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Wildtierökologie (Fach) / Schwarzwild (Lektion)
- Die Kirrjagd soll der effektiven Bejagung des Schwarzwildes dienen. Was versteht man unter Kirrjagd und welche Kritik an der Kirrpraxis kennen Sie in Bezug auf ihre Wirkung auf die Population? Kirrjagd: Anlocken des Wildes mit Futter um es einfacher zu schießen oder zur Beobachtung erlaubte Menge ist in den Ländern unterschiedlich festgelegt Kritik:- es wird zu viel gefüttert„Fütterung bei der Kirrung“- es gehen wahrscheinlich eher die jungen Tiere an die Futterstelle, da die Alten vorsichtiger sind- die Überlebenden lernen und können nicht so einfach wieder angelockt werden- zusätzliche Fütterung -> Gewichtzunahme-> Frischlinge werden früher fertil-> Populationsanstieg (eine Gewichtszunahme von 5 kg kann die Fertilität von Frischlingen um 40% steigern!)
- Warum kommt den weiblichen Frischlingen (diesjährige Jungtiere) in der Populationsdynamik des Schwarzwildes eine so große Bedeutung zu? Frischlinge machen ca. 60% der Population von Wildschweinen aus. Damit sind sie ein enorm wichtiger Faktor in der Bestandesentwicklung. Weibliche Frischlinge können bereits im ersten Jahr beschlagen werden, was die Reproduktionsrate in der Rotte stark erhöhen kann.
- Schwarzwild verhält sich hinsichtlich der Fortpflanzung wie ein r-Stratege. Was ist unter r-Strategie prinzipiell zu verstehen und wie äußert sich dies beim Schwarzwild im Konkreten? R-Strategen, wie z.B. Mäuse, zeichnen sich durch eine hohe Reproduktionsrate, starke Schwankungen im Zuwachs, Jungtiere die bereits trächtig sind und Kurzlebigkeit aus.Schwarzwild besitzt eine dem R-Strategen entsprechende Reproduktionsrate mit Jungtieren, die bereits im ersten Jahr trächtig werden können. Jedoch werden Wildschweine ohne Einfluss des Jägers deutlich älter, als es für andere r-Strategen üblich wäre. r-Stratege: • viele Nachkommen, 3-12 Junge pro Wurf möglich• hoher Einfluss der Nahrungsverfügbarkeit auf Kondition und damit auf das Alter der Geschlechtsreife und die Wurfgröße• starke Schwankungen im Zuwachs • neigt zu Massenvermehrungen• Jungtiere (Frischlinge) können bereits trächtig werden• in die Jugendphase verlagerter Populationsbeginn• kurzlebig
- Wie ist Bestandesentwicklung des Schwarzwildes in den letzten Jahrzehnten zu beurteilen? Die Verbreitung des Schwarzwildes in den letzten 20 Jahren in Deutschland und Europa hat stark zugenommen. Dabei kommen dem Tier die ersten Folgen des Klimawandels zu Gute. Mildere Winter kombiniert mit einer mancherorts falschen Kirrpraxis haben die Ausbreitung des Schwarzwildes zusätzlich begünstigt. Zunehmende Stickstoffeinträge durch Landwirtschaft und Verkehr sorgen für Veränderungen im Waldökosystem; dem Schwarzwild steht mehr Nahrung zur Verfügung. Vor allem aber die industrielle Landnutzung und die damit einhergehende Verbreitung von Monokulturen stellen wissenschaftlich gesehen derzeit die wahrscheinlichste Ursache für den Populationsanstieg dar.
- Was ist allgemein unter potentieller Reproduktionsleistung (expected lifetime reproduction, ELR) zu verstehen und wie stellt sich diese in Bezug auf die drei weiblichen Altersklassen beim Schwarzwild dar? Gibt an, wie viele Nachkommen ein Individuum/Altersklasse potentiell in ihrem Leben zeugen kann. Mehrjährige: 90-95% sind fertil; Wurfgröße: 7; Menge aller Nachkommen: 18,1 Überläufer: 80-95% sind fertil; Wurfgröße: 6; Menge aller Nachkommen: 13,4 Frischling: 10-60% sind fertil; Wurfgröße: 4; Menge aller Nachkommen: 8,4 Bei Jungtieren ist ELR geringer, da die Überlebenschance geringer ist. (Z.B. Krankheit, Jagd, Unerfahrenheit) Adulte sind mit höherem Anteil fertil, Wurfgrößen sind größer, erfahrener
- Die Jagd auf Wildschweine sollte möglichst effizient gestaltet werden. Ist es sinnvoll zuerst die Frischlinge oder die Bachen zu schießen? - Mit dem Abschuss eines Frischlings verhindert man einen neuen Wurf von 2 Tieren im folgenden Jahr - Mit dem einer Bache einen von 6-7 Jungtieren - Viele Frischlinge überleben das erste Jahr nicht und es werden nicht alle im ersten Jahr fertil - durch das fehlen der Leitbache geht der Rotte der Erfahrungsschatz verloren -> die übrigen Tiere werden leichter jagbar - eine mehrjährige Bache kann in ihrem Leben bis zu 18 Nachkommen produzieren, eine Frischlingsbache hingegen nur 8 (Stichwort: Lebensreproduktionsleistung)
- Schwarzwild ist ein Allesfresser. Welche wesentlichen Nahrungskategorien des Schwarzwildes kennen Sie? Stellen Sie deren Verfügbarkeit bzw. deren Nutzung im Jahresverlauf dar. Schwarzwild als Allesfresser bedient sich verschiedenster Nahrungsquellen, um seinen Energiebedarf zu decken. Einen kleinen Teil davon machen im Boden lebende Kleintiere wie Würmer und Engerlinge aus (< 5%). Während der Vegetationsperiode machen natürliche Grünpflanzen wie Gras und Klee einen Anteil von 50% aus. Einen großen Teil stellen Ackerfrüchte während deren Anbauphasen (Juni - August) wie Mais und Getreide dar (über 50%). Während der Wintermonate ernährt sich das Schwarzwild von der Baummast der Buche, Eiche und Kastanie. Gerade in Mastjahren kann der Anteil über 75% betragen. In Regionen, wo Futtermais ausgebracht wird, hat dieser einen enormen Anteil von über 60%.
- Beschreiben Sie in kurzen Sätzen die Problematik der Afrikanischen Schweinepest. Die Afrikanische Schweinepest ist ein extrem überlebensfähiges Virus, gegen das es keinen Impfstoff gibt (ähnlich HIV). Aufgrund der Tatsache, dass die Infektions-Wahrscheinlichkeit und die Mortalität sehr gering sind, ist das Virus kaum mehr auf natürliche Weise auszulöschen, wenn es einmal eingeschleppt wurde. Die Kadaver toter Tiere sind noch Wochen lang infektiös. Daher gilt es, tote, infizierte Tiere so schnell wie möglich zu finden und zu beseitigen.
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