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Approbationsprüfung Psychotherapie (Fach) / Herbst 2015 (Lektion)

Herbst 2015

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  • 1 Es gibt eine Reihe biologischer Funktionen, Befindlichkeiten und Verhaltensweisen, die regelhaften Schwankungen in einer 24-Stunden-Periodik infolge exogener Zeit- geber (z. B. Hell-Dunkel-Wechsel, soziale Faktoren) und der endogenen biologischen Periodik unterliegen. Dazu werden z. B. die Körpertemperatur, die Vigilanz und Af- fekte gezählt. Wie bezeichnet man diese regelhaften Schwankungen in der 24-Stunden-Periode? Cirkadianer Rhythmus
  • 2 Bei somatoformen Störungen wird nach Barsky et al. ein Vorgang beschrieben, der durch verstärkte und selektive Aufmerksamkeit für körpereigene Vorgänge und Dys- funktionen und deren Wahrnehmung sowie deren katastrophisierende Bewertung gekennzeichnet ist, wodurch es zu einer Intensivierung von Beschwerden kommen kann. Welcher Begriff wurde von Barsky et al. für diesen Vorgang verwendet? Somatosensorische Verstärkung
  • 3 Eine 19-jährige Patientin war nach vielen familiären Gewalterfahrungen in eine be- treute Wohneinrichtung gezogen. Dort hatte sie eine bulimische Anorexie entwi- ckelt und musste aufgrund der Schwere ihrer Symptomatik wiederholt stationär be- handelt werden. Während der Klinikaufenthalte erfährt sie erstmalig Sorge und Für- sorge durch ihre Eltern. Diese erkundigen sich regelmäßig danach, wie es ihr geht. Die junge Frau genießt diese neue Haltung der Eltern und hat Angst, dass sie bei ei- ner Gewichtszunahme diese Zuwendung der Eltern wieder verlieren könnte. Die er- fahrene Zuwendung durch die Eltern kann als Faktor betrachtet werden, der maß- geblich zur Aufrechterhaltung der Symptomatik beiträgt. Welcher Begriff wird zurückgehend auf die psychoanalytische bzw. psychodynami- sche Theoriebildung für einen derartigen wie den beschriebenen aufrechterhalten Faktor am ehesten verwendet? Sekundärer Krankheitsgewinn
  • 4 Ein Kind hat sich ganz in den Dienst der Affektregulierung seiner Mutter gestellt. Es übernimmt ihre Aufgaben und Pflichten und fühlt sich für ihr Wohlergehen verant- wortlich. Es kann eine eindeutige Rolle als Kind nicht einnehmen. Bei dieser Rollenzuschreibung oder -Zuweisung des Kindes, welche man als besonde- re Form der Delegation auffassen kann, kommt es zu einer Rollenumkehr in Form der Übernahme von Elternfunktion (wie hier beschrieben) oder auch von Partner- funktion für die Eltern. Welcher Begriff beschreibt diese Rollenzuschreibung oder -Zuweisung am besten? Parentifizierung
  • 5 Eine 43-jährige Frau, die aufgrund einer Hypertonie und Tachykardie jahrelang mit einem Betablocker behandelt wurde, setzte diesen abrupt ab. Nun klagt sie über Herzrasen. Bei der körperlichen Untersuchung stellt sich heraus, dass sie tachykard ist und einen zu hohen Blutdruck hat. Wie wird im Allgemeinen die überschießende, der Wirkung entgegengesetzte Reak- tion nach plötzlichem Absetzen eines Medikaments (hier des Betablockers) nach länger dauernder Therapie pharmakologisch am besten bezeichnet? Rebound Phänomen
  • 6 Wie bezeichnet man nach der ICD-10 willkürliche, wiederholte, nicht funktionale und oft rhythmische Bewegungen, die z. B. bei Kindern mit geistiger Behinderung auftreten können und mindestens einen Monat andauern? stereotype Bewegungsstörung
  • 7 Im Rahmen der verhaltenstherapeutischen Diagnostik und einer umfassenden Prob- lemanalyse gibt es unterschiedliche Analysemöglichkeiten (wie z. B. die Bedin- gungsanalyse oder die Verhaltensanalyse). Bei einer bestimmten Form der Bedingungs- bzw. Verhaltensanalyse werden das Problemverhalten, die Symptomatik und die psychische Störung im Gesamtkontext des Patienten und seiner Lebensgeschichte betrachtet. Zudem beinhaltet sie die Entstehung und Aufrechterhaltung der Störung und des Verhaltens hinsichtlich grö- ßerer Zeiträume, die Faktoren und Ereignisse in der Lebensgeschichte, die ver- schiedenen Lernformen, Überlebensregeln und typische Denk- und Verhaltens- muster (im Sinne der vertikalen Verhaltensanalyse/Plananalyse). Wie wird diese Form der Bedingungs- bzw. Verhaltensanalyse am zutreffendsten be- zeichnet? Makroanalyse
  • 9 Welche der folgenden Darstellungen geben am ehesten theoretische Modellvorstel- lungen wieder, mit denen das kognitive Modell von Clark und Wells (1995) die Auf- rechterhaltung der sozialen Angststörung erklärt? Wählen Sie 2 Antworten! (A) Aufgrund von Sicherheitsverhalten können die Betroffenen im Nachhinein nicht feststellen, ob sie damit nur die befürchtete Blamage verhindert haben oder ob die Befürchtungen tatsächlich grundlos sind. (B) Durch die Konfrontation mit den angstauslösenden Situationen erleben die Be- troffenen eine Steigerung ihrer Selbstwirksamkeitserwartung. (C) Erhöhte Selbstaufmerksamkeit verhindert, dass die Betroffenen korrigierende Informationen über die tatsächliche Bewertung durch andere Personen auf- nehmen können. (D) Erhöhte Selbstaufmerksamkeit verhindert, dass andere Personen ihre eigenen negativen Bewertungen des peinlichen Verhaltens korrigieren. (E) Die sozialen Ängste treten in den unterschiedlichsten Situationen für die Be- troffenen spontan und unerwartet auf. AC
  • 10 Die posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) kann sich nach dem Erleben eines Traumas entwickeln. Welche der nachfolgend angeführten Faktoren begünstigen aus Sicht kognitiv- verhaltenstherapeutischer Modelle und dazugehöriger empirischer Untersuchungen am ehesten die Entwicklung einer PTBS? Wählen Sie 3 Antworten! (A) eine enge Bindung an Familienmitglieder (B) Enkodierung und Elaboration der Kontextbedingungen des Traumas im explizi- ten autobiografischen Gedächtnis (C) negative Sicht über die Konsequenzen und sich selbst im Anschluss an das Trau- ma (D) hoher sozioökonomischer Status (E) Grübeln über das, was während des Traumas passiert ist (F) hohe emotionale Erregung während des Traumas (G) Zugehörigkeitsgefühl am Arbeitsplatz CEF
  • 11 In der ICD-10 wird zwischen Abhängigkeitssyndrom und schädlichem Gebrauch unterschieden; entsprechend bisher im DSM-IV-TR zwischen Substanzabhängigkeit und Substanzmissbrauch. Welche der folgenden Aspekte gehören nach der ICD-10 am ehesten zu den diagnos- tischen Kriterien des schädlichen Gebrauchs? Wählen Sie 2 Antworten! (A) körperliche Entzugssymptome (B) tatsächliche Schädigung der Gesundheit (C) Craving (D) Nachweis einer Toleranz (E) mögliche negative soziale Folgen des Konsums (F) verminderte Kontrollfähigkeit bezüglich des Beginns, der Beendigung und der Menge des Konsums BE
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  • 12 Für die Prüfungs- oder Examensangst können verschiedene Diagnosen in Frage kommen (vgl. auch die Unterschiede in der kategorialen Diagnostik nach der ICD-10 und dem DSM-IV-TR/DSM-5). Welche der folgenden Diagnosen kommen demnach für eine Prüfungs- oder Exa- mensangst am ehesten in Frage? Wählen Sie 2 Antworten! (A) akute Belastungsreaktion (B) spezifische Phobie (C) Neurasthenie (D) Zwangsstörung (E) soziale Phobie (F) Panikstörung BE
  • 13 Das Circumplex-Modell von Olson verwendet zur Beschreibung und Typologisierung von Familien zwei grundlegende Dimensionen. Welche der folgenden Bezeichnungen werden für die beiden Dimensionen am ehes- ten verwendet? Wählen Sie 2 Antworten! (A) Kohäsion (B) Äquifinalität (C) Kollusion (D) Multifinalität (E) Loslösung (F) Adaptabilität AF Das Circumplex-Modell betrachtet drei Dimensionen familiärer Systeme: Kohäsion, Adaptabilität und Kommunikation. Olson geht von einer kurvilinearen Beziehung zwischen Familienkohäsion bzw. Adaptabilität und familiärer Stressbewältigung aus. Familienkohäsion bezeichnet die emotionale Bindung, der Familienmitglieder untereinander. Sie lässt mit Folgenden Konzepten messen oder gliedern: emotionale Verbundenheit, Grenzen, Koalitionen, Zeit, Ort, Freunde, Erholung, Interessen und Entscheidungsfindung. Es gibt vier Stufen der Ausprägung der Familienkohäsion. Das fängt mit losgelöst an, dann folgen getrennt, verbunden und verstrickt. Adaptabilität ist das Ausmaß an Wechseln in der Führung, in den Beziehungsregeln und der Rollen. Es bezeichnet die Fähigkeit einer Familie bestehende Strukturen in Abhängigkeit von Belastungen zu verändern. Die vier Stufen der Adaptabilität heißen: rigide-strukturiert-flexibel-chaotisch. Kommunikation ist eine unterstützende Dimension, die sich sowohl auf familiäre Kohäsion als auch die Adaptabilität bzw. Anpassungsfähigkeit auswirken kann. Diese Dimension kann man anhand