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Ausgewählte Themen der Wirtschaftspsychologie und angewandten Sozialpsychologie (Fach) / 9 Einführung in die Finanzpsychologie (Lektion)
Referat von Jessica
Diese Lektion wurde von rosie2903 erstellt.
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- 1 Definition Finanzpsychologie beschäftigt sich mit dem psychischen Erleben und dem Verhalten von Menschen im Zusammenhang mit Finanzentscheidungen vor allem Wahrnehmung und Verarbeitung von Informationen zum Geschehen an den Geldmärkten Ablauf und Einflussgrößen bei Entscheidungsprozessen Verhalten von Menschen in Veränderungsprozessen mit finanziellen Auswirkungen emotionales Erleben aufgrund von Finanzentscheidungen
- 2 Psychologie des Geldes - Einführung Geld zunächst als Schmuckfunktion, Statusfunktion und Signalfunktion Ökonomen definieren Geld als „any generally accepted medium of exchange – anything that will be accepted by virtually anyone in exchange for goods and services“ (Übersetzung: jedes allgemein akzeptierte Tauschmittel - alles, was von praktisch jedem als Gegenleistung für Waren und Dienstleistungen akzeptiert wird)
- 3 Theoretische Ansätze zur Psychologie des Geldes Psychoanalytische Deutung: Geld als symbolische Verlagerung von Exkrementen Entwicklungspsychologische Interpretation: dass Geld auf unterschiedlichen Stufen der frühkindlichen Entwicklung Unterschiedliches bedeutet Lerntheoretische Sicht: Geld als generalisierter Verstärker Austauschtheoretische Position: Geld als Tauschmedium im Rahmen von Interaktionsprozessen
- 4 Geld als generalisierter Verstärker (lerntheoretische Sicht) sekundärer Verstärker, da primäre Verstärker an physiolog. Gegebenheiten geknüpft sind Geld kann alle primären Bedürfnisse wie Hunger, Schutz vor Kälte, soziale Sicherheit, etc. abdecken sowie sekundäre Bedürfnisse tangieren (z.B. Macht, Anerkennung, Erfolg, etc.) Außerdem Erweiterung des Handlungsspielraums: Unabhängigkeit von drohenden Umwelteinflüssen und anderer Menschen -> Umwelt kontrollier- und steuerbar =>Geld attraktiver Anreiz Aber: Sättigungseffekte, wenn Individuum feststellt, dass nur ein begrenzter Kreis von Verstärkern über das Medium Geld zugänglich ist (z.B. nicht Liebe, Respekt, Selbstentfaltung) Menschen schätzen den Wert des Geldes geringer mit zunehmendem Wohlstand/Einkommen/Status Expansionseffekt: Leistung wird an der Messlatte „Geld“ eingestuft -> soziales Vergleichsniveau Intrinsisches Motiv -> Geld wirkt selbstverstärkend und kann suchterregend sein Verlust oder Hergabe von Geld aversiver Stimulus -> abhängig von den kompensierenden Gegenleistungen, aber auch persönlichkeits-, situations-, und geldformabhängig
- 5 Geld als Tauschmedium (austauschtheoretische Position) Neben seiner ökonomischen Bedeutung auch zahlreiche soziale und psychische Funktionen Umkreis dessen, was gekauft werden kann, dehnt sich ständig aus: Sexualität, Sitz im Parlament, Doktortitel, etc. Dennoch Bereiche, die auch durch Geld nicht erreichbar sind: Gefühle, Kompetenz, Gesundheit, Positionsgüter (nicht vermehrbar) In manchen Bereichen scheidet Geld als Tauschmedium aus oder ist unangebracht (z.B. Geldgeschenke werden als ideen- und lieblos empfunden, Bestechung, für einen Gefallen bezahlen, etc.)
