9
ÜFR - Sprache und Kommunikation im rehabilitationspädagogischen Kontext (Fach) / Sprachentwicklung (Lektion)
Die einzelnen Phasen der Sprachentwicklung
Diese Lektion wurde von Chizuru erstellt.
Diese Lektion ist leider nicht zum lernen freigegeben.
- Welche Rahmenbedingungen für die Sprachentwicklung müssen erfüllt sein, damit Kinder Sprache erlernen? Hörvermögen/organische Voraussetzungen → ohne Hörvermögen ist der Erwerb von lautlicher Sprache nicht möglich (Gebärden- bzw. Zeichensprache als Ersatz), Blinde haben es schwerer Sprache zu erlernen, weil sie die mundmotorischen Bewegungsmuster nicht sehen können Sprachliches Vorbild → in der Regel: Eltern, Geschwister und andere Familienmitglieder Umweltbedingungen → sprachliche Anregung durch die Umwelt Motorik → Erkundung der Umwelt mit dem eigenen Körper, wirkt sich günstig auf Sprachentwicklung aus Wahrnehmung → sehen, hören, tasten, riechen Sprechfreude → Anregung durch positives Feedback oder Hemmung bis hin zur Verstummung durch negatives Feedback Sprachverständnis → rezeptive Fähigkeiten entwickeln sich schneller als produktive Spiel → spielerisches Erlernen von Sprache
- Welche Komponenten des Spracherwerbs gibt es? Komponenten: suprasegmentale Komponenten, Grammatik (Phonologie, Morphologie, Syntax, Lexikon, Semantik), Pragmatik (Sprechakte, Diskurs)
- Welche Funktion haben die einzelnen Komponenten des Spracherwerbs? Funktion der suprasegmentalen Komponenten: Intonationskontur (Melodie), Betonung (Akzent), prosodische Gliederung → erworbenes Wissen: prosodische Kompetenz Funktion der Grammatik (Phonologie, Morphologie, Syntax, Lexikon, Semantik): Organisation von Sprachlauten, Wortbildung, Satzbildung, Wortbedeutung, Satzbedeutung → erworbenes Wissen: linguistische Kompetenz Funktion der Pragmatik (Sprechakte, Diskurs): sprachliches Handeln, Kohärenz der Konversation → erworbenes Wissen: pragmatische Kompetenz
- Was ist der Unterschied zwischen Sprachproduktion und Sprachverständnis? Sprachproduktion: Fähigkeit, seine Gedanken in Worte zu fassen, zu artikulieren (Laut- oder Gebärdensprache) und zu verschriftlichen. Dies umfasst das Hervorbringen einzelner Wörter, Sätze (Kombination von Wörtern zu Sätzen unter Berücksichtigung grammatikalischer Regeln) bis hin zu einem vollständigen Dialog, Text, Geschichte usw. Sprachverständnis (Sprachverstehen): Fähigkeit, Sinn und Bedeutung von Lautäußerungen zu erfassen.