folgender Aspekte messen: listening skills, Selbst-Offenbarung, Klarheit, Respekt, Achtsamkeit, Sprechfertigkeiten (speaking skills) und continuity tracking. Ein Vorteil des Circumplex-Modells ist die konzeptuelle und empirische Nähe zu anderen Familienmodellen wie das Beavers System Modell und das McMaster Family Model. Ein weiterer Vorteil ist, dass es Änderungen unterschiedlicher Art berücksichtigt. Eine Änderung erster Ordnung betrifft die Adaptabilität. Zu viel und zu wenig Änderung ist beides problematisch. Die Änderung zweiter Art betrifft den Wechsel von einem System zum anderen. Der Wechsel kann aufgrund normativer (z.B. die Geburt eines Kindes) oder non-normativer (Autounfall eines Familienmitglieds) Familenstressoren erfolgen. In solchen Phasen werden balancierte Systeme in ein anderes System wechseln, während unbalancierte Systeme in ihrer Extremposition verbleiben. Die basalste Hypothese des Circumplex-Modells lautet: balancierte Ehe- oder Familiensystem werden generell besser arbeiten als unbalancierte Systeme. Es ist aber sensitiv für spezifische Ethnien und Kulturen, was in der folgenden Hypothese zum tragen kommt: Wenn die Familie extreme Muster unterstützt, dann wird die Familie auch gut funktionieren, solange alle Mitglieder diese Art der Familie bevorzugen. Das heißt, dass unbalancierte Systeme nicht zwangsläufig dysfunktional sind. Um das festzustellen, müsste man die Familienzufriedenheit z.B. mittels der Family Satisfaction Scale messen. Eine wichtige Hypothese verbindet das Circumplex-Modell mit der Kommunikation: balancierte Typen von Ehe- und Familiengemeinschaften werden mehr positive Kommunikation als die unbalancierten Typen aufweisen. Andersrum gesehen: schlechte Kommunikation stört die Verschiebung des Systems und erhöht die Chance, dass diese Systeme im Extremen verweilen. Weiterhin wird die Hypothese aufgestellt, dass die Phase des Familienzyklus und die Zusammensetzung der Familien einen beachtlichen Einfluss auf den Typus des Familiensystems hat. Wenn sich die Wünsche eines Familienmitgliedsändern, dann muss das Familiensystem mit diesem Wunsch umgehen. Wenn Frauen mehr Autonomie von ihren Ehemännern (Familienkohäsion) anstreben oder wenn sie mehr Macht und Gleichheit (Adaptabilität) verlangen. Mehr als 250 Studien, in denen FACES (Family Adaptability and Cohesion Scales) verwendet wurden, konnten das Circumplex-Modell bestätigen. In einer Studie fand Clarke, dass viele Familien mit schizophrenen oder neurotischen Mitgliedern viel häufiger unbalanciert waren, als Familien, die keine Mitglieder in Therapie hatten. Carnes fand in einer anderen Studie, dass Triebtäter häufiger in unbalancierten Systemen lebten. Dies galt sowohl für ihre Urspungs- als für die  aktuelle Familie. Mit dem Circumplex-Modell lassen sich also problematische Familien von symptom-freien Familien unterscheiden. Allerdings gibt es keinen Hinweis dafür, dass ein spezifisches Symptom mit einem spezifischen System verbunden ist. (Dies war allerdings in der Anfangsphase der Forschung eine hypothetische Überlegung.) Mit dem CAP (Circumplex Assessment Package) lassen Selbstberichte messen. Es erfasst nicht nur die drei Dimesionen des Circumplex-Modells sondern auch die Zufriedenheit. Mit FACES kann man die Adaptabilität und Familienkohäsion messen. Die Kommunikation mit der Parent-Adolescent Communication Scale und die Zufriedenheit mit der Family Satisfaction Scale. MACES erlaubt die Messung der Familienkohäsion und Adaptabilität dasselbe für Paare an. Die Kommunikation und Zufriedenheit der Paare wird mit einer Subskale des ENRICH gemessen. Die CRS (Clinical Rating Scale) kann man für Fremdbeobachtung verwenden. Damit lassen sich Kohäsion, Adaptabilität und Kommunikation aus der Forscher- bzw. Therapeutenperspektive messen. Für die Bewertung gilt allgemein: multi-methodal, multi-personal, multi-trait und multi-system. Die abschließenden Ziele, die mit dem Circumplex-Modell erreicht werden sollen variieren in Abhängigkeit von der Zeit. Kurzfristig geht es um die Lösung von aktuellen Problemen. Die Ziele bezüglich der Systeme sind: das System zumindest einen Schritt in Richtung balancierter Typen, was die Kohäsion und Adaptabilität betrifft, bewegen. Für Kohäsion bedeutet das, eine Balance zu finden zwischen Alleinsein und Zusammensein. Für Adaptabilität, zwischen Stabilität und Änderung eine goldene Mitte finden. Insgesamt sollte noch die kommunikativen Fähigkeiten verbessert werden. Langfristig ist es erstrebenswert, dass die Fähigkeit, über einen Systemwechsel zu diskutieren, gestärkt wird. Ein Ziel, was nur zu selten erreicht wird.
  • 14 Die systemischen Therapieansätze lassen sich durch einige charakteristische thera- peutische Grundorientierungen beschreiben. Welche der im Folgenden genannten Orientierungen sind für die systemischen The- rapieansätze am ehesten charakteristisch? Wählen Sie 3 Antworten! (A) Lösungsorientierung (B) Traumaorientierung (C) Normorientierung (D) Übertragungsorientierung (E) Ressourcenorientierung (F) Kundenorientierung AEF
  • 15 Bei welchen der folgenden Störungen liegt am ehesten eine Indikation für den Ein- satz von Psychostimulanzien (z. B. Methylphenidat) vor? Wählen Sie 2 Antworten! (A) ADHS (B) depressive Episode (C) Narkolepsie (D) Pavor nocturnus (E) Zwangsstörung      AC
  • 16 Die Variablen S, R und C des SORKC-Modells werden in der Verhaltensanalyse in drei unterschiedliche Ebenen unterteilt. Wie werden die Ebenen der Variable des Verhaltens (R) am zutreffendsten benannt? Wählen Sie 3 Antworten! (A) emotionale Verknüpfungen (s) (B) Funktionen des Neurotransmittersystems (co) (C) motorisch-beobachtbares Verhalten (a) (D) somatisch-physiologische Prozesse (y) (E) subjektiv-kognitive Prozesse (ß) (F) unbewusstes automatisiertes Verhalten (ö) CDE
  • 17 Zur Erklärung der Wirksamkeit der verhaltenstherapeutischen Konfrontationstechni- ken wurde u. a. die Theorie der emotionalen Verarbeitung (Emotional Processing Theory, 1986, gemäß Foa und Kozak) formuliert. Welche der nachfolgend aufgeführten Bedingungen werden in dieser Theorie am ehesten als entscheidend dafür betrachtet, dass es durch eine Konfrontationsbe- handlung zu einer bleibenden Angstreduktion kommt? Wählen Sie 2 Antworten! (A) Die Konfrontation muss mit Ablenkung kombiniert werden. Es darf also keine „fokussierte“, reine Konfrontation durchgeführt werden. (B) Die Furchtstruktur muss möglichst vollständig aktiviert werden. (C) Jede einzelne Konfrontationssituation muss so lange fortgeführt werden, bis ei- ne vollständige Habituation erreicht ist. (D) Es müssen Informationen verarbeitet werden, die mit bisherigen Elementen der Furchtstruktur inkompatibel sind. (E) Die erste Reaktion auf den jeweiligen angstauslösenden Stimulus darf über die Sitzungen hinweg nicht abnehmen. (F) Der Entspannungszustand muss während der Konfrontation beibehalten werden. Es darf zu keiner gravierenden physiologischen Aktivierung kommen. BD
  • 18 Welche der folgenden Dimensionen gehören zur Achse Struktur der Operationalisier- ten Psychodynamischen Diagnostik OPD-2? Wählen Sie 3 Antworten! (A) Selbstwahrnehmung und Objektwahrnehmung (B) Kohäsion und Individuation (C) Konfrontation und Affiliation (D) Regression und Progression (E) innere Bindung und äußere Beziehung (F) emotionale Kommunikation nach innen und nach außen (G) Symptomauslösung und Reaktualisierung AEF Achse IV: StrukturStruktur bezieht sich auf das Selbst und seine Beziehung zu Objekten (siehe Arbeitskreis OPD2, 2006). Dabei sollen psychische Funktionen erfasst werden, die bei der Regulierung innerpsychischerProzesse ablaufen. Im Gegensatz zur Achse III, Konflikte, beschreibt die Strukturkeine Bedingungen der Symptomauslösung, sondern sie bezieht sich auf die Vulnerabilität derPersönlichkeit, die Disposition zur Krankheit und die Kapazität zur Verarbeitung von innerenKonflikten und äußeren Belastungserfahrungen (Arbeitskreis OPD, 1996). In der Strukturdiagnostikwird u. a. die Selbstwahrnehmung (wie nehme ich mich selbst und meine Gefühle wahr),die Selbststeuerung (wie reguliere ich meine Gefühle), die Abwehrmechanismen oder das Bindungsverhaltenberücksichtigt. Die OPD-2 unterscheidet „gute Integration“, „mäßige Integration“,„geringe Integration“ und „Desintegration“. Das wird anhand der vom Patienten/ von der Patientinberichteten Interaktionen und Erfahrungen, der strukturellen Fähigkeiten, der erlebten Gegenübertragungund der spontan oder auf Nachfrage gewonnenen Einschätzungen der eigenenPerson und des Verhaltens gewonnen (siehe Arbeitskreis OPD, 1996).
