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Psychologie (Fach) / Qualitative Forschung (Lektion)
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- sampling/ beobachtungseinheit Samplingeinheit meint die Gesamtheit des Samples, für welches man sich entschieden hat. Untersucht man beispielsweise Kommunikationsstrukturen in einer Familie, so ist die Samplingeinheit die Familie.Beobachtungseinheit meint eine Forschungseinheit, die man mit dem Sample verbracht hat. Die Beobachtungseinheit könnte also einmal die gesamte Familie sein, ein anderes Mal vielleicht nur alle Menschen der Familie, die unter 50 sind.Wichtig ist zu verstehen, dass Samplingeinheiten und Beobachtungseinheiten nicht immer ident sind.
- theoretical samplng Das Verfahren stammt von Glaser und Strauss, das sie während ihrer Untersuchung zu „awareness of dying“ zusammen mit der Grounded Theory entwickelten. Das Sample wird nicht vor Beginn der Studie festgelegt, sondern ergibt sich währenddessen. Natürlich muss man mit ein paar Fällen anfangen, aber die ergeben sich aus der offenen Fragestellung, die man am Anfang hat. Nach der Analyse der ersten Daten entwickelt sich die Theorie hinter der Fragestellung ein bisschen weiter und man kann die Auswahl der untersuchten Fälle anpassen. Die Fälle sind also repräsentativ für die Theorie und entwickeln sich mit ihr mit. Grundlegende Fragen sind hier: Wen/was untersuche ich als nächstes? Und warum, mit welcher theoretischer Absicht? Ein wichtiges Prinzip des Theoretical Sampling ist die Auswahl der Fälle nach der Minimierung und Maximierung. Man sucht Fälle, in denen wahrscheinlich die eigene Fragestellung sehr häufig auftritt und andererseits Fälle, in denen man die untersuchte Theorie nicht so häufig trifft. Dadurch kann man die Tauglichkeit der Theorie kritischer untersuchen (Minimierung) und gleichzeitig die Varianz im Feld (unterschiedliche Maximierung), bis man zu der Theorie nichts Neues mehr hinzufügen kann.
- 2. Sampling nach vorab festgelegten Kriterien Dieses Verfahren passt zu Fragestellungen, die standardisierte und nicht standardisierte Erhebungen verknüpft. Das kann passieren, wenn man die Daten standardisiert erhebt und dann qualitativ auswertet. Dabei werden aus den schon gemachten Daten Fälle ausgesucht, die in der Erhebung interessant erscheinen, um die zugrundeliegenden Mechanismen zu untersuchen. Die zweite Möglichkeit ist, dass man statistisch schon nachgewiesene Zusammenhänge auf andere qualitative Fragestellungen untersucht. Die qualitative Forschung ist so also abhängig von den schon bestehenden statistischen Daten, die als Grundlage für die Untersuchung eines grundlegenden sozialinterpretativen Mechanismus dienen. Forschende können bei dieser Methode das Wissen um die Verteilung bestimmter Merkmale nutzen, um anschließend Gründe und/oder Wirkweisen genau dieser Verteilung der Merkmale näher zu erkunden.
- 3. Snowball-Sampling Samples eröffnen sich beim Kontakt mit Personen im Feld. Dadurch verschafft man sich einen guten ersten Zugang zum Feld, lernt die relevanten Personen kennen und verschafft sich einen Überblick im Feld. Das Feld wird sich mit jedem neu genannten Namen erweitern und die Wiederholung eines Namens zeigt dessen Relevanz an. Allerdings sollte man sich im Klaren darüber sein, dass man sich damit im einem Netzwerk bewegt, in dem sich die Personen kennen und in dem vielleicht sogar über die Interviews informiert wird, was die Erzählbereitschaft und -richtung verändern kann. Also sollte man sich nicht ausschließlich mit dem Schneeball-Sampling begnügen.
- Strübing nennt fünf Grundsätze qualitativ-interpretativen Forschens: - Gegenstandsangemessenheit- Offenheit- Kommunikation- Prozesshaftigkeit- Reflexivität.
