15

Optimierungs- und Entscheidungstechniken (Fach) / Kapitel 2 Entscheidungstechniken (Lektion)

THD Bürstner

Diese Lektion wurde von Tomt24 erstellt.

Lektion lernen

Anzeige
  • 09. Was steckt hinter dem angelsächsischen Begriff „Management“? Management ist die angelsächsische Bezeichnung für Führung. Dabei wird Management unter zwei Aspekten betrachtet: Management als Tätigkeit bzw. Technik (z.B. Mitarbeiter zielgerichtet führen) Management als Institution (z.B. die Führungskräfte im Unternehmen)
  • 10. a) Geben Sie die 7 Phasen des Sollablaufs von Entscheidungsprozessen an. b) Welche Tätigkeiten fallen am Anfang zusätzlich an? c) Welche Tätigkeiten sind fortlaufend im Projektverlauf durchzuführen? a) 7-Phasen des Sollablaufs von Entscheidungstechniken Zieldefinition (Die Ziele sind schriftlich zu verfassen und vom Auftraggeber zu verabschieden. Sie sind die Basis für die 6 weiteren Schritte. Informationsanalyse (IST-Aufnahme) Alternativen-Entwicklung (die besten Möglichkeiten darstellen) Alternativen-Bewertung (qualitative Bewertung und Wirtschaftlichkeitsrechnung) Auswahlentscheidung (Nachvollziehbar auf Basis der Alternativen-Bewertung) Umsetzungsmaßnahmen planen (Meilensteinplan, Wer, macht Was, bis Wann). Erfolgskontrolle (Regelmäßige Fortschrittskontrolle im Verlauf der Umsetzung). b) Zusätzlich am Anfang- Entwirren und Transparenz erzeugen- Problembereiche identifizieren c) Fortlaufend im Projekt- Präsentation mit Q&A vorbereiten- Dokumentation erstellen
  • 11. Zeigen Sie zwei Negativbeispiele für misslungene Entscheidungsprozesse. Negativ Beispiele in Entscheidungsprozessen Unklare Zieldefinition Zuviel Info über Nebeneffekte Die beste Lösungsoption nicht im Blick Als Ersatz nur qualitative Aspekte Endlose Diskussion und Vertagung Umsetzungsprobleme brechen auf Fehlschlag führt zu verstärkter Risikoscheu
  • 12. Wozu soll die Entscheidungsmatrix helfen? Was besagt sie? Entscheidungen sollen sowohl quantitativ, monetär durch Wirtschaftlichkeitsrechnung, als auch qualitativ mit plausiblen Argumenten herbeigeführt werden, so dass  die Entscheidung auch für Dritte nachvollziehbar ist. Lange Jahre haben Fachleute darüber diskutiert, ob eine Entscheidung, die nichtwirtschaftlich ist aber bei den qualitativen Argumenten überzeugt, ausgewählt werdenkann. Heute wird das eindeutig gehandhabt. Nur wenn die Wirtschaftlichkeitsrechnung positivist und die qualitative Argumentenbilanz positiv oder neutral ist, ist die Entscheidungsalternative zu befürworten. Ansonsten ist sie abzulehnen. Im Umkehrschluss wird deutlich, dass der Nachweis der Wirtschaftlichkeit zwingend erforderlich ist.
  • 13. Nach welchen zwei Kriterien sind bei Maßnahmenpaketen zur Entscheidungsumsetzung Prioritäten zu setzen. Priotiätensetzen Maßnahmen werden in ihrer Priorität nach Dringlichkeit und Wichtigkeit bewertet. Maßnahmen bei denen beide Faktoren hoch eingestuft werden, sind zwingend zuerst abzuarbeiten. Dabei drückt Dringlichkeit die zeitliche Priorität aus und Wichtigkeit die inhaltliche Priorität aus.Beide Aspekte sind stets im Zusammenwirken zu sehen. Fehler ist, auf keinen oder nur auf einen dieser beiden Aspekte zu fokussieren.
