Grundlagen der Lautbildung

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  • Was ist der Unterschied zwischen Phonetik und Phonologie? Phonetik: "Der Gegenstand der Phonetik ist das Schallereignis der sprachlichen Kommunikation in allen seinen Aspekten, d.h. die Produktion, die Transmission und die Rezeption von Sprachschall einschließlich der psychologischen und soziologischen Voraussetzungen in der Kommunikationssituation zwischen Sprecher und Hörer, wobei symbol- als auch messphonetische Betrachtungsweisen dieses Objekt prägen." (Kohler 1995, S.22) Phonologie: Die Phonologie hingegen ist "die Lehre von der Funktion der Sprachlaute im Sprachsystem." (Temes 2012, S.43)
  • Womit beschäftigt sich die Auditive Phonetik? auditive Wahrnehmung des lautlichen Ereignisses beim Hörer und dessen Verarbeitung im  Gehirn. perzeptive Fähigkeit entwickelt sich, mit Höhepunkt zwischen 3 und 8 Jahren, infolge auditiver Erfahrung individuell unterschiedlich. Zweck der auditiven Perzeption ist es, aus der großen Vielzahl von Informationen, die zum Ohr gelangen, nur die wenigen Merkmale auszuwählen, die nützlich sein können. zentrale Frage: Welche akustischen Eigenschaften sind entscheidend, dass wir bestimmte Laute als solche identifizieren?
  • Womit beschäftigt sich die Akustische Phonetik? Übertragung der Laute vom Sprecher zum Hörer Laut = Schallschwingung → Klänge (z.B. Vokale), Geräusche (z.B. stimmlose Frikative), Klang - Geräusch - Gemische (z.B. stimmhafte Frikative)
  • Womit beschäftigt sich die Artikulatorische Phonetik? Bildung der Sprachlaute mit Hilfe der Artikulationsorgane (sowie Atmungs- und Stimmgebungsorgane) Beschreibungskriterien, mit deren Hilfe sich die Bildung der Laute eindeutig beschreiben lässt Unterteilung in Vokale und Konsonanten
  • Was versteht man unter phonologischer Bewusstheit? phonologische Bewusstheit = Fähigkeit, die Aufmerksamkeit auf die formalen Eigenschaften der gesprochenen Sprache zu lenken: auf den Klang der Wörter beim Reimen auf Wörter als Teile von Sätzen auf Silben als Teile von Wörtern einzelne Laute der gesprochenen Wörter Phonologische Bewusstheit im weiteren Sinne: bezieht sich auf größere Einheiten der gesprochenen Sprache, wie etwa Reime und Silben Phonologische Bewusstheit im engeren Sinne: der bewusste Umgang mit den kleinsten Einheiten der gesprochenen Sprache, den Phonen (Lauten) → Lautanalyse, Lautsynthese, Lautmanipulation
  • Wann ist die Lautentwicklung der Kinder abgeschlossen? Erwerb des phonologischen Regelsystems ist mit 4;0 – 4,6 Jahren abgeschlossen phonetischer Erwerb ebenso, lediglich der s‐Laut kann später erworben werden
  • Was ist der Unterschied zwischen einem Buchstaben und einem Graphem? Das deutsche Alphabet besteht aus 26 Buchstaben (A, B, C, D usw.) Jedoch besteht die deutsche Sprache aus mehr Lauten als Buchstaben vorhanden sind Das lateinische Alphabet passt also nicht zum deutschen Lautsystem, weshalb es festgelegte Schreibungen (nicht immer einheitlich) zur Darstellung bestimmter Laute in der Schrift gibt z.B. /i:/ = wir, vier, ihr, ziehen → unterschiedliche Grapheme zur Darstellung des Lauts langes i, wobei ie am häufigsten auftritt, /∫/ = sch → 3 Buchstaben, um einen Laut darzustellen Grapheme: ein oder mehrere Buchstaben stehen für einen Laut
  • Was versteht man unter phonologischen Prozessen? kindliches phonologisches System zeichnet sich im Vergleich mit Regelsystem des Erwachsenen durch Vereinfachungsprozesse aus = phonologische Prozesse physiologische phonologische Prozesse = altersgerecht, im Zuge der Sprachentwicklung pathologische phonologische Prozesse = nicht mehr altersgerecht, Sprachtherapie notwendig
