Klinische Psychologie Abschlussprüfung (Fach) / 3) Nutzen und Nachteile der Klassifikation psychischer Störungen (Lektion)

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Nutzen und Nahchteile der Klassifikation psychischer Störungen

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  • Nutzen der Klassifikation psychischer Störungen Verbesserung der Kommunikation: Ohne eine einheitli-che und möglichst klar definierte Nomenklatur ist weder Wissenschaft noch wissenschaftlich fundierte Praxis  möglich Sinnvolle Informationsreduktion: Ein voller ideographischer Ansatz mit kompletter Beschreibung des Einzelfalles ist nicht praktikabel, es kommt also in jedem Fall zu einer Re-duktion der Informationen Ökonomische Informationsvermittlung: z. B. durch im-plizite Aussagen über Verlauf, Prognose, evtl. Ätiologie oder Therapie. Aus der Mitteilung der Diagnose kann ide-alerweise auf das Vorhandensein einer ganzen Reihe von Merkmalen geschlossen werden, und es können prakti-sche Konsequenzen abgeleitet werden (z. B. Abklärung möglicher suizidaler Tendenzen bei der Diagnose »Depres-sion« bzw. von Fehlinterpretationen körperlicher Empfin-dungen bei der Diagnose »Paniksyndrom«) Überzufällige Syndrome ermöglichen eine Diagnosestellung : Viele klinische Merkmale treten weit überzufällig gemeinsam auf, bieten sich also für die Klassifikation an Handlungsanleitung: Für viele als Klassen definierte psy-chische Störungen liegen spezielle Interventionsverfahren vor, so dass die Klassifikation Hinweise für das praktische Vorgehen beinhaltet Wissensakkumulation: Klassifikation ist Basis für den Auf-bau von Wissen, somit also auch für Forschung und wis-senschaftlich fundierte Praxis.
  • Nachteile der Klassifikation psychischer Störungen Etikettierung:  Bezeichnungen wie »Depressiver«, »Angstneurotiker«, »Schizophrener« könnten zu einer negativen Stigmatisierung führen Informationsverlust (statt einer detaillierten Beschrei-bung der interessierenden Phänomene werden nur noch Etiketten verwendet) Verwechslung von Deskription und Erklärung (z.B. die Feststellung »Depression führt zu Schlafstörungen« ist als Kausalaussage kaum sinnvoll, solange Schlafstörun-gen ein diagnostisches Kriterium für Depressionen sind. Reifikation künstlicher Einheiten: Durch ihre Benen-nung und häufige Verwendung wird künstlichen Klas-sen ein unangemessener Realitätsgehalt zugebilligt. Verschleierung basaler Dimensionen: Zum Beispiel könnte eine klassifikatorisch schwierige Abgrenzung von Angststörungen und Depressionen dadurch zu-stande kommen, dass es keine qualitativ verschiede-nen Kategorien gibt, sondern jeder Mensch bzw. jede emotionale Störung durch bestimmte Ausprägungen auf beiden Dimensionen gekennzeichnet ist Trotz Reliabilität und Validität sind falsche Schlussfolgerungen möglich. Die Abgrenzung zwischen "gestört" und "nicht gestört" ist trotz allgemeiner deskriptiver Aspekte wie (Beeinträchtigung, klinisch Bedeutsam, Leiden, Funktionsstörung) und ungeachtet des kategorialen Charakters (liegt vor / liegt nicht vor) oft fließend und uneindeutig Verzerrungen in der Informationsverarbeitung (z.B. Erwartunen)