  • 19 Die Operationalisierte Psychodynamische Diagnostik (OPD-2) hat u. a. das Ziel, psy- choanalytische Konstrukte zu operationalisieren. Deshalb folgen die Achsen der OPD-2 einem psychodynamischen Verständnis. Dabei gehen die Autoren der OPD-2 davon aus, dass die ersten vier Achsen jeweils mit bestimmten psychoanalytischen Teilkonzepten übereinstimmen. Welche der folgenden Konzepte stimmen dabei jeweils gemäß den Annahmen und der Konzeptualisierung der OPD-2 am ehesten mit jeweils einer der ersten vier Ach- sen überein? Wählen Sie 2 Antworten! (A) Triebdynamik (B) Normorientierung (C) innere Konflikte (D) Coping (E) Beziehungsmuster (F) interpersonelle Probleme CE
  • 20 Wie lassen sich die in der Psychotherapie-Richtlinie aufgeführten Vorgaben zur Be- handlung von Suchterkrankungen am zutreffendsten umschreiben? Wählen Sie 2 Antworten! (A) Neben Alkohol- und Drogenabhängigkeit kann auch pathologisches Spielen zu Lasten der Gesetzlichen Krankenkasse behandelt werden. (B) Substanzmissbrauch (ICD-10: „Schädlicher Gebrauch“) ist im Gegensatz zu einer Substanzabhängigkeit keine Indikation für ambulante Richtlinienpsychothera- pie. (C) Eine Indikation für die Anwendung von Psychotherapie kann bei Abhängigkeit von psychotropen Substanzen bestehen, sofern Suchtmittelfreiheit bzw. Absti- nenz gegeben ist. (D) Noch akut bestehende Abhängigkeitserkrankungen von psychotropen Substan- zen dürfen nur behandelt werden, wenn innerhalb von 10 Sitzungen eine dau- erhafte Abstinenz erreicht und dies kontrolliert werden kann. (E) Die Psychotherapie-Richtlinie regelt explizit, dass Tabakabhängigkeit (ICD-10: F17.2) keine Indikation für die ambulante Psychotherapie darstellt. (ACD,AC,AD,CD)2
  • 21 Aufgabenfolge „Herr M., ein Vorsitzender Richter“ - Teil 1 Einfachauswahlaufgabe Herr M., Vorsitzender Richter am Oberlandesgericht, wird auf Bitten seiner Frau in der psychotherapeutischen Ambulanz vorstellig. Er wirkt sehr selbstbewusst, über- dreht und mitteilungsbedürftig. Er redet schnell, viel und unstrukturiert und lässt dem Therapeuten kaum Gelegenheit für Zwischenfragen. Er springt im Gespräch von einem Thema zum anderen und ist leicht ablenkbar. Er betont, eigentlich gehe es ihm gut, er fühle sich sogar sehr gesund, „höchstleistungsfähig“ und voller Taten- drang. In letzter Zeit wisse er gar nicht mehr, was er zuerst in Angriff nehmen solle, und bedauere es, dass der Tag nur 24 Stunden hat. In den letzten zwei Wochen komme er allerdings kaum noch zum Schlafen oder zu regelmäßigem Essen. Seine Frau mache sich mittlerweile wachsende Sorgen um seine Gesundheit. Außerdem gebe es eheliche Konflikte, weil er seiner Frau in den letzten Wochen einige Male untreu geworden sei, immer im Kontext von „etwas viel Alkohol“. Er sei bislang nicht in psychiatrischer oder psychotherapeutischer Behandlung gewesen, er fühle sich psychisch absolut gesund und gut gelaunt. Als „typischer Rheinländer“ seien ihm Zustände von Niedergeschlagenheit und schlechter Stimmung „nahezu wesens- fremd“. Welche der folgenden Diagnosen kommt auf Grundlage dieser Informationen nach der ICD-10 am ehesten in Frage? (A) Rapid Cycling (B) bipolare Störung, gegenwärtig manische Episode (C) Manie ohne psychotische Symptome (D) bipolare II Störung (E) Zyklothymia C
  • 22 Aufgabenfolge „Herr M., ein Vorsitzender Richter“ - Teil 2 (Ende) Kurzantwortaufgabe Zur Behandlung bipolarer Störungen existiert eine gültige sogenannte S3-Leitlinie. Für die (einzelne) manische Episode oder die Zyklothymia, die in der ICD-10 von der bipolaren affektiven Störung abgegrenzt werden, existieren derzeit dagegen keine eigenständigen S3-Leitlinien. (Deshalb hier eine Fragestellung zur Behandlung der bipolaren Störung, unabhängig davon, welche Diagnose auf den Patienten in Teil 1 der Aufgabenfolge tatsächlich zutrifft!) Welcher Wirkstoff ist nach der S3-Leitlinie für die Rezidivprophylaxe und Langzeit- behandlung der bipolaren Störung am ehesten als 1. Wahl zu bezeichnen? Lithium
  • 23 Aufgabenfolge „Patient mit Taubheitsgefühl“ - Teil 1 Einfachauswahlaufgabe Ein Patient sucht wegen eines akut aufgetretenen Taubheitsgefühls mit teilweisem Verlust der üblichen Tast- und Berührungsempfindungen im Bereich der rechten Körperhälfte zunächst ärztliche Hilfe und, nachdem eine organmedizinische Abklä- rung keinen somatischen bzw. neurologischen Befund erbracht hat, einen Psycho- therapeuten auf. im diagnostischen Gespräch gibt der zumeist freundlich lächelnde Patient an, dass er sich abgesehen von der Beschwerdesymptomatik gut fühle. Nen- nenswerte Probleme gebe es nicht. Im weiteren Verlauf wird deutlich, dass die Symptomatik aufgetreten war, nachdem der Patient beschlossen hatte, in einigen Wochen mit seiner Partnerin in eine gemeinsame Wohnung zu ziehen. Einen Zu- sammenhang zwischen der Symptomatik und dem Beschluss zusammenzuziehen sieht der Patient nicht. Wie ist das geschilderte Störungsbild diagnostisch nach der ICD-10 am ehesten ein- zuordnen? (A) Somatisierungsstörung (B) zoenästhetische Form der Schizophrenie (C) Konversionsstörung (D) somatoforme autonome Funktionsstörung (E) Angststörung (C) Konversionsstörung
  • 24 Aufgabenfolge „Patient mit Taubheitsgefühl“ - Teil 2 Kurzan twortaufgabe Im Laufe der psychotherapeutischen Sitzungen fällt auf, dass der Patient sich immer dann, wenn es inhaltlich um die Beziehung zu seiner Partnerin und das bevorste- hende Zusammenleben geht, unklar und vage ausdrückt und schnell das Thema wechselt. Desweiteren kommt er häufig zu den Sitzungen zu spät und kann sich meist nicht erinnern, worüber in der vorhergehenden Sitzung gesprochen worden war. Nach Sandler et al. behindern diese sich in der therapeutischen Interaktion zeigen- den Phänomene das Fortschreiten der Therapie. Welcher Begriff trifft für diese hier u. a. als Abwehr bzw. Abwehrmechanismen in Erscheinung tretenden Phänomene gemäß der psychoanalytisch orientierten Theorie zusammenfassend am ehesten zu? Widerstand In der Psychoanalyse gilt Widerstand als ein zentrales Konzept, seine Bearbeitung und Auflösung wird als einer der wichtigen Wirkfaktoren der psychoanalytischen Behandlung angesehen. Freud verwendete den Begriff erstmals in den Studien über Hysterie. Er konzeptualisierte damit zunächst die Beobachtung, dass sich dem erwünschten Auftauchen der Erinnerung in der damals noch hypnotischen Therapie unbewusst eine Kraft entgegenstelle, die jener der ursprünglichen Verdrängung bei der Entstehung des Symptoms entspreche. Der Widerstand steht in enger Verbindung zu den Abwehrvorgängen, durch welche die neurotischenSymptome entstanden sind, ist aber nicht mit ihnen gleichzusetzen. Vielmehr handelt es sich um einen behandlungstechnischen Begriff, der eine Vielzahl von Phänomenen des Verhaltens und Erlebens bezeichnet, die in der Behandlung einen Zugang zum Unbewussten des Patienten behindern: „Was immer die Fortsetzung der Arbeit stört, ist Widerstand.