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Entwicklungspsychologie WiSe 17/18 (Fach) / 8. Vorlesung (Soziale und Persönlichkeitsentwicklung beim Säugling und Kleinkind (Lektion)

8. Vorlesung (Soziale und Persönlichkeitsentwicklung beim Säugling und Kleinkind)

Diese Lektion wurde von friedrich_abc erstellt.

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  • Emotionale Entwicklung Entwicklungsschritte 6 Grundmotionen nach Paul Ekman: Freude, Trauer, Ekel, Schmerz, Wut, Angst Nonverbaler emotionaler Ausdruck ist für Grundemotionen angeboren Universal für unterschiedliche Kulturen Vergleichbar für Menschen in unterschiedlichem Alter Grundlage für soziale und Selbst-Entwicklung Entwicklungsschritte: Ausdruck von Grundemotionen Diskriminierung zwischen Emotionen (Unterscheiden heißt nicht, dass man den Unterschied auch versteht) Verständnis für Emotionen
  • Emotionaler Ausdruck bei Säuglingen Neugeborene: Interesse, Leiden, Ekel Das soziale Lachen: bspw. als Reaktion auf die Mutter, ab ca. 2-3 Monate Komplexere Emotionen: Wut, Angst (ab 4-6 Monaten) Selbst-Bewusste Emotionen: Stolz, Schuld (ab ca. 24 Monaten)
  • Angst: Fremdenangst, Trennungsangst Fremdenangst/-furcht (stranger anxiety) Angst vor unbekannten Personen Um den 6. Lebensmonat Große individuelle Unterschiede Fortschreitende kognitive Entwicklung als Grundlage Trennunsgangst (Separation anxiety) Angst bei Trennung von wichtigen Bezugspersonen 7.-18. Lebensmonat; Höchstpunkt um den 14. Lebensmonat Ausdrücke, vor allem kombiniert von Lauten und Haltung, geben wichtige Hinweise auf den motivationalen Status des Kineds, welches ansonsten nicht mitteilen kann, wie es sich fühlt. >> Baby Emotionen wecken ähnliche Emotionen bei der Mutter
  • Emotionaler Ausdruck oder mentaler Zustand? Drei Komponenten der Emotion Haben Säuglinge emotionale Erfahrung oder nur emotionalen Ausdruck? Drei Komponenten der Emotion: Biologische Komponente (Automatische, nicht gesteuerte Emotion) Kognitive Komponente (Bewertung) Verhaltenskomponente (Regulation)
  • Was bedeuten emotionale Ausdrücke bei Säuglingen: 2 Perspektiven Erkennung der emotionalen Bedeutung: Soziales Referenzieren (Social referencing) Was bedeuten emotionale Ausdrücke bei Säuglingen: 2 Perspektiven Reflexiv: Die Emotionsausdrücke sind angeboren >> Emotionen können unabhängig von kognitiven Prozessen ablaufen Adaptive Funktion: Die Emotionsausdrücke spiegeln die Emotionen >> Emotionale Verhaltensweisen sind einerseits angeboren, andererseits durch Lernerfahrung beeinflusst  Erkennung der emotionalen Bedeutung: Soziales Referenzieren (Social referencing) Informationen zu unbekanntem Reiz (Objekt, Person) werden durch einen Blick zu Bezugsperson gesucht - Suche nach einer Gefühlsreaktion um die Situation zu bewerten Verständnis für das Verhalten von Anderen im Kontext Ab 8-9 Monate
  • Kurzzusammenfassung Emotionale Entwicklung Ausdruck von Grundemotionen entwickelt sich in den ersten Wochen und Monaten (z.B. Soziales Lachen (6.-9. Woche), Angst vor Fremden- und Trennungsangst (6.-7. Monat)) Diskriminierung zwischen Emotionen: ab 4.-5. Lebensmonat Verständnis für Emotionen (z.B. soziales Referenzieren): ab 8.-9. Monat
  • Ich und Selbst Trennung von eigenem Körper und Umwelt entsteht in den ersten Lebenswochen - ICH SELBST (Selbstbewusstsein oder auch self-awareness): Voraussetzungen für das Erleben von selbstbewussten Emotionen (Schuld, Stolz), wird zwischen 17-24 Monaten erreicht Tests zur Entstehung des SELBST: Rouge-spot (Sich selbst erkennen im Spiegel), Complicated tasks requests: um 23.-24. Monat entwickelt sich Bewusstsein über eigene Inkompetenzen
  • Soziale Kognition: Handlungsabsichten Preference for helpfullness Soziale Kognition Verständnis für Handlungsabsichten (6-12 Monate) Studie: 6 Monate alte Babys können Intension unvollständiger Handlung folgen Preference for helpfullness Kinder haben wohl Verständnis ob jemand gut (Helfer) oder schlecht (Verhinderer) ist
  • Soziale Kognition Theory of Mind: Die Fähigkeit sich selbst und anderen mentale Zustände (z.B. Wissen, Wünsche, Gedanken, Emotionen, Absichten) zuzuschreiben Trennung eigener Perspektive und des mentalen Zustandes von anderen >> False Beliefs mit 15 Monaten (Onishi & Baillargeon, 2005) >> Wünsche - Mitte des 2. Lebensjahres (ca. 18 Monate - Repacholi & Gopnik, 1997) >> Empathie: Bereits junge Kinder reagieren auf die Emotionen anderer Personen, aber sie zeigen keine Empathie vor dem 2. Lebensjahr
