53
Klinische und Gesundheitspsychologie (Fach) / Psychotische Störungen - Therapie (Lektion)
Anzeige
- Nenne 3 Interpretationen für die Entstehung von Wahnvorstellungen (welche Bedingungen begünstigen die Entstehung von Wahn?) - Je ungenauer Input, desto mehr Interpretation (Dunkelheit, laute Party) - Soziale Situationen fast immer ungenau/ mehrdeutig - Angst führt zu bedrohlicher Interpretation von Ereignissen
- Was sind die 3 Säulen der Therapie bei Schizophrenie und wie sehen diese inhaltlich aus? 1) Medikamentös: Neuroleptika 2) Psychologisch-psychotherapeutische Interventionen• Angehörigen/Familienarbeit• individuenzentriert 3) Sozialtherapie• Berufliche Rehabilitation
- Welche Defizite und Problemfelder gibt es bei der Schizophrenie laut dem Vulnerabilitäts-Stress Modell und welche jeweiligen Therapiemethoden sind für diese angepasst? Kognitive Defizite --> Kognitive Therapie Autonome Hypererregung --> Neuroleptika Defizite soziale Kompetenz --> soziales Kompetenztraining Soziale Stressoren --> Berufliche Rehabilitation Negatives Familienklima --> Familienbetreuung
- Von der Einschätzung des Verhaltens der Angehörigen auf welchen 3 Skalen ist die Rückfallquote bei Schizophrenie laut Vaughn & Leff (1976) abhängig und zu welchem Konzept gehören diese? Das Konzet ist expressed emotion 1) Kritik 2) Feinseligkeit 3) Emotionales Überengagement (EOI) --> 15% allein wegen EOI Skala
- Wie hoch ist laut Metaanalyse von Butzlaff & Holey der Anteil der Studien, die einen signifikanten Zusammenhang zwischen expressed emotions (ee) und Rückfall bei Schizophrenie zeigten und wie groß war die Effektgröße? ca. 90% zeigten Zusammenhang r=.30
- Wodurch senken Therapieprogramme zu expressed emotions hauptsächlich die Rückfallwahrscheinlichkeit? durch bessere Prroblemlösung in der Familie
- Wie wirken Neuroleptika allgemein (nicht auf neuronaler Ebene, sondern was die beobachtbaren Folgen sind)? psychomotorisch verlangsamend, emotional ausgleichend, affektiv indifferent
- Gibt es durch Neuroleptika bewussteinsverändernden Wirkungen,Toleranzentwicklung oder/und Gewöhnung? a) nur bewusstseinsverändernd b) Toleranzentwicklung und Gewöhnung c) nur Gewöhnung d) keins der 3 d)
- Was sind die unerwünschten Nebenwirkungen von Neuroleptika? • Extrapyramidal-motorische Nebenwirkungen (Dyskinesien, Zungen-Schlund-Krampf)• Vegetative NW (Hypotonie)• Anticholinerge NW (Mundtrockenheit, Senkung der Krampfschwelle)• Stoffwechselstörungen (Gewichtszunahme)• Malignes neuroleptisches Syndrom
- Wie wirken die typischen Neuroleptika biochemisch? setzen an den D2 Rezeptoren an --> blockieren Dopaminaktivität
- Anzeige
- Was sind die Merkmale der hochpotenten Antipsychotika? hoch affin zu Dopaminrezeptoren, wirken gut antipsychotisch und wenig sedierend
- Was sind die Merkmale der niederpotenten Antipsychotika? sedieren mehr und wirken weniger antipsychotisch
