Klinische Psychologie Abschlussprüfung (Subject) / 1) Grundzüge von ICD und DSM (Lesson)
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Grundzüge von ICD-10 und DSM IV
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- Was versteht man unter klassifikatorischer Diagnostik? Unter klassifikatorischer Diagnostik wird die Zuweisung von Diagnosen zum Symptomkomplex der Person verstanden. Die Regeln hierfür sind in der sog. Psychopathologie(der Lehre von psychischen Störungsphänomenen) festgelegt. z.B. anhand „diagnostischer Leitlinien“ (ICD-10) spezifizieren von Anzahl und Gewichtung der Symptome, die für eine Diagnose vorliegen müssen Angaben zur Symptomdauer sind dabei allgemeinere Richtlinien Diagnose-Arten/Typen „sichere Diagnose“: diagnost. Leitlinien müssen vollständig erfüllt sein „vorläufige Diagnose“: diagnost. Leitlinien sind nicht vollständig erfüllt, da Informationen fehlen, die wahrscheinlich ergänzt werden können „Verdacht auf ...“-Diagnose: diagnost. Leitlinien sind nicht vollständig erfüllt, da Informationen fehlen, die nicht ergänzt werden können Prinzip der Komorbidität so viele Diagnosen wie nötig (Haupt-, Neben- und Zusatzdiagnosen) Rangreihe nach Aktualität der Störungskomponenten (Leidensdruck) auch Bezug zu den anderen (somatischen und ggfs. sozialen) ICD-10-Kapiteln
- Was versteht man in der klinischen Psychologie unter Klassifikation, Klassen, Kategorie, Taxonomie, diagnostischer Identifikation? Klassifikation = eine Einteilung oder Einordnung von Phänomenen, die durch bestimmte gemeinsame Merkmale charakterisiert sind, in ein nach Klassen gegliedertes System. Spezifisch sind damit die Taxonomie sowie die diagnostische Identifikation (oder der diagnostische Prozess) angesprochen. Klassen = Gruppen mit gemeinsamen Merkmalen. Taxonomie = Systematische Ordnung nach festen Regeln. Diagnostische Identifikation (oder diagnostischer Prozess) = der Prozess der Zuordnung bestimmter Merkmale oder Individuen zu diagnostischen Klassen bzw. Kategorien eines bestehenden Klassifikationssystems.
- Warum brauchen wir eine Klassifkation psychischer Störungen? Beschreibung Klassifikation Diagnose Differenzialdiagnostik Erklärung Indikation Prognose Begründung und Rechtfertigung Institutionelle Zuweisung Evaluation Qualitätskontrolle und -sicherung Dokumentation Grobe Interventionszuweisung
- Welche Klassifikationssysteme gibt es derzeit? Es gibt aktuell zwei international gebräuchliche und kompatible Klassifikationssysteme: die ICD-10 (International Classification of Diseases) das DSM-IV (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders) mit den korrespondierenden ICD-10-Kodierungen (F-Nummern) Sie unterscheiden sich nur geringfügig hinsichtlich der diagnostischen Kategorien und Definitionen. Das DSM-IV ist ausführlicher, homogener, konsistenter, expliziter Die ICD-10 ist zur Klassifikation aller Krankheiten und Störungen sowie Anlässe in der Gesundheitsversorgung konzipiert; es gibt ferner eine ganze Familie von ICD-10-Manualen, z. B.: die klinischen Richtlinien (»blaues Buch«, grobe Charakteristik für die klinische Anwendung), die ICD-10-Forschungskriterien (»grünes Buch«, differenzierter für Forschungszwecke), die »Classification of Functioning, Disability and Health« (ICF; nicht in deutscher Sprache), die »Classification of Health Interventions« (ICHI; nicht in deutscher Sprache verfügbar).
