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Klinische Psychologie, Störungen (Fach) / Substanzstörungen (Lektion)

VL 2 - 4

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  • Was ist Sucht, Abhängigkeit, körperliche vs. psychische Abhängigkeit? Sucht = zwanghaftes Verhalten trotz erheblicher langrfistig negativer Auswirkungen eine psychotrope Substanz zu konsumieren bzw. ein bestimmtes Verhalten auszuüben Abhängigkeit = definiert durch neurobiologische Veränderungen wie Toleranzentwicklung und Auftreten eines Entzugssyndroms 1964 (WHO): Sucht durch Begriffe wie Missbrauch oder Abhängigkeit ersetzt Körperliche Abhängigkeit = s.o. "Abhängigkeit"Psychische Abhängigkeit = Kennzeichnung durch Kontrollverlust, Suchtgedächtnis, Craving, Mangel an Bewältigungsfertigkeiten, ... (s.o. "Sucht") nach Abklingen der Entzugssymptome kann körperliche Abhängigkeit überwunden sein, psychische aber weiter bestehen Abhängigkeit nicht durch konsumierte Menge, sondern durch Verlaufsmuster definiert
  • Was sind psychoaktive (psychotrope) Substanzen? = natürliche, chemisch aufbereitete oder synthetische Stoffe mit zentralnervöser Wirkung auf den Organismus und Beeinflussung der Wahrnehmung, des Denkens, Fühlens & Handelns Unterscheidungsmerkmale: Wirkdimensionena) dämpfende Wirkung (Opiate)b) aktivierende Wirkung (Kokain, Amphetamine, Koffein)c) psychedelische Wirkung (LSD, Meskalin) Verschiedenartigkeit der Symptome bei Intoxikation Schnelligkeit einer Abhängigkeitsentwicklung - unterschiedliches Abhängigkeitspotenzial
  • Diagnostische Kriterien im ICD-10 für Schädlichen Gebrauch (F1x.1) und Abhängigkeitssyndrom (F1x.2) Schädlicher Gebrauch (F1x.1) Konsumverhalten, das zu einer Gesundheitsschädigung führt nicht zu diagnostizieren bei: Abhängigkeitssyndrom, psychotischer Störung, anderen spezifischen substanzbedingten Störunegn Abhängigkeitssyndrom (F1x.2) 3 der folgenden Kriterien trafen zu irgendeinem Zeitpunkt der letzten 12 Monate zu:- Starker Wunsch / Zwang des Substanzkonsums- verminderte Kontrollfähigkeit (Beginn, Ende & Menge d. Konsums)- körperliches Entzugssyndrom- Toleranzentwicklung- fortschreitende Vernachlässigung anderer Vergnügen oder Interessen- anhaltender Substanzkonsum trotz eindeutiger schädlicher Folgen- eingeengtes Verhaltensmuster im Umgang mit psychotropen Substanzen- Substanzgebrauch mit dem Ziel, Entzugssymptome zu lindern
  • Klassifikation nach DSM-5 und diagnostische Kriterien "Substanzkonsumstörung / Suchtverhalten" "Störungen im Zusammenhang mit psychotropen Substanzen und abhängigen Verhaltensweisen"- Unterscheidung zwischen a) Substanzkonsumstörung und b) substanzinduzierten Störungen (wie ICD-10)- Neuordnung: definitorische Trennung zw. Abhängigkeit und Missbrauch aufgehoben sowie Einbezug ausgewählter Verhaltenssüchte (z.B. pathologisches Glücksspiel) 4 Symptomgruppen:- Kontrollverlust (1.-4.)- soziale Beeinträchtigung (5.-7.)- riskanter Konsum (8., 9.)- pharmakologische Kriterien (10., 11.) Konsum in größeren Mengen und über längere Zeiträume abs beabsichtigt anhaltender Wunsch, den Konsum zu beenden oder zu kontrollieren, erfolglose Versuche Zeitaufwand für Erwerb, Konsum, Erholung Craving Versagen bei Rollenaufgaben Fortsetzung des Konsums trotz andauernder / wiederkehrender sozialer Probleme Aufgabe / Einschränkung wichtiger sozialer, beruflicher oder Freizeitaktivitäten aufgrund Konsum wiederholter Konsum in Situationen mit körperlicher Gefährdung Fortführung des Konsums trotz andauernder / wiederkehrender psychischer oder körperlicher substanzassoziierter Probleme Toleranzentwicklung Entwicklung eines Entzugssyndroms Schweregradeinteilung nach Anzahl erfüllter Kriterien Kategorie Polysubstanzkonsum aufgegeben