- Wie wirken atypische Neuroleptika? • Weniger Wirkung an D2 Rezeptoren, mehr D1, D4 und Serotoninrezeptoren• Bewirken auch Besserung der Negativsymptomatik
- Nenne 2-3 Beispiele (Namen von Gruppen) für atypische Neuroleptika! Clozapine, Olanzapine (Zyprexa), Aripiprazol
- Nenne Vor- und Nachteile von atypischen Neuroleptika hinsichtlich ihrer Nebenwirkungen! Vorteil: Weniger extrapyramidale Nebenwirkungen Nachteil: Nebenwirkung Agranulozytose (lebensbedrohlicher Abfall der weißen Blutkörperchen)
- Sind atypische Neuroleptika neuer oder älter? neuer
- Wie hoch ist der Anteil an Rezidiven beim Absetzen und wie beim Fortführen einer Neuroleptikatherapie? beim Absetzen ca. 55% beim Forsetzen ca. 15% Rezidive
- Welche Erkenntnisse gewann ein Cochrane Review zur Kombination von antipsychotischen Medikamenten? - Die meisten dafür sprechenden Belege kommen nur von Kurzzeitstudien - Es gibt Belege von sehr niedriger Qualität dafür, dass eine Kombination von antipsychotischen Medikamenten die klinische Antwort verbessern könnte - Auch Belege von sehr geringer Qualität dafür, dass die Kombination von antipsychotischen Medikamenten nicht zu einer verbesserten Prävention für einen Studienausstieg und einen Rückfall beiträgt, aber auch nicht zu mehr ernsthaften ungünstgen Ereignissen führt
- Wie sieht der grobe Ablauf in der Psychotherapie bei Schizophrenie aus (Bausteine)? - zuerst Problemerfassung (muss nicht Schizophrenie sein) - dann individuelle Kombination von Herangehensweisen o Umgang mit Symptomen (Halluzinationen, Wahn, sozialer Rückzug, kognitive Defizite) o Veränderung der Umgebungsbedingungen o Behandlung von Depression, Traumata, sozialen Ängsten, Selbstwertproblematik, etc.
- Wie hoch ist der Anteil an Fällen, in denen Neuroleptika Halluzinationen beenden, wie hoch der Anteil wo sie reduzieren und wo sie keinen Einfluss haben? jeweils 1/3 (beenden, reduzieren, kein Einfluss)
- Welche 4 Punkte sollten in Angriff genommen werden, um den Umgang mit Halluzinationen zu verbessern? Entpathologisieren problematische Bewertungen verändern Copingstrategien optimieren Inhalte der Stimmen besprechen
- Wie kann man Halluzinationen entpathologisieren? dem Patienten Infos geben zu Stimmenhören bei Nicht-psychotischen Personen Fehlwahrnehmungen als alltägliches Phänomen ansprechen (Beispiele) Zusammenhang Stress und Halluzinationen (in VA) oft Anspannung und negative Gefühle vor Halluzination
- Womit sollte man beginnen, wenn man die Einstellung eines Patienten mit Halluzinationen bezüglich dieser verändern möchte? Was ist außerdem (daraufhin) sinnvoll? zunächst Machtüberzeugungen in Frage stellen, erst später Identität oder Bedeutung dann vorsichtig Inkonsistenzen ansprechen (sind Stimmen leiser geworden, wo sie ihnen jetzt schon so gut gehorchen?) Alternative Perspektive anbieten: Wie würden Sie sich fühlen, wenn sie sicher wären, dass Stimme lästiges Ohrgeräusch ist?