- Ansätze der modernen Klassifikationssysteme psychischer Störungen I. In Ermangelung der Vorraussetzungen für idealtypische Klassifikationen (das Fehlen von gesicherten unbestrittenen ätiologischen Nachweisen für psychischen Störungen, fehlender Konsensus) beziehen sich alle aktuellen Klassifikationsansätze psychischer Störungen weitgehend auf einen deskriptiven Ansatz ("Deskription statt Interpretation!") mit expliziten Kriterien. D.h. die Definitionen der Störungen bestehen aus Bechreibungen ihrer klinischen Merkmale bzw. Kriterien. Die Kriterien beziehen sich dabei überwiegend auf subjektiv-verbale Informationen sowie Beobachtung und Beurteilung. Diesem deskriptiven Ansatz liegt in Anlehnung an das medizinische Modell ein Strukturierungsmodell des diagnostischen Prozesses zugrunde. Dieses beschreibt und regelt, welche notwendigen und hinreichenden Bedingungen erfüllt sein müssen, um den Zeichen, Beschwerden, Auffälligkeiten und Befunden eines Patienten den Stellenwert eines Symptoms zuordnen, sowie welche Symptomkonstellationen als überzufällig häufiges und bedeutungsvolles Syndrom zu werten ist. Der deskriptive Ansatz folgt folgender Logik: Beschwerden, Klagen, Verhaltensweisen(physiologisch, motorisch, sozial, kognitiv, affektiv) → Symptome/Befunde(ausgewählte spezifisch und explizit definierte Aspekte) → Syndrom(eine überzufällig häufige, theoretisch und empirischsinnvolle Symptomkombination) Diagnose (Störung/Krankheit): (Einbeziehung von Zusatzkriterienwie Beginn, Verlauf, Ausschlusskriterien) II. Prinzip der operationalisierten Diagnostik: explizite diagnostischen Kriterien und Algoritmen III. Ein weitgehend Kategorialer Ansatz: die Gruppierung der interessierenden Merkmale und die Einordnung dieser Gruppen in ein System von Kategorien (Klassen) → Klassifikation
- Was versteht man unter einem Klassifikationssystem? Treten bestimmte Symptome regelmäßig gemeinsam auf (eine Symptomgruppe = Syndrom) und folgen einem bestimmten Verlauf, bilden sie eine bestimmte psychische Störung. Wenn menschen diese bestimmte Symptomgruppe sowie deren Verlauf zeigen, werden sie dieser Kategorie zugewiesen. Eine umfassende Liste solcher Kategorien mit einer Beschriebung charakteristischer Symptome sowie mit Zuweisung von Individuen zu den Kategorien heißt Klassifikationssystem.
- Grundzüge und Beschreibung der ICD-10 Die International Classification of Diseases ist ein Klassifikationssystem, das sowohl medizinische als auch psychische Störungen umfasst und von der Weltgesundheits-organisation der Vereinigten Nationen erarbeitet wurde. Dieses liegt derzeit in seiner seit 1991 eingeführten zehnten Fassung vor. Es bestehen mehre Ausgaben von ICD-10, die wichtigsten sind die klinischen Bechreibungen und diagnostischen Leitlinien sowie die ICD-10-Forschungskriterien. Der Unterschied zwischen den beiden Versionen besteht im Grad der präzisierung der Diagnosestellung (Forschungskriterien sind präziser). In Deutschland stellt ein modifiziertes Diagnosesystem die Abrechnungsgrundlage von Gesundheitsleistungen im ambulanten wie im stationären Sektor dar. Dieses wurde 2005 unter dem Namen ICD-10-GM 2005 veröffentlicht. Als Notation wird jeder der 21 ICD-Klassen (A–U) ein bis zu fünfstelliger Schlüssel zugeordnet. Das Kapitel F ("Diagnoseschlüssel und Glossar psychischer Krankheiten") - wurde erst in der 6. Version eingeführt - umfasst psychische Störungen und basiert auf den von Kräpelin entwickelten Störungskategorien und der Hierarchie, in die er sie brachte. Die psychischen