  • Welche Arten von phonologischen Prozessen gibt es? Silbenstrukturprozesse: Auslassung (z.B. /na:nə/), hinzufügen von Lauten oder Silben sowie Reihenfolgenveränderungen (z.B. /kɔlɔmoti:və/ statt Lokomotive) Assimilationsprozesse (Harmonisierungs-, Umgebungsprozesse): Laute werden bezüglich Artikulationsart oder Artikulationsort angeglichen (z.B. Kontaktassimilation: /krəpə/ statt Treppe, regressive Assimilation: [kaput] wird zu [paput]) Substitutionsprozesse (Ersetzungsprozesse): Laute oder Lautgruppen werden ersetzt (z.B. See zu /fe:/ oder /te:/)
  • Womit beschäftigt sich die Phonologie? ermittelt die unterschiedlichen Systeme von Phonemen (= Phoneminventare), den kleinsten bedeutungsunterscheidenden Elementen der Sprache Gegenstand ist das Phonem Ermittlung über Minimalpaare: Wiege – Waage /vi:gə / /va:gə/, Tasse – Kasse /tasə/ /kasə/
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  • Was versteht man unter dem Begriff "Koartikulation"? Sprechen: flüssiger Übergang der Muskelbewegungen bei der Verbindung der Laute zu Wörtern Koartikulation = Als Koartikulation (lat. coarticulare 'zusammen artikulieren') wird die Beeinflussung eines Lautes durch den lautlichen Kontext bezeichnet. In der Phonetik ist Koartikulation die Bezeichnung für parallel verlaufende antizipierende (vorwegnehmende) Bewegungen bei der Artikulation. Angleichungsbewegungen Laute werden nicht isoliert hervorgebracht, deshalb klingt ein Laut nicht immer gleich. Davon abhängig welcher Laut folgt.
  • Was bedeutet Lautentwicklung? Lautentwicklung bedeutet Erwerb der Fähigkeit, die Laute motorisch richtig zu bilden, aber auch Wissen um die sprachsystematische Anwendung der Laute (phonologisches Regelsystem – wann muss welcher Laut eingesetzt werden, damit das gewünschte Wort hörbar wird) kleine Kinder können manche Wörter mit komplexen Lautverbindungen bereits korrekt sprechen, in anderen Wörtern ersetzen sie aber dieselben Laute
  • Nenne die relativ gesicherten Grundsätze der Lautenwicklung. Für den Erwerb der einzelnen Lautgruppen gilt folgende Reihenfolge: Vokale → Plosive → Nasale → Frikative → Affrikate Kinder erlernen zuerst Laute, die vorne im Mundraum gebildet werden, es folgen hintere Laute („von vorn nach hinten“) Einzelkonsonanten werden vor Mehrfachkonsonanten beherrscht Kinder erwerben zunächst die unterschiedlichen Artikulationsarten, bevor sie sich die Artikulationsorte der Konsonanten aneignen es gilt die Annahme, dass Frikative zuerst wortfinal, Plosive zuerst wortinitial vom Kind gelernt werden
  • Gibt es Unterschiede beim Phon/Phonem Erwerb bei Mädchen und Jungen? Keine signifikanten Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen
  • Welche Vorläuferfähigkeiten erwerben Kinder für den Schriftspracherwerb? metasprachliche Kompetenz (spezifisch: phonologische Bewusstheit) Erfahrungen in der Litarität (spezifisch: Vorlesen) allgemeine sprachliche Kompetenzen (spezifisch: Phonologie, Lexikon [Wortschatz], Morphologie/Syntax [Grammatik]) Elemente des Mündlichen (spezifisch: Erzählen)
  • Nenne die phonemischen Bezüge zur Lautsprache. Graphem - Phonem - Korrespondenz - Regeln: 40 Phoneme (Lautsprache) z.B. /a/, /t/, /e/, /ʃ/, /ҫ/ - ca. Grapheme (Schriftsprache) → 26 Buchstaben: <ä>, <ü>, <ö>, <ß>, <sch>, <ch>...) Konventionen für Lang - und Kurzlautung /‘be:tən/ - /‘bɛtən/ - beten - betten /’hø:lə/ - /’hoelə/ - Höhle - Hölle /‘bi:tən/ - /‘bıtən/ - bieten - bitten
  • Welche Organe sind an der Stimm- und Lautbildung beteiligt? Artikualtion: Lautbildung - Ansatzrohr Phonation: Stimmgebung - Kehlkopf Respiration: Atmung - Lunge Haltung: Körperspannung Über 100 Muskeln sind beteiligt