das mehr durchsucht werden muss Stufenmodell von SternbergStimulus → Stimulus encoding → serial comparison → Binary decision → Translation & Response organization → Response
- Memory Scanning: Übungseffekte Was passiert, wenn das Memory-Scanning Paradigma einige Tage lang geübt wird? Übung verkürzt zwar die Reaktionszeit, aber die Steigung pro Item bleibt die gleiche Übung interagiert also nicht mit der Zahlenmenge vermutlich wirkt Übung nicht auf den eigentlich Vergleichsprozess, sondern hat auf andere Verarbeitungsstufen einen Einfluss
- Simoneffekt: Aufgabe und Ergebnismuster Simon (1990)Probanden hatten links un drechts eine Taste liegen und sollten links bei einem Rechteck und rechts bei einem Dreieck drücken.Das Zielobjekt konnte entweder links oder rechts vom Fixationspunkt erscheinen.Dadurch entstehen Kompatible Bdingungen (Reiz- und Reaktionort gleich) Inkompatible Bedingungen (Reiz- und Reaktionsort unterschiedlich) ErgebnisseObwohl der Reaktionsort irrelevant für die Aufgabe ist wirkt sich die Kompabilität von Reizort und Reaktion auf die RT aus!
- Simon-Effekt: Anatomische Theorie Idee Der Reaktionszeitunterschied entsteht durch die unterschiedliche länge der Verabeitungspfade In der Kompatiblen Bedingung finden visuelle und motorische Verarbeitung in der gleichen Hemisphäre statt In der Inkompatiblen Bedingung ist der Verarbeitungspfad länger, da die Verarbeitung in beiden Hemisphären stattfindet und verknüpft werden muss Überprüfung Probanden mussten die Tasten mit ihren Händen überkreuzt bedienen Falls die Theorie stimmt müsste der Effekt sich umdrehen ABER: Effekt bleibt bestehen, somit wird die Theorie verworfen Der Effekt ist nicht an den Effektor gebunden
- Simon-Effekt: Doppelrouten-Theorie Kornblum et al. (1990)Ein ortspezifischer Bahnungsprozess kann bei kompatiblen Durchgängen ausgelöst werden.Dieser ist schneller als die sensomotorische Verarbeitung und kann so den Motorischen Cortex Primen Evidenz kommt zum Beispiel vom lateralisierten Bereitschaftspotenzial
- Redundanzeffekt (redundant signals effect) Miller (1982) Aufgabe: Drücke eine Taste wenn das Signal erscheint 1. Stufe: Nur visueller Reiz 2. Stufe: Nur auditiver Reiz 3. Stufe: Visueller und auditiver Reiz 4. Stufe: catch Ergebnis In Stufe 1 und 2 sind die Reaktioszeiten fast gleich, aber in der 3. Stufe sind die Probanden deutlich schneller Bestimmt man für jeden Probanden den faster single und vergleicht diesen mit der 2fach Bedingung, so bleibt der Effekt trotzdem bestehen
- Redundant signals Effect (RSE): Wettlaufmodell oder Koaktivierungsmodell? Wettlaufmodell Beide Reize werden unabhängig voneinander Verarbeitet "Gewinner" des Wettlaufs löst die Reaktion aus Redundanzeffekt entsteht durch pure statistische Erleichterung Koaktivierungsmodell Reize werden nicht komplett unabhängig voneinander verarbeitet Redundanzeffekt entsteht durch eine Kombination der Einzelaktivierungen ⇒ Koaktivierung
- Redundant signals effect (RSE): Grenzen des Wettlaufmodells Nach der Wettlaufsungeichung kann eine untere Grenze für die Redundante Bedingung vorhergesagt werden, falls das Wettlaufmodell zu trifft Diese Grenze kann vorhergesagt werden, indem man in den Einzelbedingungen schaut, wie schnell die Probanden dort sein können. Dafür werden nur die 10% schnellsten Durchgänge pro Bedingung betrachet ErgebnisDie redundanten Durchgänge sind manchmal sogar schneller als die 10% der schnellsten Durchgänge aus den Einzelbedingungen ⇒ Das Koaktivierungmodell kann die Daten besser erklären