“ Mit der Zeit konzeptualisierte Freud das Verstehen und die allmähliche Deutung der Widerstände als ein Spezifikum der psychoanalytischen Behandlung. Der Widerstand gehört danach ebenso regulär zur Behandlung wie die Übertragung. In den verschiedenen Formen können Widerstände in allen Phasen der Behandlung auftreten und ermöglichen es, dass in der aktuellen Behandlungssituation die individuelle Entstehung der Symptome nachvollzogen werden kann. Schon Freud unterschied verschiedene Formen des Widerstands, die sich aus unterschiedlichen Quellen, dem Ich, dem Es, dem Über-Ich und der therapeutischen Arbeit selbst speisen können. Eine erste systematische Darstellung der Widerstands- und Abwehrformen erarbeitete 1936 Anna Freud. Eine umfassende Differenzierung der verschiedenen Formen, in denen sich Widerstände manifestieren können wie z. B. das Versäumen von Therapiestunden, das Zuspätkommen, das Ausbleiben von Träumen, das Agieren oder die Langeweile, beschrieb 1967 erstmals Ralph G. Greenson. Je nachdem welche Anzeichen auf einen Widerstand hindeuten, spricht man von Assoziationswiderstand, intellektueller Widerstand, Deutungswiderstand, Übertragungswiderstand, Über-Ich-Widerstand oder Charakterwiderstand. In der Art des Widerstandes zeigt sich die Ich-Stärke, also wie reif die Abwehrmechanismen sind, über die das Ich verfügt. So wird Agieren beispielsweise als Zeichen einer Ich-Schwäche interpretiert. Formen des Widerstands, weitere Entwicklungen. In einer Modifikation früherer Äußerungen unterschied Freud in Hemmung, Symptom und Angst (1926d) fünf Formen des Widerstands. Dabei ging er davon aus, dass mit der Zeit weitere Formen beschreibbar werden. Sie wurden von späteren Autoren mehrfach modifiziert und erweitert. Der Verdrängungswiderstand: Damit werden die Formen bezeichnet, bei denen das Ich sich gegen das Aufkommen der Erinnerung und der Verbalisierung von Material richtet.Der Widerstand, der im Zusammenhang eines sekundären Krankheitsgewinns auftreten kann: Darunter versteht Freud u. a. den ‚Vorteil‘, den ein Patient zu erzielen versucht, indem er danach strebt, die psychoanalytische Behandlung - und mit ihr den Analytiker - zum Zwecke seines Verlangens nach infantiler Befriedigung oder Erleichterung von Seiten der ihn liebevoll umsorgenden Menschen zu modifizieren.Der Übertragungswiderstand: Dabei wird der Behandlungsprozess durch die Übertragung der frühkindlich eingeprägten Bezugspersonen auf die Person des Analytikers behindert. Die Genesung anhand Diagnose und Therapie wird dabei sowohl durch eine allzu positive (erotisierte) Übertragung, als auch durch eine allzu negative, z. B. von Furcht oder Antipathie begleitete Übertragung erschwert - auch als Übertragungshassliebe bezeichnet.Diese ersten drei Widerstände bezeichnet Freud als Ich-Widerstände. Der Begriff Übertragungswiderstand vereinigt drei Aspekte: 1. den Widerstand gegen das Bewusstwerden der Übertragung als solcher, 2. den Widerstand in Form von positiver bzw. negativer Übertragung (Hassliebe) und 3. den Widerstand gegen die endgültige Auflösung der Übertragung. Der Widerstand gegen die Auflösung der Übertragung ergibt sich daraus, dass der Patient, sobald ihm die bislang hinter der Übertragung verborgen gebliebene Persönlichkeit des Therapeuten ahnbar zu werden beginnt, auch mit der Aussicht konfrontiert wird, Abschied von dem ins Über-Ich verinnerlichten Objekt nehmen zu sollen, das bald nach seiner Geburt zum Gegenstand starker und stärkster Affekte wurde, sei das mit ihnen verbundene Begehren positiv oder negativ. Narzisstische Hassliebe gegenüber den emotionell versagenden wiewohl für das Kind überlebensnotwendigen, es außerdem triebfeindlich erziehenden und ins Über-Ich internalisierten Bezugspersonen binden nach Freud erhebliche Mengen an Libido, die das Ich des Betroffenen freisetzen muss, wenn es wirklich etwas zur Genesung beitragen will, respektive bewusst einsetzen für die verschiedenen, triebhaften Bedürfnisse des Es im Zusammenhang des Nachholens der seelisch-emotionellen Reife. Gelingt dies, wird nicht nur einsehbar, was das Es eigentlich von seinem Ich-Bewusstsein will, sondern führt die Freisetzung der bisher in den narzisstisch-infantilen Ambitionen des Ichs sadomasochistisch fixierten Libidoquantitäten auch zu wirklichkeitsgetreueren Vorstellungen über die wahre Beschaffenheit der umgebenden Menschen, und zwar in Hinblick auf ihre Vorzüge nicht weniger als auf ihre Schwächen und Probleme. Diese Erkenntnisse werden nach und nach ebenfalls ins Über-Ich internalisiert, denn das ist die Funktion dieser Instanz oder Organs der Seele nach Freud. Das Über-Ich kann und soll Erfahrungen in sich aufnehmen (Phänomen der "Prägung"; neurosynaptischen Abspeicherung), um das Ich künftig im Sinne einer Befriedigung der Es-Bedürfnisse zu beraten. Die Übertragung wird somit im Kontext der Widerstandsanalyse betrachtet. Der Übertragungswiderstand bildet mit der Übertragungsneurose einen gemeinsamen Strang, bzw. die zwei Pole derselben Problematik. Über-Ich-Widerstand: Dies sind Hemmungen, die aus Scham- und Schuldgefühlen resultieren, die dem Ich des moralisch-triebfeindlich erzogenen Über-Ichs herab einsuggeriert werden und daher den Fortschritt der Behandlung in Richtung der Befreiung des Es von seiner Verdrängtheit ins Unbewusste behindern. Die Versuche der Deutung von Träumen oder anderen Verhaltens werden wenigstens partiell abgelehnt vom Ich, sobald sie dort Scham- oder Schuldgefühle hervorrufen - ergänzt von Rationalisierungen, die die Vorzüge der Moralerziehung auch im Kontext der eher säkulär ausgerichteten Gesellschaftssysteme anpreisen. Näheres zum allgemein gehaltenen Charakter solcher Rationalisierungen führt Freud aus in Die Zukunft einer Illusion (1927).Es-Widerstand: Widerstand gegenüber Gewohnheiten, Rationalisierungen und Funktionsweisen, deren illusorischer Gehalt in den Behandlungssitzungen diagnostisch aufgedeckt und die daher therapeutisch verändert oder ganz aufgegeben werden sollen.Fenichel unterschied 1945 zwei Arten von Ich-Widerständen: Der akute Widerstand: Der Patient richtet sich durch konkrete Verhaltensweisen wie Schweigen gegen die Aussagen oder Interpretationen des Analytikers. Weil diese Art Widerstand konkret ist (im Sinne einer Notfallmaßnahme), kann er angesprochen und dem Patienten leichter bewusst gemacht werden als der anschließend genannte Charakterwiderstand.Charakterwiderstand: Unabhängig von unmittelbaren Situationen drückt sich der Charakterwiderstand in der Übertragung aus.Glover (1995) unterscheidet zwischen offenkundigen und unauffälligen Widerständen: Offenkundige Widerstände zeigen sich in folgenden, nicht als Zufall erklärbaren Verhaltensweisen: „Verspätung, Versäumen von Stunden, Schweigen, Weitschweifigkeit, automatisches Ablehnen oder Missverstehen aller Äußerungen des Analytikers, gespielte Dummheit, ständige Zerstreutheit, Einschlafen und schließlich auch Abbruch der Behandlung“.Unauffällige Widerstände können sich beispielsweise in scheinbarer Zustimmung zu allem oder dem Anbieten von interessantem Material ohne emotionale Beteiligung zeigen.Erik H. Erikson prägte den Begriff Identitätswiderstand, womit die Furcht des Patienten angesprochen wird, der Analytiker ihm gegenüber könne den pathogenen, wiewohl wertgeschätzen "Kern" seiner Identität gleichsam vernichten, indem er diesen durch seine eigenen Wert- und Glücksvorstellungen unterwandert, infiltriert oder zum Zusammenbruch bringt. Die Erweiterung des Behandlungsspektrums der Psychoanalyse veränderte den Blick auf die Widerstandsphänomene. Viele neuere Autoren kommen zu dem Schluss, dass bei Patienten mit frühen Störungen wie Widerstand wirkende Formen auf Entwicklungsdefiziten beruhen können und eine andere Funktion haben. Sie können als reparativen Versuch zur Erhaltung der Objektbeziehung gesehen werden. Entsprechend sollen sie nicht gedeutet, sondern durch empathische Begleitung überwunden werden. Seit den 1950er Jahren finden sich Darstellungen darüber, dass nicht nur im Patienten, sondern auch im Analytiker Widerstände entstehen können, die als ein Phänomen der Gegenübertragung aufgedeckt werden müssen, um den therapeutischen Prozess nicht zu behindern. Außerdem kam im Zuge der interpersonellen Ansätze in der Psychoanalyse zunehmend in den Blick, wie auch Haltungen und Einstellungen des Analytikers bei der Entstehung von