Grundlagen des Zweitspracherwerbs

Diese Lektion wurde von Chizuru erstellt.

Lektion lernen

Diese Lektion ist leider nicht zum lernen freigegeben.

Anzeige
  • Definiere den Begriff "Mehrsprachigkeit". „Zwei‐ oder Mehrsprachigkeit ist die wahlweise Verwendung von zwei oder mehr Sprachen durch eine Person“ „Unter Zweisprachigkeit ist die Zugehörigkeit eines Menschen zu zwei Sprachgemeinschaften zu verstehen, in dem Grade, dass Zweifel darüber bestehen können, zu welcher der beiden Sprachen das Verhältnis enger ist oder welche als Muttersprache zu bezeichnen ist oder mit größerer Leichtigkeit gehandhabt wird oder in welcher man denkt.“
  • Was sind die Gründe für Mehrsprachigkeit? politisch (sprachliche Minderheit – z.B. in Grenzgebieten‐ wird an sprachliche Mehrheit „angeschlossen“), sozio‐ ökonomisch (Leben und Arbeiten in einem fremdsprachigen Land), persönlich Personen, die zwei‐ oder mehrsprachig aufwachsen, sind eher die Regel als die Ausnahme (weltweit sprechen die Menschen meist mehrere Sprachen)
  • Nenne die verschiedenen Formen des Zweitspracherwerbs. simultaner Erwerb zweier Sprachen (von Geburt an) sukzessiver Erwerb zweier Sprachen (Erstsprache) einigermaßen etabliert, also nach dem 2./3. Lebensjahr) Spracherwerb im Erwachsenenalter natürliche Mehrsprachigkeit (durch alltäglicher Umgang mit muttersprachlichen Personen) gesteuerte Mehrsprachigkeit (durch schulischen Unterricht) häufig Mischformen (bei Kindern mit Migrationshintergrund)
  • Nenne die besonderen Merkmale bei Mehrsprachigkeit. Interferenzen (Überlagerungen von Elementen, Regeln und Strukturen beider Sprachen) Code‐ Switching (wechseln von einer Sprache in die andere) Code‐ Mixing (Sprachmischung) Sprachmixing und code switching kann auch als Fähigkeit interpretiert werden, unproblematisch zwischen den Sprachen zu wechseln
  • Wann liegt eine Sprachstörung bei mehrsprachigen Kindern vor? wenn jede Abweichung vom monolingualen Standard als Sprachstörung betrachtet wird, wären Sprachstörungen häufig ABER: Sprachstörungen nur, wenn es in beiden (allen) Sprachen Probleme gibt
  • Ist Mehrsprachigkeit eine Chance oder Gefahr für die kindliche Entwicklung? widersprüchliche Ergebnisse, dementsprechend kann nicht allgemein behauptet werden, dass sich bilinguale Erziehung nur positiv oder nur negativ auswirkt
  • Wie verläuft die Sprachentwicklung bei mehrsprachigen Kindern? häufig sprechen mehrsprachig aufwachsende Kinder die ersten Wörter ein paar Monate später (12‐14. Monat erste Wörter) mit ca. 18 Monaten Vokabelsprint später, erste 50 Wörter erst mit 24 Monaten oder später Abweichungen in Satzstrukturen länger Erwerb der Satzklammer später bei mehrsprachigen Kindern entwickelt sich mindestens eine ihrer Sprachen in fast dergleichen Zeit wie bei einsprachigen Kindern Sprache mit dem größten Sprachangebot entwickelt sich schneller
  • Wann treten Sprachstörungen bei mehrsprachigen Kindern auf? Sprachstörung tritt auch bei mehrsprachigen Kindern – wie bei monolingualen Kindern – nur dann auf, wenn eine Reihe von Belastungsfaktoren zusammen kommen z.B. Verzögerung der Gesamtentwicklung bzw. bestimmter Bereiche wie hören, sehen usw.; Minderung der akustischen Differenzierungsfähigkeit, Verarmung des sprachlichen Angebots usw. diese Probleme können sich intensiver auswirken, als bei monolingualen Kindern Diagnostik ist schwieriger, als bei einsprachigen Kindern Therapieerfolge geringer (warum? Nicht geklärt) evtl. Probleme intensiver, wenig Material für mehrsprachige Kinder, sprachtherapeutische Interventionen einsprachig ohne Rücksicht auf die Erstsprache
  • Welche Probleme treten bei der Diagnostik auf? Erhebungsinstrumente immer nur einsprachig, d.h. man kann nicht das gesamte Sprachniveau interpretieren) Lebenswirklichkeit hat keinen Einfluss (sprachliche Anregung in der jeweiligen Sprache) Zusammenhang Mehrsprachigkeit und defizitäre kognitive Entwicklung vor allem im Zusammenhang mit schlechterem Sprachprestige (sich selbst erfüllende Prophezeihungen) überwiegend aus Schriftsprachkompetenz abgeleitet, Schriftsprache ist nur ein Teil der Sprachkompetenz (und fraglich, wie wichtig sie für die jeweilige Person ist) Diagnostik des Sprachstandes in der jeweiligen Erst‐ und Zweitsprache! es fehlen geeignete Instrumente und Diagnostiker mit entsprechendem Wissen in beiden Sprachen (nicht nur Abweichungen von der „Erwachsenensprache“ erkennen, sondern eventuell sprachentwicklungsbedingte Abweichungen berücksichtigen) Berücksichtigung des Einflusses der dominanten Sprache Berücksichtigung des sprachlichen Umfelds die Frage, wie viel Input ein Kind benötigt, um seine Sprachen altersgemäß erwerben zu können, ist wissenschaftlich bisher nicht geklärt