Störungen sind in ICD-10 in 10 Hauptgruppen (Objektkategorien) sowie eine Restkategorie - nicht näher bezeichnete psychische Störungen - eingeordnet. Buchstaben und Ziffern schränken dabei die vorliegende Erkrankung diagnostisch immer genauer ein. Die Klassifikation folgt somit einem multikategorialen Prinzip (mehrstelliger Diagnosecode): · F (einstellig) : Hinweis auf psychische Störung · Fa (zweistellig): Hauptkategorie = verschiedene als zusammengehörig betrachtete Störungen (z.B. F4: Neurotische-, Belastungs- und somatoforme Störungen · Fab (dreistellig): Kategorie = einzelne Störungseinheiten (z.B. F40: Phobische Störungen) · Fab.c (vierstellig): Subkategorie = Klassifikation u.a. aufgrund inhaltlicher Gestaltung (z.B. Art der Phobie) oder Schweregrad (z.B. F40.0: Agoraphobie) · Fab.cd (fünfstellig): Zusatzspezifikationen = Spezifikationen aufgrund von Verlauf, somatischer Syndromatik, inhaltlicher Gestaltung (z.B. F40.00: Agoraphobie ohne Panikstörung). · Fab.cde (sechsstellig): Zusatzspezifikation für bestimmte Störungen wie z.B. Abhängigkeitssyndrom (z.B. F14.241 Abhängigkeitssyndrom von Kokain, bei gegenwärtigem Substanzgebrauch, mit körperlichen Symptomen) Auch in ICD ist ein multiaxialer Prinzip in einer gesondertem Band beachtet. Es sind folgende Achsen dargestellt: Ia: psychiatrische Diagnosen: Kapitel V der ICD-10 Ib: alle anderen Diagnosen der ICD-10 II: soziale Funktionseinschränkungen: Kurzfassung der Disability Assessment Scale der WHO: individuelle soziale Kompetenzen berufliche Funktionsfähigkeit familiäre Funktionsfähigkeit soziales Verhalten III: besondere psychosoziale Situation: Entwicklung in der Kindheit Erziehungsprobleme Schwierigkeiten in der sozialen Umwelt besondere berufliche Probleme juristische und andere psychosoziale Schwierigkeiten Familienanamnese psychiatrischer Störungen
- Kategorien der psychischen Störungen nach ICD-10 F0: Organische, einschließlich symptomatischer psychischer Störungen (zerebrale Krankheiten, Hirnverletzungen und -schädigungen mit Hirnfunktionsstörung) F1: Psychische und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen (die verursachende Substanz wird durch zwete bzw. dritte Stelle abgebildet; die klinischen Erscheinungsbilder durch vierte bzw. fünfte Stelle gekennzeichnet) F2: Schizophrenie, schizotype und wahnhafte Störungen F3: Affektive Störungen F4: Neurotische-, Belastungs- und somatoforme Störungen Angststörungen, Reaktionen auf schwere Belastungen Anpassungsstörungen, dissoziative Störungen somatoforme Störungen F5: Verhaltensauffälligkeiten mit körperlichen Störungen oder Faktoren Essstörungen, Schlafstörungen sexuelle Funktionsstörungen F6: Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen spezifische Persönlichkeitsstörungen (paranoid, schizoid, dissozial, emotional-unstabil, impulsiv, histrionisch, ängstlich, anankastisch) abnorme Gewohnheiten und Störungen der Impulskontrolle (Glücksspiel, Pyromanie, Kleptomanie) Störungen der Geschlechtsidentität Störungen der Sexualpräferenz F7: Intelligenzminderung F8: Entwicklungsstörungen Lesen, Schreiben (schulische Fertigkeiten) Motorik tiefgreifende Entwicklungsstörungen (z.B. Autismus) F9: Verhaltens- und emotionale Störungen mit Beginn in der Kindheit und Jugend Hyperkinetische Störungen Ticstörungen Störungen des sozialen Verhaltens emotionale Störungen Enuresis, Enkopresis Stottern F99: Nicht näher bezeichnete psychische Störung
