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Emotionspsychologie (Fach) / 11. Emotionen in der frühen Kindheit (Lektion)
elfte vorlesung
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- zwei Traditionen 1. Das Konzept der Sozialisation ...... mit Schwerpunkt auf Umweltbedingungen und Lernprozessen.2. Das Konzept der Bindung ...... mit Schwerpunkt auf angeborenen Dispositionen und der Interaktion mit(wichtigen anderen) Personen
- Entstehung der Bindungstheorie Harry Harlow (1905 – 1981)... ab etwa 1931 Forschungsarbeiten zu Rhesus-Affen, insbesondere zum ersten Lebensjahr der Affenkinder René Spitz (1887 – 1974)... ab etwa 1935 Forschungsarbeiten, unter anderem zu Findlingskindern und Kinderheimen John Bowlby (1907 – 1990) & Mary Ainsworth (1913 – 1999)... ab etwa 1945 Forschung an der Tavistock-Klinik (London) und ab 1950 im Auftrag der WHO
- Prägung Eine „primitive“ Form des Lernens, bei der sich bestimmte Tierjunge dem ersten sich bewegenden Objekt folgen, das sie sehen oder hören, und eine Bindung an dieses Objekt entwickeln.
- Soziale Entwicklung und Bindung 1. Bindung ist etwas, das dem Überleben dient, insbesondere bei Arten, die bei Geburtzunächst und womöglich auch für längere Lebensabschnitte (wie dies beimMenschen der Fall ist) hilflos sind. 2. Bindung könnte also dazu führen, dass sie den Nachkommen eine Art„Grundversorgung“ durch die Eltern sichert, beispielsweise in Form von Nahrung undSchutz vor Feinden.
- Die Arbeiten von Harry Harlow 1. Experimente mit Rhesusaffen, die von Geburtan von ihren Müttern getrennt wurden und nurZugang zu künstlichen Müttern hatten. 2. Diese künstlichen Mütter variiertenhinsichtlich einiger Merkmale:Einige solcher „Mütter“ stellten dieNahrungsversorgung sicher, andere liefertenzumindest ansatzweise die Möglichkeit einerkörperlichen Zuwendung -- siehenachfolgende Abbildungen
- Revidierte Schlussfolgerungen 1. Bindung ist etwas, das dem Überleben dient, insbesondere bei Arten, die bei Geburtzunächst und womöglich auch für längere Lebensabschnitte hilflos sind.2. Bindung ist wahrscheinlich der Sicherstellung einer Grundversorgung sehrzuträglich.3. Es gibt darüber hinaus auch emotionale Bedürfnisse, die durch Bindungsichergestellt werden.4. Was hier also stattfindet, ist sicherlich auch eine Form des „emotionalen Lernens“,die wir uns genauer ansehen sollten
- Kraemer (1992) gibt einen Überblick zur Entwicklung von Babyaffen 1. Solche Affen können auch im Erwachsenenalter oftmals nicht normal essen undtrinken (es dominieren Rückzug und extreme Ängstlichkeit).2. Sie sind apathisch, auto-aggressiv, und zeigen stereotype Verhaltensabläufe.3. Bei vielen kognitiven Aufgaben schneiden diese Affen extrem schlecht ab.4. Der Umgang mit Artgenossen ist oftmals extrem gestört, und schwankt hierbeizwischen unangemessener Unterwerfung und Aggression.5. Nachweisbar sind gravierende neurobiologische Defizite vor allem in Bezug aufNeurotransmitter-Reaktionen des Gehirns.
