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Entwicklungspsychologie WiSe 17/18 (Fach) / 5. Vorlesung (Körperliche Entwicklung - Säugling bis Kleinkind) (Lektion)

5. Vorlesung (Körperliche Entwicklung - Säugling bis Kleinkind)

Diese Lektion wurde von friedrich_abc erstellt.

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  • Körperliche Entwicklung: Kurzform Starkes Wachstum, gerade am Anfang Sehr großer Kopf (als Embryo 2/3 des Körper), Proportionen passen sich an Wachstum in Schüben Ethnische Unterschiede (bspw. Asiaten kleiner) Größe ≠ Entwicklungsstand >> ablesbar am Knorpelgewebe
  • Cephalocaudale Wachstumsrichtung Proximodistale Wachstumsrichtung Principle of hierarchical integration Principle of the independence of systems Cephalocaudale Wachstumsrichtung: "von Kopf zu Steiß" >> vor der Geburt entwickelt sich der Kopf in der pränatalen Phase schneller als der Rumpf Proximodistale Wachstumsrichtung: von "nah nach fern" >> im Prinzip vom Inneren nach Außen gewachsen, zuerst Arme dann Hände Principle of hierarchical integration: Greifen möglich erst wenn die Kontrolle über Finger erlangt ist und die Bewegungen integriert werden können >> erst basale Strukturen Principle of the independence of systems: unterschiedliche Entwicklungstrajektorien für unterschiedliche Systeme/Funktionen; unterschiedliche Bereiche entwickeln sich unterschiedlich schnell in unterschiedlichen Kurven/Intervallen
  • Wachstum des Gehirns Synaptic Pruning Gebrt: 100-200 Milliarden Neurone, wenig Synapsen In den ersten zwei Jahren: Wachstum der Nervenfasern und Synapsen, Zunahme der Gehirngröße bei Neugeborenen (30% des Gehirns eines Erwachsenen/70% gegen Ende des zweiten Lebensjahres) Wachstum von Nervenfasern (Dendriten) Myelinisierung (schnellere und effizientere Informationsübertragung) Synaptic Pruning (Synapsenausdünnung): Neurone, die nur selten stimuliert werden, verlieren ihre Synapsen; die Neuronen, die nicht benötigt werden, werden in einen "nicht festgelegten Zustand" versetzt
  • Wachstum: Kortex Kortex Hintere Gehirnbereiche: sensorische Reizwahrnehmung >> legen früher an Masse zu Back-to-front: Synapsenverbindungen vor allem von hinten nach vorne: okzipitale Gehirnareale >> frontale Gehirnareale >> präfrontale Gehirnareale Die Abfolge, in der sich kortikale Areale entwickeln, korreliert mit der Reihenfolge, mit der bestimmte Fähigkeiten entwickelt werden
  • Lateralisierung zwei Hemisphären (Hirnhälften) unterscheiden sich in ihrer Funktion Erhöht Effizienz vom Gehirn (gleichzeitige Verarbeitung verschiedener Aspekte Linke Gehirnhälfte: die sequentielle (part-based or analytic) Informationsverarbeitung >> Sprache, logisches Denken, positive Emotionen, Freude Rechte Gehirnhälfte: ganzheitliche Informationsverarbeitung >> räumliches Denken, Musikalität, negative Emotionen, Verzweiflung Linkshänder: stärkere Verbindungen zwischen beiden Gehirnhälften Warum Lateralisierung? Genetisch vererbt, mehr zufällig
  • Entwicklung des Gehirns und die Umwelteinflüsse Sensible Phasen: Kurze Entwicklungsfenster, in welchen besonders leicht neue Hirnschaltkreise entstehen >> Gehirn besonders leicht formbar durch Umwelteinflüsse (Beispiel: Opfer extremer früher Vernachlässigung (early deprivation)) >> Heimkinder: Kognitive Leistung lässt nach (schlechte Umwelteinflüsse)
  • Plastizität Der Umbau neuronaler Strukturen in Abhängigkeit ihrer Verwendung >> Gehirn kann sowohl durch Lernprozesse als auch durch Beschädigungen deutlich verändert werden Umbaufähigkeit verändert (verschlechtert) sich mit dem Alter Erfahrungsabhängige Gehirnreifung: Wachstum und Reifund bereit vorhandener Gehirnstrukturen aufgrund spezifischer Lernerfahrung