- Vergleich von DSM IV und ICD-10 DSM bezieht sich nur auf psychische Störungen ist von APA herausgegeben genauer, präziser, homogener widerpsiegel mehr den aktuellen Stand empirischer Forschung ist in der Forschung mehr im Einsatz multiaxial ICD-10 umfasst Störungen / Erkrankungen aller Art Ist von WHO herausgegeben Gliederung in 21 Kapitel. Das Kapitel F (psychische Störungen) besteht aus 10 Hauptgruppen aufgrund des übergeordneten Charakters und der Ausrichtung auf alle Krankheiten sind einzelne Diagnosen psychischer Krankheiten anders als in DSM IV konzipiert multiaxiale Kategorisierung wird nur optional in einem getrennen Band angeboten ("Internetional Classification of Functioning, Disablity and Health") einzelne Diagnosen sind nicht so trennschafr operationalisiert als in DSM IV (eine Anpassungsmöglichkeit an den interkulturellen Kontext wird beachtet) ICD-10 ist weniger gut gegliedert, ist wortreicher muss auf eine Vielzahl politischer internationaler Interesser Rücksicht nehmen Wird im Gesundheitswesen als Grundlage für die Abrechnung mit Krankenkassen genutzt Gemeinsamkeiten: Prinzip der operational und deskriptiv definierten Diagnostik Begiff der "Störung“ statt "Krankheit“ Komorbiditäten berücksichtigbar weitgehend aufeinander abgestimmt
- Grundzüge und Beschreibung des DSM IV Das DSM in seiner aktuellen 4. Textrevision (DSM-IV-TR) (erschienen im 1994) beschreibt, definiert und klassifiziert in einem multiaxialen System mehrere hundert Formen psychischer Störungen. Charakteristisch ist eine differenzierte Beschreibung von Symptomen, expliziten diagnostischen Kriterien und Algorithmen sowie Entscheidungsbäumen eine Kurzcharakteristik der bestimmenden Merkmale und Hintergrundinformationen. Die allgemeinen Ziele sind: eine klinische Brauchbarkeit für therapeutische, administrative und Forschungsentscheidungen unabhängig von der theoretischen Orientierung Konsens über den Bedeutungsinhalt der zuvor widersprüchlichen klinischen Begriffe Kompatibilität mit ICD-10 Grundprinzipien: Es ist weiterhin stark einem deskriptiven Ansatz und damit der Ablehnung von nicht hinreichend begründeten ätiologischen Konzeptionen als Einteilungsgrund verpflichtet (weitgehend atheoretisches Vorgehen). Explizite diagnostische Kriterien: genau spezifizierte inhaltliche und zeitliche Kriterien, die zudem durch eine stärkere Betonung offen erfassbarer Verhaltenweisen weitgehend operationalisiert wurden Multiaxialität: klinisch relevante Informationen werden gleichzeitig auf mehreren Dimensionen eingeschätzt. Vorteil: Berücksichtigungen eines breiten Spektrums klinisch relevanter Informationen (u.a. soziale Umgebung, Leistungsbereiche, körperliche Faktoren) Es ist in der psychologischen und neurobiologischen Forschung das Referenzsystem, das auch nahezu allen wissenschaftlichen Studien zugrunde liegt.
- In welchen Bereichen findet eine systematische Beschreibung der psychischen Störungen in DSM IV statt? Systematische Beschreibung (ohne Ätiologie) jeder Störung in folgenden Bereichen: Hauptmerkmale Nebenmerkmale Alter bei Beginn Verlauf Behinderungen Prädisponierende Faktoren Prävalenz Geschlechtsverteilung Familiäre Häufung Differenzialdiagnose Die operationalisierte Diagnose wird ergänzt durch eine für alle Kapitel gleich strukturierte, kommentierte systematische Beschreibung der Kernsymptome und -syndrome, Subtypen und Kodierungsregeln, zugehörigen Merkmale und Störungen (Laborbefunde, körperliche Befunde) sowie Angaben zu besonderen kulturellen, Alters- und Geschlechtsmerkmalen, Angaben zur Prävalenz, des Verlaufs und des familiären Verteilungsmusters jeder Störung.