Widerständen mitwirken. Der Umgang mit dem WiderstandIn der Psychoanalyse werden die Widerstände schrittweise auf ihre unbewussten Wurzeln zurückgeführt und dem Patienten gedeutet. Da eine häufige Quelle der Widerstände die Übertragungsbeziehung ist, nimmt die Analyse der Übertragungswiderstände dabei eine wichtige Rolle ein. Dadurch werden die unbewussten Mechanismen aus dem Dort und Damals in das Hier und Jetzt geholt und können in der therapeutischen Beziehung durchgearbeitet werden. Gelingt die Widerstandsanalyse, können die verdrängten Motive nach und nach integriert werden, womit zugleich die Behandlung selbst voranschreitet. Verschiedene Analytiker reagieren auf Widerstand unterschiedlich, was mit ihrem Charakter, bisherigen und vergangenen Beziehungen, sowie der Tagesform zusammenhängt. Zachatias schug 1967 vor, zunächst auf die Deutung des Widerstandes zu verzichten und sich auf die reine Beschreibung des Widerstandsverhaltens zu beschränken, was man als "deskriptiven Widerstandsbearbeitung" bezeichnen könnte. Er folgt damit Freuds Anweisung, keine inhaltliche Deutung zu geben. Karl König verwendete den Begriff „optimales Widerstandsniveau“, um zu verdeutlichen, dass es der Psychoanalyse nicht darum gehe, den Widerstand ihrer Patienten so gering wie möglich zu halten, sondern darum, ihnen zunehmende Umstrukturierungen zu ermöglichen, die sich schließlich unter allen zur Verfügung stehenden Kräften für jedes der verschiedenen Es-Belange einsetzen, anstatt dies triebhafte Begehren neurotisch ignorant vom Bereich der bewussten Realitätswahrnehmung fernzuhalten. Uneinigkeit innerhalb der Psychoanalyse herrscht über die Frage, wann Widerstände zu deuten seien. So vertritt die auf Melanie Klein zurückgehende Ausrichtung die Auffassung, dass Widerstände sehr früh gedeutet werden müssen, insbesondere dann, wenn sie mit einer negativen Übertragung einhergehen und deshalb angsterzeugend sind. Durch die Deutung vermindert sich nach dieser Auffassung diese Angst. Einigkeit besteht darin, dass die beziehungsregulierende Funktion des Widerstandes im Mittelpunkt stehen sollte, sowie darin, dass der angemessene Umgang mit den Widerständen stets vom Strukturniveau des Patienten bzw. dem aktuell bestehenden Regressionsniveau abhängt. Diese Auffassung geht u. a. auf Michael Balint zurück, der beschrieb, dass in bestimmten Phasen der Regression sprachliche Mitteilungen nicht als solche vom Patienten verstanden werden können
  • 25 Aufgabenfolge „Patient mit Taubheitsgefühl“ - Teil 3 (Ende) Mehrfachauswahlaufgabe Welche der folgenden therapeutischen Interventionen sind nach den vorliegenden Informationen (aus Teil 1 und Teil 2 der Aufgabenfolge) im Rahmen der psychody- namischen Therapie im Umgang mit den Verhaltensweisen des Patienten differen- ziell am ehesten indiziert und vordringlich? Wählen Sie 3 Antworten! (A) Klarifikation der auffälligen Verhaltensweisen aus Teil 2 der Aufgabenfolge (B) Edukation bezüglich der Aufgaben und Pflichten eines Patienten in der Psycho- therapie (C) Konfrontation mit den beschriebenen Verhaltensweisen aus Teil 2 der Aufga- benfolge (D) Deutung eines unbewussten Konflikts im Zusammenspiel mit Klarifikation und Konfrontation (E) strukturbezogene Arbeit an den Ich-Defiziten des Patienten ACD
  • 26 Was wird in der Psychotherapieforschung am ehesten unter einer Komponentenstu- die verstanden (der Begriff Dismantling-Studie wird gelegentlich dazu gleichbedeu- tend verwendet)? (A) Vergleich einer lege artis durchgeführten Therapie mit einer Variante, die eine bestimmte Komponente weglässt oder hinzufügt (B) Ermittlung der Korrelation des Ausprägungsgrades bestimmter Behandlungs- komponenten mit der Höhe des Behandlungserfolges (C) Untersuchung unterschiedlicher Behandlungsformen oder Therapieprogramme hinsichtlich gemeinsamer Behandlungskomponenten (D) Analyse der differenziellen Wirksamkeit unterschiedlicher Behandlungskompo- nenten bei unterschiedlichen Störungen (E) Untersuchung der Unterschiede in der Wirksamkeit bestimmter Behandlungs- komponenten in verschiedenen zeitlichen oder inhaltlichen Stadien einer The- rapie A
  • 26 Was wird in der Psychotherapieforschung am ehesten unter einer Komponentenstu- die verstanden (der Begriff Dismantling-Studie wird gelegentlich dazu gleichbedeu- tend verwendet)? (A) Vergleich einer lege artis durchgeführten Therapie mit einer Variante, die eine bestimmte Komponente weglässt oder hinzufügt (B) Ermittlung der Korrelation des Ausprägungsgrades bestimmter Behandlungs- komponenten mit der Höhe des Behandlungserfolges (C) Untersuchung unterschiedlicher Behandlungsformen oder Therapieprogramme hinsichtlich gemeinsamer Behandlungskomponenten (D) Analyse der differenziellen Wirksamkeit unterschiedlicher Behandlungskompo- nenten bei unterschiedlichen Störungen (E) Untersuchung der Unterschiede in der Wirksamkeit bestimmter Behandlungs- komponenten in verschiedenen zeitlichen oder inhaltlichen Stadien einer The- rapie A
  • 27 In der Psychotherapieforschung ist mit dem Äquivalenz-Paradox(-on) (auch: Äquiva- lenz-Hypothese) am ehesten gemeint, dass (A) sehr ähnlich durchgeführte Behandlungen sehr unterschiedliche Ergebnisse er- zielen können (B) sehr unterschiedliche Störungen mit der gleichen Therapiestrategie behandelt werden können (C) Therapien von Patienten, welche die gleiche Störung aufweisen und welche mit dem gleichen Verfahren behandelt werden, dennoch sehr unterschiedliche Er- gebnisse erzielen können (D) unterschiedliche Therapiekonzepte zu sehr ähnlichen Effekten führen und kein Konzept den anderen generell überlegen ist (E) die gleichen Therapeuten bei Patienten mit der gleichen Störung sehr unter- schiedliche Ergebnisse erzielen können D
  • 28 Bildgebende Verfahren vermitteln Hinweise auf das Aktivitätsniveau von Hirnstruk- turen im Sinne neurobiologischer Korrelate einzelner Störungsbilder. Welche der folgenden Funktionsveränderungen neuronaler Strukturen ist bei de- pressiven Störungen insbesondere festzustellen? (A) Hyperaktivität des Hippocampus (B) okzipitale Dysfunktion (C) präfrontale Dysfunktion (D) zerebelläre Dysfunktion (E) parietale Dysfunktion C
  • 29 Bei der Ableitung des EEG wird die hirnelektrische Aktivität gemessen. Welche der folgenden EEG-Wellenformen ist/sind am ehesten typisch für den ent- spannten oder aktivierten Wachzustand beim gesunden erwachsenen Menschen (nicht gemeint sind damit besondere oder extremere Formen der Wachheit wie tie- fere Entspannung, veränderte Bewusstseinszustände, extrem hohe Konzentration, extremere emotionale Zustände)? (1 Antwort!) (A) Gamma-Wellen (B) Delta-Wellen (C) Spikes und Waves (D) Alpha- und Beta-Wellen (E) Theta-Wellen D
  • 30 Die Prozesse der Bildung von Assoziationen zwischen mehreren einzelnen Sinnesein- drücken und Einzelerfahrungen bei der Enkodierung in Gedächtnisinhalte des dekla- rativen Gedächtnisses werden auch als Konsolidierungsvorgänge bezeichnet. Für diese Konsolidierungsvorgänge gilt eine bestimmte Hirnregion als wesentlich, wäh- rend davon Hirnstrukturen abzugrenzen sind, die für die Speicherung der gebildeten Gedächtnisinhalte im Langzeitgedächtnis zuständig sind. Welche der folgenden Hirnregionen gilt am ehesten als die für die genannten Konso- lidierungsvorgänge wesentliche Hirnregion? (A) Gyrus postcentralis (B) Frontalcortex (C) Kleinhirn (D) Hippocampus (E) Hinterhauptlappen D
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  • 31 Wie nennt man am ehesten die Wahrnehmung von Vorgängen im Körperinneren wie z. f (A) Intrusion (B) Introversion (C )Introspection (D) Introjektion (E) Interozeption E