- Gegenstandsangemessenheit: meint die Anpassung des Forschungsdesigns an die Umstände des Feldes, welches beforscht werden soll. Dies geschieht unter der Mitbeachtung der interessierenden Forschungsfrage.
- offenheit Der Forschungsprozess muss sich öffnen gegenüber dem empirischen Feld und dem Wissen und impliziten Annahmen, die das Feld mitbringt. Das umschließt den Verzicht auf Vorannahmen und die Öffnung des Forschungsprozesses gegenüber möglicherweise unerwarteten Wendungen, Informationen, Darstellungen, Äußerungen etc.
- Kommunikation: Als qualitativ Forschenden muss uns bewusst sein, dass Akteur_innen im Feld keine Fälle oder Proband_innen sind, welche wir klar von uns abgrenzen können, sondern deutungsmächtige Subjekte, die ebenso wie wir in eine soziale Wirklichkeit verstrickt sind. Das Forschungsfeld stellt permanent ein Feld der sozialen Interaktion und Kommunikation dar und erst wenn wir dies miteinbeziehen, kann eine Forschungssituation entstehen, die Informationspotential aufweist.
- Prozesshaftigkeit: adressiert zwei Aspekte: 1. Forschung ist immer als Prozess zu verstehen, als fortgesetzter Interaktionsprozess der Forschenden mit dem Feld und dessen Akteur_innen sowie unvermeidlich die Verstrickung von beiden, sodass Forschende selbst Teil des Feldes sind/werden. 2. Das Feld, die soziale Wirklichkeit wird fortlaufend von Akteur_innen hergestellt, erhalten, modifiziert. Wichtig ist hier, zu begreifen, dass soziale Wirklichkeit nicht per se existiert, sondern von uns als Subjekten performativ hergestellt wird.
- Reflexivität: meint die Bewusstheit darüber, dass Bedeutung und Sinn erst aus dem wechselseitigen Zusammenspiel von Objekt, Äußerung und Kontext entsteht. So kann eine Äußerung in einem Zusammenhang eine ganz andere Bedeutung haben als in einem anderen Zusammenhang. Als Forschende ist es wichtig zu verstehen, dass Forschungsfrage und Forschunggegenstand sich gegenseitig formen und ohne die Abstimmung aufeinander ihre Bedeutung verlieren. Auch sozialwissenschaftliches Wissen und erhobene Daten weisen ein reziprokes Verhältnis auf. Das Einzelne wird erst im Kontext des Ganzen ersichtlich und das Ganze bekommt erst aus der Bedeutung des Einzelnen einen Sinn (>hermeneutischer Zirkel).
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- Interpretation: Eine besondere Eigenschaft qualitativen empirischen Datenmaterials. Empirisches Datenmaterial liegt oft in einer Form vor (bspw. Interviewtranskripte), dessen latente Sinnstrukturen erst durch einen interpretativen Akt erkennbar werden. Sprachsymbole (z.B. Texte) weisen eine manifeste Ebene auf, hinter der sich aber weitere, latentere Formen von Sinnstrukturen "verstecken". D.h., auch wenn eine Person in einem Interview etwas nur andeutet oder vage umschreibt (indexikalität) und dabei mittels bspw. Gesichtsausdruck eine latentere Form von Gemeintem sichtbar wird, so ist es Teil der qualitativen Sozialforschung, das Gesamtbild des vorliegenden Materials mittels eines interpretativen Aktes Sinn zu verleihen.Interpretation ist schon immer stark in unserem Alltag verankert. Wir werden erst handlungsfähig durch Interpretation und so sehen wir auch die Akteur_innen, die Datenmaterial hervorbringen, als deutungsmächtige und mit Absichten ausgestattete Akteur_innen.
