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Sozialpsychologie (Fach) / 8, Gruppe (Entstehung, sozialer Verlauf, Entscheidungen, etc.) (Lektion)
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- Warum bilden Menschen Gruppen? -materieller Nutzen (gemeinsame Ziele verwirklichen, Sicherheit, Schutz, Macht) -psychologischer Nutzen (Motiv der Connectedness, Selbstdefinition, Selbstwertgefühl) -> Nutzen ist häufig so groß, dass herrschende Gruppenregeln (Mitgliedsbeträge, Aufnahmeritual) auf sich genommen werden -soziobiologische Auffassung (Steigerung Überlebenschancen, Zugehörigkeitsbedürfnis) -kognitive Auffassung (Definition des Selbst und andere über Zugehörigkeit zur Gruppe) -instrumentelle Auffassung (Vorteile durch Gruppe)
- Merkmale von Gruppen -Zugehörigkeitsgefühl -Soziale Struktur (Rollendifferenzierung) -geteilte Normen -Interaktionsmöglichkeit -zeitliche Stabilität (Kontakt über längere Zeit) -gemeinsame Ziele ! eine Gruppe entsteht aus mindestens 2 Personen
- Gruppensozialisation – Modell nach Moreland und Levine, 1982 ! Gruppensozialisation = Anstrengung der Gruppe, neue Mitglieder an die bestehenden Normen und Praktiken zu assimilieren -je Stadium ein „Rollenübergang“ 1. Erkundung (Gruppe sucht künftiges Mitglied, das sie beim erreichen des Gruppenziels unterstützt) !Eintritt 2. Sozialisation (neues Mitglied lernt Normen der Gruppe und Rollen innerhalb der Gruppe kennen) ! Akzeptanz 3. Aufrechteraltung (Person wird zu Vollmitglied, Vorteile sind für beide Parteien vorhanden) !Divergenz 4. Resozialisierung (Person wird zum randständigen Mitglied, hat eventuell nicht mehr gleiche Ziele oder hat eine besser passende Gruppe gefunden) ! Austritt, "sozialer Schmerz" 5. Erinnerung (gegenseitige Bewertung aus der Retroperspektive: positiv oder negativ)
- Einfluss von Struktur innerhalb von Gruppen auf Produktivität und Funktionalität -Normen ->allgemein geteilte Erwartungen ->informelle und formelle Regeln -> „Normbrecher“ werden sanktioniert -Kohäsion -> hohe Kohäsion wirkt Motivations- und Koordinationsproblemen entgegen -> Zusammengehörigkeitsgefühl motiviert Mitglieder, in Gruppe zu bleiben -Status -sozialer Bewertung -gleiche Positionen können unterschiedlichen Status besitzen -Rollen -rollenkonformes Verhalten wird belohnt -Rollen klar definiert: bessere Arbeitszufriedenheit und Leistung, Problem: Rollenkonflikte
- Studie von Podsakoff, McKenzie und Ahearne zur Kohäsion, 1997 -korrelatives Studiendesign (Korrelation zwischen Kohäsion und Leistung innerhalb der Gruppe) ! Annahme zuvor: große Kohäsion führt nicht immer zu besserer Leistung, ist abhängig von Akzeptanz der Leistungsziele innerhalb der Gruppe ! Ergebnisse: Geringe Kohäsion + geringe Akzeptanz = hohe Leistung Hohe Kohäsion + hohe Akzeptanz = hohe Leistung ! nicht auf jedes Team übertragbar!
- 5 Phasen-Modell nach Tuckman und Jensen, 1977 1. Forming (Herausbilden) -Informelles Kennenlernen der Gruppenmitglieder, vorsichtiges Abtasten -komfortabelste, ab wenigsten belastende Phase -interne Rangfolge wird gebildet 2. Storming (Stürmen) -Rollenfindung, Festigung der Positionen -Individualität sichtbar -Stillschweigen einzelner Mitglieder ! wichtigste Phase für den potenziellen Erfolg der Gruppe 3. Norming (Normenbildung) -Zusammenhalt, gegenseitige Unterstützung -Rollen sind gefunden, Vertrauen wird gebildet, Gruppe wächst zusammen 4. Performing (Leisten) -Team arbeitet eigenständig -Identitätsgefühl entsteht -optimale Kompetenznutzung 5. Adjouring (Abschließen) -Aufgabe wird zu Ende gestellt -Mitglieder lösen sich aus Gruppe und gewinnen Abstand Reforming (Ergänzung 1977) -geleistete Arbeit und Ergebnisse werden reflektiert -Moment des Innehaltens, Zurückschauens und Neuorientierens Kritik: -Starke Vereinfachung der Realität -keine Aussagen zum Führungsverhalten -es kann auch Rückschritte geben -Schneller zur Phase des Performing durch Teamentwicklungstrainings -keine empirische Forschung über Teamauflösung nach Projektschluss ? Müssen Arbeitsgruppen zuerst einzelne Entwicklungsphasen durchlaufen, bis sie produktiv zusammenarbeiten können? => Studie Simon, 2003: Voraussetzung für eine effektive Zusammenarbeit sind zumindest tragfähige zwischenmenschliche Beziehungen
- Interaktionsprozessanalyse (IPA) -unterscheidet zwischen aufgabebezogenen und sozioemotionalen Verhaltensweisen
