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Entwicklungspsychologie WiSe 17/18 (Fach) / 9. Vorlesung (Körperliche und kognitive Entwicklung der frühen Kindheit (3-6)) (Lektion)
9. Vorlesung (Körperliche und kognitive Entwicklung der frühen Kindheit (3-6))
Diese Lektion wurde von friedrich_abc erstellt.
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- Entwicklung: Körperliche Proportionen, Gesundheit Körperliche Proportionen Abbau des "Babyspecks" Veränderung körperlicher Proportionen: Vergrößerung der Muskelmasse, Wachstum de Sekeltts Ernährung Verlangsamtes Wachstum >> weniger Kalorien nötig >> Appetit nimmt ab Qualität der Ernährung: Risiko für Fettleibigkeit und Bluthochdruck und Herzerkrankungen später als im Erwachsenenalter
- Gesundheit Entwicklungsstörungen Gesundheit 7-10 Erkältungen und Atemwegserkrankungen pro Jahr (relativ viel, aber schwerwiegende Krankheiten eher nicht >> Unfälle größeres Risiko) Schlechte Ernährung >> Folgen für Immunsystem >> Anfällligkeiten für Infektionskrankheiten >> Risiko für Kinder in Entwicklungsländern Industrieländer: Systematische Impfprogramme Entwicklunsgstörungen Kleinkindpsychatrie (Angold & Egger, 2004): 30% der Kinder eines Geburtsjahrgangs erhalten heute bereits im Vorschulalter Förder- und Therapiemaßnahmen Zunahme der Pharmakotherapie
- Unfälle häufigste Todesursache in Industrieländern Impulsivität, höheres Aktivitätsniveau, Risikofreude sind Prädiktoren Individuelle Unterschied: Geschlecht (Jungs häufig aktiver, risikofreudiger), sozioökonomischer Status (gering >> mehr Unfälle), Gesellschaftliche Faktoren Verkehrsunfälle, Sturzunfälle, Verbrennungen, Ertrinken, Ersticken, Vergiftungen (z.B. Bleivergiftungen: lagert sich im Körper an, wirkt erst nach und nach >> Nebenwirkungen: Aufmerksamkeitsprobleme, Hyperaktivität)
- Grobmotorik, Feinmotorik Grobmotorik Laufen, Hüpfen, Springen Ab 3 Jahren: Rückwärts laufen, auf den Zehenspitzen stehen, auf dem Balken balancieren Später (4-5 Jahre): Schwimmen, Fahrrad fahren Feinmotorik Nur einzelne Muskeln sind beteiligt - vor allem Finger und Hände Ausschneiden von Formen mit der Schere, Aufknöpfen eines Hemdes Malbewegungen: Bei 3-jährigen noch von den großen Muskeln gesteuert und vom Arm gelenkt, Kindergartenkind malt von Unterarm aus und kann kleinere Figuren und Elemente abbilden, Handgelenksteuerung mit dem Schuleintritt
- Piaget: Grundannahmen, Präoperationales Stadium >> Sprache Grundannahmen Aktion = Wissen / Kenntnis 4 universelle Entwicklungsstadien: Sensomotorisches Stadium (0-2), Präoperationales Stadium (2-7), Konkret-operationales Stadium (7-12), Formal-operationales Stadium (ab 12) Abfolge der Stadien ist invariant Quantitive und qualitatvie Veränderungen >> Diskontinuierliche Entwicklung Präoperationales Stadium 2-7 Jahre Symbolisches Denken und mentale Repräsentationen >> Sprache hat symbolische Funktion: Wörter repräsentieren Objekte, Ereignisse oder Personen, die nicht präsent sind erlaubt Überwindungen der Grenzen der gegnwärtigen Erfahrung und Vorstellung über die Vergangenheit und Zukunft Aber: Spracherwerb ist das Ergebnis der kognitiven Entwicklung
- Zentrierung, Konservierung Zentrierung Denken, dass untere Reihe mehr Knöpfe hat (obwohl gleich viele und nur weiter auseinander) What you see is what you think Konservierung Kinder im präoperationalen Stadium können keine Invarianz (Erhaltung) von Mengen erkennen Bspw. wenn Wasser von gleichem Glas in anders aussendes umgefüllt wird denken sie, in dem einen ist mehr drin
- Konzentrierung auf Zustände und nicht Transformationen Fehlende Klasseninklusion Konzentrierung auf Zustände und nicht Transformationen Präoperative Kinder: Konzentrieren sich auf Zustände und nicht Transformationen, die diese Zustände miteinander verbinden Fehlende Reversibilität: können eine Folge von Ereignissen, Transformationen oder Denkschritten nicht mental umkehren Fehlende Klasseninklusion Bspw. Zuordnung von blauen und gelben Blumen nicht zur gleichen Klassen (=Blumen)