- Beschreibe die einzelnen Phasen der Sprachentwicklung. 0-6 Monate: Sprachproduktion: gurren, juchzen, quietschen, lallen, Konsonantenverbindungen schreien als Möglichkeit um seine Bedürfnisse auszudrücken – Modulation der Stimme ab 6. Lebenswoche werden Sprechorgane spielerisch trainiert Sprachverständnis: Erkundungen von Gegenständen, Kontakterfahrungen 7-12 Monate: Sprachproduktion: Laut-/Silbenbildung bzw. Silbenlallen es treten Gestaltungsmittel / rhythmische Elemente mehr in den Vordergrund am Ende erste einfache Worte Sprachverständnis: Beginn ab 9. Lebensmonat Kopplung von Wortklang und Gegenstand (Gegenstand wird in die Interaktion einbezogen) holt Sachen bei Aufforderung 13-18 Monate: Sprachproduktion: Aufbau eines aktiven Wortschatzes Einwortsätze Feststellen, erbitten, fragen 1 Wort (Überbegriff) für ähnliche Wörter mit 1 ½ Jahren: Wortschatz 25 Wörter Sprachverständnis: versteht einzelne Wörter, kurze Aufträge und Fragen reagiert auf seinen Namen Kommunikation über Gegenstände 19-24 Monate: Sprachproduktion: Zwei – und Dreiwortsatz erstes Fragealter (Intonation) 20 - 50 Wörter in aktiver Verwendung Substantive, auch Verben + Adjektive am Ende des 2. Lebensjahres beträgt der Wortschatz ca. 250 Wörter Sprachverständnis: versteht Fragen und Aufträge Anwesende Gegenstände, aktuelle Ereignisse passiver Wortschatz ist größer als der aktive 25-30 Monate: Sprachproduktion: fehlerhafte Lautbildung, schwierige Laute werden durch einfache ersetzt oder weggelassen Schwierigkeiten bei Anlautverbindung (kl, pl) komplexerer Satzbau Partizipien und erste Zeitformen „ich nich slafen“/ „ich nich esalft“, Wortschatz nimmt rapide zu (Wortneuschöpfungen) verwendet die Ich – Form Sprachverständnis: kann Aufforderungen mit „Nein“ ablehnen Vergangenes & Abwesendes wird verstanden 31-36 Monate: Sprachproduktion: differenziertere Aussprache Satzbau mit Präposition, Personalpronomen, Vergangenheitsform zweites Fragealter (Warum – Frage) am Ende des 3. Lebensjahres beträgt der Wortschatz ca. 800 Wörter erkennen Einzelheiten und Zusammenhänge Sprachverständnis: Folgen, Verstehen und Weitergeben von Bildgeschichten noch Schwierigkeiten beim Verständnis von Gegensätzen und feineren Abstufungen z.B. groß - klein, groß - größer 37-48 Monate: Sprachproduktion: alle Laute werden korrekt ausgesprochen (mit einigen Ausnahmen) Bildung von Haupt – und Nebensätzen Wortschatz wächst weiter Physiologische Sprechunflüssigkeiten Sprachverständnis: Vorstellungen von der Situation und Gegenständen (entsprechend seiner Erfahrungen) 49-60 Monate: Sprachproduktion: alle Laute sind korrekt alle Fragewörter werden verwendet Sprachverständnis: verstehen komplexe Situationen Kind kann Situation beurteilen / sich seine eigene Meinung bilden erzählt in sinnvoller Reihenfolge Muttersprache wird gefühlsmäßig beherrscht
- Beschreibe die rezeptive phonologisch prosodische Entwicklung. Geburt: Erkennen und Unterscheiden menschlicher Laute Präferenz der Muttersprache Erkennen aufgrund prosodischer Charakteristika 6 Monate: Unterscheidung fremdsprachlicher Laute 10 Monate: Nur noch Unterscheidung von muttersprachlichen Lauten Unterscheidung von Wörtern der Muttersprache und Fremdsprache
- Beschreibe die produktive phonologische Entwicklung im ersten Lebensjahr. 6-8 Wochen: Gurren 2.-4.Monat: Lachen und Lautbildung 6.-9.Monat: Lallstadium 10.-14.Monat: Erste Wörter
- Beschreibe die lexikalische Entwicklung. 9 Monate: Erstes Wortverständnis 10-14 Monate: Rezeptiver Wortschatz: 60 Produktiver Wortschatz: Erste Wortproduktionen 18 Monate: Rezeptiver Wortschatz: 200 Produktiver Wortschatz: 50 → 50-Wort-Grenze 20 Monate: Produktiver Wortschatz: 170 Benennungsexplosion Late-Talkers (24 Monate) 28-30 Monate: Produktiver Wortschatz: 400 Schnelles Wort-Lernen für Verben und relationale Wörter
- Beschreibe die Entwicklung der produktiven Grammatik. 2 Jahre: 2- und 3-Wortsätze 4 Jahre: Beherrschung der Satzstruktur 5 Jahre: Behavorial Mastery: Implizites Sprachwissen Korrekter Sprachgebrauch Konzentration auf Infos von außen 6 Jahre: Unbewusster Reorganisationsprozess: Hinwendung nach Innen Von außen kommende Infos werden vernachlässigt 8 Jahre: Versöhnung: zwischen inneren Daten und äußeren Infos
Anzeige