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Ausgewählte Themen der Wirtschaftspsychologie und angewandten Sozialpsychologie (Fach) / Einführung Finanzpsychologie (Lektion)
VL
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- Definition Finanzpsychologie Beschäftigt sich mit dem psychischen Erleben und dem Verhalten von Menschen im Zusammenhang mit Finanzentscheidungen Vor allem Wahrnehmung und Verarbeitung von Informationen zum Geschehen an den Geldmärkten Ablauf und Einflussgrößen bei Entscheidungsprozessen Verhalten von Menschen in Veränderungsprozessen mit finanziellen Auswirkungen Emotionales Erleben aufgrund von Finanzentscheidungen
- Psychologie des Geldes Geld zunächst als Schmuckfunktion, Statusfunktion, Signalfunktion Ökonomen definieren Geld als „any generally accepted medium of exchange – anything that will be accepted by virtually anyone in exchange for goods and services“
- In der Psychologie gibt es vier theoretische Ansätze zum Thema Geld: Psychoanalytische Deutung, Geld als symbolische Verlagerung von Exkrementen Entwicklungspsychologische Interpretation, dass Geld auf unterschiedlichen Stufen der frühkindlichen Entwicklung Unterschiedliches bedeutet Lerntheoretische Sicht -> Geld als generalisierter Verstärker Austauschtheoretische Position -> Geld als Tauschmedium im Rahmen von Interaktionsprozessen
- Sättigungseffekt des Geldes wenn Individuum feststellt, dass nur ein begrenzter Kreis von Verstärkern über das Medium Geld zugänglich ist (z.B. nicht Liebe, Respekt, Selbstentfaltung) Menschen schätzen den Wert des Geldes geringer mit zunehmendem Wohlstand/Einkommen/Status
- intrinsisches Motiv für Geld Geld wirkt selbstverstärkend und kann suchterregend sein
- Bereiche, die auch durch Geld nicht erreichbar sind: Gefühle, Kompetenz, Gesundheit, Positionsgüter (nicht vermehrbar) Geld scheidet als Tauschmedium aus oder ist unangebracht bei z.B. Geldgeschenke werden als ideen- und lieblos empfunden, Bestechung, für einen Gefallen bezahlen, etc.
- Geld als Tauschmedium Umkreis dessen, was gekauft werden kann, dehnt sich ständig aus Sexualität, Sitz im Parlament, Doktortitel, etc.
- Behavioral Finance Verbindet traditionelle wirtschaftswissenschaftliche Untersuchungsmethoden mit Fachwissen der Psychologie Forschungsergebnisse können helfen Finanzentscheidungen besser zu verstehen -> erkennen Denk- und Verhaltensmuster von Anlegern „Wer schlauer sein will als der Markt, hat schon verloren. Wem sein irrationales Verhalten bewusst ist, der hat eine Chance.“
- Börsengeschehnisse können durch irrationales Verhalten entstehen.. 1979: Prospect Theory (Kahneman & Tversky) Menschen verhalten sich risikofreudiger bei VerlustangstMenschen verhalten sich risikoavers bei positiven Ereignissen Spekulativ orientierte Trader lassen sich bewusst oder unbewusst von ihren Emotionen leiten -> führt zwangsläufig zu Fehlentscheidungen Typisch: Angst, Geld zu verlieren, wenn es schlecht läuft; Gier nach mehr Geld, wenn es gut läuft
- Emotionen bezüglich Finanzentscheidungen Bei jeder Entscheidung zieht der homo sapiens Verstand, Eingebung und Gefühl zu Rate Verluste lösen stärkere Reaktionen aus als Gewinne gleicher Höhe Positive oder negative Erfahrungen beeinflussen uns mehr als Fakten Hoffnung in Verlustsituationen oder Angst in Gewinnsituationen führen zu irrationalen Handlungen
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- Intuition bei Finanzentscheidungen Inneres Wissen, Erfahrungen und unbewusst verarbeitete Informationen Kompetenz, Eingebungen wahrzunehmen und im Entscheidungsprozess zu nutzen, lässt sich trainieren
