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ÜFR - Sprache und Kommunikation im rehabilitationspädagogischen Kontext (Fach) / Unterstützte Kommunikation (Lektion)

Vorstellung des Konzepts "Unterstützte Kommunikation"

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  • Was versteht man unter dem Begriff "Unterstützte Kommunikation"? „Mit Unterstützter Kommunikation werden alle pädagogischen und therapeutischen Hilfen bezeichnet, die Personen ohne oder mit erheblich eingeschränkter Lautsprache zur Verständigung angeboten werden.“ (Wilken 2001, S.2) AAC (augmentative and alternative communication) DL = UK (alternative Kommunikationshilfen: für Menschen mit fehlender oder erheblicheingeschränkter Sprechfähigkeit, die ein anders Kommunikationssystem benötigen, ergänzende Kommunikationshilfen: unterstützend und begleitend zur Lautsprache)
  • Was ist das Ziel der unterstützten Kommunikation? Hauptziel der Unterstützten Kommunikation ist die Erweiterung der Kommunikationsfähigkeit und eine bessere Verständigung „Die Kommunikation soll Spaß machen und sich lohnen!“
  • Was ist Kommunikation? Communicare lat.: teilen/mitteilen lassen, gemeinsam machen, vereinigen „Mit Kommunikation bezeichnen wir alle Verhaltensweisen und Ausdrucksformen, mit denen wir mit anderen Menschen bewusst oder unbewusst in Beziehung treten.Kommunikation umfasst deshalb viel mehr als nur die verbale Sprache“ (Wilken 2006, 4). Unterstützte Kommunikation (UK/AAC) ist ein Konzept zur Förderung kaum‐ und nichtsprechender Menschen UK ist keine reine Methode
  • Welche Grundhaltung bzw. Menschenbild wird bei UK vertreten? jeder Mensch ist fähig, eigene Entscheidungen zu treffen alle am Unterricht (bzw. am gesellschaftlichen Leben) beteiligten Personen sind gleichwertig alle Menschen sind mit ihrer Persönlichkeit wahrzunehmen und zu achten Menschen sind Individuen, Vielfalt ist ein Wert jeder Mensch hat unterschiedliche Interessen, jeder lernt anders Menschen ohne Lautsprache sollen aktive Kommunikationsmöglichkeiten erhalten
  • Was sind die grundlegenden Aspekte der UK? Voraussetzungslosigkeit ‐ für UK gibt es keine Mindestvoraussetzungen vielmehr gilt: je komplexer die Behinderung, desto größer die Notwendigkeit von UK UK und Lautsprachentwicklung können sich „befruchten“: die Kraft der Kommunikation zu erkennen heißt oft, dass auch das Potential der Lautsprache entdeckt wird (Braun 1996, 3f.) UK behindert nicht die Lautsprachentwicklung!!!
  • Was sind die Ziele der UK nach Boenisch/Otto? Zurückgewinnen der Kommunikationsbereitschaft Herausholen aus dem kommunikativen Rückzug andere „in meinem Sinne“ beeinflussen können Lust auf Kommunikation wecken mögliche Negativspirale durchbrechen
  • Nenne die Lernziele für die unterstützt kommunizierende Person. Kommunikationsstrategien und ‐techniken erlernen sich selbst als wirksam in einem Dialog erleben Turntaking (Sprecher‐/Hörerwechsel erkennen, Blickkontakt halten) Wissen, dass eine Frage eine Antwort erfordert Sprecherwechsel erkennen und darauf reagieren ein Gesprächsthema finden ein Gespräch einleiten, aufrechterhalten und beenden Missverständnisse erkennen und ausräumen können Fragen stellen sich auf Gesprächspartnerinnen und Situationen einstellen
  • Welche Anforderungen müssen die Kommunikationspartner erfüllen? neben Kenntnissen über Hilfsmittel: Empathische Grundhaltung Fähigkeit zu Cokonstruktion Anwendung von Fragetechniken
  • Welche Zielgruppen werden mit dem Konzept der UK angesprochen? sehr heterogen → 3 Zielgruppen nach Braun 2003: Menschen, die Lautsprache gut verstehen können, aber unzureichende Möglichkeiten besitzen, sich selbst auszudrücken. UK als expressives Kommunikationsmittel z.B. Kinder mit schweren Dysarthrie /Anarthrie bei gutem Sprachverständnis (durch motorische Behinderung ist Lautsprache nicht möglich, Unterstützte Kommunikation =Alternative) Menschen, die Unterstützung zum Lautspracherwerb benötigen, bzw. derenlautsprachliche Fähigkeiten nur dann verständlich sind, wenn sie bei Bedarf über ein zusätzliches Hilfsmittel verfügen. UK als Unterstützung der Lautsprache z.B. bei Kindern, bei denen die Kommunikation über Lautsprache nur eingeschränkt möglich ist, Vermeidung der Entstehung von Verständigungsproblemen Menschen, für die Lautsprache als Kommunikationsmedium zu komplex ist und die daher eine geeignete Alternative benötigen. UK als Ersatzsprache z.B. bei Kindern, bei denen neben dem Sprechen auch das Sprachverständnis beeinträchtigt ist (z.B. mehrfachbehinderte Kinder)