  • Schlaf: Zirkadianer Rhythmus, REM-Schlaf Zirkadianer Rhythmus: Der Tagesrhythmus verändert sich stark in den ersten zwei Lebensjahren Aktivierungszustände: Grad der Reaktivität auf äußere und innere Stimulation, Änderung der elektrischen Aktivität des Gehirns, ab 3. Monat regelmäßiger Schlaf: 16-17 Stunden am Anfang, qualitiativ anders als Schlaf bei Erwachsenen, 2-Stunden-Schlaf mit wachen Phasen dazwischen REM-Schlaf Unruhiger, unregelmäßiger, aktiver (um sich selbst zu stimulieren) Schlaf >> 20% des Schlafes bei Erwachsenen, 50% bei Säuglingen Säuglinge träumen eher nicht 
  • Plötzlicher Kindstod (sudden infant death syndrome) Häufigste Todesursache von Kleinkindern unter einem Jahr Risikofaktoren: Geschlecht (Jungen stärker betrofen - 60%) Niedriges Geburtsgewicht Niedrige APGAR scores Passivrauchen während der Schwangerschaft und nach der Geburt Schlafen in Bauchlage (>> Back-to-sleepp-guidelines) Ursachen? Blutzufuhr im Hirnstamm abgeklemmt (Schlafen in Bauchlage) >> Ursachen aber eher unklar
  • Reflexe Genetisch determiniert Universal Bedeutung: Überleben, soziale Funktionen Diagnostik: Bei U1 und U2 Untersuchung getestet, weil sehr wichtig >> Verschwinden bis 6. Lebensmonat: weil manche Lernprozesse verhindert wären (z.B. Greifreflex - bewusst nach etwas greifen) Suchen (Wange am Mundwinkel streicheln, Kopf dreht sich zur Stimulierung hin >> Brustwarze finden (ab 3 Wochen)); Saugen (wenn Finger im Mund); Moro Umklammerung (Bei "Fallen lassen" macht Säugling umarmende Bewegung); Greifen (Bei Finger in die Hand); Tonischer Hals; Schreiten (Wenn Säugling festgehalten wird und mit Beinen auf dem Boden "steht")
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  • Motorische Entwicklung >> Feinmotorik 12,3 Monate: Können laufen 16,6 Monate: Können Treppensteigen Feinmotorik 1-4 Monate: Spielt mit den eigenen Fingern oder betrachtet sie 2-5 Monate: Objekt ergreifen, das hingehalten wird 5-7 Monate: Greifen nach Objekt außer Reichweite 5-9 Monate: Objekt zwischen beiden Händen transferieren 6-10 Monate: Pinzettengriff
  • Dynamische Systemtheorie Ernährung im Säuglingsalter Dynamische Systemtheorie: Motorische Entwicklung erfolgt nicht im Vakuum: Koordination zwischen Muskeln, Wahrnehmung, Kognition und Motivation; Motivation zur Exploration besonders wichtig Ernährung im Säuglingsalter Wichtig für körperliches Wachstum, aber auch kognitive und soziale Entwicklung Individuelle Unterschiede im Wachstum, Metabolismus (Stoffwechsel), Aktivitätslevel - gute Selbstregulation
  • Die nichtorganisch bedingte körperliche Entwicklungsstörung Folgen von Malnatrution (Mangelernährung) Die nichtorganisch bedingte körperliche Entwicklungsstörung Mangeldne Aufmerksamkeit und Stimulation Unterentwicklung, Antriebslosigkeit, Apathie Folgen von Malnatrution Abhängig von Ausmaß und Dauer des Nährstoffmangels Leichte Mangelernährung: bspw. Schwäche, Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Antriebsarmut Anhaltende Mangelernährung: starke körperliche Beeinträchtigungen,Störungen wichtiger Organe
  • Gesichtswahrnehmung Entwickelt sich im 1. Lebensjahr (genauso wie Tiefenwahrnehmung) Spezialisierung durch Erfahrung Kulturelle Unterschiede: keine Erfahrung bspw. mit asiatischen Gesichtern >> schwer auseinanderzuhalten, dasselbe bei bspw. Affengesichtern >> Bsp.: Schafe + Schäfer (erkennt seine Schafe wieder wegen Erfahrung) Visuell: Gesichter Auditiv: Vokalisationen
  • Tiefenwahrnehmung Entwickelt sich im 1. Lebensjahr - binokulares Sehen ab ca. 14 Wochen >> Binokulares Sehen: sensorische + motorische Aspekte des gemeinsamen Sehens beider Augen >> kommt räumlichen Sehen zugute, benötigt zusätzliche sensorische und motorische Fähigkeiten Schub, wenn man anfängt zu krabbeln Tiefenwahrnehmung "Visual Cliff" - die visuelle Klippe (Gibson & Walk, 1960)
  • Intermodale Wahrnehmung Die Fähigkeit, Wahrnehmungen aus verschiedenen Modalitäten miteinander zu kombinieren (z.B. den Seh- und Tastsinn) Wohl angeboren: Bereits Säuglinge können verschiedene Sinneseindrücke miteinander in Verbindung bringen (intermodale Integration und "intermodal matching") Meltzoff & Borton, 1979: Sehen und Fühlen: 4 Wochen alte Säuglinge betrachten den Schuller (genoppt vs. glatt, an dem sie vorher gesaugt haben)