6. Vorlesung (Fach) / P08 (Lektion)

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6. Vorlesung

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  • Da der schulische Erfolg des Kindes von der Erziehung der Eltern und der Schule abhängt, ist die Zusammenarbeit wichtig und sollte in einem übergeordneten Erziehungssystem verschiedene Funktionen erfüllen:    Erhöhung der Akzeptanz der Schule (durch Eltern und weitere Öffentlichkeit)   Systementwicklung (Kontakte zwischen Schule – Familie – Eltern – Kinder,  bewirken Veränderungen bzw. mögliche Verbesserungen)   Erhöhung der Schulqualität (durch erhöhte Zusammenarbeit von Eltern und LPs  werden Schulleistungen erhöht und Störungen werden vorgebeugt)   Beitrag zur Chancengleichheit (in dem Sinne, dass Eltern mit sozial ungünstigen  Situation enger mit der Lehrperson zusammenarbeiten) 
  • Ziel: …drei Merkmale der Prozessqualität zu beschreiben und zu begründen. (Neuenschwander (2005)) (1) Gegenseitige Information  Durch die gegenseitige Information wird die Zusammenarbeit verbessert bzw.  Missverständnisse geklärt. Bsp: LPs (Leistungsstand, Defizite, Fördermöglichkeiten, Lehrplan,  Lehrmittel, Schulereignisse,…) Eltern (Lernverhalten, Erziehungsprobleme, Besonderheiten  im Verhalten,…) Gegenseitige Information als Teil der Prozessqualität lässt sich wie folgt  begründen:    Unterstützung der Kinder durch die Eltern und die dafür notwendigen  Informationen der Schule (elterliche Unterstützung hat einen günstigen Einfluss, vor  allem auf der Unterstufe – daher ist Information an Eltern bez. Zielen, Inhalte,  Methoden, Anforderungen, auch Nachhilfe, sehr wichtig )   Institutionelle Trennung von Schule und Familie (Schule und Familie sind zwei  verschiedene Systeme und daher muss in den Bereichen wo Handlungsbedarf  besteht kommuniziert werden)    Information als Grundlage zur Koordination von Massnahmen (Bei schulischen  Massnahmen (bsp. Gewalt, Suchtmittel,…) ist zur besseren Koordination  Informationsaustausch nötig)  (2) Aufbau von gegenseitigem Vertrauen  Vertrauen schafft die emotionale Basis für eine gute Zusammenarbeit. Dieses Vertrauen wird  durch informellen Austausch aufgebaut. Begründung:  Vertrauen beim Anstreben gemeinsamer Ziele und als Grundlage für Kooperation: Durch  gemeinsame Ziele (Konsens – Förderung des Kindes, Ziele, Mittel) wird Vertrauen aufgebaut.  Dazu dient die Information, Kommunikation und Kooperation. Zentral sind frühzeitige  Kontaktaufnahmen zwischen LPs und Eltern, bevor Konflikte entstehen – Gespräche  während des Jahres früh ansetzen!)    (3) Koordination von pädagogischen Massnahmen  Wenn Schwierigkeiten in der Schule auftreten, müssen LPs und Eltern Massnahmen  koordinieren. Ein Austausch über Erwartungen (in Bezug auf Leistungsstandards) bezüglich  Arbeitshaltungen, Lernstrategien, Förderbedarf und Massnahmen, erhöht die  Verbindlichkeit und Effektivität. Begründung:  Wenn sich Eltern und LPs nicht einig sind in ihren Erwartungen an das Kind und bezüglich  ihrer Wahrnehmungen, können Konflikte entstehen. Im günstigen Fall verbessert die Klärung  der Erwartungen und Wahrnehmungen die Verständigung und die Wirkung von  Massnahmen.   