  • 32 In einer epidemiologischen Studie wird die Anzahl der während eines bestimmten Zeitraums neu aufgetretenen Fälle einer Krankheit innerhalb einer Population be- stimmt. Um welchen der folgenden Kennwerte handelt es sich dabei? (A) attributables Risiko (B) Inzidenz (C) Prävalenz (D) relatives Risiko (E) Sensitivität B
  • 33 Die Rational-Emotive-Therapy wurde von A. Ellis entwickelt. Sie beinhaltet das sog. ABC-Schema (Activating Event, Belief, Consequences). Welche der folgenden Begrifflichkeiten spielt im Belief-System nach Ellis am ehes- ten eine zentrale Rolle? (A) Volition (B) Selbstregulationsmechanismen (C) irrationale Annahmen (D) zentrale Beziehungskonflikte (E) Meta-Sorgen C
  • 34 In der Psychoanalyse befasst sich das oftmals als Strukturmodell bezeichnete 2. topische Modell nach S. Freud im Wesentlichen mit (A) der Systematik der neurosenstrukturellen Persönlichkeitsstrukturen auf der Ba- sis der Dominanz bestimmter Abwehrmechanismen (B) der Systematik der Einteilung in Strukturniveaus auf der Basis der Verfügbarkeit von Ich-Funktionen (C) der modellhaften Beschreibung des „psychischen Apparats“ mit den Systemen/ Instanzen Ich, Es, Über-Ich (D) der Systematik der Einteilung in neurotische, Borderline- und psychotische Per- sönlichkeitsorganisationen (E) der modellhaften Beschreibung der Psyche mit den Systemen „Bewusst“, „Vor- bewusst“, „Unbewusst“ (C) der modellhaften Beschreibung des „psychischen Apparats“ mit den Systemen/Instanzen Ich, Es, Über-Ich Das Strukturmodell der Psyche, auch „zweite Topik“ genannt, ist ein von Sigmund Freud beschriebenes Modell der Psyche des Menschen. Danach besteht sie aus drei Instanzen mit unterschiedlichen Funktionen: dem Es, dem Ich und dem Über-Ich. Freud arbeitete dieses Modell erstmals 1923 in seiner Schrift Das Ich und das Es aus. Das Modell wird auch als „zweites topisches System“ und als „Drei-Instanzen-Modell“ bezeichnet. Das EsDer Begriff „Es“ bezeichnet jene unbewusste Struktur, deren Inhalt psychischer Ausdruck der Triebe (z. B. Nahrungstrieb, Sexualtrieb, Todestrieb), Bedürfnisse (z. B. Geltungsbedürfnis, Angenommenseinsbedürfnis) undAffekte (Neid, Hass, Vertrauen, Liebe) ist.[1] Das Es handelt nach dem Lustprinzip, das heißt es strebt nachunmittelbarer Befriedigung seines Strebens. Die Triebregungen des Es prägen und strukturieren das menschlicheHandeln unbewusst, das heißt sie wirken, ohne dass dem Handelnden diese Wirkung immer explizit bewusst ist. Entstehung des EsDas Es ist die psychisch zuerst entstandene, teilweise auch angeborene Instanz der Seele. Wenn ein Menschgeboren wird, scheint er psychisch nichts anderes zu sein als ein Triebbündel. Folgende angeborene Triebe (u. a.) lassen sich feststellen: mit dem Mund etwas zu vereinnahmen, aufzunehmen, zu spüren, satt sein zu wollen, (orale Phase)ein angenehmes Hautgefühl haben zu wollen (nicht frieren, trockengelegt sein zu wollen, Bedürfnis nachgroßflächigem Hautkontakt, Berührung).Die Art und Weise, wie die Bedürfnisbefriedigung immer wieder erlebt wird, das Maß und die Art der Lust- undUnlusterfahrungen, bildet nach der Freud'schen Triebtheorie die weiteren Bedürfnisse und Emotionen einesMenschen aus, seine „Triebstruktur“ bzw. seinen unbewussten Charakter. Vernachlässigung wie Überversorgungseitens der Umwelt prägen den Charakter des Kindes suboptimal. Je nachdem, wie die Mitwelt - vor allem die Mutter- auf die Triebäußerungen des Kindes eingeht, entstehen aus Triebimpulsen Gefühle und Bedürfnisse. Das IchDer Begriff des „Ich“ bezeichnet in Freuds Modell jene Instanz, die dem bewussten Denken des Alltags, demSelbstbewusstsein entspricht. Das Ich vermittelt „zwischen den Ansprüchen des Es, des Über-Ich und der sozialenUmwelt mit dem Ziel, psychische und soziale Konflikte konstruktiv aufzulösen.“  Der reife und psychisch gesundeMensch setzt so an die Stelle des triebhaften Lustprinzips das Realitätsprinzip. Zu den Elementen des Ichs zählt man in erster Linie die Bewusstseinsleistungen des Wahrnehmens, des Denkensund des Gedächtnisses. Zum Ich zählt man in weiterentwickelten psychoanalytischen Theorien auch das Ich-Gewissen (die vom Ich kritisch und selbstkritisch geprüften handlungsleitenden moralischen Prinzipien, Werte undmoralischen Einzelnormen aus dem Über-Ich und aus den Ansprüchen der sozialen Umwelt) sowie die Vorstellungenüber die eigene Person, das Selbstbild bzw. Selbst. Entstehung des IchsNach den ersten Lebensmonaten erfährt ein Neugeborenes immer deutlicher, dass es von Dingen und anderenMenschen unterschieden ist. Es entwickelt ein erstes Bewusstsein von den eigenen Körpergrenzen undSelbstgefühlen. „In den folgenden vier Lebensjahren lernt ein Kind (vorsprachlich und deshalb auch unbewusst) dieFragen zu beantworten: 'Wer bin ich?' - 'Was kann ich?' und somit sein Selbstbewusstsein auch inhaltlich zu füllen.“ [3] Um das Es herum wird also eine Zone aufgebaut, die man als „frühes Ich“ bezeichnen kann. Dieses frühe Ich, dassich wie eine Hülle um das Es legt, wird somit von den frühen Körperrepräsentanzen und den frühenSelbstrepräsentanzen gebildet. Die frühen Körperrepräsentanzen sind die kindlich grundgelegten Bewusstseins- undGefühlsinhalte über Körperbereiche. Zu den frühen Selbstrepräsentanzen zählen die kindlich grundgelegtenBewusstseins- und Gefühlsinhalte bezüglich der eigenen Person. Sie bestimmen den Sozialcharakter und all unserespäter erworbenen Selbstvorstellungen (wer wir sind, was wir fürchten und erhoffen, was wir uns zutrauen...) aufunterschiedliche Weise mit. Zum frühen Ich zählte Freud auch den sozialisationsgebildeten Charakter eines Menschen: die bewusstseinsfähigenEmotionen und Bedürfnisse, die in Art und Intensität aus den Grundtrieben des Es durch den Sozialisationsprozessgeformt worden sind. Dabei bezeichnete Freud die sozialisationsgeformten Emotionen und Bedürfnisse als„Triebabkömmlinge des Es im Ich“. Das Es mit seinen angeborenen Triebimpulsen wird hier mit einem Baumstammverglichen, aus dem das frühe Ich als Krone herauswächst. Deswegen nennt Freud diesen Teil des Ichs ein Produktdes Es: Er ist aus dem Material des Es (aus Grundtrieben) entwickelt worden. Das Über-IchDer Begriff „Über-Ich“ bezeichnet jene psychische Struktur, in der soziale Normen, Werte, Gehorsam, Moral und dasGewissen angesiedelt seien. Sie seien vor allem durch Erziehung erworben und spiegeln die von außen an das Kindherangetragenen, verinnerlichten Werte der Gesellschaft, insbesondere der Eltern wider. Erst durch dieHerausbildung des Über-Ich erwerbe der Mensch die Fähigkeit, sich sozialgerecht zu verhalten und seineursprünglichen Triebregungen eigenständig zu kontrollieren. Schuldgefühle tauchten auf, wenn die Gebote undVerbote des Über-Ichs nicht befolgt würden. Entstehung des Über-IchsAls Vorläufer für die Entstehung des Über-Ichs werden die Eltern-Imagines angesehen (archaisches Über-Ich). DieEntwicklung des Über-Ichs gehe einher mit der des Ichs, da ein verständlicher Zusammenhang einerseits zwischender elterlichen Anerkennung und Bewunderung bestehe, die zur Ich-Stärkung führe, und andererseits der Billigung, die aus der Befolgung elterlicher Normen und Prinzipien erwachse. Das Über-Ich des Kindes könne sich allerdingsauch gegen die Eltern richten, indem es sich gewissermaßen „für den Ungehorsam“ entscheidet („Trotzphase“). Letztlich sei das Über-Ich ein abgetrennter Teil des Es, d.h. für Freud sind Moral und Gewissen Elemente der Gefühlswelt. Darin unterscheidet er sich grundlegend einerseits von Kant, demzufolge Moral ein „Faktum derVernunft“ sei, die nicht mit Gefühlen außer dem Gefühl der Achtung für andere Vernunftwesen einhergehe, andererseits von Gauthier, für den Moral Zweckrationalität ist.
