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Entwicklungspsychologie WiSe 17/18 (Fach) / 11. Vorlesung (Körperliche und kognitive Entwicklung in der mittleren Kindheit) (Lektion)
11. Vorlesung (Körperliche und kognitive Entwicklung in der mittleren Kindheit)
Diese Lektion wurde von friedrich_abc erstellt.
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- Körperliches Wachstum Gesundheitsrisiken Körperliches Wachstum Wachstum beeinflust durch Ernährung, Krankheiten, genetische Prädispositionen, ... wie vorher auch! Mittlere Lebensspanne (6-12 Jahre): Mädchen größer als Jungs (einzige Phase im Leben) Gesundheitsrisiken Ernsthafte Erkrankungen eher selten >> auch wegen Impfungen Autounfälle, Fahrradunfälle, Ertrinken Chronische Krankheiten (z.B. Asthma) Übergewicht und Fettleibigkeit Essstörungen Psychische und Entwicklungsstörungen
- Fettleibigkeit / Adipositas (obesity) Risikofaktoren für Übergewicht und Adipositas BMI Perzentile (alters- und geschlechtsspezifisch) > 90 = Übergewicht BMI Perzentile > 97 = Adipositas Risikofaktoren Sozialstatus Migrationshintergrund Elterliches Übergewicht Hohes Geburtstgewicht Hohe Gewichtszunahme der Mutter während der Schwangerschaft Rauchen der Mutter während der Schwangerschaft Wenig Schlaf Wenig körperliche Aktivität Hoher Medienkonsum Ungesunde Ernährung
- Folgen von Fettleibigkeit / Adipositas Kindliche Anorexie: Studie des Instituts für Kindergesundheit der Londoner Universität UCL Korreliert mit Herz-Kreislauf-/Blutdruck-Problemen Sehr wahrscheinlich, dass Kinder dann auch im Erwachsenenalter übergewichtig sind Allerdings: Ernährungsbericht 2008 >> 4-5% der Drei- bis Sechs-Jährigen sind untergewichtig, bei den 13-Jährigen sind es sogar 9,5% Kindliche Anorexie: Studie des Instituts für Kindergesundheit der Londoner Universität UCL Drei von 100 000 englischen Kindern unter 13 Jahren leiden unter Magersucht oder Ess-Brech-Sucht
- Kindliche Anorexie: Prognose Kindliche Anorexie: Risikofaktoren Prognose Wachstum - nach verschiedenen Interventionen (stationär) - kurz- und mittelfristig eindeutig verbessert, langfristig dagegen häufig eingeschränkt Risiko für kognitive, sozial-emotionale Entwicklung und Bindungssicherheit Essstörungen im Entwicklungsverlauf bis ins junge Erwachsenenalter Risikofaktoren Vorbilder im direkten Umfeld (Familie, Freunde) Elterliche Erwartungen (Leistungsdruck) Ängste, Depressionen, traumatische Erfahrungen (z.B. Trennung der Eltern)
- Soziale Schönheitsideale in der Kindheit Viele Mädchen im Alter von 6 Jahren wünschen sich, eine dünnere Idealfigur zu haben Sowohl Peers als auch die Medien beeinflussen dieses Bild vom Körper und Diätbewusstsein Eltern, deren Kinder übergewichtig sind, melden den BMI ihrer Kinder nicht konsequent während Eltern, deren Kinder untergewichtig sind, das Gegenteil tun
- Problembereiche Emotionale Probleme: Ängste, depressive Symptome, Essstörungen und Somatisierungsstörungen* Verhaltensauffälligkeiten: abweichendes und insbesondere auch aggressives Sozialverhalten gegenüber anderen oder auch hyperaktive Störung (ausgeprägte motorische Unruhe, Ablenkbarkeit, Impulsivität, unüberlegte Handlungen) Lernstörungen Soziale Probleme, wie z.B. Probleme mit Gleichaltrigen, Kontaktschwierigkeiten Seltene psychische Erkrankungen wie frühkindlicher Autismus, affektive und schizophrene Psychosen Psychische und Verhaltensprobleme durch psychotrope Substanzen wie Alkohol, Cannabis, ... *Somatisierungsstörungen sind körperliche Beschwerden ohne organisch fassbaren Befund, die zu andauernden Klagen und Arzt-Konsultationen führen. Betroffen sind meist mehrere Funktionsbereiche: Magen-Darm, Herz-Kreislauf, Harnwegs-System, Wirbelsäule und Gelenke, Schmerzbilder, Sexualität, u.a.