  • 14. Was ist ein morphologischer Kasten? Wozu wird er verwendet? Mit der Entscheidungsfindung versucht man, die beste Handlungsoption zu finden.Voraussetzung jeder Entscheidungsfindung ist, dass möglichst guteHandlungsoptionen gesucht werden. Wichtig ist, dass in den Handlungsoptionen auchdie beste Handlungsoption dabei ist, denn die Entscheidungstechnik hilft nur, zwischenbestehenden Handlungsoptionen eine nachvollziehbare Entscheidung herbeizuführen.Werden nur suboptimale Handlungsoptionen aufgeführt, wird auch nur zwischendiesen entschieden, die optimale Lösung wird trotz des systematischen Ansatzes nichtgefunden. Der morphologische Kasten ist nun eine Methode zur Findung von technischenHandlungsoptionen. Z.B. aus welchen notwendigen technischen Elementen kann einphysisches Produkt bestehen. Der morphologische Kasten gibt einen systematischenÜberblick welche Lösungsmöglichkeiten prinzipiell möglich sind. In der Matrix werden in der ersten Spalte die technischen Parameter dargestellt undhorizontal werden hierzu technisch mögliche Lösungsmöglichkeiten gelistet. EineHandlungsoption wird als Verbindungslinie dargestellt, die die Rechtecke dergewählten Detaillösungen miteinander verbindet. Diese Verbindungslinie zeigt für jedeHandlungsoption, welche technischen Elemente konkret verwendet werden und zeigtim Umkehrschluss auch, auf welche Elemente verzichtet wurde. Der morphologische Kasten wird oft im Bereich Konstruktion und Entwicklung zurErstellung von Handlungsoptionen genutzt.
  • 15. Was ist eine Optionen-Matrix? Es ist eine Matrix, bei der in vertikaler Richtung unterschiedliche Möglichkeiten der Marktpositionierung und in horizontaler Richtung unterschiedliche Komplexitätsgrade eines Produktes dargestellt werden. In dieser Matrix wird nun die Position des bestehenden Produktes markiert. DurchVerschiebung dieses Punktes in horizontaler und vertikaler Richtung lassen sich nunfür das bestehende Produkt alternative Produktvarianten herleiten, die dann mit„technischen Details“ noch zu füllen sind, denn es muss ausformuliert sein, wasbedeutet z.B. geringere Komplexität bei diesem Produkt oder was bedeutet konkret dieVerschiebung der Marktpositionierung. Die Marktposition lässt sich in 4 Gruppen, Oberklasse, Nische (ein kleiner freier Platz),Mittelklasse, Unterklasse untergliedern. Eine Veränderung der Produktkomplexität lässt sich beschreiben als Vereinfachung (geringere Komplexität), Verschiebung (andere Komplexität aber unveränderter Komplexitätsgrad), Verfeinerung (höhere Komplexität).
  • 16. Was ist ein Entscheidungsbaum? Welche Vorteile hat dieser? Der Mensch neigt in seiner persönlichen Wahrnehmung dazu, negative Einflüsse auszublenden. Bei der Entscheidungsfindung kann das von Nachteil sein, wenn Beurteiler negative Prognosen nicht wahrnehmen. Der Entscheidungsbaum zeigt in seinen Verästelungen die Konsequenzen der Entscheidung und bei den Folgeentscheidungen die Verästelungen der auf. An jeder Verzweigung im Entscheidungsbaum steht eine „Frage“ und die Antwortmöglichkeiten bilden neue Äste (Verästelung). Daraus erhält man eine Übersicht, was alles eintreten kann. Man zeigt die zu treffenden Entscheidungen auf und erhält die Übersicht, welche Konsequenzen sich daraus ergeben in der 2. 3. 4. ... Ebene. Falls es auch außerhalb der getroffenen Entscheidungen existenzgefährdende Sachverhalte geben sollte, versucht man Vorsorge zu treffen, dass die Folgen daraus abgemildert oder vermieden werden, bzw. man trifft Entscheidungen, ab welchem Zustand man frühzeitig aktiv werden muss, um frühzeitig noch Veränderungen vornehmen zu können. Z.B. überlegt man, was bei ZF in Passau im Werk 1 im Falle von unterschiedlichenHochwasserpegeln zu tun ist. Man betrachtet dabei auch den unwahrscheinlichenPfad, dass der Jahrhundert-Hochwasserpegel überschritten wird. Man macht sichfrühzeitig Gedanken, welche Konsequenzen eintreten könnten und trifft vorsorglichentsprechende Maßnahmen. Der Vorteil ist, das alle Möglichkeiten betrachtet/dargestellt werden. Je mehr im Rahmen der Globalisierung Unternehmen vernetzt und von Zulieferernabhängig sind, um so wichtiger ist es im Netzwerk Transparenz über möglicheNotfallsituationen zu erzeugen und entsprechende Maßnahmenpakete „alsSchubladenlösungen“ vorzubereiten.
  • 17. Was ist der Unterschied zwischen einem qualitativen Entscheidungsbaum und einem quantitativen Entscheidungsbaum? Bei einem qualitativen Entscheidungsbaum werden nur die Entscheidungsvarianten verbal dargestellt. Bei dem quantitativen Entscheidungsbaum werden zusätzlich die jeweils resultierenden Konsequenzen quantitativ bewertet, z.B. monetär durch Kosten oder Gewinne oder quantitativ nicht monetär durch verkaufte Stückzahlen oder Marktanteil im Markt x.