  • 35 Persönlichkeitsstörungen lassen sich aus psychodynamischer Sicht z. B. in die zwei folgenden Formen oder „Typen“ unterteilen: einen neurotischen Typus auf meist mäßigem Strukturniveau, bei dem Persön- lichkeitsstörung als neurotischer Charakter / Charakterneurose gesehen werden kann, einen strukturellen Typus mit ausgeprägter struktureller Störung, bei dem Per- sönlichkeitsstörung einen Ausdruck und die Bewältigung ich-struktureller Stö- rungen darstellt. Welche der nachfolgend genannten Persönlichkeitsstörungen ist nach dieser Eintei- lung am ehesten dem neurotischen Typus zuzuordnen? (A) Borderline-Persönlichkeitsstörung (B) schizoide Persönlichkeitsstörung (C) dissoziale Persönlichkeitsstörung (D) paranoide Persönlichkeitsstörung (E) zwanghafte Persönlichkeitsstörung E
  • 36 Rudolf beschreibt in seiner Darstellung des Zusammenspiels von Struktur und Kon- flikt vier Grundkonflikte sowie deren Verarbeitungen und daraus entstehende Sym- ptombildungen. Welche der folgenden Aufzählungen enthält diese vier von Rudolf genannten Grund- konflikte? (A) Grundkonflikte der Nähe, der Bindung, des Selbstwerts und der Abhängigkeit (B) Grundkonflikte der Nähe, der Bindung, des Selbstwerts und der Lust/Unlust (C) Grundkonflikte der Kontrolle, der Bindung, des Selbstwerts und der Lust/Unlust (D) Grundkonflikte der Nähe, der Aggression, der Sexualität und der Identität (E) Grundkonflikte der Nähe, der Bindung, der Autonomie und der Identität E GRUNDKONFLIKTENACH RUDOLF (2004)• Grundkonflikt der Nähe (Schizoider Grundkonflikt)Wunsch nach Nähe vs. Angst vor Überwältigung• Grundkonflikt der Bindung (Depressiver Grundkonflikt)Verlangen nach einem haltgewährenden, idealen Objekt vs. Objektenttäuschung, -entwertung, -vermeidung• Grundkonflikt der Autonomie (Narzisstischer Grundkonflikt)Autonomiewunsch vs. Objektverlustangst• Grundkonflikt der IdentitätBedürfnis, eigene Identität zu leben vs. Anpassung an Erwartungen und Verbote anderer
  • 37 Nach der Operationalisierten Psychodynamischen Diagnostik OPD-2 lassen sich typi- sche dominierende Ängste unterschiedlichen strukturellen Integrationsniveaus zu- ordnen. Bei welchem strukturellen Integrationsniveau der OPD-2 ist die Angst, die Zuneigung (Liebe) des Objekts zu verlieren, die zentrale Angst? (A) bei gut integriertem Strukturniveau (B) bei mäßig integriertem Strukturniveau (C) bei gering integriertem Strukturniveau (D) bei desintegriertem Strukturniveau (E) bei keinem der genannten Strukturniveaus (A) bei gut integriertem Strukturniveau Für jedes strukturelle Item, aber auch für jede strukturelle Dimension (Selbstwahrnehmung,Objektwahrnehmung, Selbstregulierung etc.) sowie für die Struktur alsGanzes lässt sich ein strukturelles Niveau einschätzen. Die OPD-Struktureinschätzungunterscheidet vier Niveaus der strukturellen Integration: gut, mäßig, gering,desintegriert. Die vier Stufen sind inhaltlich defi niert, wobei die Markierung vonZwischenstufen möglich ist.1 Gut integriert: Ein relativ autonomes Selbst verfügt über die Möglichkeiten,Nähe und Distanz zu den Objekten zu regulieren und bei ihnen ggf. Unterstützungund Sicherheit zu erfahren. Das Selbst verfügt über einen strukturiertenpsychischen Binnenraum, in dem konfl ikthaft e Erfahrungen intrapsychischdurchgespielt werden können. Es gibt Steuerungsmöglichkeiten, welche dieKonfl ikte intrapsychisch halten, sowie die Fähigkeit, die innere Welt selbstrefl exiv,die äußere Welt realitätsgerecht und empathisch wahrzunehmen. In derinneren Welt fi nden sich ausreichend gute innere Objekte.Zentrale Angst: Die Zuneigung der Objekte zu verlieren, beschämt, bestraftoder beschädigt zu werden und in der eigenen sozialen und psychosexuellenIdentität bedroht zu sein.1,5 Gut bis mäßig integriert: Anteile von 1 und 22 Mäßig integriert: Die Erfahrung von Nähe, Bindung, Autonomie und Identitätist eingeschränkt möglich. Die entsprechenden Bedürfnisse sind heft ig, dieKonfl ikte sind scharf, die Steuerung ist schwierig. Es bestehen autoaggressiveund selbstentwertende Tendenzen. Das Selbst ist bedürft ig und kränkbar, dieBilder der Objekte sind auf wenige Muster eingeengt, Konfl ikte können nur mitMühe intrapsychisch gehalten werden, dyadische Beziehungen sind vorherrschend.Zentrale Angst: Angst, das wichtige Objekt zu verlieren, von dem gewährendenObjekt verlassen zu werden; Angst vor Verlust der Kontrolle und Steuerung,Angst vor den eigenen heft igen Impulsen.2,5 Mäßig bis gering integriert: Anteile von 2 und 33 Gering integriert: Das Selbst ist sehr bedürft ig, sehr kränkbar, sehr impulsiv, dasBild der Objekte ist bedrohend-verfolgend oder als Sehnsuchtsobjekt ideal-gut.Positive Erfahrungen von Nähe, Bindung, Autonomie und Identität werden seltengemacht. Es besteht ein wenig entwickelter psychischer Binnenraum und einegeringe Diff erenzierung psychischer Substrukturen, Konfl ikte werden interpersonellstatt intrapsychisch erfahren. Die Beziehung zu den anderen ist durch fehlendeEmpathie und eingeschränkte Kommunikationsfähigkeit belastet.Zentrale Angst: Angst vor der Überwältigung und Auslöschung durch die gefährlichenObjekte, vor dem vernichtenden Gekränktwerden, Angst vor dengnadenlosen inneren und äußeren Objekten.3,5 Gering bis desintegriert: Anteile von 3 und 458 4 Strukturelle Störungen4 Desintegriert: Desintegriert ist nicht gleichbedeutend mit desorganisiert. Diefehlende Kohärenz des Selbst und die überfl utende Emotionalität werden durchAbwehrmuster im Sinne postpsychotischer, posttraumatischer, perverser Organisationsformenüberdeckt. Selbst- und Objektbilder erscheinen konfundiert.Gute innere Objekte sind nicht verfügbar. Empathisches Objektwahrnehmenist so gut wie unmöglich. Verantwortung für eigenes impulsives Handeln wirdnicht erlebt; Handlungen erfolgen teilweise in dissoziativen Bewusstseinszuständen.Gegenübertragung ist geprägt durch die Erfahrung des Unverständlichenoder unheimlich Bedrohlichen.Zentrale Angst: Angst vor den unheimlichen Objekten, die eher medial alsobjektal erscheinen, Angst vor Ichverlust und Selbstaufl ösung; Angst vor demDruck der eigenen Partialtriebe.
