Gesundheitsbildung (Fach) / Gesundheitsbildung ss2010 (Lektion)
In dieser Lektion befinden sich 16 Karteikarten
was ist gesundheit ph-karlsruhe
Diese Lektion wurde von steffimeinhardt erstellt.
- Was ist Gesundheits„bildung“? Welches Menschenbild ist damit verbunden? Gesundheitsbildung ist die Vermittlung von Handlungsoptionen. Das Menschenbild ist humanistisch und idealistisch. Man kann aber auch die Mündigkeit des einzelnen betrachten der sich für eine Handlungsoption entscheidet. Es gibt verschiedene Paradigmen: geisteswissenschaftlich, naturwissenschaftlich, empirisch, und kritisch sozialwissenschaftliche
- Erklären Sie die Theorie des „geringsten Widerstands“ (Kühn)! Wissenschaftliche Erklärungsansätze folgen darüber hinaus dem „Weg des geringsten Widerstands" (H. Kühn). Das heißt: In marktförmig organisierten Gesellschaften setzen sich diejenigen gesundheitsbezogenen Erklärungsansätze durch, die am ‚praktikabelsten‘ sind.
- Nenne die 4 Paradigmen (wissenschaftliche Sozialräume) in der Gesundheit Empirisch sozialwissenschaftliches Paradigma Dominanz: Gegenwart z.B. Gesundheit als biopsychosoziales GIeichgewicht Affirmativ naturwissenschaftliches Paradigma Dominanz: Gegenwart z.B. Gesundheit als messbare ,, NormaIitäit " von Körperfunktionen Kritisch sozialwissenschaftliches Paradigma Dominanz: 1970er Jahre z.B . Gesundheitsstreben als Anpassung an herrschende Leistungsnormen Kritisch- geisteswissenschaftliches Paradigma Dominanz: frühes 2 0.J h. z.B. Gesundheitsstreben als Ausblendene existenzieller Krisenerfahrungen in der Krankheit
- Gesundheitsbildung: Definition setzt Entscheidungen voraus (Menschenbild) ist mit bestimmten Idealen verbunden (Autonomie, Freiheit des Handelns) kann keine "zielgenauen" Ergebnisse erwarten
- Professionelles Handeln aus Sicht der Gesundheitsbildung: Subjektorientierung anstelle des manipulierbaren Kunden wird der Mensch als Subjekt (seines Handelns) gesehen Antinomien des Handelns wichtig ist das „Aushalten von Widersprüchen" (Steuerbarkeit des Handelns, Realität –Idealität, Objekt –Subjekt usw.) Reflexivität des Handelns (siehe Lehrerprofessionalisierungs forschung)
- Welche Formen gesundheitsbezogener Interventionen gibt es? Traditionelle Gesundheitserziehung Innovative (an einem ‚echten‘ Erziehungsverständnis orientierte) Gesundheitserziehung Am sozialen Marketing orientierte Gesundheitserziehung Traditionelle Gesundheitsbildung Gesundheitserziehung Traditionelle Gesundheitsbildung Innovative Gesundheitsbildung Personenbezogene Gesundheitsförderung Systembezogene Gesundheitsförderung Moderne am sozialen Marketing orientierte Gesundheitskommunikation Kritische (an Gesundheitsbildung orientierte) Gesundheitskommunikation
- Aus Sicht deran Gesundheitsfragen interessierten Professionsvertreter (Gesundheitspädagogen, -berater, Gesundheitswissenschaftler etc.) stellt sich die Frage nach … den Adressaten den Maßnahmen und dem dahinter stehenden Menschenbild
- Wodurch ist „Gesundheitskommunikation“ gekennzeichnet? GK ist auf den Gesundheitsmarkt ausgerichtet und hier auf die Einführung neuer Dienstleistungen (wie z.B. Trainingsprogramme) und neuer Produkte (z.B. Fitnessgeräte, -getränke, Medikamente) GK sind die Abnehmer von Dienstleistungen / Produkten wichtig, deshalb müssen Kundenbedürfnisse „erkannt" werden (z.B. durch Befragungen) GK arbeitet mit dem Instrument der „Kundenbindung" (die hierzu eingesetzten Verfahren werden als „vertrauensbildende Maßnahmen" bezeichnet) Im Rahmen der GK wird in Entwicklungsländern (wieder) verstärkt eine so bezeichnete „Gesundheitserziehung" eingesetzt (u.a. zur Medikamentierung der Bevölkerung z.B. durch zusätzliche Gaben von Vitamin A oder die flächendeckende Durchführung von Impfungen)
