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Ausgewählte Themen der Wirtschaftspsychologie und angewandten Sozialpsychologie (Fach) / 8 Psychologie der Überkompensation (Lektion)

Artikel: What money can't buy: The psychological of financial overcompensation (Haesevoets, Van Hiel, Reinders Folmer & De Cremer, 2014)

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  • 1 Einführung & Forschungsfrage Einführung: Gleichwertige Kompensation = (finanzielle) Entschädigung entspricht exakt dem verursachten Schaden Überkompensation = (finazielle) Entschädigung ist größer als der verursachte Schaden Forschungsfrage: Ist Überkompensation nach einem finanziellen Schaden effektiver, gleich effektiv oder weniger effektiv als gleichwertige Kompensation, um positive Outcomes zu erreichen? Was wird unter positiven Outcomes verstanden? => Zufriedenheit des Geschädigten, positive Wahrnehmung der Situation, Vertrauen und Intention zu Kooperation in zukünftigen Situationen Konflikt zwischen ökonomischer und psychologischer Perspektive der Überkompensation wird betrachtet (Profit vs. Fairness) Ökonomische vs. Psychologische Perspektive: Ökonomisch: Homo oeconomicus Ziel entspricht v.a. Gewinnmaximierung Je größer die (Über)Kompensation, desto besser Psychologisch: Verhalten wird auch von nicht-materiellen Interessen beeinflusst Ist das Ergebnis fair und steht im Verhältnis zu dem Schaden? Überkompensation = unfaire Verteilung von Ressourcen -> führt demnach nicht zu mehr Zufriedenheit und Vertrauen des Geschädigten gegenüber dem Schädiger
  • 2 Fragebogenstudie Ziel / Fokus: Überprüfen, welche Attributionen einer finanziellen Kompensation zugrunde liegen (Was denken die Probanden?) Szenario: Eine anonyme Person verursacht bei einer weiteren anonymen Person einen finanziellen Schaden von 50 € Bedingungen: Gleichwertige Kompensation (Schädiger erstattet Person 50 €) vs. Überkompensation (Schädiger erstattet Person 500 €) -> Attributionen wurden mit offenen Fragen erhoben: „Why do you think this person paid 50 € / 500 € if / while this damage equals 50 €? -> Meist genannte Antworten wurden zu Attributionskategorien zusammengefasst
  • 3 Szenariostudie Ziel / Fokus: Wie werden Schädiger wahrgenommen? Mit welchem Ausmaß liegen die Attributionen einer finanziellen Kompensation zugrunde? Szenario: vgl. Studie 1 Bedingungen: vgl. Studie 1 => Attributionen, die einer Kompensation zugrunde liegen: Signifikanter Unterschied zwischen den Bedingungen (gleichwertige Kompensation vs. Überkompensation) nur für Komponente moralische Orientierung => Wahrnehmung des Schädigers: Person, welche gleichwertige Kompensation anbietet, wird als sympathischer/positiver wahrgenommen
  • 4 Szenariostudie Ziel / Fokus: Verändern sich die Ergebnisse, wenn sich das Szenario auf den Probanden statt auf anonyme Personen bezieht? Szenario: Ein Kommilitone verschüttet während einer Vorlesung Cola über dein neues Buch im Wert von 10 € Bedingungen: Gleichwertige Kompensation (Schädiger erstattet dir das Buch im Wert von 10 €) vs. Überkompensation (Schädiger erstattet dir 100 €) => Attributionskategorie moralische Orientierung: Signifikant mehr Probanden der Gruppe gleichwertige Kompensation denken, dass moralische Haltung Verhalten zugrunde liegt; Schädiger, der Überkompensation anbietet, wird als weniger moralisch orientiert wahrgenommen => Intention dem Schädiger zu Vertrauen: Nach gleichwertiger Kompensation, höhere Intention dem Schädiger zu vertrauen  => Manipulationsprüfung: Probanden der Gruppe Überkompensation gaben häufiger an, dass die Kompensation größer war als der Schaden
  • 5 Laborexperiment Ziel / Unterschiede zu vorher beschriebenen Studien: reale Konsequenzen für die Probanden (Bezahlung) Betrachtung von moderaten Formen der Überkompensation und einer Kontrollbedingung (keine Kompensation) Unterscheidung von affektivem (Wert der emotionalen Beziehung, durch Gefühle geleitet) und kognitivem Vertrauen (Vorteile der Beziehung, basierend auf Fakten) Bedingungen: Keine Kompensation vs. gleichwertige Kompensation vs. geringe Überkompensation vs. große Überkompensation Ablauf: Proband nimmt an einer Entscheidungsaufgabe teil und erhält ein Startbudget von 20 €. Proband erhält die Information, dass er am Ende der Aufgabe in Abhängigkeit seines Gewinns während der Aufgabe bezahlt wird. Spieler 2 wird immer simuliert. Beide Spieler müssen 5 € des Startbudgets abgeben. Daraufhin hat der andere Spieler die Aufgabe das gemeinsame Budget (10 €) aufzuteilen, worauf der Proband keinen Einfluss hat. -> Aufteilung des 2. Spielers: Proband bekommt 2 €, Spieler 2 bekommt 8 € Proband kann eine Nachricht an den anderen Spieler senden: Zufrieden mit der Aufteilung oder nicht? Je nach Bedingung erhielten die Probanden Geld vom Spieler 2 zurück oder nicht: -> keine Kompensation – kein Geld von Spieler 2 -> gleichwertige Kompensation – 3 € von Spieler 2  -> geringe Überkompensation – 7 € von Spieler 2 -> starke Überkompensation – 17 € von Spieler 2 Wichtigste Ergebnisse: -> Manipulationsprüfung -> Effektivität finanzieller Überkompensation 1) Kontrast gleichwertige Kompensation vs. geringe Überkompensation: Probanden der Gruppe gleichwertige Kompensation… …sind zufriedener mit der Aufteilung. …nehmen diese als fairer wahr. …denken, dass dem Verhalten des Schädigers eine moralische Haltung zugrunde liegt. …nehmen den Schädiger positiver wahr. …vertrauen dem Schädiger mehr. Keine Unterschiede für die Intention, die Beziehung aufrechtzuerhalten und die spätere Kooperation. 2) Kontrast geringe vs. starke Überkompensation: Geringe Überkompensation wird als fairer wahrgenommen und mit höherer Wahrscheinlichkeit auf moralische Orientierung des Schädigers zurückgeführt. 3) Keine Kompensation vs. alle Formen der Kompensation: Keine Kompensation wird in allen genannten Punkten negativer wahrgenommen, als die anderen Formen der Kompensation.
  • 6 Zusammenfassung der Ergebnisse Bereits geringe Überkompensation erzeugt negative Outcomes -> Attribution mit geringem Level moralischer Orientierung -> Schädiger wird weniger sympathisch, positiv und vertrauenswürdig wahrgenommen Überkompensation erzeugt keine negativen Outcomes bezüglich  -> Aufrechterhaltung der Beziehung -> Späterer Kooperation
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