- 6 Behavioral Finance Verbindet traditionelle wirtschaftswissenschaftliche Untersuchungsmethoden mit Fachwissen der Psychologie Forschungsergebnisse können helfen, Finanzentscheidungen besser zu verstehen -> erkennen Denk- und Verhaltensmuster von Anlegern „Wer schlauer sein will als der Markt, hat schon verloren. Wem sein irrationales Verhalten bewusst ist, der hat eine Chance.“
- 7 Irrationales Verhalten? Börsengeschehnisse entstehen nicht ausschließlich durch rationales Verhalten (Keynes, 1936) 1979: Prospect Theory (Kahneman & Tversky) Menschen verhalten sich risikofreudiger bei Verlustangst Menschen verhalten sich risikoavers bei positiven Ereignissen Spekulativ orientierte Trader lassen sich bewusst oder unbewusst von ihren Emotionen leiten -> führt zwangsläufig zu Fehlentscheidungen Typisch: Angst, Geld zu verlieren, wenn es schlecht läuft; Gier nach mehr Geld, wenn es gut läuft
- 8 Finanzentscheidungen - Emotionen, Intuition & ratio Bei jeder Entscheidung zieht der homo sapiens Verstand, Eingebung und Gefühl zu Rate Emotionen Verluste lösen stärkere Reaktionen aus als Gewinne gleicher Höhe Positive oder negative Erfahrungen beeinflussen uns mehr als Fakten Hoffnung in Verlustsituationen oder Angst in Gewinnsituationen führen zu irrationalen Handlungen Intuition Inneres Wissen, Erfahrungen und unbewusst verarbeitete Informationen Kompetenz, Eingebungen wahrzunehmen und im Entscheidungsprozess zu nutzen, lässt sich trainieren Ratio Menge, Quelle und Zeitpunkt der Informationsaufnahme beeinflussen Entscheidungen Diese Parameter müssen bewusst gesteuert werden, um erfolgreich zu entscheiden => Drei Phasen der Finanzentscheidung: Informationen sammeln und auswerten, Entscheiden und Handeln, Gewinn- und Verlustmanagement
- 9 Psychologie des Geldanlegens (I) Magisches Dreieck der Anlageentscheidung: Sicherheit (geringes Risiko), Rendite (hohe Verzinsung) und Liquidität (Verfügbarkeit) Erweiterung um einen weiteren Faktor: Bequemlichkeit Finanzielle Situation selbst ist erklärungskräftig -> bestimmt potentielles Anlagevolumen sowie relatives Risiko Hohe Risiken bei entsprechendem „Polster“ oder „wenn man nichts mehr zu verlieren hat“ Risikobereitschaft korreliert mit: hohem Renditestreben, hoher Leistungsmotivation, hoher Risikolust, hohem Involvement, geringer Bequemlichkeit Neigung zum Aktienkauf nimmt in jüngster Zeit zu Vor allem bei Erbengeneration, die mit Erwerb ihres Vermögens wenig „Müheerinnerung“ verbindet, hohe Risikobereitschaft An der Börse sorgen „labile Erwartungshaltungen“ für abrupte Änderungen (z.B. ein plötzlicher Kursverfall) --> chaostheorische Erscheinungsformen bestimmen das Geschehen an der Börse Kaum greifbare Gesetzmäßigkeit da Börsenspekulationen selten Reaktionen auf „fundamentals“ sind Fundamentals: harte Wirtschaftsdaten, tatsächlicher Konjunkturverlauf, objektives Potenzial, etc.
