Grundlagen des Wortschatzerwerbs

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  • Was sind Wörter? Wörter = Baumaterial der Sprache Wort ist selbstständige sprachliche Einheit Plural: Wörter/Worte? → Beides richtig, aber unterschiedliche Verwendung gespeichert im Gedächtnis = mentales Lexikon → Wort ist mit einer oder mehreren Bedeutungen verknüpft
  • Welche verschiedenen Arten des Gedächtnisses gibt es? Kurzzeitgedächtnis: Zwischenspeicher reicht für 7+/2- Elemente oder bis 20 s auch: Arbeitsgedächtnis Terminus von Baddeley/Hitch (1974) kognitives Speichersystem, das kurzzeitiges Ablegen von Informationen und deren Verknüpfung ermöglicht Langzeitgedächtnis: Fähigkeit, Fahrrad fahren zu können = prozedurales Gedächtnis sich an einmal Erlebtes erinnern (die erste Liebe) = episodisches Gedächtnis Bedeutung, Grammatik und Anwendbarkeit von Wörtern = semantisches Gedächtnis oder Mentales Lexikon
  • Was ist mit dem Begriff "Bedeutung" gemeint? "Inhalt" eines Wortes Vorstellung, die mit dem Wort verknüpft ist = mentale Repräsentation "mentale Wissenseinheit, die an sprachliche Ausdrücke geknüpft ist und konzeptuelle Information repräsentiert." (Schwarz/Chur)
  • Erkläre den Begriff "Arbitrarität". Arbitrarität = willkürliche Zuordnung einer Wortform/Lautkette zu einem Konzept/Vorstellung (Bedeutung) → d.h. man kann nicht erklären, warum ein Tisch als Tisch und nicht als Stuhl bezeichnet wird und beruht zudem auf Konvention, um Missverständnisse zu vermeiden. Zuordnung einer Bedeutung zu einem Wort ist also überwiegend zufällig (arbiträr) → Stuhl, chair, stul Bedeutungszuordnung ist Konvention (Missverständnisse) Ausnahme: Onomatopoetika → Kuckuck, Wauwau (lautmalerisch)
  • Was sollte im mentalen Lexikon für jedes Wort gespeichert sein? für jedes Wort sollte gespeichert sein: Bedeutung (Stuhl = Sitz mit 4 Beinen, Lehne usw. ) lautliche Form ‐ und Schreibung (/ʃtu:l/ ‐ <Stuhl>) Wortart (Substantiv, Verb, ...) und zugehörige Deklinations bzw. Konjugationsmuster bei deutschen Substantiven: Genus‐Angaben (der Stuhl = maskulinum)
  • Nenne die Elemente des sprachlichen Wissens. phonologisches Wissen: idiosyntaktische Struktur, metrisches Muster, phonologische Regeln semantisches Wissen: Bezug auf Konzepte, semantische Rollen, Beziehungen zwischen den Wörtern syntaktisches Wissen: Wortklasse, Genus, Kasus, Tempus, syntaktische Beschränkungen morphologisches Wissen: Wissen um Wortbildung (Wortstamm, Komposition, Derivation, Flexion) pragmatisches Wissen: Wortverwendung im kommunikativen Kontext, Stil- und Sozialregister
  • Einige Fakten zur Wortschatzentwicklung. eine generelle Annahme bezüglich der semantischen Entwicklung ist, dass das mentale Lexikon das Ergebnis von Prozessen des Gruppierens und Kontrastierens sein muss Sprachverständnis geht der Sprachproduktion voraus (passiver Wortschatz ist größer als aktiver Wortschatz) mehr als Wörter lernen Verknüpfungen herstellen zunehmende Ausdifferenzierung des Wortschatzes
  • Beschreibe die quantitative Entwicklung. nichtsprachliche und vorsprachliche Referenzen (gemeinsame Ausrichtung der Aufmerksamkeit, Gesten) Vorformen des Benennens (phonetisch konsistente Formen ohne referentiellen Charakter, „Protowörter“ ca. 9. Monat) „echte Wörter“ (ca. 12 Monate): „Von einem referentiellen Wort kann gesprochenwerden, wenn das Kind eine konventionell festgelegte lexikalische Form als unabhängiges und flexibles Zeichen in unterschiedlichen Kontexten und mit einem festen inhaltlichen Bezug verwendet.“ (Kauschke, S.11) Nach dem Erwerb von etwa 50 Wörtern (ca. 18. Monat) = einsetzender Vokabelspurt schnelles Wortschatzwachstum mit Über‐ und Unterdehnungen 16 Jahre: ca. 60000 Wörter (bedeutet durchschnittlich 9 neue Wörter pro Tag) während des Klein‐Vorschulkindalters = quantitativ und qualitativ bedeutsameVeränderungen lebenslange Ausdifferenzierung des Lexikons
  • Beschreibe die qualitative Entwicklung. Inhalte frühes Vokabular:„Der Wortschatz kleiner Kinder bezeichnet die Welt ihrer Erfahrung“ (Szagun, 2007, S. 50) Gegenstände, Personen, Lebewesen, zuerst Nomen (Übergänge Lautmalerei – Protowörter – Wörter fließend, was ist „wauwau“?) soziale Rituale (hallo, tschüss, bitte, danke) Funktionswörter: Partikel (ab, weg, da) Verben kommen etwas später (hier v.a. solche, die Aktionen eigener Handlungen beschreiben – gehen, essen, laufen, springen), ebenso Adjektive
  • Wie erwerben Kinder Wortbedeutungen? Drei unterschiedliche Erklärungsversuche: 1. Entwicklungstheorie Piaget: Objektpermanenz → Kind versteht, dass ein Objekt auch noch da ist, auch wenn man es nicht sehen kann Entstehung Symbolfunktion → Wörter als Symbole für Gegenstände (Sprache hat Symbolcharakter) in der Phase der sensomotorischen Entwicklung (0-2 Jahre) Anlass der Entwicklung: Nachahmung 2. Semantische Merkmalshypothese (E.Clark): Bedeutung des Wortes besteht aus Bündeln semantischer Merkmale Merkmale entstehen aus der sinnlichen Wahrnehmung des Kindes allgemeine semantische Merkmale werden vor spezifischeren gelernt durch Hinzufügen und Differenzieren von Merkmalen werden Wortbedeutungen präziser erklärt Überdehnungen 3. Prototyptheorie (Rosch, Mervis): Grenzen der Kategorien sind unscharf Mitglieder, die viele Merkmale gemeinsam haben, werden als (proto)typischer empfunden Kategorienbildung durch Basisobjekte mit typischen funktionalen und perzeptuellen Merkmalen Also: Katze vor Tier und Perserkatze
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  • Erkläre die Begriffe "fast mapping" und "Constraints". „fast mapping“ = (Kind kann auf der Grundlage nur weniger Erfahrungen mit einem Wort eine schnelle Zuordnung zwischen diesem und einer -unvollständigen- Bedeutung vornehmen) Constraints = „Constraints können also als Lernmechanismen im Sinne der Beschränkung von möglichen Annahmen über die Bedeutung von Wörtern verstanden werden. Diese Beschränkungen werden mit dem ersten Auftreten der Benennungsexplosion um den 18. Lebensmonat herum bedeutsam. “