- Wodurch ist die „reflexive Modernisierung“ gekennzeichnet? •An die Stelle der „einfachen Modernisierung" treten im Laufe des 20. Jh. verschiedene Irritationen (‚Dialektik der Aufklärung‘, Atomphysik, Wissen statt Eigentum, Patchworkbiografie …) •Der Glaube an geradlinigen Fortschritt, die Macht von (Einzel-)Staaten, die Möglichkeiten von (Sozial-)Politik … erodieren • Unsicherheit, Risiko(bereitschaft),Schlüsselqualifika-tionen, berufliche Mobilität etc. werden zu neuen gesell-schaftlichen Leitbegriffen stilisiert •Dazu gehört auch die sog. Risikofolgenabschätzungin der Wissenschaft
- Welche Formen gesundheitsbezogener Interventionen gibt es? Traditionelle Gesundheitserziehung Innovative (an einem ‚echten‘ Erziehungsverständnis orientierte) Gesundheitserziehung Am sozialen Marketing orientierte Gesundheitserziehung Traditionelle Gesundheitsbildung Innovative Gesundheitsbildung Personenbezogene Gesundheitsförderung Systembezogene Gesundheitsförderung Moderne am sozialen Marketing orientierte Gesundheitskommunikation Kritische (an Gesundheitsbildung orientierte) Gesundheitskommunikation
- Woran lässt sich erkennen, dass die Leitidee der Gesundheitsförderung im Mittelpunkt steht? Adressaten: Personen gruppen (z.B. in einem Betrieb) Institutionen (z.B. Schulen, Betriebe, sozialpädagogische Einrichtungen) Maßnahmen: Mehrebenenansatz (Person, Gruppe, Institution, gesellschaftliches Umfeld) Politisch und „kontextuierend" motiviert (d. h. gesundheitsbezogene Veränderungen umfassen auch Fragen der Armut, des Bildungsniveaus, der sozialen Gerechtigkeit, eines intakten Ökosystems, eines friedvollen Umgangs miteinander usw.) Menschenbild: Menschen sind nicht als isolierte Individuen zu sehen, sondern agieren in einem letztlich weltumspannenden System (d.h. die Systembedingungen sind wichtig); Menschen als „Akteure" ihrer eigenen Gesundheit
- Woran läßt sich die traditionelle Formen der Gesundheitserziehung erkennen Adressaten: Kinder und Jugendliche Maßnahmen: individuums-und wissensbezogen („Aufklärung"), zielorientiert (Vermeidung gesundheitsschädlichen Verhaltens) Menschenbild: Hierarchisches Gefälle zwischen „Wissenden" und „Unwissen-den" („vormoderne" Erziehungsvorstellung)
- Woran lassen sich traditionelle Formen der Gesundheitsbildung erkennen? Adressaten: Erwachsene Maßnahmen: Stärkung der Selbstbildungskräfte (Was heißt gesundsein für mich?) und der Kritikfähigkeit hinsichtlich normierender Vorgaben (Zwang zur Uniformität) Menschenbild: gleichberechtigte Interaktionspartner ( jeder lernt von jedem)
- naturwissenschaftlich-medizinischen Paradigma Gesundheit gilt als technisch machbar, käuflich erwerbbar…
- empirisch-sozialwissenschaftlichen Paradigmas Gesundheit gilt als unaufhörliches individuelles Bemühen („Prozess"), willentlich beeinflussbar u.ä.
- Welche gesundheitsbezogenen Erklärungsansätze folgen dem „Weg des geringsten Widerstands“? •multifaktorielle Ansätze (weil keine „Festlegung" notwendig ist u. damit u.a. die „Haftbarkeit" fehlt …) •individualbezogene Ansätze (weil keine „teure" systemische Intervention notwendig ist …) •„Krankheitserreger-"Theorien, genetische Ursachen (s. Punkt 2) •Erklärungsansätze individuellen Fehlverhaltens (s. Punkt 2) •„preiswerte" Lösungen •„unpolitische" Lösungen
-