  • 38 Wie groß ist die Standardabweichung der T-Normskala (z. B. Symptom Checkliste SCL-90-R)? (A) 5 (B) 8 (C) 10 (D) 12 (E) 15 C
  • 39 Welches der folgenden Symptome einer Schizophrenie gehört zu den Positiv- symptomen? (A) Affektverflachung (B) Anhedonie (C) Apathie (D) sozialer Rückzug (E) Wahn E
  • 40 Zu welcher der folgenden Kategorien (Merkmalsbereiche) psychopathologischer Symptome (Merkmale) werden die Symptome der Gedankenausbreitung und des Ge- dankenentzugs am ehesten gezählt? (A) Ich-Störungen (B) Aufmerksamkeits- und Gedächtnisstörungen (C) Sinnestäuschungen (D) formale Denkstörungen (E) Störungen der Affektivität A
  • 41 Welches der folgenden Interviewverfahren ist am ehesten dafür konzipiert, einen psychopathologischen Befund zu erheben? (A) Internationale Diagnosen Checklisten (IDCL) (B) Composite International Diagnostic Interview in der computergestützten DIA-X Version (DIA-X-CIDI) (C) Biographische Anamnese (nach Dührssen) (D) AMDP-System (AMDP: Arbeitsgemeinschaft für Methodik und Dokumentation in der Psychiatrie) (E) Diagnostisches Interview bei Psychischen Störungen (DIPS) (D) AMDP-System (AMDP: Arbeitsgemeinschaft für Methodik und Dokumentation inder Psychiatrie)
  • 42 In Anlehnung an die Typologie von Jellinek lassen sich verschiedene Formen einer Alkoholabhängigkeit unterscheiden. Was trifft auf den Typus des Delta-Trinkers nach dieser Typologie am ehesten zu? (A) Das Trinken von Alkohol dient vorrangig als Versuch der Bewältigung von Stress oder Angst. (B) Der Betroffene trinkt Alkohol unregelmäßig bei sich im Alltag bietenden Gele- genheiten, dann aber übermäßig. (C) Der Betroffene trinkt Alkohol, bis er einen starken Rausch entwickelt hat. (D) Der Betroffene trinkt über den Tag verteilt regelmäßig Alkohol. (E) Es kommt periodisch zu einem unkontrollierten Alkoholkonsum. (D) Der Betroffene trinkt über den Tag verteilt regelmäßig Alkohol. Die Alkoholikertypologie nach Jellinek ist die in der Medizin gebräuchlichste Klassifikation des Alkoholismus. Sie wurde 1960 erstmals von Elvin M. Jellinek in dem Buch "The Disease Concept of Alcoholism" vorgestellt. 2 TypenJellinek unterscheidet 5 verschiedene Typen von "Alkoholikern". Die Typen werden abgekürzt mit den ersten 5 Buchstaben des griechischen Alphabets. 2.1 Alpha-TrinkerAlphatrinker (Problemtrinker) trinken, um seelische Belastung leichter zu ertragen. Es besteht keine körperliche Sucht, jedoch eine seelische Abhängigkeit. Das Trinkverhalten ist undiszipliniert. Es kommt jedoch nicht zu einem Kontrollverlust. Gesundheitsschäden und soziale Auffälligkeiten sind nicht selten. Übergang in die Alkoholabhängigkeit vom Gamma-Typ (s. u.) ist häufig. 2.2 Beta-TrinkerBeta-Trinker (Gelegenheitstrinker) trinken unter der Übernahme gesellschaftlicher Konsummuster (z.B. auf Feiern jeglicher Art). Obwohl Beta-Trinker weder psychisch noch physisch süchtig sind, sind sie leicht zum Konsum zu verleiten und schädigen durch unverantwortliches Handeln ihre Gesundheit. Beta-Trinker sind suchtgefährdet (nicht selten Übergang in einen Delta-Alkoholismus). 2.3 Gamma-TrinkerGamma-Trinker (Suchttrinker) sind psychisch stärker süchtig als physisch. Beim Trinken kommt es zum Kontrollverlust. Trinkexzesse und unauffällige Phasen wechseln sich ab. Durch den ersten Schluck Alkohol wird immer häufiger ein scheinbar unstillbares Verlangen nach immer mehr Alkohol ausgelöst. 2.4 Delta-TrinkerDelta-Trinker (Spiegeltrinker) sind körperlich stärker abhängig als psychisch. Delta-Trinker benötigen eine bestimmte Mindestmenge Alkohol, um sich gut zu fühlen. Ohne Alkohol leiden Delta-Trinker unter häufig unerwartet heftigen Entzugserscheinungen wie Tremor, Diarrhö und Schlaflosigkeit und fallen sozial eher auf. 2.5 Epsilon-TrinkerEpsilon-Trinker (Quartalssäufer) sind psychisch abhängig. Sie können über Monate abstinent sein, gefolgt von Episoden exzessiven Alkoholkonsums. In diesen Phasen ist ein Kontrollverlust vorhanden. Trinkexzesse können tagelang fortgeführt werden und zu vorübergehendem Gedächtnisschwund(Filmriss) und illusionärer Verkennung führen. Nach einer solchen Phase folgt in der Regel wieder eine Phase der Abstinenz.
  • 43 Das Depersonalisations- und Derealisationssyndrom tritt nach ICD-10 (F48.1) selten in reiner oder isolierter Form auf. Häufiger finden sich Depersonalisations- und De- realisationsphänomene bei anderen Störungen. Bei welcher der folgenden Störungen bzw. Gruppen von Störungen treten Deperso- nalisations- und Derealisationsphänomene nach der ICD-10 häufiger auf? (A) Zwangsstörungen (B) Essstörungen (C) Störungen der Geschlechtsidentität (D) Entwicklungsstörungen (E) Störungen des Sozialverhaltens (A) Zwangsstörungen Depersonalisation ist das dritthäufigste Symptom bei einer Angststörung und einer depressiven Störung (Cattell u. Cattell 1974). Sie ist auch mit Zwangsstörungen recht häufig komorbid (Lochner et al. 2004).
  • 44 Welcher der folgenden Begriffe trifft am ehesten auf unangemessene kompensatori- sche Verhaltensweisen im Rahmen von Essstörungen zu, die aus Sicht der Betroffe- nen eine Gewichtszunahme verhindern sollen? (A) Prompting (B) Fading (C) Checking (D) Purging (E) Binge Eating D
  • 45 Affektive Störungen können in verschiedenen Zusammenhängen auftreten. Wie ist nach der ICD-10 eine Depression am ehesten zu kategorisieren, die nach- weisbar durch eine zerebrale oder andere körperliche Störung verursacht wurde? (A) Anpassungsstörung mit depressiver Reaktion (F43.2) (B) leichte depressive Episode (F32.0) (C) Neurasthenie (F48.0) (D) organische affektive Störung (F06.3) (E) psychische und Verhaltenseinflüsse bei andernorts klassifizierten Krankheiten (F54) (D) organische affektive Störung (F06.3)
  • 46 Das absichtliche Erzeugen oder Vortäuschen somatischer oder psychischer Sympto- me ist ein Kennzeichen verschiedener Störungen. Eine dieser Störungen ist die arti- fizielle Störung. Welches der nachfolgenden Merkmale spricht nach der ICD-10 für eine artifizielle Störung (F68.1)? (A) Verbergen der Symptomatik (B) gestörter Umgang mit Krankheit und der Krankenrolle (C) Motivation zur Erlangung von offenkundigen äußeren Vorteilen (D) akute Suizidalität (E) gestörte Impulskontrolle B) gestörter Umgang mit Krankheit und der Krankenrolle
  • 47 Welche der folgenden Krankheiten oder psychischen Störungen zählt gemäß der ICD-10 zu den Parasomnien? (A) psychogene Schlafumkehr (B) Albträume (C) Schlafapnoesyndrom (D) Narkolepsie (E) Durchschlafstörungen B
  • 48 Wie wird die Störung bezeichnet, die sich in einem sichtbaren Haarverlust äußert aufgrund der Unfähigkeit, Impulsen des Haareausreißens zu widerstehen? (A) Pica (B) Onychophagie (C) Kleptomanie (D) Trichotillomanie (E) Dyslalie (D) Trichotillomanie Kinder mit Artikulations- oder phonetischen Störungen (früher Dyslalien genannt) haben eine falsche Aussprache oder setzen Laute verkehrt ein. Sie werden daher von anderen oft schlecht oder gar nicht verstanden. Die betroffenen Kinder sagen zum Beispiel Totolade statt Schokolade, Keppe statt Treppe oder Bau statt Baum. Die am häufigsten betroffenen Laute im Deutschen sind die Zischlaute ("Lispeln"). Pica is characterized by an appetite for substances that are largely non-nutritive, such as ice (pagophagia); hair (trichophagia); paper (xylophagia); drywall or paint; metal (metallophagia); stones (lithophagia) or soil (geophagia); glass (hyalophagia); or feces (coprophagia); and chalk. Als Onychophagie bezeichnet man das Kauen oder Auf(fr)essen der Fingernägel
  • 49 Ein 23-jähriger Patient sucht Sie wegen ausgeprägter depressiver Symptome auf. Er erlebe immer wieder, so auch derzeit, nach Zurückweisungen durch andere über mehrere Tage oder Wochen dauernde Phasen starker Niedergeschlagenheit, könne sich dann zu nichts mehr aufraffen, fühle sich völlig wertlos und esse dann auch sehr wenig. Als Beispiel für die Zurückweisungen nennt er Kritik an seiner Arbeit. Mitunter seien seine Gefühle der Demütigung so stark, dass er darüber nachdenke, seinem Leben ein Ende zu setzen. Schon seit mehreren Jahren, eigentlich seit sei- ner Kindheit, leide er unter dem Gefühl, für seine Fähigkeiten von anderen nicht die Wertschätzung zu bekommen, die er verdiene. Er wisse selbst, dass dies auch mit seinen eigenen Ansprüchen an sich selbst zu tun habe, immer das Beste errei- chen zu wollen. Welche der folgenden Diagnosen trifft aufgrund der beschriebenen Symptomatik nach den klinisch-diagnostischen Leitlinien der ICD-10 am ehesten zu? (A) bipolare affektive Störung, gegenwärtig schwere depressive Episode ohne psy- chotische Symptome (B) rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode (C) schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen (D) paranoide Persönlichkeitsstörung (E) abhängige (asthenische) Persönlichkeitsstörung B
  • 50 Posttraumatische Belastungsstörungen können nach lebensbedrohlichen Erfahrun- gen, die von intensiver Angst begleitet werden, auftreten. Solche traumatischen Er- eignisse können in Typ-I- und Typ-Il-Traumata eingeteilt werden. Welches der nachfolgenden Traumata ist am ehesten ein Beispiel für ein Typ-Il- Trauma? (A) eine Angestellte erlebt einen Banküberfall (B) ein Mann überlebt einen Flugzeugabsturz (C) eine Frau wurde nach einem Kinobesuch vergewaltigt (D) ein kleines Kind erlebt einen Sturm mit (E) ein älterer Mann war in Haft in einem Konzentrationslager E