- Nenne 2-3 Gedanken, die häufig bei Patienten mit Halluzinationen in Bezug auf diese auftreten! • „Stimme hat Macht, ich kann ihr nicht ausweichen.“ • „Stimme weiß alles über mich.“ • „Wenn ich mich Stimme widersetze, dann werde ich bestraft.“ • „Wenn ich nicht genau zuhören, verpasse ich etwas wichtiges.“
- Welche Überzeugungen könnten bei akustischen Halluzinationen durch Verhaltensexperimente in Frage gestellt werden? Ich habe Einfluss --> stärker machen indem man dran denkt oder leiser machen, indem gesungen wird; Protokolle mit Schwankungen Ich werde nicht bestraft --> nächste Woche etwas weniger befolgen und schauen ob konkret befürchtetes eintritt Die Stimme weiß nur, was ich selbst weiß --> Kleidung, die ich auf einem alten Foto trage, an das ich mich gerade nicht erinnere, kennt Stimme auch nicht
- Mit welcher Technik können Copingstrategien zu Halluzinationen und ihre Wirksamkeit getestet werden? Durch Selbstbeobachtungsprotokolle
- Nenne mind. 4 Beispiele für Copingstrategien bei Halluzinationen! Musik, Radio, Fernsehen Selbstinstruktionen („Die gehen auch wieder weg.“, „Ich werde mitden Stimmen fertig werden.“) Aufsuchen von sozialen Kontakten Rückzug und Ruhe (CAVE) zeitlich eingrenzen konsequent zurückweisen (Bsp. nervige Schwiegermutter) sich nicht von ihnen einengen lassen
- Warum sollte man sich mit dem Inhalt von Halluzinationen auseinandersetzen? Inhalte der Stimmen stehen oft in Verbindung zu wichtigen Gefühlen und Personen
- Wann sollte man Wahn nicht therapieren? Wenn Wahn nicht beeinträchtigend ist (da es mühselig und langwierig ist, Wahn zu behandeln!)
- Sollte man Wahn in der Therapie eher früher oder später behandeln? eher später!
- Anzeige
- Sollte man den Patienten in der Therapie eher von alten Wahnvorstellungen oder neueren abbringen? Es ist einfacher, die Interpretation aktueller Ereignisse zu verändern!
- Mit welcher wertschätzenden Technik kann man versuchen, Zutrauen zu einem Patienten bei Wahn zu gewinnen, um eine anschließende Akzeptanz zur Veränderung seiner wahnhaften Überzeugungen zu schaffen? bemerken, dass man Patient für Person hält, die in der Lage ist logisch zu denken („Was ich bisher von ihnen mitbekommen habe, ist, dass sie ein sehr reflektierter Mensch sind.“)
- Welche Anhaltspunkte sollten für den Wahn exploriert werden? Wie geht man hier am besten vor (was nimmt man sich zu Hilfe)? - wann entstanden, - welche persönlichen Umstände, - welche vermeintlichen Beweise, - anhand einer kurz zurückliegenden Situation
- Nenne mind. 2 Konsequenzen, die die Aufgabe des Wahnsystems für PatientIn hätte! Müsste sich eingestehen sich lange Zeit geirrt zu haben; Selbstwert kann beeinträchtigt werden; muss sich Aufgaben wieder stellen
- Was sind Mechanismen der Einstellungsbildung, die im Umgang mit Wahn besprochen werden sollten? je stärker die Überzeugung, desto weniger Beweise nötig Bsp: Menschen mit starken politischen Überzeugungen selektive Informationssuche Bsp: Wir lesen eher Zeitungen, die unserer Meinung entsprechen wenn man sich lange danach verhalten hat, gibt man Meinungen noch schwerer auf z.B. wenn immer schon auf ein Lebensmittel verzichtet, weil angeblich schädlich
- Was ist leichter zu behandeln: Wahn oder Halluzinationen? Halluzinationen
- Wie können Verhaltensexperimente bei Wahn aussehen? ein bisschen von vermeintlich vergiftetem Essen probieren; telepathische Botschaften abfragen, etc.
