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ÜFR - Sprache und Kommunikation im rehabilitationspädagogischen Kontext (Fach) / Sprachentwicklungsstörungen (Lektion)
Grundlagen der Sprachentwicklungsstörungen
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- Was sind Sprachentwicklungsstörungen? Abweichen vom „normalen“ (mit individueller Schwankungsbreite) Spracherwerb Abgrenzung schwierig Unterscheidung Verzögerung (SEV)/Störung (SES) nicht hinreichend, heute SES
- Was sind die Ursachen für Sprachentwicklungsstörungen? soziokulturell: veränderte Bedeutung von Sprache als Kommunikationsmittel gesellschaftliche Normen und Wertvorstellungen eingeschränkte Sprachanregungen Mehrsprachigkeit erblich: familiäre Sprachschwächeveranlagung vererbare Krankheiten organisch (peripher oder zentral): Fehlbildung der Sprechwerkzeuge Hörstörungen, Sinnesstörungen neurologische Störungen psychisch: Störungen der Familieninteraktion neurotische Fehlentwicklung Erziehungsunsicherheiten
- Welche verschiedenen Arten von Sprachentwicklungsstörungen gibt es? Störungen der Sprachentwicklung = Kommunikationsstörung Störungen des Sprechens und der Sprache: eingeschränkter Wortschatz (aktiv/passiv) → SES im Rahmen von primären Störungsbildern, Spezifische SES Aussprachestörung (Dyslalie) → siehe oben Dysgrammatismus → siehe oben Störungen des Sprechablaufs (Redeflussstörung) Stottern (Balbuties) Poltern Störungen der Stimme und des Stimmklangs: Stimmstörungen (kindliche Dysphonien) Rhinophonien (aperta = offen oder clausa = geschlossen)
- Was ist eine spezifische Sprachentwicklungsstörung? SSES: wenn SES nicht im Zusammenhang mit anderen Beeinträchtigungen auftritt, Störung bezieht sich also "spezifisch" auf Sprache Ausschluss von: sensorischen Schädigungen (Hör- und Sehschädigungen) schwerwiegenden neurologischen Schädigungen emotionalen Schädigungen kognitive Schädigungen (geistige Behinderung) Störungen können isoliert übergreifend synchron oder übergreifend asynchron auftreten
- Was ist eine SES im Rahmen von primären Störungsbildern? SES als „eingebettete“ Störung, z.B. bei: Hörstörungen zentral ‐ auditiven Verarbeitungsstörungen Sehstörungen (Blindheit) geistiger Behinderung genetischen Syndromen (z.B. Down ‐ Syndrom, Fragiles X ‐ Syndrom, Williams‐ Beuren‐ Syndrom usw.) Mutismus Autismus fötales Alkohol‐ Syndrom erworbene Störungen (kindl. Aphasien) usw.
- Wie äußern sich Störungen des Wortschatzes? Late Talker = 24 Monate: produktiver Wortschatz < 50 Wörter und/oder keine Wortkombinationen ca 18% der Gesamtpopulation Late Bloomer = Aufholen bis 36 Monate: ca. 35-50% der Late Talker → weiterhin unauffällige Entwicklung oder "illusory recovery" Probleme ab Schulalter spezifische Sprachentwicklungsstörung = kein Aufholen bis 36 Monate: spezifische SES, persistierende Probleme → sprachl. Leistungen, Lesen, Schreiben, Sozialverhalten
- Wie äußern sich Störungen der Grammatik? beinhaltet syntaktische und/oder morphologische Anteile, häufig parallel zu phonologischen Störungen Schweregradeinteilung veraltet, heute eher Beschreibung der Leitsymptomatik Leitsymptome: Verbendstellung (flektiert/unflektiert), Ausbleiben der Verbzweitstellung starre verkürzt wirkende Satzstruktur (SPO), Kind produziert keine Fragen, keine Nebensätze morphologische Auffälligkeiten (Kasus, Numerus, Tempus) mit zunehmenden Alter treten morphologische Probleme in den Vordergrund
- Nach welchen Kriterien unterscheidet man Artikulationsstörungen? Unterscheidung: quantitativ (partiell → 2-3 Laute, multiple → 4-6 Laute, universelle → mehr als 6 Laute, Konsonantenverbindungen werden verstammelt, besteht überwiegend aus Vokalen, auch Vokalsprache genannt, schwer verständlich) qualitativ (Sigmatismus, Kappazismus, Rotazismus usw.) Konstanz/Konsequenz der Störung Unterscheidung mit Auswirkung auf die Art der Förderung: phonetische/phonologische Störung