- Beschreibung der fünf Achsen des DSM IV Achse I: Klinische Störungen Auf dieser Achse, die allgemein als die wesentlichste gilt, werden alle klinisch relevanten Probleme und Störungen einschließlich der spezifischen Entwicklungsstörungen notiert. Außerdem können hier auch andere Zustandsbilder festgehalten werden, die zwar nicht das Ausmaß psychischer Störungen aufweisen, aber dennoch Gegenstand klinischer Aufmerksamkeit sein können. Achse II: Persönlichkeitsstörungen und geistige Behinderung Achse II wurde von der ersten Achse getrennt, um gezielt das Augenmerk auch auf langfristige Störungen zu richten, die hinter den »auffallenderen« Störungen der Achse I sonst häufig verborgen bleiben (wie Persönlichkeitsstörungen) oder die parallel zu den klinischen Syndromen der Achse I vorliegen können (wie geistige Behinderungen). Achse III: Medizinische Krankheitsfaktoren Hier sollen alle bestehenden körperlichen Störungen oder Zustände notiert werden, die für das Verständnis oder die Behandlung des könnten. Diese körperlichen Erkrankungen müssen nicht ätiologische Relevanz für die psychische Störung haben, können aber für das Verständnis der Befindlichkeit oder für den Therapieplan von Bedeutung sein. Achse IV: Psychosoziale und umgebungsbedingte Probleme Auf dieser Achse sollen alle psychosozialen und umgebungsbedingten Probleme erfasst werden, die für Diagnose, Behandlung und Prognose psychischer Störungen (Achsen I und II) von Bedeutung sein können und im Laufe des letzten Jahres vor der augenblicklichen Untersuchung aufgetreten sind. Gemeint sind hier vor allem negative Bedingungen. So genannte positive Stressoren wie etwa eine Beförderung sollten nur dann aufgeführt werden, wenn sie tatsächlich Probleme darstellen oder bewirken. Als beispielhafte Problembereiche werden genannt: familiäre oder zwischenmenschliche Belastungen, unzureichende soziale Netze, Ausbildungs- und Berufsprobleme, instabile Wohnbedingungen, belastende wirtschaftliche Verhältnisse, mangelnde Gesundheitsversorgung Schwierigkeiten mit dem Rechtssystem Achse V: Globale Erfassung des Funktionsniveaus Das globale Funktionsniveau soll hinsichtlich psychischer, sozialer und beruflicher Funktionsbereiche auf einem hypothetischen Kontinuum von psychischer Gesundheit zu Krankheit eingeschätzt werden. Die Ratingskala reicht von 1 bis 100, wobei für jede Zehnerstufe detaillierte Verankerungen angegeben werden. Beurteilt wird in der Regel der gegenwärtige Zustand, ggf. auch das höchste Niveau vergangener Zeitspannen (z. B. vergangenes Jahr).
- Ziele diagnostischer Klassifikationssysteme Nachvollziehbare reliable Ableitung von Diagnosen wissenschaftliche Erforschung psychischer Störungen: Für Zwecke der empirischen Therapieforschung, damit für bestimmte Störungen jeweils maximal effektive Interventionsformen entwickelt werden können wissenschaftliche Untersuchungen zu den Symptomen und Syndromen einschließlich ihrer Differenzierung und Präzisierung interdisziplinäre wissenschaftliche Kommunikation Verknüpfung von Diagnosen mit Interventionsentscheidungen Spezifikation von Kontraindikationen transregionale und internationale Kommunikation auch zwischen verschiedenen Einrichtungen versicherungstechnische Belange. Dies hängt mit Vorgaben von Krankenkassen zusammen, die Behandlungskosten nur dann übernehmen, wenn entsprechend diagnostizierte „psychische Störungen mit Krankheitswert“ vorliegen Qualitätssicherung und Steuerung (z.B. Planung in Krankenhäusern) Lehre, Didaktik Entwicklung der Diagnose- und Screeningverfahren
- Welche drei Grundarten der Klassifikation werden unterschieden? 1. Natürliche Klassifikation: basiert auf einer in der Natur vorgefundenen Ordnung, die auch bei einem Wechsel der Einteilungsprinzipien erhalten bleibt. Ein Beispiel ist das Periodensystem der Elemente in der Chemie, das zunächst intuitiv aufgestellt wurde, aber auch auf der Basis des Atomgewichtes und später noch anderer Gesichtspunkte erhalten blieb. 2. Künstliche Klassifikation verwendet äußere Merkmale zur Einteilung, wobei sich jedoch mit einem Wechsel des Einteilungsprinzipes auch stets das gesamte System verändert (Beispiel: Linnés Einteilung der Pflanzen nach der Zahl der Keimblätter). 3. typologische Klassifikation unterscheidet sich von natürlichen und künstlichen Systemen vor allem dadurch, dass ein Mitglied einer Klasse hier nicht alle, sondern nur ei-nen Teil der für die Klasseneinteilung wichtigen Eigenschaften aufweisen muss. Eine solche Klasse basiert damit auf einem »idealen« Typus, der real durchaus selten oder sogar nie vorkommen kann. Die Mitglieder einer Klasse sind einander ähnlich, aber nicht identisch. Die Klassifikati-on psychischer Störungen ist eine typologische Klassifikation in diesem Sinn.