- Ratio bei Finanzentscheidungen Menge Quelle Zeitpunkt der Informationsaufnahme beeinflussen Entscheidungen Diese Parameter müssen bewusst gesteuert werden, um erfolgreich zu entscheiden
- Magisches Dreieck der Anlageentscheidung bezeichnet die bei der Vermögensanlage untereinander konkurrierenden Ziele Rentabilität (hohe Verzinsung) Sicherheit (geringes Risiko) Liquidität (Verfügbarkeit). Erweiterung um einen weiteren Faktor: Bequemlichkeit
- Risikobereitschaft korreliert mit: Hohem Renditestreben Hoher Leistungsmotivation Hoher Risikolust Hohem Involvement Geringer Bequemlichkeit
- Aktienkauf nimmt in jüngster Zeit zu.. Vor allem bei Erbengeneration, die mit Erwerb ihres Vermögens wenig „Müheerinnerung“ verbindet hohe Risikobereitschaft
- Welche Verhaltenstendenzen beeinflussen also die Börse? Verfügbarkeitsheuristik Verankerungsheuristik Kognitive Schemata Dissonanzreduktion Überschätzung kognitiver Kontrolle Kontroll-Illusion
- Verfügbarkeitsheuristik Anleger A wird sich beispielsweise für Firma A entscheiden, weil er darüber gerade einen Bericht gelesen hat Deutsche Anleger investieren überwiegend in deutsche Unternehmen (home bias)
- Verankerungsheuristik Anleger orientieren sich oft an einem Anker (z.B. DAX, Kurs beim Kauf, Einschätzung durch Analysten), sodass auch wichtige neue Informationen von dem Anker beeinflusst werden
- Kognitive Schemata: Reduzieren Informationsverarbeitung auf recht einfache schematische Orientierungshilfen z.B. „Oktober ist ein Crash-Monat“ bevorzugen Aktien aufgrund populären Namenszusatzes
- Dispositionseffekt Wenn man nach Verlust bei kognitiver Dissonanz an dem Verlustengagement irrational lange festhält
- Überschätzung kognitiver Kontrolle Überschätzung der eigenen Prognosefähigkeit, obwohl Wissen, dass Ergebnis nur zufallswahrscheinlich auftritt
- Kontroll-Illusion Wenn Anleger richtig liegt, wird dies eigener Voraussicht, Weisheit, Erfahrung zugeschrieben Wenn Anleger falsch liegt wird es auf externe Gründe geschoben
- „Nudging“ Thaler und Sunstein To nudge = anstoßen, schubsen Kluge Entscheidungen sollen durchs „Nudges“ angestoßen werden „Unter Nudge verstehen wir […] alle Maßnahmen, mit denen Entscheidungsarchitekten das Verhalten von Menschen in vorhersagbarer Weise verändern können, ohne irgendwelche Optionen auszuschließen oder wirtschaftliche Anreize stark zu verändern.“
- Nudges Beispiel Gesundes Essen in der Kantine ganz nach vorne stellen -> Handlungsanstoß das gesunde Gericht zu wählen Arbeitgeber überweist einen Teil des Gehalts direkt aufs Sparkonto -> Handlungsanstoß mehr zu sparen Aufkleber in Form einer Stubenfliege im Urinal anbringen -> Handlungsanstoß die Fliege treffen zu wollen und weniger daneben urinieren Organspende: Wer nicht nein sagt, sagt ja -> Handlungsanstoß einen Widerspruch einzulegen – oder lieber zu helfen!
- Gute und schlechte „Nudges“: Gute Nudges, wenn Handlungsalternativen gegeben werden -> freie Entscheidung dem Nudge zu folgen oder nicht! Schlechte Nudges, wenn keine Handlungsalternativen gegeben werden Beispiel: Ungesunde Lebensmittel auf Augenhöhe an der SupermarktkasseGut: Gesunde Alternativen (Früchte) befinden sich ebenfalls im selben Regal -> Handlung kann frei gewählt werdenSchlecht: Nur die Süßigkeiten befinden sich an der Kasse -> keine Handlungsalternative
- Dissonanz im Finanzkontext Verluste, die dem Wunsch nach Erwirtschaftung von Gewinnen widersprechen
- Drei Phasen der Finanzentscheidung Informationen sammeln und auswerten Entscheiden und Handeln Gewinn- und Verlustmanagement