- Was ist Stottern? Nicht gestotterte Sprechunflüssigkeiten (können situativvorübergehend bei jedem Sprecher auftreten): Unflüssigkeiten zwischen den Wörtern kurze Wiederholungen von ein und mehrsilbigen Wörtern Wiederholungen ganzer Phrasen und Äußerungen mit Umstellungen und Korrekturen Dehnungen nur kurz Pausen an Phrasengrenzen, nicht im Wort treten gehäuft im Alter von 2,5 – 5 Jahre auf Dauer: nicht länger als 6 Monate keine Begleitsymptomatik Gestotterte Sprechunflüssigkeiten: Unflüssigkeiten im Wort Wiederholungen von Silben und Lauten evtl. mit /ə/‐Einfügung Dehnungen länger als 1 Sekunde Pausen auch im Wort (Blockierungen) (verbunden mit körperlicher Anspannung) Anspannung im Gesicht, Redeanstrengung und grobmotorische Mitbewegungen bis hin zur motorischen Fixierung Verdeckte Symptome, Vermeidungsstrategien
- Welche Symptome treten beim Poltern auf? Symptome: Hinzufügen von Lauten Umstellen von Lauten im Wort Erhöhte Sprechgeschwindigkeit Beschleunigung der Sprechgeschwindigkeit innerhalb von Wörtern Einschübe, Flickwörter, Floskeln
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- Was sind Rhinophonien/Rhinolalia? Rhinophonien/Rhinolalia (das Näseln) ist eine Stimm‐ und/oder Sprechstörung aufgrund einer gestörten Resonanz man unterscheidet: offenes Näseln (Rhinophonia/Rhinolalia aperta) geschlossenes Näseln (Rhinophonia/Rhinolalia clausa) gemischtes Näseln (Rhinophonia/Rhinolalia mixta) Konsonanten /m/, /n/,/ƞ/ = Nasale (kein Abschluss des Nasenrachenraumes, Luft strömt durch die Nase aus) offenes Näseln = übermäßige Ausbildung nasaler Klanganteile beim Sprechen. Häufigste Ursache: offene oder submuköse Gaumenspalte. geschlossenen Näseln = Nasennebenhöhlen oder der Nasenrachenrachen verengt oder komplett verschlossen, dumpf klingenden Stimme. Häufig bei Nasenpolypen
- Was sind Stimmstörungen (kindliche Dysphonien)? Störungen der Stimme sind gekennzeichnet durch Heiserkeiten und mangelnde stimmliche Leistungsfähigkeit Unterscheidung: hyperfunktionelle Dysphonie (zu viel Spannung) hypofunktionelle Dysphonie (zu wenig Spannung, verbunden mit unvollständigem Glottisschluss)
- Nenne zusammenfassende Aspekte von Sprachentwicklungsstörungen. Störungen der Sprachentwicklung vielfältig in allen Bereichen möglich (isoliert/kombiniert) wichtig ist die Abgrenzung zur normalen (aber individuell unterschiedlichen) Sprachentwicklung frühe Abklärung! (frühe Förderung soll aufbauende Störungen/Fixierungen vermeiden)
- Was ist der Unterschied zwischen einer Sprach- und Sprechstörung? Sprachstörung: Störung der gedanklichen Erzeugung von Sprache Sprachentwicklung und -verständnis nich altersgerecht Sprechstörung: Unfähigkeit Sprachlaute korrekt und flüssig zu artikulieren Redefluss, Lautbildung und Aussprache oft gestört
- Was ist der Unterschied zwischen einer Artikulationsstörung und Redeflussstörung? Artikulationsstörungen: einzelne Laute oder Lautverbindungen werden nicht korrekt ausgesprochen Redeflussstörungen: Störung des Sprechens Unterbrechungen des Sprechablaufs, Pausen, Wiederholungen und Einschübe
- Wie kann man Kinder mit einer Sprachentwicklungsstörung fördern? Enge Zusammenarbeit mit Logopäde/Sprachtherapeut Vordergrund: was Kind sagen will und nicht wie → Sprechweise des Kindes so akzeptieren Kind aussprechen lassen und sich dafür Zeit nehmen (schwierig im Unterricht) Blickkontakt halten Ruhige gelassene Atmosphäre schaffen Gezieltes Nachfragen Kein Verstehen vortäuschen Zum Thema zurückführen Spiele zur Konzentrationsförderung Verse, Lieder, Sprüche lernen Achten auf... die eigene Aussprache Blickkontakt beim Sprechen länger andauernde Erkältungskrankheiten Aufjedenfall vermeiden... Auslachen Schimpfen die Kinder in der Gruppe auffordern, Wörter richtig nachzusprechen → Stärkung der Mundmotorik z.B. durch "Sprechspiele"
- Warum sollte man Kinder nicht ständig korrigieren? weil sie die Lust am Sprechen verlieren könnten Modellieren statt Korrigieren Zielstruktur möglichst häufig anbieten Sprechfreude des Kindes fördern, das heißt, das Kind zum Sprechen bringen