- Kategorialer vs. dimensionaler Ansatz bei der Klassifikation kategorialer Ansatz = dienen der Abgrenzung einzelner Störungsbilder untereinander und Erleichterung der Verständigung über klinische Sachverhalte. Hier muss eine Diagnose bei einer knappen Nichterfüllung der Kriterien ausgeschlossen werden. dimensionaler Ansatz = geht davon aus, dass sich psychische Störungen und Verhaltensauffälligkeiten nicht eindeutig von »normalem« Verhalten abgrenzen und sich keine eindeutig voneinander unterscheidbaren Klassen definieren lassen. Vielmehr wird angenommen, dass den beobachteten Phänomenen bestimmte Dimensionen zugrunde liegen, auf denen die Beobachtungen kontinuierlich verteilt sind (von unauffällig zu auffällig oder von gesund zu krank). Die feststellbaren Unterschiede sind dabei vor allem quantitativer Natur, so dass es keine klare Trennung zwischen den beiden Polen gibt. Bsp: Beurteilung der Auftretenshäufigkeit und Intensität der Symptome auf den Checklisten. Vorteil: es können auch subklinische Fälle erfasst werden.
- Aufbau und Bedeutung verschiedener Störungsmerkmale für die Klassifikation psychischer Störungen nach DSM IV 1) Hauptmerkmal der Störung 2) Weitere Kriterien zur Beschreibung der Störung Klinische Relevanz: Anzahl der Symptome (z.b. PTBS: 2 von 5 Symptome, die auf erhöhtes Arousal hinweisen) Klinische Relevanz: zeitliche Aspekte (Schlafstörung: mind. 1 Mon. lang) Erstmanifestation der Auffälligkeit (z.B. hyperkinetische Störung des Sozialverhaltens kann nur diagnostiziert werden, wenn Beginn vor dem 7. Lebensjahr) Störungsverlauf (z.B. MDE nur wenn mind. 2 depressive Episoden gegeben sind) 3) Klinisch bedeutsamer Leidentsdruck / Beeinträchtigung 4) Differenzialdiagnostischer Ausschluss geht nicht auf eine andere Störung zurück geht nicht auf eine Substanz oder einen medizinischen Krankheitsfaktor zurück 5) Zuatzkodierungen Schweregrad Früher oder später Beginn Subtypus
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- Was bedeutet multiaxiale Klassifikatioin Multiaxiale Klassifikation oder Beurteilung bedeutet, dass klinisch relevante Informationen gleichzeitig auf mehreren Dimensionen (Achsen) eingeschätzt werden. Neben den psychischen Auffälligkeiten werden unter anderem die körperliche Symptomatik, psychosoziale Stressoren und das Niveau der psychosozialen Anpassung auf separaten Achsen erfasst. Somit vermögen multiaxiale Systeme der Komplexität eines Individuums eher gerecht zu werden. Im Folgenden werden verschiedene multiaxiale Klassifikationssysteme vorgestellt.