  • Unterscheidung psychotroper Substanzen pharmakologische, neuropsychiatrische & psychologische Spezifität Beginn & Verlaufsmuster des Konsums Risiken und Konsequenzen Verfügbarkeit und Effektivität präventiver & therapeutischer Maßnahmen gesellschaftliche Akzeptanz Forschungs- und Interventionsrelevanz
  • Welche Modelle der Suchtentwicklung gibt es? Modell mangelnder VerhaltenskontrolleDisposition zu mangelnder Kontrollfähigkeit ggü. Drogenkonsum & negative Folgen als Anlass zum Konsum Modell negativer AffektregulationDefizitbereiche: Verhaltenskontrolle & ImpulsivitätEntspannungs- / Selbstmedikationshypothese Modell einer Disposition zur Suchtentwicklungpositive Dorgenwirkung bei sichtgefährdeten Personen stärkernegative, hemmende Folgen weniger stark ausgeprägt
  • Was sind die 2 organismischen Gegenregulationsstrategien zur Kompensation der Dopaminüberflutung & Aufrechtung normaler Funktionen? Neuroanatomische AdaptionReduzierung / Erhöhung der Empfangsstrukturen (Anzahl & Sensitivität) hemmende Rückkopplung auf TransmitterebeneSystem drosselt Dorgenwirkung, indem es eigene Moleküle dagegensetzteigene Dopaminproduktion wird gestoppt
  • Was sind die 3 Forschungsansätze zum Suchtgedächtnis? (Stichwort: Rückfall) Modell der "Cue Reactivity" als klassisch-konditionierte ReaktionStimulusbedingingen einer Konsumsituation → Cue reactivity → Craving Modell der subkortikalen Sensitivierungerhöhte Sensitivität = kontextspezifisch → stark in früheren Konsumsituationen Modell des "Automatic Processing" vs. "Controlled Processing"Konsumverhalten als automatisierte Informationsverarbeitung und Handlungsregulation (automatic processing) → schnell, wenig variabel, schwer unterdrückbarAbstinenz erfordert bewusste Informationsverarbeitung und Handlungsregulation → langsam, flexibel, abhängig von Intention, kognitiv aufwändigStoffverlangen → Blockade der Ausübung der kognitiv anspruchsvollen Handlungsregulationsprozesse
  • Welche 3 Arten von cognitive biases gibt es nach dem Dual-Prozess-Modell der Sucht (Strack & Deutsch, 2004)? Attention Bias: selektive Aufmerksamkeit auf suchtassoziierte Reize, schnelle Reaktion Interpretation Bias: Neigung, suchtrelevante Reize als überwertig zu interpretieren Memory Bias: Tendenz, suchtassoziierte Reize besser zu erinnern
  • Gründe für die Verkennung und Verleugnung einer Substanzstörung riskanter Gebrauch nicht bewusst Entwicklung des Missbrauchs über Jahre, bis er auffällig wird Bagatellisieren / Verleugnen Teil des Syndroms der Abhängigkeit, Symptom der Störung Mitarbeit des Patienten meist gering Diagnostik erfordert Information auf vielen Ebenen
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  • Diagnostische Ebenen der Informationsgewinnung bei Substanzstörungen Verhaltensbeobachtung (Indizien! im äußeren Erscheinungsbild) Konsumverhalten (aktuell, früher) Fragebogen Laborparameter (Nachweis der Abstinenz für PT) Aussagen der Angehörigen Auffälligkeiten (Betrieb, Verkehr, Justiz Freizeit)
  • Was sind mögliche Themenbereiche und Fragestellungen bei der Anamnese bei Substanzmittelstörungen? Anlass und aktuelle eigene Ziele des Patienteneigene Motivation und Zieleexterne Gründe KonsumverhaltenSubstanzenEinnahmeformenFrequenz, Mengepositive und negative Konsequenzen Konsumfreie ZeitenZeitpunkt, Dauerexterner Druck oder eigene GründeAuslöser für Rückfälle Allgemeine LebenssituationGesundheitszustandStörungen in wichtigen Lebensbereicheneigenständige komorbide StörungenRessourcen Bisherige BehandlungsversucheArt und Dauer der BehandlungBewertungGründe für Abbruch