  • Gib einen kurzen Überblick über verschiedene Kommunikationsformen. Körpereigene Kommunikationsformen: alle Menschen verwenden Gesten, Gebärden, Blick und Zeigebewegungen emotionale Signale Grenzen, wenn es um abstrakte Inhalte geht große Bandbreite sind dynamisch, d.h. sie werden von den Benutzern selbst produziert. sie existieren nur vorübergehend motorische Fähigkeiten sind sehr bedeutsam (Franzkowiak 1990) Atmung, Muskelspannung, Körperhaltung sensomotorische Aktivitäten vgl. basale Stimulation (Andreas Fröhlich 2001) Zeigebewegungen oder Blickbewegungen mimische und gestische Zeichen, die emotionale Befindlichkeiten ausdrücken oder als Zeichen mit einer konventionalisierten Bedeutung Gebärden individuelles System (z.B. in die Luft schreiben, kodierte Buchstaben klopfen) Kommunikationshilfen (nichtelektronische und elektronische): Nichtelektronische: statische Symbole, d.h. Symbole, die lediglich wieder erkannt und ausgewählt, jedoch nicht vom Benutzer produziert werden reale Objekte Miniaturen realer Objekte Fotos graphische Symbole wie Bliss, LÖB, Aladins Bildersammlung, PICSYMS, PCS, COMPIC, PRD-Bilder‐CD Kommunikationskästen konkreter Objekte oder Miniaturen Kommunikationsbücher, bestehend aus mehreren in der Regel thematisch geordneten Seiten, ggf. mit Index (z.B. Münzsammelalben oder selbstklebende Fotoalben) Symbol oder Bildposter an den Wänden (Platz, Wickeltisch, Toilette) Tischsets Kommunikationstafeln Kommunikationsordner Kommunikationsbücher Umwelt als Kommunikationstafel (z.B. Regalbeschriftungen) Elektronische: einfache Kommunikationsgeräte zur Sprachanbahnung komplexe Sprachausgabegeräte (verschieden in der Leistungsfähigkeit: z.B. Speicherleistung, Akkuleistung, Größe, Gewicht, Buchstabeneingabe und/oder Vokabularkodierung usw.) es gibt aber auch kleine Sprachausgabegeräte → einfach in der Bedienung und Programmierung, sehr robust Fragen vor dem Einsatz: Kann ein Gerät transportiert werden/steht es in den entscheidenden Situationen zur Verfügung? Gibt es Personen, die in der Lage sind, die mit dem Gerät verbundenen Anforderungen zu erfüllen bzw. dies zu erlernen? Finden der zukünftige Benutzer des Geräts und seine Bezugspersonen Anleitung und Hilfe beim Einsatz des Gerätes? Kann ein Kommunikationsgerät zur Ergänzung anderer Kommunikationswege wichtig und sinnvoll sein? Zusammenfassung: Körpereigene Kommunikationsformen = Lautsprache, Vokalisationen, Blickbewegungen, Mimik, Gestik, Gebärden Nichtelektronische Kommunikationshilfen = Kommunikationstafeln, Kommunikationsordner, Symbolposter, Wort- und Bildkarten, Fotobuch Elektronische Kommunikationshilfen = Tragbare Kommunikationshilfen mit Sprachausgabe, Stationäre PCs mit speziellen Programmen und Schrift- oder Sprachausgabe multimodales Kommunikationssystem = Nutzung mehrerer Bereiche, individuelle Auswahl einzelner Komponenten ist notwendig
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  • Wovon sind die eingesetzten Kommunikationsformen abhängig? der Kommunikationspartner/in der äußeren Situation von der individuellen vom Inhalt und dem Thema der Aussage
  • Was sind die Vor- und Nachteile körpereigener Kommunikationsformen? Vorteile: fast jeder Mensch hat sie zur Verfügung hohes Kommunikationstempo spontane Kommunikation überall und jederzeit verfügbar globale Gefühlsäußerungen sind möglich Nachteile: Mitteilung wird von Fremden oft nur begrenzt verstanden anfällig für Fehlinterpretationen zukünftiges, vergangenes, räumlich nicht gegenwärtiges kaum vermittelbar visueller Kontakt Voraussetzung, Geduld und Einfühlungsvermögen der K.Partner keine Initiativen, Themenwechsel, keine Fragen etc. möglich
  • Was sind die Vor- und Nachteile von Gebärden? Vorteile: Sie sind nah an der Alltagssprache jederzeit verfügbar Blickkontakt zum Gesprächspartner möglich Grobmotorische Bewegungen können schon ausreichen Strukturierung der Lautsprache Nachteile: Hände sind blockiert Nicht für alle verständlich Training erforderlich Transistorischer Charakter von Gebärden Abruf aus dem Gedächtnis manchmal schwer
  • Was sind die Vor- und Nachteile von Kommunikationstafeln? Vorteile: Information gut zu entschlüsseln einfach und kostengünstig herzustellen leicht anwendbar, schnelle Kommunikation - auch mit Fremden sind auch in fremden Sprachkreisen verständlich Nachteile: Blickkontakt zwischen den Dialogpartnern gestört Bilder und Symbole müssen gesehen, gedeutet und angesteuert werden können, Schrift muss gelesen werden können Training erforderlich, ständige Erneuerung des Vokabulars (Management) eingeschränkte Möglichkeiten zur Inititative
  • Was ist der Unterschied zwischen Kern- und Randvokabular? Kernvokabular bezeichnet die 200‐300 Wörter einer Sprache, die am häufigsten genutzt werden (80% des gesprochenen, Baker et al. 2008) Randvokabular sind individuell unterschiedlichste Wörter Kinder mit körperlichen Beeinträchtigungen im Alter von 6,1 Jahren (z.B.) EIN, JA, ICH, UND, SEIN, DAS, DA, DIE, DER, HIER, NICHT, WAS, NOCH, MAL, KÖNNEN, JETZT, OH, KOMMEN, GUCKEN, WO, ES, AUCH, DEN, HABEN etc.