- "Drei Berge Versuch": Egozentrische Sichtweise Animistisches und magisches Denken Egozentrische Sichtweise Die Unfähigkeit, sich in die Rolle eines anderen hineinzuversetzen; den Blickwinkel eines anderen anzunehmen oder die eigene aktuelle Sichtweise als eine unter mehreren möglichen zu begreifen Animistisches und magisches Denken Animistisches Denken: Deutung der Gegebenheiten der unbelebten Natur als seien sie belebt ("Die Wolken gehen sehr langsam, weil sie keine Füße und Beine haben") Magische Erklärungen für die Ereignisse, die sie sich nicht erklären können - glauben an übernatürliche Kräfte bei Märchenwesen Artifizialistische Erklärugnen deuten die Natur, als wäre sie vom Menschen geschaffen
- Zusammenfassung: Limitationen des präoperationalen Denkens Zentrierung Fehlende Konservierung Konzentrierung auf Zustände und nicht Transformationen, die diese Zustände miteinander verbinden Fehlende Reversibilität Fehlende Klasseninklusion Egozentrismus Animistisches und magisches Denken
- Wertung der präoperationalen Entwicklungsstufe Unterschätzte Kompetenz: Kinder würden bei geeigneter Aufgabenstellung zum Teil erheblich früher Leistungen zeigen Stadientypische Gesamtstruktur: empirisch sind viele Asynchronen gefunden worden - einige Aufgaben werden zu einem Zeitpunkt gelöst, zu dem andere mutmaßlich strukturgleiche nicht gelöst werden
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- Wigotskis Theorie Das wichtigste Ziel ist die Erklärung von Verbindung von Individuum und Gesellschaft Das aktive Kind - der soziale Kontext formt das Kind und wird vom Kind geformt >> Denken ist immer sozial und reflektiert die Kultur Kultur-Vermittlung geschieht durch mentale (psychische) Werkzeuge: Sprache, Symbole, Zeichen, kulturabhängig >> Die Sprache ist das wichtigste mentale Werkzeug Schwerpunkt liegt auf dem Potential des Kindes; relevant ist das Verhalten im Problemlösungsprozess, nicht die richtige Antwort Entwicklung ist dynamisch definiert, als Veränderung Theorie integriert individelle und gesellschaftliche Entwicklung, als auch den sozialen und kognitiven Aspekt
- Wigotskis Theorie: Zone der nächsten (proximalen) Entwicklung >> Distanz zwischen dem aktuellen Entwicklungsstand eines Kindes und der nächst höheren Ebene Aktueller Entwicklungsstand wird durch die Fähigkeit eines Kindes, selbstständig Probleme zu lösen ausgedrückt Nächst höhere Ebene ist das Potential, das ein Kind entwickelt, wenn es unter Anleitung eines "kompetenten Erwachsenen" ein Problem löst Das Kind bewegt sich durch die aktive Beteiligung an der Problemlösung über seinen aktuellen Entwicklungsstand hinaus Scaffolding = Kompetenzangemessene Unterstützung (Anleitung und Hilfestellung beim Problemlösen, dass die UNabhängigkeit und Entwickulng fördert)
- Vergleich Piaget und Wigotski Piaget: Individuum im Fokus, stufenartige Entwicklung, Grundzüge richtig Wigotski: Beziehung zwischen Kind und Erwachsenem, sozialer Kontext im Fokus Beide fokussieren sich auf unterschiedliche Entwicklungseigenschaften - keine ist falsch Beide vernachlässigen unterstützende Systeme (Gehirn bspw.) - nicht so die Informationsverarbeitungstheorien
- Informationsverarbeitungstheorien: Fähigkeiten im Fokus Kognitive (exekutive) Kontrolle: Inhibition, Selbstkontrolle (=Belohnungsaufschub) und Planungsfähigkeit Gedächtnis (memory) Numerische Basiskompetenzen (understanding numbers) Sprachliche Entwicklung >> Fokus mehr auf Detail, Entwicklung einer bestimmten Kompetenz >> dann Gesamtheit der Kompetenz >> Unterschied zu Piaget / Wigotski