  • 18. Was steckt hinter dem Begriff „BZA-Analyse“? Wozu wird diese verwendet? Der Begriff BZA steht für Bezugsartanalyse. Im Englischen wird die Bezugsartanalyse „Make or Buy Analysis“ genannt. Sie dient dazu frühzeitig im Produktenstehungsprozess zu entscheiden, welche Umfänge das Unternehmen selber herstellen will und welche es nach extern an seine Zulieferer vergeben will. Auf dieser Basis sind frühzeitig erst noch Einkaufsanalysen und mehrjährige Zuliefererqualifizierungen durchzuführen, damit zum gewünschten Zeitpunkt geeignete Zulieferer in der gewünschten Qualität, mit der gewünschten Produktionskapazität und am gewünschten Ort zur Verfügung stehen. Die Bezugsartanalyse dient aber auch dazu systematisch Vergleiche zu fahren, dass Teile kostenseitig wettbewerbsfähig sind, z.B. durch Vergleich von Hausteilen mit ähnlichen Zulieferangeboten oder durch Vergleich von Zulieferteilen mit ähnlichen im Haus gefertigten Umfängen.
  • Anzeige
  • 19. Erklären Sie das „Erfahrungskurven-Konzept“? Was ist (für den Hersteller) besser, eine Kurve mit 20% oder 30%? Das Erfahrungskurvenkonzept besagt, dass mit jeder Verdopplung der kumuliertenProduktionsmenge sich die Stückkosten um X Prozent reduzieren lassen. Wenn man diesen Erfahrungswert X aus seiner Erfahrung bei ähnlichen Produkten kennt, kann ein Unternehmen Quartal für Quartal Unterziele mit den entsprechenden Maßnahmenableiten, um entlang der Zeitachse den gewünschten Kostenverlauf zu erreichen. Das Erfahrungskurvenkonzept wird in Industriebranchen angewendet, in denen ein intensiver Kostenwettbewerb besteht und neue Produkte erst nach vielen Jahren gewinnbringend produziert werden können. Es muss also eine mehrjährige Phase durchlaufen werden, in denen man Verluste akzeptiert, da man weiß, dass man zum Zeitpunkt Y in die Gewinnzone gelangen wird. Der Vorteil für die erfolgreichen Unternehmen ist, dass die Eintrittshürde für neue Wettbewerber sehr hoch ist. Beispiele sind Luftfahrtbranche, Triebwerkbranche, Raumfahrt. Eine Konsequenz aus dieser Erfahrung ist aber auch, dass durch Zusammenschlüsse oder Aufkauf von Unternehmen sich generell Stückkosten weiter senken lassen. Das ist auch ein Grund dafür, dass es immer größere Unternehmen gibt. Nach dem Motto: „Big is Beautiful“. Für den Hersteller ist die 30% Variante besser als die 20% Variante, da die realen Stückkosten mit jeder Verdopplung der Produktionsmenge um 30% und nicht um 20% sinken. Man erreicht also das gewünschte tiefe Kostenniveau zeitlich früher und ist dann länger in dem Bereich, dass die aufsummierten Verluste durch Gewinne abgeschmolzen werden bis nach Jahren die Gewinnzone erreicht wird. Dieses Konzept wurde in den USA von der Beratungsgesellschaft Boston Consulting Group entwickelt und veröffentlicht.
  • 20. Was ist eine Nutzwertanalyse? Erklären Sie den Ablauf. Die Nutzwertanalyse (NWA) wird auch Scoring-Modell genannt. Sie ist eine quantitative Analysemethode zur Entscheidungsfindung (im Gegensatz zu qualitativen Methoden). Bei der Erstellung einer Nutzwertanalyse werden zunächst die wichtigenentscheidungsrelevanten Anforderungskriterien definiert und überGewichtungsfaktoren gewichtet. Dann findet je Handlungsoption die Bewertung statt, also in wie weit die vorherdefinierten Anforderungskriterien erfüllt werden (Erfüllungsgrad). Diese Bewertungerfolgt nach dem Schulnotensystem (geringere Ziffer ist besser) oder nach demPunktesystem (geringere Ziffer ist schlechter). Aus dem Produkt aus Gewichtung und dem in der Bewertung vergebenen Zahlenwertwird je Handlungsoption ein Teilnutzen-Wert bestimmt. Die Summe der Teilnutzen-Werte ergibt den Nutzwert bzw. Gesamt-Score der Handlungsoption.Bei der Bewertung nach dem Schulnotensystem ist die Handlungsoption mit demgeringsten Zahlenwert die beste, bei dem Punktesystem is es die mit dem höchstenZahlenwert. Bei der Aufstellung der Anforderungskriterien ist darauf zu achten, dass- diese jeweils voneinander unabhängig sind, damit nicht indirekt durch Wahlvon sehr ähnlichen Kriterien Doppelbewertungen stattfinden, die nurunterschiedlich benannt sind. Ein Indiz dafür ist, wenn zwei Kriterien bei allenBewertungen gleich abschneiden (Gewichtungswert und Erfüllungsgrad).- alle wichtigen Kriterien berücksichtigt wurden, also das kein wichtigesEntscheidungskriterium vergessen wird. Formal ist auch wichtig, dass,a) bei der Gewichtung die Summe aller Gewichtungswerte 100% ergibt,b) im vorher festgelegten Maßstab nur solche Zahlenwerte vergeben werden, diezugelassen sind,c) für eindeutige Entscheidungen sich die Nutzwerte hinreichend unterscheidenmüssen. Im anderen Fall sind die Handlungsoptionen gleichwertig, was auchnicht grundsätzlich schlecht sein muss. Man wählt dann z.B. danach aus,welche der Handlungsoptionen sich am leichtesten oder am schnellstenumsetzen lässt.