- Prävalenz für Entwicklungsstörungen Vergleichbar mit der Prävalenz im Erwachsenenalter: zwischen 15-22% Bis zur Adoleszenz sind Entwicklungsstörungen häufiger bei Jungen als bei Mädchen, danach gleiche Prävalenz Jungen: Dissoziale Störungen; Mädchen: Essstörungen und psychosomatische Störungen >> Oft abweichend zu den Symptomen bei Erwachenen Pharmakotherapie (z.B. Ritalin bei ADHS) Pro und Contra Pro: Häufig effektiver als psychotherapeutische Störungen Contra: Nebenwirkungen, individuelle Unterschiede bei der Behandlung, Anpassung der Dosierung unklar, Langzeitwirkungen unklar
- Dimensionale Erfassung abweichenden Verhaltens z.B. Child Behavior Checklist, Youth Self Report, Strengths & Difficulties Questionnaires Herausforderungen Mangelnde Übereinstimmung von Eltern und Kind im Symptombericht Veränderung psychischer Störungsbilder in Abhängigkit vom Lebensalter der Kinder und Jugendlichen
- Grobmotorik Geschlechtsunterschiede Feinmotorik Grobmotorik Flexibilität: gelenkiger und elastischer als im Vorschulalter Verbessertes Gleichgewicht und Geschicklichkeit - schnellere und präzisere Bewegungen Gestiegene Körperkraft Geschlechtsunterschiede Kleine oder keine Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen, wenn man Übungs- und Aktivitätslevel berücksichtigt Sozial Erwartungen: Stereotype Threat - "Bedrohung durch Stereotype" (Martiny & Götz, 2011) Feinmotorik Zuwachs an Organisation, Details und Tiefenhinweise in Zeichnungen Schreiben
- Piaget: konkret-operationales Stadium 7-12 Jahre Logisches Denken bezogen auf konkrete Probleme (benutzen logisches Denken um Probleme zu lösen) Logisches Denken knüpft an die konkreten Informationen an, die das Kind wahrnehmen kann Überwindung der Probleme des preoperationalen Denkens Übergangsphase: kein "alles oder nichts" Prozess Überwindung des Egozentrismus: Fähigkeit der Perspektivenübernahme Dezentrierung des Denkens: die Fähigkeit, mehrere Aspekte gleichzeitig zu beachten und zu integrieren Die Fähigkeit zu verschiedenen Klassifikationen (blaue Blumen nicht nur blaue Blumen, sondern gehören zur Kategorie der Blumen) >> Gut in induktivem Denken: Ableitung einer allgemeinen Regel aus Einzelfällen >> Nicht so gut in deduktivem Denken: logisches Ableiten über einen Einzellfall aus einer Allgemeinregel
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- (Induktives / Deduktives Denken Nachtrag) Bei Konfrontierung mit Prämissen, die den eigenen Erfahrungen entsprechen, können sie genau von ihnen ausgehen Bei Prämissen, die unbekannt sind, nutzen sie die eigenen Erfahrungen, um diese zu ergänzen, verzerren oder abzulehnen Nach 2-3 Jahren Schule nehmen sie eher eine analytische Ausrichtung an
- (Informationsverarbeitung: Fähigkeiten im Fokus) Kognitive Knotrolle (Testen: 2 Informationen an beide Ohren, man muss eines ausblenden und das andere abrufen, je älter die Kinder, desto besser schneiden sie ab) Gedächtnis Verarbeitungsgeschwindigkeit (Entwicklung am stärksten in der Kindheit, danach Stagnation, Abnehmen im höheren Alter)
- Gedächtnis (Autobiographisches Gedächtnis, Kurzzeitgedächtnis, Freie Reproduktion (Recall)) Autobiographisches Gedächtnis Wahrscheinlich besser, je besser die (erzählerischen) Sprachkenntnisse Besser wenn Sinn des subjektiven Selbst als zeitlich fortlaufend Soziale und kulturelle Kontexte Kurzzeitgedächtnis Steigt dieser Lebensphase an Teilbereiche ungefähr gleich Freie Reproduktion (Recall) Deutliche Zunahme >> Gedächtnisstrategien (können auch trainiert werden) >> Allgemeines Wissen >> Metagedächtnis (Wissen über das Gedächtnis und eigene Gedächtnisfähigkeit)
- Verarbeitungsgeschwindigkeit Processing Speed Hypothesis (Kail, 1986; Kail & Ferrer, 2007): Verarbeitungsgeschwindigkeit nimmt in der mittleren Kindheit deutlich zu, Verlangsamte Zunahme der Verarbeitungsgeschwindigkeit in der Adoleszenz Salthouse (1985, 1996): Verarbeitungsgeschwindigkeit nimmt mit dem Alter ab Verarbeitungsgeschwindigkeit Anteil weißer Substanz wächst Anteil grauer Hirnsubstanz geht zurück >> Zunehmende Myelinisierung, Synaptic Pruning (Synapsenausdünnung) Veränderungen in den Hirnbereichen von hinten nach vorne
- Sprachliche Entwicklung Die verbale Kommunikation perfektioniert sich weiter: Wortschatz Grammatik >> Rekursivität (Einbetten von Sätzen in andere Sätze) Pragmatik Meta-Linguistisches Bewusstsein (Bewusstsein über Regeln und Formen der Sprache >> System das Regeln und Formen folgt...) Grundschulzeit: durch Lesen und Schreiben kommt es zur Formalisierung der Sprache (Sprache wird zum Träger von Information)
- Bilingualismus (Wer ist Bilingual? Vorteile? Nachteil?) Wer ist Bilingual? Enge Definition (von Geburt an zweisprachig) vs. weniger enge Definitionen In der Regel wachsen Kinder in der Welt zweisprachig auf (in Europa, Nordamerika aber i.d.R. nicht) Vorteile Kognitive Flexibilität und Kontrolle (dadurch, dass man aktiv ständig gezwungen ist, eine Sprache zu unterdrücken während man die andere spricht) Erhöhtes Selbstwertgefühl Meta-linguistisches Bewusstsein Vorteil exekutive Funktionen (gegenüber Monolingualismus) Nachteil Wortschatz geringer (auf die Sprache bezogen, bei Verwendung beider Sprachen natürlich Bilingualisten im Vorteil)