- Rekonstruktion: Meint zum einen die Leistung, welche mit dem Prozess der wissenschaftlich-methodischen Interpretation erbracht wird. Wir erheben als Forschende empirisches Datenmaterial (führen bspw. ein Interview), dieses liegt dann in manifester Form vor (als Transkript), welches interpretiert werden muss. Über diesen Prozess rekonstruieren wir Deutungen und Situationsdefinitionen.Zum anderen meint Rekonstruktion die Mitbeachtung von impliziten Handlungsmustern, Wertorientierungen und anderen Faktoren, die in die Sprecher_innenposition immer miteinfließen, bewusst oder unbewusst. Wir alle handeln in einem sozialen Feld aus einer bestimmten Position heraus, die beim Rekonstruieren von Forschungsmaterial mitbedacht und mitbeachtet werden muss (z.B. soziales Milieu, Geschlecht, Herkunft etc.)
- Das Prozessverständnis der gegenstandsbegründeten Theoriebildung: (grounded theory) Beim zirkulären Forschungsprozess gründet die Theorie in den Daten. Die Auswahl der Subjekte der Forschung findet nicht (vorrangig) hinsichtlich Repräsentativität statt, sondern im Hinblick auf die Relevanz der Subjekte für das Forschungsthema. Der Gegenstand der Forschung ist wichtiger als theoretische Vorannahmen, die dann lediglich überprüft und "bestätigt" werden. Auch geht es bei dieserm Verständnis von Forschung nicht um eine Reduktion von Komplexität (>Zerlegung des Forschungsfeldes in einzelne Variablen), sondern um dessen Verdichtung und die Abbildung dieser. Im Allgemeinen wird hier auch ein vorsichtigerer Umgang mit Hypothesen gepflegt.
- Hauptforschungsphase mit Forschungszyklen (Qualität der Forschung) Die Hauptforschungsfrage besteht aus mehreren Analysezyklen, die immer fokussierter auf die konkrete Forschungsfrage ausgerichtet werden sollen.Die aus den Erhebung gewonnenen Daten bestimmen dann die konkreten Interpretationsverfahren. Die Analyse der Daten findet außerhalb des Feldes statt, um eine Distanz aufzubauen.In der Reflexionsphase werden die Forschungszyklen werden systematisch geprüft, um die Qualität der Ergebnisse zu garantieren. Das geschieht durch Kontrollinterpretationen feldfremder Personen, die Anwendung verschiedener methodischer Verfahren, das Einbeziehen andere Interpretationsmöglichkeiten und das kritische Infragestellen der vorläufigen Zwischenergebnisse.Dann wird durch theoretische Samplings bestimmt, ob noch weitere Daten erhoben werden sollen. Dabei wird die Zuverlässigkeit der bisherigen Interpretationen geprüft und die Reichweite der Daten analysiert.Außerdem wird die Arbeit des Teams miteinander und im Feld analysiert.Die vorläufigen Ergebnisse werden immer in Memos festgehalten, um den Fortschritt überprüfen zu können und keine Ergebnisse zu verlieren.Sobald die Interpretation eines neuen Zyklus keine neuen Erkenntnisse mehr bringt, ist man theoretisch gesättigt und die Analyse wird beendet.
- „Homologiethese“: Homologie von Erzählkonstitution und ErfahrungskonstitutionBei der Erzählung von selbst erlebten Geschichten habe man es mit demjenigen Schema der Sachverhaltsdarstellung zu tun, das der Reproduktion der kognitiven Aufbereitung des erlebten Ereignisablaufs am nächsten kommt.
- Zugzwänge des Erzählens: Detaillierungszwang: Die Detaillierung, die ich hier vornehme, kommt in gewisser Weise einer möglichen Frage meines Gegenübers zuvor. Gestaltschließungszwang: Wenn ein Erzähler seine Geschichte ungestört zu Ende erzählen kann, schließt er damit eine „Gestalt“. Relevanzfestlegungs- und Kondensierungszwang: Durch unsere Art, Relevanzen festzulegen und Sachverhalte zu verdichten wird die Geschichte zu einer, der man folgen kann und die dem Zuhörer eine bestimmte, nämlich unsere Botschaft vermittelt.