  • 21. Was sind Vor- und Nachteile der Nutzwertanalyse? Vorteile:- Einfach durchzuführen- Berücksichtigung unterschiedlicher Aspekte in den Anforderungskriterien- Anforderungskriterien werden je nach Bedeutung unterschiedlich gewichtet- Zahlenwerte ergeben eine übersichtliche Darstellung- Entscheidungsergebnis wird auf eine Zahl reduziert, dem Nutzwert- Ist ähnlich stringent wie eine Wirtschaftlichkeitsrechnung- Lässt sich auch verwenden, um eine qualitative Bewertung durchzuführen,die man sonst nicht so übersichtlich mit Argumenten-Bilanzen darstellen würde.- Lässt sich gut im Arbeitsteam durchführen. Nachteile:- Gewichtung, Punkte-, Notenvergabe erfolgt trotz Zahlenangabe subjektiv.- Wirkt bei zu vielen Anforderungskriterien & Handlungsoptionen unübersichtlich.- „Zahlengläubigkeit“ wird auf Kosten von Pro-Con Argumenten gefördert. Im Beruf wird heute als monetäre, quantitative Methode die Wirtschaftlichkeitsanalysedurchgeführt. Parallel dazu wird die Nutzwertanalyse zur Darstellung der ursprünglichqualitativen Beurteilung verwendet, in dem die qualitativen Pro-Con Argumente in denAnforderungskriterien berücksichtigt und bewertet werden.
  • 22. Was ist eine Kosten-Nutzen-Analyse? Wozu wird diese verwendet? Die Kosten-Nutzen-Analyse ist eine quantitative, monetäre Entscheidungstechnik. Sie wird außerhalb der formalen Methoden der Wirtschaftlichkeitsrechnung verwendet. Sie wird z.B. bei kleineren Entscheidungen benutzt, wenn keine anderen Alternativenuntersucht werden, sondern nur der Nachweis zu führen ist, dass die zu tätigendenAusgaben (Vorleistungen) sich nach einer vorgegebenen Zeit „bezahlt machen“. Die Kosten-Nutzen-Analyse folgt dem einfachen Denkansatz, dass die Summe derVorleistungen durch den später daraus entstehenden Zusatznutzen zu übertreffen ist,damit die Entscheidung gerechtfertigt ist. Dabei werden die zusätzlich entstehenden Kosten (Investitionen, Zusatzkosten) mit dem zusätzlichen Nutzen (zusätzlicher Gewinn, resultierender Produktivitätsgewinn) verglichen. Das Ergebnis sollte positiv sein!
  • 23. Geben Sie die einfache einprägsame Formel für den Operativen Gewinn an und erläutern sie ihre Bedeutung für die Fachbereiche im Unternehmen. Operativer Gewinn = Absatz x (Stückpreis – Stückkosten) Absatz, Stückpreis und Stückkosten sind die drei operativen Stellhebel für den Gewinn.Die drei Größen haben allerdings eine unterschiedliche Fristigkeit. Während manPreise kurz- bis mittelfristig erhöhen kann, lassen sich Stückkosten nur langsam, erstmittel- bis langfristig senken. Im Produktionsumfeld lässt sich im Wesentlichen nur der Stellhebel Produktionskostenbeeinflussen und dies nur mittel- bis langfristig. Daher versuchen Unternehmen imProduktionsumfeld kontinuierlich die Kosten zu minimieren, denn für eine reaktiveVorgehensweise auf negative Marktveränderungen ist hier dieVeränderungsgeschwindigkeit zu gering. Der Vertrieb arbeitet hingegen mit den beiden anderen Stellhebeln, Absatz (verkaufteMenge) und Stückpreis (Verkaufspreis) im kurz- bis mittelfristigen Zeitraum. DieForschung und Entwicklung beeinflusst alle drei Stellhebel, allerdings nur langfristig.Den Absatz und den Stückpreis je nachdem wie wettbewerbsfähig das neue Produktwird und die Stückkosten, wie produktionsgerecht die Produktentwicklung gelungen ist.