- Gruppenleistung in Abhängigkeit von der Aufgabe -Additiv = Lösung durch Zusammenführe der Beiträge aller Mitglieder! Motivationsverlust, soziales Faulenzen Summe der Leistungen der einzelnen Mitglieder zählt z.B.: Tauziehen, Brainstorming, Schneeschaufeln -Disjunktiv = Beitrag eines Einzelnen wir von der Gruppe ausgewählt und zur Gruppenleistung erklärt ! dominante Personen haben nicht zwangsläufig die beste Lösung Leistung der Gruppe so gut wie Einzelleistung des besten Mitglieds z.B.: problemlösen, Fällen einer Entscheidung, mathematische Berechnungen -Konjunktiv = Aufgaben müssen von allen Mitgliedern erfolgreich ausgeführt werden ! Motivationsverlust bei kompetenten Personen Einzelleistung des schlechtesten Mitglieds zählt ebenso z.B.: Bergsteigen, Klettern, Präzisionsarbeit, etwas vertraulich behandeln
- Drive theory of social facilitation (Zajonc, 1965) Anwesenheit Anderer: Erhöhung physiologischer Erregung, dominante Reaktion 1. einfache, gut geübte Aufgabe = erhöhte Leistung 2. schwierige, ungeübte Aufgabe = verringerte Leistung
- Entscheidungsprozesse in Gruppen -Brainstorming -> weniger kreative Ideen, Produktionsverlust durch: 1. Bewertungserwartung und -ängste 2. Rücksicht auf andere Teilnehmer 3. während des Zuhörens werden eigene Ideen vergessen oder überlagert, sodass viele Ideen nicht geäußert werden -Wissensaustausch -> Einzigartiges/ Speziales Wissen einzelner Mitarbeiter wird oft an den Rand gedrängt, allgemeine Informationen, oder Dinge, die jeder weiß, rücken leider ungerechterweise in den Vordergrund ! Wenn wir Leitungsfunktion übernehmen: wer ist warum in diesem Team, wird einzelnes Potential genutzt? -auch guter Moderator, der nach nicht genannten Aspekten fragt bringt Abhilfe -kleinere Differenzen in Gruppen sind besser, da einzigartiges Wissen mehr geteilt wird ! beste Lösung wird eventuell nicht identifiziert, da nur geteiltes Wissen der Personen diskutiert wird, nicht einzelnes, ungeteiltes Detailwissen ! einzigartiges Wissen wird nicht zum geteilten Wissen. Wie kommt es dazu? -normativer Druck: Betonung des „Gemeinsamen“ -> kein abweichender Beitrag aus Angst davor, zum Zweifler oder Außenseiter zu werden -informativer Druck: Bedürfnis, richtige Informationen zu teilen, Bedenken zur Relevanz des eigenen Wissens -Hidden Profile: geteiltes Wissen wird oft zur Sprache gebracht, ungeteiltes Wissen nicht -> suboptimale Entscheidungen
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- Sind Gruppen risikofreudiger? sowohl: -risky shift: höhere Risikofreudigkeit als auch cautious shift: Vorsichtsschub Gruppenpolarisierung: (Extremisierung der Ausgangsposition) -informativer Einfluss: breitere Argumentationsgrundlage, wenn einem zugestimmt wird -wiederholte Äußerungen werden mit der Zeit immer extremer -normativer Einfluss und sozialer Vergleich: wird eigene Meinung geteilt, wird sie extremer vertreten -Selbstkategorisierung: Abgrenzung der Personen in einer Gruppe nach außen hin
- -Gruppendenken ->Denkmodus, in den Personen verfallen, wenn sie in einer hoch kohäsiven Gruppe sind -> Bemühen der Gruppenglieder um Einstimmigkeit überstrahlt Motivation, alternative Wege realistisch zu bewerten ->Konformitätsdruck, Illusion der Einstimmigkeit, Illusion der Unverwundbarkeit, Unbedingter Glaube an die Moralität der Gruppe macht blind für ethisch fragwürdige Konsequenzen -> Rationalisierung: Abwertung von zuwiederlaufenden Argumenten, Selbstzensur, Selbsternannte „Meinungswächter“ -Beispiele: ->Amerikanische Invasion in der Schweinebucht: ->Finanzkrise 2007, USA -mögliche Gegenmaßnahmen: -Zurückhaltung der Führenden, insbesondere auch zu Beginn der Diskussion -Offenheit für andere Meinungen pflegen -Hinzuziehen von Experten, Kontakt nach außen halten -gruppendynamische Vorgänge beachten (heterogene Gruppen sind nicht so anfällig wie homogene Gruppen) Offenheit für Entscheidungsreversion bewahren Schwächen des Groupthink-Modells: -kaum empirische Befunde, Mangel an experimentellen Befunden -Modell erlaubt keine präzisen Vorhersagen -Modell wird oft post factum angewandt ! alternatives Modell: von Aldag & Fuller, 1993 -> Nutzt viele Merkmale von Janis, aber auch darüber hinaus ! Entscheidungsmerkmale + Gruppenstruktur + Kontext der Entscheidungsbildung => Herausbildende Gruppenmerkmale => Merkmale des Entscheidungsprozesses =>Ergebnisse