- ablauf des narrativen interviews? Vorgespräch: Die Interviewpartner machen sich miteinander bekannt, die Fragestellung der Forschung und Fragen der Anonymität werden besprochen, und das Forschungsinstrument muss eingeführt werden (narrative Interviews entsprechen wenig den gängigen Erwartungen).Erzählstimulus: Das eigentliche Interview beginnt mit einer allgemein gehaltenen Frage nach dem Ablauf von Geschehnissen, die der Erzähler erlebt hat bzw. in die er involviert war. Daran schließt sich die narrative Eingangserzählung, während der der Interviewer möglichst strikt in der Rolle des aufmerksamen Zuhörers bleibt und nur durch Nicken oder Aufmerksamkeitsmarkierer sein Interesse signalisiert.Nachfrageteil, zunächst immanent: Soll an das anschließen sollen, was bereits angedeutet ist oder was in der Erzählung ausgeklammert wurde, aber in den geschilderten Zusammenhang gehört.exmanente Fragen: Fragen, die auf Theoretisierung und Beschreibung abstellen, z.B. dass die Interviewpartner ihre Theorien über die geschilderten Zusammenhänge darlegen und aus heutiger Sicht Bilanz ziehen.
- Aufgabe des Interviewers: Eine thematische Erzählung in Gang setzen und sie in Gang halten, was auch das Einhalten einer gewissen Disziplin und hohe Aufmerksamkeit während des Interviews erfordert. Der Interviewer soll nur dann korrigierend eingreifen, wenn eine Erzählung nicht zustande kommt bzw. wenn sie versiegt. Dies erfordert auf Seiten des Interviewers eine gewisse Disziplin, denn oft ist man bereits bei kurzen Gesprächspausen geneigt, das Wort zu ergreifen, um die Pause zu überbrücken.Einhalten des Ablaufschemas als wichtige Voraussetzung für das Gelingen.Der Interviewer sollte sich vor allem während der Eingangserzählung kurze Notizen machen und Zusammenhänge, die einem nicht klar geworden sind, in den späteren Phasen nachfragen.
- realgruppen verfügen in der Regel über eine gemeinsame Erfahrungsbasis und versprechen daher ergiebiges Material aufgrund der zu erwartenden Selbstläufigkeit und interaktiven Dichte der Kommunikation. Ihnen ist bei der Zusammensetzung von Diskussionsgruppen der Vorzug zu geben. Von der Auswahlstrategie, möglichst unterschiedliche Teilnehmer_innen an den Tisch zu bringen, ist dagegen abzuraten
- Zusammengestellte Gruppen: empfehlen sich dann, wenn man sich für bestimmte existenzielle Gemeinsamkeiten interessiert. Personen mit diesen Gemeinsamkeiten können auch dann zu einer Gruppendiskussion zusammengesetzt werden, wenn sie einander nicht kennen.
- c. Prinzipien der Durchführung von Gruppendiskussionen · Interventionen immer an die ganze Gruppe · Weitgehender Verzicht auf Teilnehmer_innenrolle · Zurückhaltung im Gespräch · Themenvorschläge ohne themenbezogenen Orientierungsrahmen à heißt Einwurf von Themen, ohne dass diese schon in einen thematischen Rahmen eingebettet sind. Das gibt den Teilnehmer_innen die Möglichkeit, im Gespräch aufzuzeigen, wo sie ihren eigenen Orientierungsrahmen bezüglich dieses Themas setzen. · Demonstrative Vagheit · Methodisch reflektierte Fremdheit · Anstoßen detailreicher Darstellungen
- d. Konkrete Anregungen für die Durchführung der gruppendiskussion · Zu Beginn: Thema wählen, mit welchem möglichst alle Teilnehmer_innen Erfahrung haben. · Aufmerksam zuhören und Signale des Zuhörens an die Gruppe vermitteln. · Gruppe sollte im Vorfeld auf die eher ungewöhnliche Situation der (nicht partizipativen) Diskussionsleiterin hinweisen. · Ermunternde Blicke und Äußerungen, wenn nicht direkt eine Diskussion in Gang kommt oder sie mal stockt. · Wenn Eingangsdarstellungen „fertig“ sind, folgen immanente und exmanente Nachfragen. · Problem von schweigenden Personen in einer Gruppendiskussion wird nicht explizit thematisiert. · Bei medialen Inhalten als Eingangstimulus: Zunächst Teilnehmer_innen bitten, diesen nachzuerzählen.