  • Ziel: …mögliche Ursachen des Widerstandes von Eltern im Elterngespräch und Lösungsvorschläge zu beschreiben. (Knapp (1996)) Ursachen/Lösungen   Vorgefasste Diagnose (Hans ist verhaltensgestört)/nicht mit der Tür ins Haus fallen…  Eltern brauchen Unterstützung um die Probleme ihres Kindes zu akzeptieren, bevor  sie lernen, wie diese zu bewältigen sind.   Emotionale Verarbeitung des Problems der Eltern; Eltern kommen nicht klar mit der  Situation / Unterstützung und Zeit geben   Widerstand gegen Ziele (Zieldissens); Widerstand der Eltern gegen Mittel die zum  Ziel führen sollen  3     Massnahmenvorschlag; Widerstand der Eltern gegen ‚massive‘ Massnahmen;  Wiederholen, Psychologen aufsuchen / hier nicht nur eine ‚Lösung‘ bieten, sondern  Wege aufzeigen…   Art der Gesprächsführung; Eltern fühlen sich nicht akzeptiert / Auf Gesprächsführung  achten und dem Gegenüber entsprechend kommunizieren   Mangelnde Vertrauensbasis / siehe weiter oben… gegenseitiges Vertrauen schaffen   Mangelnde Reflexion des Verhaltens der Lehrperson/ also bitte, reflektieren,  reflektieren, reflektieren…   …aus der Vorlesung: Vermischung von Kompetenzen: Wissenskompetenz der Schule  und Erziehungskompetenz der Eltern 
  • Ziel: …fünf Grundhaltungen im Umgang mit Eltern, die eine professionelle Elternarbeit auszeichnen, zu beschreiben und zu begründen. (Knapp (1996))  Haltung des Respekts, der Akzeptanz und des Verstehens   Empathie   Kongruenz in Zielen bzw. der Förderung   Anerkennung der elterlichen Kompetenz   Partnerschaftlicher Umgang auf gleicher  Augenhöhe   Bemühung um Zusammenarbeit 
  • Ziel: …mindestens fünf verschiedene Formen der Elternarbeit und – Mitwirkung mit Gestaltungsvorschlägen darzustellen und deren Zweck zu erläutern. (Kowalczyk (1995), Petzold (2006)) Fünf Beispiele:  1. Elternabend  Grundsätzliche Überlegungen bei jedem Elternabend:   Thematisch vorbereiten, damit Eltern einen persönlichen Draht entwickeln, aktiv sind  und sich damit besser in ihr Kind versetzen können. Eltern sollen die Anforderungen  und Erwartungen an die Kinder an sich selbst erfahren.   BEWEGUNG durch Pausen, Arbeitsformen, etc.…   Gemeinsam erarbeitete Absprachen und Vereinbarungen schriftlich festhalten –  Ergebnisprotokoll   Allen Beteiligten Platz zur Gestaltung geben – (Gruppenpuzzle, Zettelchen )      2. Unterrichtsbesuche – Hospitationen von Eltern im Unterricht  Besuche können den Eltern ein Bild der Klasse und des Verhaltens des eigenen Kindes  vermitteln. Nicht alle Eltern haben die Möglichkeit sich ein persönliches Bild zu machen,  daher kann/sollte die LP einen Videofilm oder Fotos von der Arbeit mit der Klasse machen  und beispielsweise an einem Elternabend zeigen.    3. Elternsprechstunde  Regeln für die Gesprächsführung mit Eltern:   Aufmerksam zuhören und ausreden lassen   Standpunkte wahrnehmen und eigenen Standpunkt äussern. Im Fall von Ärger  Sachverhalt klären.   Geeigneten Ort für das Gespräch wählen, ungestört, sich gegenüber sitzen   Gesprächszeit vereinbaren – am besten ohne Zeitdruck…    4. Tag der offenen Türe  5. Hausbesuche  Weitere: Telefonsprechzeiten, Sprechstunden, Mitwirkung bei Projekten,  Arbeistgemeinschaften, Cafeterias für Pausenverpflegung, Elternzimmer, Elterntreffpunkte,  Elternforum, Elternrat  !!!: Wenn ihr noch genauer Wissen wollt welche Gestaltungsvorschläge es gibt, dann  Knapp (1996), S. 6 bis 10; macht nicht gross Sinn das in die Zusammenfassung zu kopieren,  5    die Gestaltung und Sinn solcher Anlässe hängen mit der Prozessqualität zusammen. Hier  noch ein paar Hinweise aus der Vorlesung:   Schulerfolg hängt eng mit Unterstützung der Eltern zusammen   Zusammenarbeit von Schule und Elternhaus hat hohe Bedeutung   Kooperationsschwierigkeiten durch hierarchische Beziehung und Vermischung von  Kompetenzen   Kennen von Ängsten, Vorurteilen und Erwartungen   Breites Feld von Eltern     
  • Haltungen von Eltern Haltungen von Eltern:   Es läuft in der Schule: Das eigene Kind bringt gute Zensuren nach Hause.   Es läuft schlecht in der Schule: Ich kann ja doch nichts ändern!   Der Blick richtet sich nur darauf, wie das eigene Kind steht und nicht beispielsweise  das Gesamtwohl der Klasse oder eine Lerngemeinschaft.   Viele Eltern sehen heute die Erziehung ihrer Kinder als Privatangelegenheit an und  verbitten sich eine Einmischung durch andere.  4     Im Verständnis der Lehrer wollen Eltern bloss kontrollieren und kritisieren. Eltern  sowie LPs sind Erzieher und müssen sich so auch gegenüber treten. 