- Folgerungen: 1. Es gibt ein Kontinuum zwischen Bindung (Suche nach Schutz und Zuwendung)einerseits und Exploration (Kennen-Lernen von neuen Dingen) andererseits, undLetzteres ist ohne Ersteres nicht möglich. 2. Exploration und Abwesenheit von Angst (etwa in fremder Umgebung) gibt es bei denmeisten kleinen Säugetieren nur in Anwesenheit einer „Bezugsperson“. 3. Bowlby bezeichnet diesen wertvollen Verdienst der Bindung für dasExplorationsverhalten und die Bewältigung potentiell Angst-auslösender Situationenals „Secure Base“ (sichere Basis)
- VERHALTENSWEISEN sind aufschlussreich § Differentielles Schreien, Lächeln, Vokalisation§ Weinen, wenn die Mutter das Kind verlässt§ Visueller Kontakt und Blickkontakt mit der Mutter§ Sich zur Mutter hinwenden, ihr nachfolgen, Freude bei Begrüßung§ Das Gesicht in den Schoß der Mutter legen (insb. bei Angst)§ Umarmungen, Kuscheln, Küssen (Ausnahme: Uganda)§ Explorationsverhalten insbesondere in Anwesenheit der Mutter§ Flucht zur Mutter in Angst-auslösenden Situationen
- John Bowlby‘s Bindungstheorie Bindung ist ein Konstrukt aus mehreren Elementen. Alle zugehörigenVerhaltensweisen (siehe voraus laufende Folien) dienen diesem „System“ Bindung,kommen aber zum Teil auch in anderen Kontexten vor.Je nach Entwicklungsphase sind verschiedene Elemente wichtiger oder wenigerwichtig.Konkretes Bindungsverhalten (alle jeweiligen Elemente eingeschlossen) wirdinsbesondere in kritischen Situationen aktiviert
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- John Bowlby‘s Bindungstheorie Entwicklungsverlauf 1. „Vorphase“ unmittelbar nach der Geburt (bis zu 6 Wochen):Allgemeine Ansprechbarkeit des Kindes, ohne Unterschied der Person: Es teilt sichallen Personen unterschiedslos mit und empfängt Signale von allen Personen. 2. „Phase der Personenunterscheidenden Ansprechbarkeit“(6 Wochen bis 6-8 Monate):Das Kind sendet Signale bevorzugt an eine Person oder einige vertraute Personen;das Repertoire der Bindungsverhaltensweisen ist erweitert. 3. „Phase der eigentlichen Bindung“ (ab 6-8 Monate bis 24-36 Monate):Ab dem Alter von etwa 7 bis 8 Monaten, wenn das Kind (zunächst mit einfachstenMitteln) in der Lage ist, sich einer Person zuzuwenden oder diese aufzusuchen(„Lokomotion“). Das Kind ist zudem in der Lage, eine Person zu vermissen, wasObjektpermanenz voraussetzt. 4. „Phase der Zielkorrigierten Partnerschaft“: (etwa ab 36 Monaten)Etwa ab dem Alter von 3 Jahren, wenn das Kind versucht, die andere Person unddessen Verhalten zu beeinflussen, und zwar in Abhängigkeit von situativenGegebenheiten.
- Der „Strange-Situation-Test“ („Fremde-Situation-Test“): 1. Ausgangspunkt: Neue Situation (z. B. ein kindgerechter eingerichteter Laborraum)mit zahlreichen Spielgelegenheiten für das Kind in Anwesenheit der Mutter.2. Diese angenehme Situation wird nun zunehmend „erschwert“, das heißt, es tretenEreignisse auf, die für die Kinder eine Herausforderung darstellen (allerdingsHerausforderungen, die sie im alltäglichen Leben auch zu bewältigen haben!).3. Beispiel: (1) Eine freundliche dritte Person kommt hinzu, nimmt (2) erst Kontakt zurMutter, (3) später zum Kind auf, (4) die Mutter verlässt kurz den Raum und kommtdann zurück, (5) Mutter und dritte Person verlassen den Raum, (6) Mutter kommtzurück
- Ainsworth und Bowlby unterscheiden drei „Bindungstypen 1. Sichere Bindung2. Vermeidend-unsichere Bindung3. Ambivalent unsichere Bindung