  • Welches Wissen über die Sprachstruktur der Herkunftssprache sollte man besitzen? Welche Laute gibt es in der Herkunftssprache nicht, welche Laute der Herkunftssprache gibt es im Deutschen nicht, wie sind Silben aufgebaut, wo werden Wörter betont, haben Tonhöhen eine bedeutungsunterscheidende Funktion Wie werden Wörter gebildet: Zusammensetzungen (Haustür) oder durch Wortgruppen (Tür des Hauses), gibt es Artikel, stehen sie vor oder nach dem Nomen Wie sind die Sätze aufgebaut (SPO – romanische Sprachen und Deutsch; SOP – Türkisch, Persisch; PSO – arabisch)
  • Anzeige
  • Welche Faktoren sind wichtig für eine gelungene Mehrsprachigkeit? Sprachkompetenz ABER AUCH: kulturelle und emotionale Faktoren soziokulturelle Bedingungen: soziale Schicht! sozioökonomischer Status der Familie Kultur, die die jeweilige Sprache repräsentiert und Beziehung, die zwischen den Kulturen besteht, ist für die kindliche Entwicklung ebenfalls entscheidend, (=Sprachpestige)?
  • Wie kann man Mehrsprachigkeit unterstützen? positive Einstellung zur Mehrsprachigkeit entwickeln so viel wie möglich sprechen (alles entsprechend einsprachige Sprachentwicklungsförderung); eine Person – eine Sprache: scheint sich günstig auszuwirken, native speaker mit „richtigem Sprachvorbild“, genügend Kontakte in Umgebungssprache Sprachmischungen vermeiden (konsequent in einer Sprache bleiben hilft dem Kind beim Spracherwerb), jede Sprache mit möglichst gleicher Zuwendung, aber auch mit Gründlichkeit nahe bringen
  • Nenne wichtige Aspekte der Sprachförderung. vordringlich Aufgabe des Kindergartens! vor Förderung Erhebung des Erwerbshintergrund und des aktuellen Sprachstandes zielorientierte sprachliche Förderung (mehrere Ziele parallel sind möglich) sprachliche Ziele orientieren sich am aktuellen Sprachstand und an der Zone der nächsten Entwicklung Umsetzung entwicklungsproximal (hochfrequent und konsequent) praktische Umsetzung sollte von einem Zutrauen in die Spracherwerbsfähigkeiten des Kindes getragen werden kommunikative Bedürfnisse des Kindes und lebensweltlichen Hintergrund berücksichtigen mehrsprachige Kompetenz des Kindes achten! optimale Förderung berücksichtigt alle Sprachen (man kann nicht alles können ‐ Suche nach kompetenten Sprechern, z.B. Vorlesepaten)
  • Wo findet Sprachförderung statt? vordringlich Aufgabe des Kindergartens → Sprachförderprogramme, aber nur wenige Programme beziehen Mehrsprachigkeit mit ein Sprachförderung an Institutionen → DaZ-Förderung in der Schule
  • Wie werden mehrsprachige Kinder in der Schule gefördert? nur unzureichend zu wenig Bezug auf schulstrukturelle Bedingungen (hier aber eine Ursache für Bildungsungleichheit ) drei grundlegende Barrieren: sprachliche (mangelnde Berücksichtigung des Sprachstandes des Kindes in beiden Sprachen – nicht sprachliche Defizite des Kindes!) kulturelle (Erwartung und Bevorzugung eines bestimmten kulturellen Habitus) Bildungsversäumnisse werden einseitig den Schülerinnen und Schülern zugewiesen → schulischer Misserfolg wird meistens auf mangelnde Leistungsfähigkeit bzw. mangelnde Intelligenz zurückgeführt, Überführung der Kinder auf Förderschulen für lernschwache Kinder, soziale Herkunft entscheidet über den schulischen Erfolg der Kinder
  • Wie können mehrsprachige Kinder in der Schule gefördert werden? mehrsprachige Kinder sind keine homogene Gruppe DaZ‐ Förderung im Unterricht entspricht nicht Fremdsprachenunterricht sprachliche Lernumgebung bewusst gestalten und am jeweiligen Entwicklungsstand der Lernenden auszurichten (d.h. Kontrolle der sprachlichen Inputs, der Komplexität der Aufgabenstellungen, hoher Aufwand und hohe Anforderung an die Fähigkeit zur Selbstreflexion unter Beachtung sprachlichen Wissens!) sprachliche Förderung nicht nur im DaZ‐ Unterricht, sondern in jedem Unterricht (d.h. Kompetenzen müssen von allen Lehrern erworben werden) Planung nicht vom Sachthema aus, sondern unter dem Aspekt des Sprache Lernens Förderung der Erstsprache (in gesprochener Sprache und Schrift)!
  • Warum dürfen Kinder mit geringen Deutschkenntnissen keine Sprachheilschule besuchen? 6.4 Geringe Kenntnisse der deutschen Sprache dürfen nicht als Begründung für die Einleitung eines Verfahrens gemäß der Verordnung über die Förderung von Schülerinnen und Schülern mit sonderpädagogischem Bildungs‐, Beratungsund Unterstützungsbedarf herangezogen werden. Bei Kindern mit geringen Deutschkenntnissen liegt kein sonderpädagogischer Förderbedarf vor sprachliche Förderung der Kinder ist jedoch meistens zu gering oder gar nicht vorhanden, daher schulischer Misserfolg, der auf mangelnde Leistungsfähigkeit zurückgeführt wird und dafür sorgt, dass viele Kinder auf Lernbehindertenschulen geschickt werden.