- Richtig oder falsch? Bei einem lang anhaltenden Wahn sollte man nur aktuell relevante Teile behandeln. Begründe Richtig, da es sonst für den Patienten schwer ist, sich einzugestehen, dass er sich so lange Zeit getäuscht hat
- Was ist eine Möglichkeit, mit dem Wahn umzugehen, wenn man eine wahnhafte Überzeugung nicht verändern kann? Innerhalb des Wahnsystems nach Erleichterungen suchen
- Wie kann der soziale Umgang in der Therapie verbessert werden? - individuelle Faktoren explorieren, die Rückzug fördern - negative Konsequenzen herausarbeiten - Aktivitätsaufbau (mit leichten Aktivitäten beginnen) - Üben sozialer Fertigkeiten in Rollenspielen für konkrete Situation im Alltag
- Wie kann die kognitive Leistung der Patienten mit Psychosen verbessert werden? (auch spielerisches) Training (Spiele, Rätsel, etc.) praktisches Problemlösen (Handy Kalender, der piepst, Listen, Aufschriften) bei Wortneuschöpfungen nachfragen
- Was ist nach einer erfolgreichen Therapie bei Patienten mit Schizophrenie oft das Problem? besonders nach erster Episode sind Patienten oft zu optimistisch (kommt nie wieder)
- Was sollte man für eine gute Rückfallprävention bei Schizophrenen hinsichtlich von Wahrscheinlichkeiten kommunizieren? Wahrscheinlichkeit von Rückfällen versus Ausblick auf möglichen guten Verlauf Wege aufzeigen, Wahrscheinlichkeit zu reduzieren (Metapher Erkältung; Auto)
- Was sind typische Warnsignale, die (z.B. durch einen Kalender) erarbeitet werden können? - Rückzug - Gereiztheit - Angst und Anspannung - Konzentration - Grübeln - Alpträume - Schlaf - Kritische Lebenskontexte - Symptome (glaubt alles zu können)
- Was sollte ein Patient bei einem Rückfall tun? Medikamente einnehmen und ggf. kurzfristig erhöhen Stress reduzieren (krank schreiben, Absagen, Ressourcen, Problemlösen, soziale Unterstützung) hilfreiche Strategien intensivieren Krisenplan
- Zu welchem Stadium von Warnsignal gehört folgende Beschreibung von Symptomen bei Psychose: Ich habe das Gefühl, dass andere über mich reden und über mich lachen. Selbst Fußballspielen macht mir keinen Spaß mehr. Meine Freundin sagt, ich sei etwas verändert. a) Frühe Warnsignale b) Späte Warnsignale c) Erste Symptome Wie sollte hier adäquat reagiert werden? b) späte Warnsignale Arzt anrufen, vorsorglich einen Termin machen und ihn darum bitten, sich bei ihm/ihr zu melden, falls er/sie nicht erscheint
- Ab welchem Stadium von Warnsignalen bei Schizophrenie sollte man seine Medikamentendosis vorübergehend erhöhen? c) Erste Symptome
- In welcher Höhe (klein, mittel, groß) lag die von Gould et al. im Rahmen einer Metaanalyse ermittelte mittlere Prä-Posttreatment-Effektstärke für die Reduktion psychotischer Symptome durch KVT? (bei 7 kontrollierten Studien) War diese Verbesserung auch im Follow-Up stabil? Mittlere Effektstärke (ES ~ .7) Ja, auch im Follow-up stabil, Effektstärke sogar noch gestiegen! (~.9)
- Welche 2 problematischen Faktoren werden laut der Metastudie von Wykes et al. (2008) durch die KVT im Einzel- oder Gruppensetting gegenüber aktiven Kontrollgruppen erfolgreich reduziert und welche zwei positiven Faktoren werden verbessert? (34 kontrollierte Studien) Wie lassen sich die Effektstärken in ihrer Größe einordnen? Reduktion positiver und negativer Symptome, sowie der Verbesserung des psychosozialen Funktionsniveaus und der Stimmung Mittlere Effektstärken
- Welche Ergebnisse ergaben sich in der Metaanalyse von Sarin et al. (2011) für die Wirkung von KVT im Einzelsetting oder in der Gruppe gegenüber TAU-Gruppen/TAU+supportivecounseling (treatment as usual) hinsichtlich a) Der Wirkung beim Follow-up b) Der Wirkung bei der Postmessung c) Langer vs. Kurzer Therapien KVT ist anderen psychologischen Interventionen überlegen hinsichtlich positiver, negativer und allgemeiner Symptom-Outcomes, dies zeigt sich allerdings erst zum Follow-up Zeitpunkt Post: KVT zeigt bessere Effekte als TAU; der Unterschied ist jedoch nicht signifikant, könnte daran liegen, dass TAU mittlerweile auch beratende psychologische Gespräche beinhaltet Lange Therapien (>20h) zeigen deutlich bessere Wirkung als kurze Therapien (<16h)