- 10 Psychologie des Geldanlegens (II) Verhaltenstendenzen, die die Börse beeinflussen Verfügbarkeitsheuristik: Anleger A wird sich beispielsweise für Firma A entscheiden, weil er darüber gerade einen Bericht gelesen hat Deutsche Anleger investieren überwiegend in deutsche Unternehmen (home bias) Verankerungsheuristik: Anleger orientieren sich oft an einem Anker (z.B. DAX, Kurs beim Kauf, Einschätzung durch Analysten), sodass auch wichtige neue Informationen von dem Anker beeinflusst werden Kognitive Schemata: Reduzieren Informationsverarbeitung auf recht einfache schematische Orientierungshilfen (z.B. „Oktober ist ein Crash-Monat“; bevorzugen Aktien aufgrund populären Namenszusatzes) Dissonanzreduktion: Wunsch danach größer je mehr Commitment in die Entscheidung geflossen ist Besonders dann, wenn lange über Entscheidung nachgedacht, ohne sozialen Druck entschieden und sich aufwendig engagiert wurde Dissonanz = Verluste, die dem Wunsch nach Erwirtschaftung von Gewinnen widersprechen Das Individuum nimmt nur noch selektiv Informationen wahr, die für das Engagement positiv sind Halten an ihrem Verlustengagement irrational lange fest -> Dispositionseffekt Überschätzung kognitiver Kontrolle: Überschätzung der eigenen Prognosefähigkeit, obwohl Wissen, dass Ergebnis nur zufallswahrscheinlich auftritt Kontroll-Illusion: Wenn Anleger richtig liegt, wird dies eigener Voraussicht, Weisheit, Erfahrung zugeschrieben Wenn Anleger falsch liegt wird es auf externe Gründe geschoben
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- 11 Psychologie des Geldanlegens (III) Phasentheorie (Shefrin, 2000) Neue Information, spiegelt sich aufgrund der Verfügbarkeits- und Verankerungsheuristik noch nicht im Kurs wider (Unter-Reaktion) Analysten halten aus dissonanztheoretischer Sicht an ihren alten Prognosen und Entwicklungen fest Nach Erreichen eines Schwellenwertes fundamentale Bedeutung der Information Neuentstandene Erwartungen beeinflussen das Wahrnehmungsgeschehen Führt zu trendförderlichen Handlungen: neutrale oder multivalente Informationen werden durch Wahrnehmungsverzerrung dem neuen Schema angepasst Überreaktion
- 10 Exkurs "Nudging" Konzept entwickelt von Richard Thaler und Cass Sunstein To nudge = anstoßen, schubsen Kluge Entscheidungen sollen durchs „Nudges“ angestoßen werden Thaler & Sunstein: „Unter Nudge verstehen wir […] alle Maßnahmen, mit denen Entscheidungsarchitekten das Verhalten von Menschen in vorhersagbarer Weise verändern können, ohne irgendwelche Optionen auszuschließen oder wirtschaftliche Anreize stark zu verändern.“ „Nudges“ – Wie? Weg des geringsten Widerstandes gehen, um damit die Trägheit der Menschen zu nutzen Fehler müssen eingeplant und vermieden werden, um so die Frustrationstoleranz der Menschen nicht zu stark zu strapazieren Authentisches Feedback ist wichtig, um den Menschen nach ihrer Entscheidung Selbstwirksamkeit zu suggerieren Menschen einen Ausblick auf das zu erwartende Ergebnis geben Reduktion von Komplexität Bestehende Anreize im Blick behalten „Nudges“ – Beispiele Gesundes Essen in der Kantine ganz nach vorne stellen -> Handlungsanstoß das gesunde Gericht zu wählen Arbeitgeber überweist einen Teil des Gehalts direkt aufs Sparkonto -> Handlungsanstoß mehr zu sparen Aufkleber in Form einer Stubenfliege im Urinal anbringen -> Handlungsanstoß die Fliege treffen zu wollen und weniger daneben urinieren Kritik: Verhaltensmanipulation? Liberaler Paternalismus: Freiheit und Bevormundung sollen kein Gegensatz sein Menschen nicht altruistisch, eigener Vorteil wichtiger als „beste“ Handlungsoption anzustoßen Organspende: Wer nicht nein sagt, sagt ja -> Handlungsanstoß einen Widerspruch einzulegen – oder lieber zu helfen! Gute und schlechte „Nudges“: Gute Nudges, wenn Handlungsalternativen gegeben werden -> freie Entscheidung dem Nudge zu folgen oder nicht! Schlechte Nudges, wenn keine Handlungsalternativen gegeben werden Beispiel: Ungesunde Lebensmittel auf Augenhöhe an der Supermarktkasse Gut: Gesunde Alternativen (Früchte) befinden sich ebenfalls im selben Regal Handlung kann frei gewählt werden Schlecht: Nur die Süßigkeiten befinden sich an der Kasse -> keine Handlungsalternative