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Wildtierökologie (Fach) / Habitatwahl (Lektion)
- Das Streifgebiet einer Hirschkuh setzt sich aus 70% Altbestand, 10% Stangenholz und 20% Grünland zusammen. Eine Telemetriestudie zeigt, dass sie sich zu 60% der Zeit im Stangenholz aufhält. Ist der Schluss zulässig, dass sie Stangenholz bevorzugt? Warum oder warum nicht? Der Schluss ist nicht zulässig, da häufig genutzte Habitattypen nicht zwangsläufig bevorzugt werden! -> Stangenholz ist der Kompromiss zwischen ausreichender Nahrungsversorgung und Sicherheit Freiflächen = wahrscheinlich viele Störungen, vielleicht auch Jagddruck Stangenholz = Schutz Nahrung und Sicherheit sind in Gebieten mit hohem Jagddruck kaum vereinbar, dort ziehen sich die Hirsche oft ins Stangenholz zurück um Schutz zu suchen, obwohl sie dort nur wenig Nahrung finden. Habitatwahl dient letztlich der Maximierung von Überlebens- und Reproduktionschancen Habitatpräferenz ist ungleich Habitatqualität
- Inwiefern kann Habitatwahl als ein „Optimierungsproblem“ für ein Wildtier gesehen werden? Habitatwahl ist das Auswählen aus dem Habitatangebot zur Maximierung der Überlebens- und Reproduktionschancen. Das Optimierungsproblem: Bereiche die gut Nahrung bringen und welche in denen die Sicherheit hoch sind, gibt es meistens nicht. Das Tier muss sich mit einem „Kompromiss“ zufrieden geben und einen Bereich wählen in denen Nahrung und Sicherheit nicht optimal sind, aber von beiden etwas vorhanden ist, z.B. mittlere Sicherheit und mittleres Nahrungsangebot.
- Als Gutachter sollen Sie einschätzen, welches von 2 Gebieten die höhere Habitatqualität für eine bestimmte Tierart hat. Wie könnte man das machen? Grundfrage: Die Habitatqualität definiert die Eignung eines Gebiets für das Überleben und die Reproduktion einer bestimmten Tierart. Welches Habitat bietet die besseren Voraussetzungen für das Überleben und Reproduktion der Tierart? Studien-Ansatz: Vergleich von Angebot und Nutzung 1. Habitatangebot erfassen - welche Habitatsfaktoren (Klima, Vegetation, Topographie, Artgenossen, Prädatoren) stehen der Tierart zur Verfügung? 2. Habitatnutzung identifizieren - direkt (Beobachtung) oder indirekt (Spuren) - repräsentative Stichproben nehmen - Identifizieren der jeweiligen Habitatansprüche (Wasser, Nahrung, Sicherheit, Ruheplätze, Setz/Aufzuchtplötze, Artgenossen) 3. Auf Habitatselektion testen - Nachweisen, dass die Tiere das Habitat selektiv nutzen - wenn Nutzung > Angebot, dann Präferenz - wenn Nutzung < Angebot, dann Meidung - Ein wichtiger Indikator für die Habitatqualität ist die Populationsdichte. Bei hoher Habitatqualität sind für langfristiges Überleben einer Population weniger Individuen erforderlich als bei geringer Habitatqualität. - Eine Entkopplung von hoher Habitatqualität und hoher Dichte entsteht z.B. bei saisonalen Habitaten, Ortstreue, Sozialer Dominanz und Territorialität.
- Eine Arbeitsgruppe hat in verschiedenen Gebieten der Alpen zur Habitatwahl von Auerhühnern gearbeitet. Obwohl das Auerhuhn als Habitatspezialist mit engen Präferenzen gilt, war die Habitatwahl nicht überall durch die selben Faktoren erklärbar. Woran kann das liegen? - Geschlecht des Tieres - Jahreszeiten - zufällige Nutzung - Feinde - Alter (Jung oder Alttier) - Störfaktoren - Habitatqualität ungleich Habitatpräferenz
- Ist Populationsdichte ein ausreichender Indikator für Habitatqualität? Nein! Situationen und Beispiele, in welchen hohe Habitatqualität und hohe Dichte entkoppelt sein können: Saisonales Habitat: ist Überleben winterabhängig, kann Dichte trotz hoher Sommer-Habitatqualität gering sein Ortstreue: Hohe Dichte ortstreuer Singvögel kann frühere statt aktuelle Habitatqualität widerspiegeln Soziale Dominanz: Subadulte Tiere werden in suboptimale Habitate mit folglich hoher Dichte abgedrängt Territorialität: Brutpaare besetzen bestes Habitat; dadurch hohe Dichte von Nichtbrütern in suboptimalem Habitat
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