  • Diagnostik von Substanzmittelstörungen European Addiction Severity Index (EuropASI; Erstellung eines individuellen Problemprofils hinsichtlich verschiedener Unterdimensionen, bspw. körperlicher Zustand, rechtliche Situation, psychischer Status, Arbeitssituation, ...) Psychosoziales ressourcenorientiertes Diagnostiksystem (PREDI; Ergänzung zu ICD/DSM, ressourcenorientiert → Therapieplanung, Ziel: Erfassung der aktuellen Lebenssituation) Measurement in Addiction for Triage and Evaluation (MATE; Batterie, Erfassung von Kriterien der Behandlungszuweisung & -evaluation)
  • Ziele der Suchtkrankenhilfe Primärziel: Harm-reduction Sekundärziel: Abstinenz Tertiärziel: Reintegration Abstinenz als Primärziel zu abschreckend
  • Schwerpunkte verschiedener therapeutischer Ansätze bei Sucht mit geringer Therapiemotivation. Welche Schwerpunkte setzt davon die Psychotherapie? Therapeutischen Kontakt aufbauen und halten Gesundheitliche Situation verbessern Lebensbedingungen verbessern kontrollierter, risikoreduzierter Konsum; Substitution Änderungsbereitschaft Self-efficacy fördern Entzug Rückfallprävention Lebenskompetenzen verbessern Abbau von Folgestörungen im sozialen Bereich Entwicklung neuer Lebensplanung Individuelle Ziele bei komorbiden Störungen
  • 4 Phasen des Suchthilfesystems Kontaktphase Entgiftungsphase Entwöhnungsphase Rehabilitationsphase Entgiftung: Freiheit von körperlichen EntzugssymptomenEntwöhnung: längere abstinente Phase
  • Behandlungsangebote für Alkoholabhängige in Deutschland EntzugsbehandlungÜberwindung von EntzugserscheinungenMotivation zu weiteren Behandlungsmaßnahmen EntwöhnungsbehandlungAufbau von Abstinenzmotivationsoziale StabilisierungWiederherstellung der Erwerbsfähigkeit Ambulante NachsorgeAbsinenzstabilisierungBehandlung von Komorbidität Adaptionsbehandlungberufliche Wiedereingliederung Langzeitbehandlungsoziale Stabilisierung SelbsthilfegruppenAufbau von abstinentem Lebensstil und Identität
  • Probleme bei der Behandlung von Drogenkonsumenten häufig Polysubstanzkonsum kaum störungsspezifische Interventionen kaum theoretisch & empirisch fundierte Kombination unterschiedlicher Verfahren → große Schere zwischen wissenschaftlichem Kenntnisstand und Praxiswissen Effektivitätsuntersuchungen nur VT und Pharmakotherapie und nur für Substanzklasse Heroin
  • Ziele und verhaltenstherapeutische Maßnahmen bei Dorgenabhängigen Förderung der Änderungsbereitschaft → Erfassung des Ist-Zustandes, → motivierende Gesprächsführung Self-efficacy→ Verbesserung der sozialen Kompetenz→ KVT Rückfallprävention→ Wissensvermittlung→ Bewältigung konditionierter Entzugserscheinungen & Craving→ Training zur Ablehnung→ Vermeidung vollständigen Rückfalls bei Konsum Verbesserung von Lebenskompetenzen und Lebensbedingungen→ Behandlung möglicher Störungen
  • Therapiephasen Strukturierung therapeutischer Rollen & Aufbau therapeutischer Allianz Entwicklung einer Verpflichtung zur Verhaltensänderung Verhaltensanalyse Gemeinsame Ausarbeitung der Behandlung
  • Stufenmodell der Veränderungsmotivation Präkontemplation Kontemplation Präparation Aktion Stabilisierung Phasen extrem dynamisch
  • Behandlungsmaßnahmen für die Rückfallprävention Ablehnungtraining Bewältigungstonbänder Exposition Notfallplan zur Überwindung von Rückfällen
  • Expositiontherapie zur Rückfallprävention: Ziele und Ablauf Habituation Training kognitiver Bewältigungs- & Verhaltensstrategien Erhöhung der Selbstwirksamkeitsüberzeugungen Beispiel: Beschreibung des Suchtstoffes Konfrontation Direkter Kontakt Distanzverminderung eigene Versuche des Patienten Zeichung einer Risikokurve, Abschluss: alltagsnahe Exposition alleine ohne Therapeut