  • Harmos konkret Harmos konkret: - Einschulung mit 4 Jahren (Kiga obligatorisch) - Schuldauer 11 Jahre - Blockzeiten, Tagesstruktur - Bereiche der Grundbildung - landesweit verbindliche Standards - Sprachregionale Lehrpläne - Instrumente der Qualitätsentwicklung
  • Grundidee der öffentlichen Schule Die Grundideen der öffentlichen Volksschule darzulegen  Gleichheit:   Allen die Mittel zugänglich machen um für Bedürfnisse sorgen zu können, das Wohlergehen  zu sichern, Rechte zu erkennen/auszuüben, Pflichten zu begreifen und erfüllen   Jedem die Möglichkeit sichern: berufliche Geschicklichkeit zu vervollkommnen, sich auf  gesellschaftliche Funktionen vorzubereiten, Talente entfalten und dadurch (politische)  Gleichheit herzustellen   Nur Wahrheiten lehren, daher muss der Unterricht so unabhängig wie möglich von aller  politischen Autorität sein    Vervollkommnung:   Unterricht so lenken, dass Kunstfertigkeiten  den Lebensgenuss/Wohlstand optimieren  (=Vervollkommnung) und immer mehr Menschen fähig sind, die für die Gesellschaft  notwendigen Funktionen gut zu erfüllen (Fortschritte der Erkenntnisse als unerschöpfliche  Quelle erschliessen).   In jeder Generation die physischen, intellektuellen und moralischen Fähigkeiten ausbilden  und dadurch zur Vervollkommnung des Menschengeschlechts beitragen    Universeller Unterricht   Der Unterricht muss universell sein, d.h. er muss sich gleichmässig auf ALLE Bürger  erstrecken.   Unterricht muss auf verschiedenen Stufen das ganze System menschlicher Kenntnisse  umfassen und den Menschen in allen Lebensaltern die Möglichkeit sichern, ihre Kenntnisse  zu bewahren oder neue zu erwerben. 
  • Aufklärung (VAGONS) Aufklärung: -        Vorherrschaft der religiös-christlichen Vorstellungen ging verloren -        Anfang eines Siegeszuges von Wissenschaft und Rationalität -        Gebrauch der menschlichen Vernunft -        à Okzidentaler Rationalismus -        Naturgesetze erfassen (Alessandro Giuseppe Antonio Anastasio Graf von Volta 1745- 1827) -        Schule wird Instrument der Ordnungspolitik (diese besteht aus Staat, Recht, Bildung, Wirtschaft)
  • Bildungsbegriffe Bildungsbegriff nach … Wilhelm von Humboldt (1767- 1836) Er formulierte zu seiner Zeit einen Bildungsbegriff, wonach Bildung einen personalen Eigenwert besitze und sogar Menschlichkeit begründe. Der wahre Zweck des Menschen sei die Bildung seiner Kräfte, wobei Freiheit die oberste Bedingung sei.   Johann Friedrich Herbarth (1776-1841) Er wollte, dass man den Kindern eine interessante Erzählung, reich an Begebenheiten, Verhältnissen und Charakteren gibt. Damit werde die kindliche Aufmerksamkeit angeregt und die Kinder wollen noch mehr wissen und so an die Wahrheit kommen. In seiner Ansicht wird auch deutlich, dass Bildung vielfältige Anregung braucht. Denn so komme der junge Mensch von der Unbestimmtheit (Unwissen) zur Bestimmtheit (Wissen).   Nationalsozialismus Zur Zeit des Nationalsozialismus wurde Bildung massiv missbraucht, d.h. für Herrschaftszwecke missbraucht. Es entstanden Adolf-Hitler-Schulen, und Nationalpolitische Schulen (Napola).   Wolfgang Klafki (1985) Er hat den Bildungsbegriff neu als „zentrierende“ und orientierende Kategorie entworfen, die die Funktion habe, Lehren und Lernen begründbar, verantwortbar und beurteilbar zu machen. Dieses Denken entspringt der Aufklärung. Das gesellschaftliche und ökonomische Interesse an Bildung besteht darin, sich zu reproduzieren und Wissen und Können zu verwerten.   Dietrich Benner (1987) Nach Benner befasst sich die Theorie der Bildung mit dem „Was“ und dem „Wozu“, die Theorie der Erziehung mit dem „Wie“. Bildung beschäftigt sich auch mit dem „Wie“, was mit der Methode der Vermittlung und Aneignung zu tun hat.   Hartmut von Hentig (1996) Er verbindet in seinem Bildungsbegriff den Aspekt der Aneignung der Welt mit der Entwicklung einer Persönlichkeit. Denn Bildungseinrichtungen, sei es Schule oder Kindergarten, sind Lebens- und Erfahrungsräume deren Auftrag nach Hentig lautet: „Die Menschen stärken, die Sachen klären“.