- Kognitive Kontrolle: Inhibition Inhibition = Fähigkeit, Impulse zu unterdrücken und sich auf eines von konkurrierenden Zielen zu konzentrieren Tests für Kinder zwischen 3-7: Knock-tap-task, Tag-Nach-Aufgabe Tag-Nacht-Aufgabe Wenn dunkel "Tag" sagen, wenn hell "Nacht" Sgar die jüngsten Kinder konnten relativ gut beantworten Große Unterschiiede (Kinder unter 5 Jahren getestet
- Kognitive Kontrolle: Selbstkontrolle und Planungsfähigkeit Selbstkontrolle: Belohnungsaufschub (Delayed Gratification Task; Mischel, Shoda & Rodriguez, 1989) >> Größere individuelle Unterschiede, langfristige Auswirkung Planungsfähigkeit: im Voraus eine Abfolge von Schritten überlegen und sich entsprechend darauf konzentrieren, um ein Ziel zu erreichen >> 4 Jährige entscheiden nur selten in geordneter Weise, was sie als erstes und was sie als nächstes tun wollen >> Kinder lernen viel aus kulturell geprägten Hilfsmitteln (Spielanleitungen, Baupläne, ... >> insbesondere bei Anleitung)
- Gedächtnis: Wiedererkennnung (recognition), freie Reproduktion (recall) Wiedererkennung die Fähigkeit sich zu erinnern, ob ein Reiz einem zuvor geschehenen Reiz gleicht (z.B. old-new-task) erstaunlich gut Freie Reproduktion weniger gut als Wiedererkennungsfähigkeit korreliert nur positiv mit guten sprachlichen Fähigkeiten und Nutzung von Gedächtnisstrategien
- Gedächtnis: autobiographisches Gedächtnis - Gedächtnis für einmalige Ereignisse, Gedächtnis für vertraute Ereignisse autobiographisches Gedächtnis - Gedächtnis für einmalige Ereignisse Persönlich wichtig mit dem Alter und vorschreitenden kognitiven udn sprachlichen Fähigkeiten werden autobiographische Erinnerungen besser organisiert und detaillierter Fehlerhafte und ungenaue Angaben besonders bei suggestiven und irreführenden Nachfragen - forensische Entwicklungpsychologie Gedächtnis für vertraute Ereignisse Organisiert in Skripte - allgemeine Beschreibung eines Handlungsablafs Skripte werden aufwendiger und detaillierter mit dem Alte
- Eltern / Erwachsene benutzen zwei Stile, um über autobiographische Ereignisse zu sprechen Elaborierter Stil Man foglt der Erzählung des Kindes, stellt gezielt die Fragen und ergänzt Aussagendes Kindes mit Information Verbessert autobiographisches Gedächtnis Repititiver Stil Keine Informationen, immer wieder die gleichen Fragen
- Numerische Basiskompetenzen Kinder beginnen mit ca. 2 Jahren zu "zählen" Ihre Zahlwortliste entspricht nicht ganz der konventionellen (z.B. 1, 2, 3, 7) >> Stabile Reihenfolge - die Sequenz der Zahlwärter wird immer in der gleichen Reihenfolge verwendet Verständnis des Kardinalzahlprinzips erst mit 3,5 Jahren (Wynn, 1990; Wynn, 1992) Abfolge der Entwicklung Mengendiskrimination Zahlwörter Verbindung zwiscchen Zahlen und Mengen - der kardinale Zahlaspekt Verständnis der Anzahlzerlegung (Addition und Subtraktion)
- Sprachliche Entwicklung: Erweiterung des Wortschatzes, Satzbau (Syntax), grammatikalische Regeln Erweiterung des Wortschatzes neue Wörter werden in einem höheren Tempo gelernt: 1 neues wort alle 2 Stunden! Fast mapping: schnelle Bedeutungsbildung Late talker Satzbau (Syntax) Zunehmende Fähigkeit in ganzen Sätzen zu sprechen Grammatikalische Regeln Werden angewandt (auch auf "Nicht-Wörter"), die grammatikalischen Kompetenzen verbessern sich jedoch bis ins mittlere Schulalter
- Sprachliche Entwicklung: Selbstgespräch (private speech of children), Sprachpragmatik (pragmatics), Förderung der sprachlichen Entwicklung Selbstgespräch Selbstgerichtet, unterstützt Denken und hilft, das Verhalten zu kontrollieren Sprachpragmatik Kinder lernen effektiv und auf passende Weise zu kommunizieren Turn-taking: wechselseitige Aussagen Die Äußerungen werden dem Zuhörer angepasst - unterschiedliche Sprache in unterschiedlichen Situationen Förderung der sprachlichen Entwicklung Umgang mit geübten Sprechern wirkt sich positiv aus Sozioökonomischer Status (je höher desto besser)