  • Die Entwicklung von Bindungen: Bindung / Attachment Basis für Bindung Im Laufe des ersten Lebensjahres herausbildende Beziehung des Kindes zu primären Bezugsperson (oft Mutter) Bowlby (1969) - alle Kinder entwickeln Bindung bis Ende des 1. Lebensjahres >> Bindungsverhalten genetisch vorprogrammiert: Ein grundlegendes menschliches Bedürfnis >> Voraussetzung für eine normale Entwicklung >> Evolutionärer Nutzen: Schutz des Kindes vor Gefahr Basis für Bindung Tierstudien: Lorenz (Prägung >> Gänse), Harlow (Kontakt und Sicherheit (Affen präferieren kuschelige Mutter vor einer die Milch gibt)) Studien mit Menschen: Bowlby: Qualitativ einzigartige Beziehung, die vor allem Sicherheit bietet >> in der Kindheit erfahrene Bindung hat Einfluss darauf, wie man sich selbst, andere und bestimmte Ereignisse sieht bzw. interpretiert >> Deshalb ist einesichere Bindung wichtig für die weitere Entwicklung des Kindes
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  • Bindungsstil Fremde-Situation-Test / Strange situation Test (Ainsworth et al., 1978) Wie das Kind auf die Abwesenheit der Bezugsperson reagiert (Trennung) und wie es sich verhält, wenn sie wiederkommt (Wiedervereinigung) Einschätzung der Bindungsqualität bei 12-24 Monate alten Kindern Sichere Bindung (secure attachment): Erkundungsverhalten, Weinen, Kontakt und Beruhigung Unsicher-vermeidende Bindung (avoidant): wenig Exploration, ruhig, keine Begrüßung und evtl. Abwenden Unsicher-ambivalente Bindung (ambivalent): wenig Exploration, Weinen, Widerstand, keine Beruhigung Unsicher desorganisierte / desorientierte Bindung (disorganized-disoriented): Größte Unsicherheit, konfuse und widersprüchliche Verhaltensweisen
  • Faktoren der Bindungsqualität: Muttereigenschaften, Vatereigenschaften, Mehrfache Bindung Muttereigenschaften Synchrone Interaktion: die Bezugsperson reagiert auf die Signale des Kindes in zeitlichu nd rhythmisch abgestimmter und passender Weise Wärme und Gefühle Reagieren auf Kummer des Kindes Vatereigenschaften Wichtiger als ursprünglich gedacht Väterliche Neigung, Wärme, Vorsorge und Unterstützung sind sehr wichtig für die kindliche Entwicklung Bindung zu Mutter und Vater ist oft anders >> Reflektiert Unterschiede im Verhalten Mehrfache Bindung - z.B. mit Geschwistern
  • Faktoren der Bindungsqualität: Eigenschaften des Säuglings, Unterschiede in der Reaktivität und Irritabilität des Säuglings Eigenschaften des Säuglings z.B. Temperament Relativer Einfluss: vieles ist davon abhängig, wie die Bezugsperson reagiert und auf individuelle Bedürfnisse des Kindes eingeht Familiärer Kontext und Belastung sind wichtige Faktoren Unterschiede in der Reaktivität und Irritabilität des Säuglings Reaktivität (activity level): Schnelligkeit und Intensität von emotionaler Erregung, motorischer Aktivität Irritabilität (und posivite Grundstimmung): Qualität der Stimmung (quality of mood), Ausmaß negativer vs. Ausmaß positiver Emotionen bzw. Verhalten Angeboren und relativ stabil, aber auch veränderbar durch Erziehung
  • Temperament: Klassifikation von Temperamentstypen, Das Passungsmodell Klassifikationen von Temperamentstypen Einfache Kinder (easy babies): 40% Schwierige Kinder (difficult babies): 20% Langsam auftauende - aktiv werdene - Kinder (slow-to-warm-up-babies): 15% Inconsistently categorized babies: 35% Das Passungsmodell Erziehungsumfeld, das das Temperament des Kindes berücksichtigt, verstärkt angepasstes Verhalten Baut auf den Stärken des Kindes auf 
  • Bindung und spätere Entwicklung Ja! Sicher gebundene Säuglinge werden später als sozial kompetent, kooperativ, beliebt beschrieben Romantische Beziehungen werden durch Bindungsstil beeinflusst Aber: Sicher gebundene Säuglinge entwickeln sich in manchen Fällen besser als unsicher-vermeidende und unsicher ambivalente Säuglinge - aber nicht immer Wichtig: Auswirkungen früher Bindungssicherheit sind konditional - sie hängen von der Qualität der zukünftigen Beziehungen ab
  • Eriksons Theorie: Wichtigkeit der Beziehung zwischen Säugling und Mutter Qualität der Zuwendung entscheidend Urvertrauen vs. Missvertrauen (trust vs. mistrust): Säuglingsalter Autonomie vs. Scham und Zweifel (autonomy vs. shame and doubt stage): ca. 2.-3. Lebensjahr
  • Eriksons Theorie: Wichtigkeit der Beziehung zwischen Säugling und Mutter Qualität der Zuwendung entscheidend Urvertrauen vs. Missvertrauen (trust vs. mistrust): Säuglingsalter Autonomie vs. Scham und Zweifel (autonomy vs. shame and doubt stage): ca. 2.-3. Lebensjahr